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Gebietsvertregung Arnstadt, Region ThĂŒringen - Hersteller von Rollen, Fördertechnik, Schüttgut, Stückgut - Fördertechnik in ThĂŒringen

Herstellung von Rollen, Fördertechnik, Schüttgut, Stückgut in Arnstadt, ThĂŒringen, Deutschland

Schüttgut, Stückgut und Fördertechnik in Arnstadt

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Förderband, Förderrolle und Fördertechnik in Arnstadt, ThĂŒringen

 

 

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Arnstadt

aus www.fmg-rollen.com, der freien EnzyklopÀdie

Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Arnstadt (BegriffsklĂ€rung) aufgefĂŒhrt.
Wappen Deutschlandkarte
50.83416666666710.946388888889288Koordinaten: 50° 50â€Č N, 10° 57â€Č O
Basisdaten
Bundesland: ThĂŒringen
Landkreis: Ilm-Kreis
Höhe: 288 m ĂŒ. NN
FlĂ€che: 55,29 kmÂČ
Einwohner:

25.000 (31. Dez. 2010)[1]

Bevölkerungsdichte: 452 Einwohner je kmÂČ
Postleitzahl: 99310
Vorwahl: 03628
Kfz-Kennzeichen: IK
GemeindeschlĂŒssel: 16 0 70 004
Stadtgliederung: 5 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Markt 1
99310 Arnstadt
WebprÀsenz: www.arnstadt.de
BĂŒrgermeister: Hans-Christian Köllmer (Pro Arnstadt)
Lage der Stadt Arnstadt im Ilm-Kreis
Über dieses Bild

Arnstadt ist eine Kreisstadt in der Mitte von ThĂŒringen und liegt ca. 20 km sĂŒdlich von Erfurt. Die Stadt fungiert als Mittelzentrum und ist der Verwaltungssitz des Ilm-Kreises.

Mit der urkundlichen ErsterwĂ€hnung im Jahr 704 ist Arnstadt einer der drei Ă€ltesten belegten Orte Deutschlands außerhalb der ehemals römischen Siedlungsgebiete. Bis zum 18. Jahrhundert war Arnstadt eine Residenzstadt der Grafen von Schwarzburg. Arnstadt war die erste WirkungsstĂ€tte von Johann Sebastian Bach und ist die Heimat der ThĂŒringer Bratwurst. Die Stadt besitzt einen gut erhaltenen historischen Stadtkern. Aufgrund der Lage am Nordrand des ThĂŒringer Waldes wird Arnstadt als das „Tor zum ThĂŒringer Wald“ bezeichnet.

Arnstadt ist ein bedeutender Industriestandort und besitzt mit dem verkehrstechnisch gĂŒnstig gelegenen Industriegebiet am Erfurter Kreuz das grĂ¶ĂŸte zusammenhĂ€ngende Industrie- und Gewerbegebiet ThĂŒringens.

Inhaltsverzeichnis

Riedtor (links) und Jacobsturm sind Wahrzeichen von Arnstadt

Arnstadt liegt am SĂŒdrand des ThĂŒringer Beckens auf etwa 300 Meter Höhe und wird von der Gera durchflossen. Das hĂŒgelige Vorland des ThĂŒringer Waldes mit den Reinsbergen und der Alteburg reicht bis an die sĂŒdliche Grenze Arnstadts. Es liegt mitten in einem Gebiet, in dem Keuper großflĂ€chig ausstreicht. Es ist die TypuslokalitĂ€t der Arnstadt-Formation des Mittleren Keupers in der Erdgeschichte.

Der Jahresniederschlag betrĂ€gt 487 mm. Die Niederschlagsmenge liegt im unteren Zwanzigstel der in Deutschland erfassten Werte. Der trockenste Monat ist der Januar, die meisten NiederschlĂ€ge fallen im Juni. Im Juni fallen 2,7-mal mehr NiederschlĂ€ge als im Januar.

Der Stadtkern liegt auf der Westseite der Gera. Er war frĂŒher von einer Stadtmauer umgeben. Mit Einsetzen der Industrialisierung entstanden Wohnviertel im Westen, Industrieanlagen im Norden und Villenviertel im SĂŒden der Stadt. Nach dem Zweiten Weltkrieg dehnte sich die Stadt weiter nach Norden entlang des Geratals aus, neue Wohngebiete entstanden in den 70er- und 80er-Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts, im Osten das Ostviertel und im SĂŒdosten Arnstadts das Wohngebiet Rabenhold.

Nachbargemeinden sind im Uhrzeigersinn, beginnend im Norden: Ichtershausen, Kirchheim, Alkersleben, Dornheim, Wipfratal, Plaue, Gossel, Wachsenburggemeinde.

Rathaus von Arnstadt

Nach § 3 der Hauptsatzung[2] gehören zur Stadt Arnstadt die folgenden vier Ortschaften mit Geltung der Ortschaftsverfassung im Sinne des § 45 ThĂŒringer Kommunalordnung (ThĂŒrKO).

  • Angelhausen/Oberndorf
  • Dosdorf/Espenfeld
  • Rudisleben
  • Siegelbach
Arnstadt um 1650
Arnstadt um 1900
1976: Die Fernverkehrsstraße 4 passiert das Riedtor in Arnstadt.

Am 1. Mai 704 wurden in einer in WĂŒrzburg ausgestellten Schenkungsurkunde des ThĂŒringer Herzogs Hedan II. an den angelsĂ€chsischen Bischof Willibrord von Utrecht die Orte Arnstadt (als Arnestati), MĂŒhlberg und Großmonra erstmals genannt.[3] Diese sind somit die Ă€ltesten urkundlich bezeugten Orte ThĂŒringens und des mittleren und östlichen Deutschlands. Arnstadt wurde deshalb bis 1990 als Ă€lteste Stadt der DDR prĂ€sentiert. ArchĂ€ologische Funde belegen, dass der Ort schon in der Jungsteinzeit ein bevorzugter Siedlungsplatz war.

726 ging Arnstadt an die Abtei Echternach und spĂ€ter durch Tausch an die Abtei Hersfeld ĂŒber. Nach August Beck wurde der Ort von Heinrich I. im Jahre 925 als Bollwerk gegen die einfallenden Ungarn erweitert.[4] Am 17. Dezember 954 hielt König Otto I. in Arnstadt einen Reichstag ab, bei dem er Frieden mit seinem aufstĂ€ndischen Sohn Liudolf von Schwaben schloss und einen anderen Sohn, Wilhelm, zum Erzbischof von Mainz ernannte. Dieser beschloss zugleich die GrĂŒndung der Liebfrauenkirche in Arnstadt.

Im 12. Jahrhundert fiel ein Teil Arnstadts unter die Herrschaft der Grafen von KĂ€fernburg. 1198 versammelten sich die ReichsfĂŒrsten in Arnstadt und wĂ€hlten am 8. MĂ€rz Philipp von Schwaben zum deutschen König. 1220 wurde Arnstadt erstmals als civitas, also als Stadt bezeichnet. Das Stadtrecht wurde dem Ort erst am 21. April 1266 vom Abt der Abtei Hersfeld verliehen.[5] Danach entwickelte sich Arnstadt zum Umschlagplatz fĂŒr Holz, Getreide, Wein und FĂ€rberwaid.

Nach dem Aussterben der KĂ€fernburger 1302 gelangte bis 1306 deren Besitz in Arnstadt an die Grafen von Schwarzburg. Versuche von Erfurter Seite, sich 1342 und 1345 der reichen Stadt zu bemĂ€chtigen, scheiterten an der starken Befestigung. Der Wohlstand grĂŒndete sich auf das MĂŒhlengewerbe, das Tuchmacherhandwerk, auf Gerbereien und den Handel mit Wein und Waid, Holz, Getreide, Wolle und GemĂŒse.

Am 30. Januar 1349 wurde mit Graf GĂŒnther XXI. von Schwarzburg der ArnstĂ€dter Landesherr in Frankfurt am Main zum Gegenkönig Karls IV. gewĂ€hlt und gekrönt. Er entsagte diesem Titel bereits am 26. Mai gegen 20.000 Mark Silber der Krone. 1496 wurde der schwarzburgische Besitz in die Oberherrschaft Arnstadt und die Unterherrschaft Sondershausen geteilt. WĂ€hrend des Deutschen Bauernkrieges wurden am 17. Juni und 2. August 1525 neun beziehungsweise fĂŒnf Teilnehmer am Aufstand als RĂ€delsfĂŒhrer auf dem ArnstĂ€dter Marktplatz enthauptet. Die Stadt musste wegen UnterstĂŒtzung der AufstĂ€ndischen eine „empfindliche Buße“ (3000 Gulden) zahlen. 1531 wurde in Arnstadt die Reformation eingefĂŒhrt. Dabei wurde zunĂ€chst das Benediktiner-Jungfrauenkloster, 1538 auch das BarfĂŒĂŸerkloster sĂ€kularisiert. Die Kirche des BarfĂŒĂŸerklosters wurde ab 1581 als Oberkirche Hauptkirche der Stadt. 1553 begannen die Bauarbeiten an der grĂ€flichen Residenz Schloss Neideck. Das Wasserschloss wurde 1560 fertig gestellt.

In den folgenden 100 Jahren stagnierte die Entwicklung der Stadt: 1581 fielen ĂŒber 380 HĂ€user, darunter das Rathaus, einem Großbrand zum Opfer, die Pest forderte 1582 ĂŒber 1700 und 1625 ĂŒber 1200 Opfer. Auch der DreißigjĂ€hrige Krieg verschonte Arnstadt nicht: Auf 80.000 Gulden belief sich der Gesamtschaden, den durchziehende Einheiten aller Kriegsparteien verursachten. 1670 wurden wiederum 170 HĂ€user im SĂŒdosten der Stadt durch ein weiteres Großfeuer vernichtet.

1703 prĂŒfte der 18-jĂ€hrige Johann Sebastian Bach die neu gebaute Orgel der Neuen Kirche, wurde gleich als Organist eingestellt und wirkte vier Jahre in der Stadt. Wegen eines ZerwĂŒrfnisses mit dem Rat der Stadt wegen nicht genehmigter UrlaubsverlĂ€ngerung und anderer „UnregelmĂ€ĂŸigkeiten“ auch in der musikalischen Arbeit, ĂŒbersiedelte er im Sommer 1707 nach MĂŒhlhausen. Im Oktober des gleichen Jahres heiratete er im drei Kilometer östlich von Arnstadt gelegenen Dornheim seine Cousine Barbara Bach.

Im Jahr 1709 gaben die Grafen von Schwarzburg die bereits 1697 durch Kaiser Leopold I. bewilligte Erhebung in den ReichsfĂŒrstenstand bekannt, die der Herzog von Sachsen-Weimar als ThĂŒringer Landgraf allerdings nicht anerkannte. VorĂŒbergehend wurde Arnstadt von seinen Truppen besetzt, doch konnte sich die Stadt mit der Zahlung von 3500 Talern die Anerkennung erkaufen. FĂŒrstin Auguste Dorothea, die prachtliebende und verschwenderische Frau Anton GĂŒnthers, ließ das Schloss Augustenburg errichten und schuf eine Attraktion, die bis heute in Arnstadt zu bewundern ist: In jahrzehntelanger Arbeit des Hofstaats und der BĂŒrgerschaft entstand Mon plaisir (Mein VergnĂŒgen), eine Puppenstadt in 82 RĂ€umen mit rund 400 Wachsfiguren samt der zugehörigen Ausstattung, die ein detailgetreues Abbild des Lebens einer kleinen Residenzstadt darstellt. Die Ausstellung befindet sich im Neuen Palais, das 1728–1732 als Witwensitz der FĂŒrstin Elisabeth Albertine von Schwarzburg-Sondershausen erbaut wurde. Die ArnstĂ€dter hatten damals freilich nichts von ihrer Mitwirkung als Arbeit und Kosten, die die Stadt weiter verarmen ließen.

12. November 1989: Rund 10.000 ArnstĂ€dter demonstrierten gemeinsam mit ihrem BĂŒrgermeister Bernd Markert (3. v.l.) fĂŒr friedvolle VerĂ€nderungen, verbesserten Umweltschutz und die Zulassung demokratischer Vereinigungen sowie freie Wahlen.

PrĂ€gende Persönlichkeit des ersten Vierteljahrhunderts war Harald Bielfeld (NLP, DDP), (Ober-)bĂŒrgermeister von 1894 bis 1928. Neben seinem Amt als BĂŒrgermeister war er LandtagsprĂ€sident im Landtag des FĂŒrstentum Schwarzburg-Sondershausen und spĂ€ter Minister im neugeschaffenen ThĂŒringen.

Nach dem Thronverzicht des Schwarzburger FĂŒrsten GĂŒnther Victor im November 1918 gehörte Arnstadt zum Freistaat Schwarzburg-Sondershausen, der 1920 im Land ThĂŒringen aufging.

Von 1868 bis 1933 tagte in Arnstadt der akademische ArnstĂ€dter Verband und errichtete 1926 ein Denkmal fĂŒr seine im Ersten Weltkrieg gefallenen Mitglieder auf der Alteburg.

1920 wurde der Landkreis Arnstadt gebildet. Arnstadt war kreisfrei und Sitz der Kreisverwaltung. Noch heute findet man an einigen Ausfallstraßen die alten Grenzsteine zwischen Stadt- und Landkreis Arnstadt.

Auf dem Neuen Friedhof wird mit einem Ehrenhain der sechs Todesopfer aus der Arbeiterklasse gedacht, die von den Nationalsozialisten getötet wurden. In der Pogromnacht 1938 wurde die Synagoge an der Krappgartenstraße niedergebrannt, woran seit 1988 ein Gedenkstein am frĂŒheren Standort erinnert. 30 mĂ€nnliche Juden wurden in das KZ Buchenwald verschleppt. Auf dem Neuen Friedhof am Parkweg erinnert ein Gedenkstein an die ermordeten Juden.

WĂ€hrend des Zweiten Weltkrieges mussten 2.950 Frauen und MĂ€nner vorwiegend aus der Sowjetunion und Polen sowie Kriegsgefangene aus den von Deutschland besetzten LĂ€ndern Zwangsarbeit verrichten: im Polte-Werk 1 und 2, in der Firma Siemens & Halske, in der Eisengießerei Winter, bei der Firma Schmidt & Co. Daimon, im Reparaturwerk Erfurt, in der Aktiengesellschaft fĂŒr Kartonagenindustrie, in der Firma Braunsteinwerke Kunze & Co., in der Fahrzeugfabrik Renger & Co. und in der Bahnmeisterei. Auf dem Neuen Friedhof erinnern 102 Grabsteine an die bei Zwangsarbeit Umgekommenen.[6] Zudem unterhielten die Nationalsozialisten im nahe gelegenen Jonastal ein geheimes Bauvorhaben.

Bei einem Bombenangriff am 6. Februar 1945 wurden unter anderem der Turm der Ruine Neidecksburg und das Rathaus schwer beschÀdigt. Im April 1945 wurden baukulturell wertvolle HÀuser am Marktplatz durch Artillerie-Beschuss zum Teil zerstört oder beschÀdigt. In Mitleidenschaft gezogen wurden auch die Liebfrauenkirche, die Oberkirche, die Gottesackerkirche und der Prinzenhof.[7]

1951 ließ die SED das Denkmal fĂŒr die Dichterin Marlitt auf dem Friedhof entfernen („Predigerin des Untertanengeistes“).

1951 verlor Arnstadt seinen Status als kreisfreie Stadt und wurde in den Landkreis Arnstadt aufgenommen. 1952 wurde der Landkreis durch die Bezirksgrenze Erfurt/Suhl durchschnitten und in die Kreise Arnstadt und Ilmenau aufgeteilt. Erst 1994 wurde mit der Gebietsreform ThĂŒringens der Kreis in seiner ursprĂŒnglichen GrĂ¶ĂŸe wiederhergestellt. Er trĂ€gt fortan den Namen Ilm-Kreis. Arnstadt ist damit seit nunmehr 90 Jahren Sitz der Kreisverwaltung.

1300 Jahre Arnstadt: deutsche Briefmarke von 2004

Arnstadt war frĂŒh an der Friedlichen Revolution 1989/90 beteiligt. Bereits am 30. September folgten 200 BĂŒrger dem maschinengeschriebenen Aufruf von GĂŒnther Sattler zu einer Demonstration auf dem Holzmarkt. Eine Woche spĂ€ter, am 7. Oktober, dem 40. Jahrestag der DDR, beteiligten sich schon wesentlich mehr ArnstĂ€dter an der Protestaktion. Diesmal lösten aber mit KnĂŒppeln bewaffnete Volkspolizei-Einheiten die versammelte Menge auf. An Demonstrationen im November 1989 nahmen etwa 10.000 Menschen teil.

Im Jahr 2004 feierte die Stadt ihre 1.300-jĂ€hrige ErsterwĂ€hnung. Aus diesem Anlass wurde unter anderem ein Neigetechnik-ICE der DB-Baureihe 411 im Hauptbahnhof auf den Namen Arnstadt getauft und eine deutsche Briefmarke herausgegeben. Im gleichen Jahr gewann die Stadt beim Bundeswettbewerb Unsere Stadt blĂŒht auf die Goldmedaille.

2006 wurde wÀhrend des Stadtfestes und des Tages des Offenen Denkmals den ArnstÀdtern erstmals seit 1942 die restaurierte Skulptur des Bismarck-Brunnens von 1909 gezeigt. Diese befindet sich auch 2010 noch in einer Lagerhalle.

Im Jahre 2008 wurde in der ArnstĂ€dter Rosenstraße ein Denkmal mit folgender Inschrift errichtet: „Den Opfern kommunistischer Gewalt 1945–1989“.

Im Ortsteil Rudisleben begannen am 14. August 2009 die Bauarbeiten fĂŒr eine neue Jugendstrafanstalt, die in Form eines Dorfes errichtet wird. Sie soll die JVA Ichtershausen ersetzen, 340 PlĂ€tze bieten und 73 Millionen Euro kosten.

Der ArnstÀdter Ortsteil Siegelbach

Als erster Ortsteil wurde Angelhausen-Oberndorf 1922 eingemeindet. Am 14. April 1994 wurde Siegelbach mit dem am 24. Januar 1974 eingegliederten Espenfeld und dem am 1. August 1975 eingegliederten Dosdorf eingemeindet,[8] am 1. Juli 1999 folgte Rudisleben.[9]

Einwohnerzahlen der Ortsteile (30. Juni 2005):

  • Rudisleben: 1.224
  • Angelhausen-Oberndorf: 1.050
  • Siegelbach: 323
  • Dosdorf: 267
  • Espenfeld: 160
Die Einwohnerentwicklung von Arnstadt
Entwicklung der Einwohnerzahl
1814 bis 1970 1981 bis 2000 2001 bis 2009
  • 1814: 4.169
  • 1890: 12.818
  • 1905: 16.270
  • 1910: 17.841
  • 1925: 21.693
  • 1933: 22.024
  • 1939: 22.617
  • 1946: 27.846[10]
  • 1950: 28.195[11]
  • 1961: 26.400
  • 1970: 28.990[12]
  • 1981: 30.024
  • 1984: 29.851
  • 1985: 29.944
  • 1994: 27.571[13]
  • 1995: 26.944
  • 1996: 26.385
  • 1997: 26.023
  • 1998: 25.865
  • 1999: 27.278
  • 2000: 27.220
  • 2001: 26.848
  • 2002: 26.565
  • 2003: 26.121
  • 2004: 25.926
  • 2005: 25.722
  • 2006: 25.500
  • 2007: 25.256
  • 2008: 25.092
  • 2009: 25.090
Die erfĂŒllende Gemeinde Arnstadt im Ilmkreis

Arnstadt ist erfĂŒllende Gemeinde fĂŒr die Wachsenburggemeinde und Wipfratal. Die Stadtverwaltung betreut damit 30.506 Einwohner (Stand: 31. Dezember 2009).

Der ArnstĂ€dter Stadtrat setzt sich seit der Kommunalwahl 2009 folgendermaßen zusammen:

  • Die Linke: 7 Sitze
  • CDU: 5 Sitze
  • Pro Arnstadt: 9 Sitze
  • SPD: 5 Sitze
  • BĂŒrgerforum Arnstadt – BFA: 2 Sitze
  • FDP: 2 Sitze

(FDP und BFA bilden eine gemeinsame Fraktion)

Blasonierung: „In Gold ein schwarzer, nach rechts blickender rot bewehrter Adler mit gespreizten FlĂŒgeln, aufgesperrtem Schnabel und vorgeschlagener Zunge.“

Flagge der Stadt Arnstadt

Die Flagge der Stadt zeigt waagerecht gestreift die Stadtfarben schwarz-gelb (von oben nach unten) mit Wappen.

  • DubĂ­ (Tschechien)
  • Gurk (Österreich)
  • Kassel (Deutschland)
  • Le Bouscat (Frankreich)
Schlossmuseum Arnstadt
Liebfrauenkirche Arnstadt
Bachkirche Arnstadt
GebÀude der Kreisverwaltung mit Neideckturm im Hintergrund
Bach-Denkmal auf dem Markt

Der Kulturbetrieb der Stadt Arnstadt ist eine stÀdtische Tochtergesellschaft. Als selbststÀndig agierende Einrichtung der Stadt hat sie die Struktur eines kommunalen Eigenbetriebes. In ihm sind sÀmtliche kulturellen Einrichtungen der Stadt, die Stadt- und Kreisbibliothek, die Bachausstellung, das Schlossmuseum, der Tierpark Fasanerie und das Theater im Schlossgarten eingebunden und werden von ihm subventioniert beziehungsweise betrieben.

Das Theater im Schlossgarten entstand im Jahre 1842 durch den Umbau der damaligen fĂŒrstlichen Reitbahn auf Order GĂŒnther Friedrich Carl II. In den folgenden Jahrzehnten durchlebte das Spielhaus zahlreiche Höhen und Tiefen und war von Schließungen bedroht. Das Haus wurde 1995 nach umfangreicher Renovierung und Restaurierung wiedereröffnet. Es wird teils mit eigenem Laienensemble bespielt, grĂ¶ĂŸtenteils jedoch von anderen Theatern.

  • Im Neuen Palais, das 1729 bis 1735 als Witwensitz fĂŒr die FĂŒrstin Elisabeth Albertine von Schwarzburg-Sondershausen errichtet wurde, befindet sich das Schlossmuseum. Die wichtigste Ausstellung ist die einzigartige barocke Puppenstadt Mon plaisir der FĂŒrstin Auguste Dorothea aus der ersten HĂ€lfte des 18. Jahrhunderts. Weiterhin befindet sich hier seit 2009 die Bachausstellung ĂŒber das Wirken Johann Sebastian Bachs und seiner zahlreichen musikalisch tĂ€tigen Verwandten in Arnstadt.
  • Das ehemalige Bahnbetriebswerk am Nordwestrand der Stadt hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Eisenbahnmuseum (Bahnbetriebswerk Arnstadt) gewandelt, in dem sĂ€mtliche Traditionslokomotiven der Deutschen Reichsbahn – Reichsbahndirektion Erfurt zu besichtigen sind. Schwerpunkt sind dabei Dampflokomotiven verschiedener Baureihen.
  • Die Kleine Galerie, LohmĂŒhlenweg 11, stellt Grafiken des ArnstĂ€dter Zeichners Paul Weber aus.
  • Die Kunsthalle, AngelhĂ€user Str. 1, befindet sich in einer ehemaligen Taschenlampenfabrik. Sie ist die grĂ¶ĂŸte Kunsthalle ThĂŒringens und zeigt Wechselausstellungen zeitgenössischer Kunst.
  • Im Ă€ltesten GĂ€rtnerhaus ThĂŒringens im Schlossgarten wird das Stadtmodell Arnstadt um 1740 ausgestellt. Ebenfalls zu besichtigen sind die Ausstellungen zur Geschichte von Schloss Neideck und zur Geschichte der Grafen von KĂ€fernburg-Schwarzburg.
  • Einer der bedeutendsten Sakralbauten des Übergangs von der Romanik zur Gotik im mitteldeutschen Raum ist die Liebfrauenkirche, erbaut von 1180 bis 1330.
  • Bemerkenswert ist die barocke Himmelfahrtskirche auf dem Alten Friedhof mit ihrem oktogonalen Umriss.
  • Sehenswert ist die Schlossruine Neideck mit besteigbarem Schlossturm.
  • Bachkirche, vollstĂ€ndig Johann-Sebastian-Bach-Kirche, ehemals St.-Bonifatius-Kirche, wurde nach dem großen Stadtbrand von 1581 als Neue Kirche wiedererrichtet.
  • Auf der Alteburg steht der 1902 errichtete Alteburgturm (frĂŒher Kaiser-Wilhelm-Turm).
  • BarfĂŒĂŸerkirche (Oberkirche): um 1250, ursprĂŒnglich Kirche des Franziskanerklosters, gotische Hallenkirche, ca. 60 m lang und 11 m breit, Turmanbau zur Stabilisierung der Kirche von 1461, im 17. Jahrhundert umfangreiche VerĂ€nderungen im Inneren, Bildergalerie alttesttamentarischer Szenen auf den Emporen, 1751 neue Orgel von Johann Stephan Schmaltz, dem neu hinzugezogenen BĂŒrger und Orgelbauer aus Wandersleben, lange Zeit Hauptkirche von Arnstadt, wegen starker BauschĂ€den Schließung der Kirche 1977, Dachsanierung und Baukörpersicherung 1991, seitdem eingeschrĂ€nkte Nutzung, seit 2007 auch fĂŒr Konzerte, Kino, MĂ€rkte und Kinderprogramme, 2008 Beginn einer umfangreichen Sanierung von Kirche und Kloster, die bis zum Lutherjahr 2017 abgeschlossen sein soll.[14]

In der zweiten HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts bestimmten zwei Großunternehmen mit jeweils mehreren Tausend BeschĂ€ftigten die entscheidende Rolle in der Wirtschaftsstruktur der Stadt: der VEB Chemieanlagenbau Erfurt-Rudisleben sowie der zum Kombinat RFT gehörende VEB Fernmeldewerk Arnstadt. Diese betrieben eigene KulturhĂ€user in der Stadt, die das kulturelle Leben bestimmten. Nach der Wende ging die Zahl der BeschĂ€ftigten stark zurĂŒck, so dass ihre Bedeutung fĂŒr die Stadt als Arbeitgeber geringer wurde und die KulturhĂ€user nicht mehr wirtschaftlich vertretbar waren. Die heutige Bezeichnung der Betriebe ist Chema Prozess- und Systemtechnik GmbH bzw. Thales Transportation Systems GmbH. Ein Teil des ehemaligen Fernmeldewerkes, das sogenannte Mechanikzentrum, ist seit 2007 ein eigenstĂ€ndiges Unternehmen unter dem Namen Entwicklungs- und Produktionszentrum GmbH (EPZ GmbH).

Stattdessen entstanden im Norden der Stadt einige Gewerbe- und Industriegebiete:

  • Erfurter Kreuz
  • Arnstadt-Rudisleben
  • Ichtershausen-Thörey-Autobahn (GITA)

Zusammen ergeben sie das grĂ¶ĂŸte zusammenhĂ€ngende Industrie- und Gewerbegebiet ThĂŒringens.

Das Erfurter Kreuz ist das grĂ¶ĂŸte Gebiet (400 Hektar) mit der 2008 grĂ¶ĂŸten Entwicklungsdynamik. Das Gebiet Arnstadt-Rudisleben grenzt an das Erfurter Kreuz und weist ebenfalls eine hohe Entwicklungsdynamik auf, ist jedoch schon höher ausgelastet. GITA liegt direkt an der Autobahn und gehört zu der Gemeinde Ichtershausen. Dieses Gebiet ist fast ausgelastet und eine Erweiterung ist in Planung. Das Erfurter Kreuz und das Gebiet Arnstadt-Rudisleben bieten 2008 Platz fĂŒr Sofortinvestitionen.

Mit den neu angesiedelten Unternehmen sowie mit den Traditionsunternehmen sind zahlreiche Firmen in Arnstadt und nÀchster Umgebung ansÀssig.

Seit Ende des 19. Jahrhunderts befand sich im Nordwesten Arnstadts das Stadtgut Kesselbrunn mit einer FlĂ€che von 104 ha, das zur UnterstĂŒtzung der Versorgung der Stadtbevölkerung eingerichtet wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Anwesen ein Volkseigenes Gut, das dann nach den GrundsĂ€tzen der DDR-Landwirtschaft wirtschaftete.[15] Nach 1990 wurde hier eine Werkstatt fĂŒr behinderte Menschen eingerichtet, die 1996 um einen Werkstattneubau ergĂ€nzt wurde. Hier haben knapp 200 Menschen, vorrangig in der Metallbearbeitung, einen Arbeitsplatz.[16]

  • HOLZ-INDUSTRIE, Thomas Gerling, Sonderschalungssysteme, Industrieverpackungen, Kaminholz
  • Thales Transportation Systems GmbH
  • Sunways Production GmbH
  • Bosch Solar Energy AG
  • Masdar PV GmbH (Firmensitz in Ichtershausen)
  • Antec Solar GmbH Solarmodultechnologie (Halbleiterschichtaufbau/DĂŒnnschicht) und Anlagentechnik
  • N3 Engine Overhaul Services GmbH & Co. KG (Lufthansa & Rolls Royce)
  • BorgWarner Transmission Systems Arnstadt GmbH (USA)
  • Gonvauto (Spanien)
  • IHI Charging Systems International (ICSI) GmbH
  • Garant TĂŒren- und Zargen GmbH
  • Bosch Sicherheitssysteme Montage und Service GmbH
  • Avermann Laser- und Kant-Zentrum GmbH
  • Wintersteiger SĂ€gen GmbH (Österreich)
  • Banso SĂ€gen
  • Deutsche Gießerei- und Industrie-Holding AG (Eisenwerk Arnstadt GmbH)
  • ArnstĂ€dter Werkzeug- und Maschinenbau (AWM) AG
  • Schenker Deutschland AG
  • United Parcel Service Deutschland Inc.& Co. OHG
  • Dachser GmbH & Co. KG
  • DHL Deutsche Post
  • SCA Packaging Arnstadt GmbH
  • Carpenter GmbH (USA)
  • Schuite & Schuite Druckfarben GmbH (Niederlande)
  • GetrĂ€nke Fachmarkt Waldhoff GmbH
  • Wolf SĂŒĂŸwaren GmbH
  • frischBack GmbH Arnstadt
  • Sauels Schinken GmbH & Co. KG
  • Die ThĂŒringer Fleisch- und WurstspezialitĂ€ten Rainer Wagner GmbH
  • Arnstadt Kristall GmbH

Durch die umfangreiche Industrieansiedlung sank die Arbeitslosenquote in Arnstadt und Umgebung von etwa 13 Prozent (Stand: Januar 2008) auf 9,4 Prozent (Stand Oktober 2010) und liegt damit leicht unter dem Durchschnitt des Ilmkreises bzw. ThĂŒringer Durchschnitt von 10,3 bzw. 10,4 Prozent.

Anschluss an die Autobahn erhielt Arnstadt bereits 1940 mit der Reichsautobahn, Abfahrt Arnstadt (heute Neudietendorf/Arnstadt-West). Aufgrund der zentralen Lage sĂŒdwestlich vom Erfurter Kreuz (A 4/A 71) wird der Großraum Arnstadt heute durch insgesamt sechs Autobahnanschlussstellen erschlossen (Im Uhrzeigersinn genannt sind das auf der A 4 die Abfahrten Wandersleben, Neudietendorf/Arnstadt-West, Erfurt-West und auf der A 71 die Abfahrten Arnstadt-Nord, Arnstadt-SĂŒd und GrĂ€fenroda). Ein dichtes Netz aus Landes- und Kreisstraßen, das sternförmig zur Kernstadt hin zusammenlĂ€uft, sorgt fĂŒr eine schnelle Erreichbarkeit aus allen Himmelsrichtungen. Der Teil der B 4, der Arnstadt bis 2003 in Nord-SĂŒd-Richtung erschloss, wurde 2003 zwischen den Autobahnanschlussstellen Erfurt West und Ilmenau-West zur Landesstraße 3004 herabgestuft. Deren ĂŒberregionale Funktion ĂŒbernimmt seitdem die A 71. Die noch relativ junge Landesstraße L 1044 von der Autobahnabfahrt Neudietendorf/Arnstadt-West der A 4 bis zur Autobahnabfahrt Arnstadt-Nord der A 71 verbindet das Gewerbegebiet Ichtershausen-Thörey und das Gewerbegebiet Arnstadt-Nord, -Nordost und -Rudisleben und ist damit eine Hauptader im Industriegebiet Erfurter Kreuz.

Arnstadt Hauptbahnhof

Arnstadt erhielt 1867 Bahnanschluss mit der Strecke Dietendorf–Arnstadt. Das heutige Neudietendorf erhielt bereits 1847 Bahnanschluss an die ThĂŒringer Bahn. 1879 wurde die Bahnstrecke ĂŒber Arnstadt hinaus bis nach Ilmenau, 1883 abzweigend in Plaue nach Schweinfurt, sowie in Arnstadt beginnend 1885 nach Ichtershausen und 1895 nach Saalfeld verlĂ€ngert.

Das frĂŒher in Arnstadt bestehende Bahnbetriebswerk ist heute das Museum Bahnbetriebswerk Arnstadt. Der Haltepunkt Arnstadt SĂŒd hieß bis 1912 Bahnhof LĂ€ngwitz. Der Gesamtverkehr auf der Nebenbahn nach Ichtershausen wurde 1966 eingestellt; ein ReststĂŒck der Strecke wird heute als Rangierbezirk des Hauptbahnhofs Arnstadt betrieben. Die Strecke Neudietendorf–Arnstadt Hbf war von 1984 bis 1996 elektrifiziert.

Heute ist der Hauptbahnhof der Kreisstadt Knotenpunkt von drei Regional-Express-Linien (RE 2, 7, 14) und drei Regionalbahn-Linien (RB 23, EB 3, STB 4). Im Taktverkehr bestehen regelmĂ€ĂŸige Direktverbindungen in die Ober- und Mittelzentren Erfurt, Saalfeld/Saale, Suhl, Meiningen, Schweinfurt, WĂŒrzburg und Ilmenau. Am Hauptbahnhof halten werktĂ€glich 103 PersonenzĂŒge, in Arnstadt SĂŒd 49.

Vom regelmĂ€ĂŸigen GĂŒterfernverkehr wird Arnstadt derzeit nicht tangiert. Lokale GĂŒterverladung mit werktĂ€glicher Bedienung durch DB Schenker Rail erfolgt im Hauptbahnhof und in den GleisanschlĂŒssen im einstigen Bahnhof Arnstadt Ost (ehemalige Arnstadt-IchtershĂ€user Eisenbahn), im Eisenwerk sowie am Gleisanschluss zum Industriegebiet Arnstadt-Nord/Erfurter Kreuz, unter anderem zur Bedienung des Flugzeugturbinenwartungswerks N3 und der Firma Gonvauto ThĂŒringen.

Etwa acht Kilometer östlich von Arnstadt befindet sich der Verkehrslandeplatz Arnstadt-Alkersleben, der hauptsĂ€chlich fĂŒr Sport-, Freizeit- und RundflĂŒge sowie von kleinen Chartermaschinen genutzt wird. NĂ€chster internationaler Flughafen ist der Flughafen Erfurt-Weimar, zirka 20 Kilometer nördlich von Arnstadt.

In Arnstadt bestehen vier Grundschulen, zwei Regelschulen und ein Gymnasium. DarĂŒber hinaus gibt es seit 2008 mit der FH KUNST eine private Kunsthochschule in der Stadt.

Das wichtigste Sportereignis in Arnstadt ist der seit 1977 alljĂ€hrlich Ende Januar/Anfang Februar ausgetragene Hochsprung mit Musik, das sich inzwischen zum ersten internationalen KrĂ€ftemessem der weltbesten Hochspringer im jeweiligen Jahr entwickelt hat. So wurde hier im Jahr 2006 durch die Schwedin Kajsa Bergqvist ein Hallenweltrekord erzielt. Im Jahr 2008 gab es sowohl im MĂ€nner- als auch im Frauenwettbewerb Jahresweltbestleistungen. Die Veranstaltung findet in der Sporthalle am im Osten der Stadt gelegenen Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadion statt. Dieses ist auch die HeimstĂ€tte der wichtigsten Fußballmannschaft der Stadt, dem SV 09 Arnstadt, der im Jahr 2009 aus den Vereinen Motor Rudisleben und BC 07 Arnstadt entstand. Motor Rudisleben spielte zwischen 1978 und 1984 in der DDR-Liga, 2008 gelang der Mannschaft der Aufstieg in die Landesliga des ThĂŒringer Fußballverbandes, in der sie seitdem spielt.

Insgesamt gibt es in Arnstadt ĂŒber 60 Sportvereine, die die verschiedensten Sportarten anbieten. GrĂ¶ĂŸter Sportverein der Stadt ist die SG Motor Arnstadt, aus dessen Leichtathletik-Abteilung unter anderen Katrin Schreiter als Mitglied der 4×400-m-Weltmeisterstaffel 1990 hervorging. Die Handballer von Motor Arnstadt spielen in der ThĂŒringer Landesliga.

Weitere wichtige SportstÀtten sind der Sportplatz des ESV Lok Arnstadt, die Reitsportanlage Angelhausen sowie die TennisplÀtze am Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadion.

Zu bekannten ArnstĂ€dter Persönlichkeiten zĂ€hlen die Schriftstellerin Eugenie Marlitt sowie der Graphiker A. Paul Weber und auch Willibald Alexis, Ludwig Bechstein sowie der Komponist Johann Sebastian Bach, der von 1703 bis 1707 als Organist und Kantor der hiesigen Neuen Kirche tĂ€tig war. Mitglieder seiner Familie lebten schon seit Generationen in und um Arnstadt. Auf dem Alten Friedhof sind mehr als 20 Mitglieder der Familie Bach bestattet. Zu Ehren des Johann Sebastian Bachs findet seit 2005 jĂ€hrlich im MĂ€rz das Bach-Festival Arnstadt statt.

  • 1. April 1895: FĂŒrst Otto von Bismarck
  • 9. September 1927: Benjamin Kiesewetter (1853–1934), Landtagsabgeordneter und Gemeideratsvorsteher
  • 1933: Adolf Hitler, Reichskanzler, nach 1945 wieder aberkannt
  • 27. November 1993: Albin Schaedel (1905–1999), GlaskĂŒnstler

Im 16. Jahrhundert geboren

  • GĂŒnther XLI. von Schwarzburg (1529–1583), ab 1552 regierender Graf von Schwarzburg
  • Hieronymus Frobenius (1580–1666), BĂŒrgermeister von Arnstadt

Im 17. Jahrhundert geboren

  • Philipp Ernst Förster (1618–1658), Hofrat der Grafen zu Stolberg-Wernigerode
  • Johann Christoph Bach (1642–1703), Komponist
  • Christian Leonhard Leucht (1645–1716), Jurist
  • Johann Michael Bach (1648–1694), Komponist

Im 18. Jahrhundert geboren

  • August Johann Rösel von Rosenhof (1705–1759), Naturforscher
  • Johann Christian Gottlieb Ernesti (1756–1802), Gelehrter
  • Christian Julius Wilhelm Mosche, (1768–1815), PĂ€dagoge

Im 19. Jahrhundert geboren

  • Friedrich Emmerling (1801–1879), 1857 bis 1871 BĂŒrgermeister von Arnstadt
  • E. Marlitt (1825–1887), Schriftstellerin
  • Hermann Auleb (1832–1911), Richter und Landtagsabgeordneter
  • Reinhold BĂ€rwinkel (1834–1898), LandtagsprĂ€sident
  • Edmund GĂŒnther Böttcher (1836–1929), Landtagsabgeordneter
  • Bernhard Stade (1848–1906), evangelischer Theologe
  • Robert Poseck (1858–1939), Architekt
  • Alfred Ley (1873–1945), Automobilpionier
  • Hermann Schwarzbold (1886–1956), Gewerkschafter, WiderstandskĂ€mpfer gegen den Nationalsozialismus und Kommunalpolitiker (SED)
  • Hermann Steudner (1896–1986), kommunistischer Tischler, OberbĂŒrgermeister von Arnstadt und Oberstleutnant des MfS
  • Andreas Paul Weber (1893–1980), Zeichner
  • Irmgard von Witzleben (1896–1944), KĂŒnstlerin

Im 20. Jahrhundert geboren

  • Otto Knöpfer (1911–1993), Maler
  • Walter Lendrich (1912–1999), Schauspieler
  • Christa Reetz (* 1922), Politikerin (BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen)
  • Rolf Grunert (* 1925), Kriminalist
  • Ekkehard Böhmer (* 1929), Fernsehregisseur
  • Jan Knopf (* 1944), Literaturwissenschaftler
  • Andreas Schmidt-Schaller (* 1945), Schauspieler
  • Katrin Schreiter (* 1969), Leichtathletin
  • Kornelia Greßler (* 1970), Schwimmerin
  • Katrin Weißensee (* 1976), Diplom-Betriebswirtin (FH) und erste PerformancekĂŒnstlerin der Sandanimation
  • Thomas Ziegler (* 1980), Radsportler
  • Marcel Kittel (* 1988), Radsportler
  • Maximilian May (* 1988), Radsportler
  • Sebastian May (* 1988), Radsportler
  • Hedan II., Herzog der ThĂŒringer, schenkte Arnstadt im Jahr 704 dem Bischof Willibrord

Im 16. Jahrhundert geboren

  • Joachim Mörlin (1514–1571), Reformator und Theologe, Superintendent von Arnstadt
  • Nicodemus Lappius (1582–1633), Hofprediger in Arnstadt

Im 17. Jahrhundert geboren

  • Christoph Bach (1613–1661), Musiker, lebte ab 1654 in Arnstadt
  • Johannes Musaeus (1613–1681), evangelischer Theologe, besuchte in Arnstadt das Gymnasium
  • Heinrich Bach (1615–1692), Organist, lebte ab 1641 in Arnstadt
  • Peter Musaeus (1620–1674), evangelischer Theologe, besuchte in Arnstadt das Gymnasium
  • Adam Drese (1620–1701), Komponist, Hofkapellmeister von Arnstadt
  • Johann Ambrosius Bach (1645–1695), Komponist, lebte einige Jahre in Arnstadt
  • Johann Christoph Bach (1645–1693), ab 1671 Hofmusikus in Arnstadt
  • Ludwig GĂŒnther Martini (1647–1719), Jurist und Schriftsteller, lebte zeitweise in Arnstadt
  • Anton GĂŒnther II. von Schwarzburg (1653–1716), ab 1681 Graf von Schwarzburg-Arnstadt
  • Wilhelm Ernst Tentzel (1659–1707), Gelehrter, lebte einige Zeit in Arnstadt
  • Auguste Dorothea von Braunschweig-WolfenbĂŒttel (1666–1751), GrĂŒnderin der Puppensammlung Mon plaisir
  • Christian Friedrich Hunold (1680–1721), Schriftsteller, ging in Arnstadt zur Schule
  • Johann Sebastian Bach (1685–1750), Komponist, lebte von 1703 bis 1707 in Arnstadt
  • Johann Alexander Thiele (1685–1752), Hofmaler in Arnstadt

Im 18. Jahrhundert geboren

  • Johann Friedrich Christoph Ernesti (1705–1758), evangelischer Theologe, ab 1744 in Arnstadt tĂ€tig
  • Johann Stephan Schmaltz (1715–1784), Orgelbauer, lebte und arbeitete ab 1751 in Arnstadt
  • Wilhelm Heinse (1746–1803), Schriftsteller, besuchte in Arnstadt das Gymnasium
  • Johann Samuel Ferdinand Blumröder (1793–1878), evangelischer Theologe, besuchte in Arnstadt das Gymnasium
  • Willibald Alexis (1798–1871), Schriftsteller, lebte ab 1851 in Arnstadt

Im 19. Jahrhundert geboren

  • Eduard Wedekind (1805–1885), Jurist und Politiker, lebte und starb in Arnstadt
  • Emil Palleske (1823–1880), Schauspieler und Schriftsteller, lebte zeitweise in Arnstadt
  • Friedrich Helbig (1832–1896), Jurist, Kreisgerichtsrat von Arnstadt
  • Johann Sperl (1840–1914), Maler, Leiter der Lithografischen Anstalt in Arnstadt
  • Wilhelm Bock (1846–1931), Politiker (SPD), absolvierte seine Berufsausbildung in Arnstadt
  • Karl Wilhelm Julius Hugo Riemann (1849–1919), Musiktheoretiker, Musikhistoriker, MusikpĂ€dagoge und Musiklexikograph, besuchte das Gymnasium in Sondershausen und Arnstadt, hat in Arnstadt ReifeprĂŒfung abgelegt
  • Wilhelm Kammeier (1889–1959), Schriftsteller, lebte nach dem Zweiten Weltkrieg in Arnstadt, wo er auch starb
  • Bruno Bieligk (1889–1969), Politiker (SPD), zwischen 1919 und 1933 Landrat von Arnstadt
  • Ernst Sorge (1899–1946), Geograph, Polarforscher und Lehrer, starb in Arnstadt

Im 20. Jahrhundert geboren

  • Herbert Heinicke (1905–1988), Schachspieler, wuchs in Arnstadt auf
  • GĂŒnter Rexrodt (1941–2004), Politiker (FDP), wuchs in Arnstadt auf
  • Joachim Krauledat (* 1944), SĂ€nger der Band Steppenwolf, verbrachte nach der Flucht aus Ostpreußen seine frĂŒheste Kindheit in Arnstadt
  • Rudolf Fischer (1910–1971), Sprachwissenschaftler, lebte und arbeitete nach dem Zweiten Weltkrieg in Arnstadt
  • Janny Dittrich/Andrea Kirchschlager: Arnstadt 1949 bis 1989. Sutton Verlag, Erfurt 2007, ISBN 978-3-86680-090-8
  • Andrea Kirchschlager, Ulrich Lappe, Peter Unger (Hrsg.): Chronik von Arnstadt. Zeittafel/Lexikon. Kirchschlager, Arnstadt 2003.
  • Jan Schönfelder: Der Mut der Einzelnen. Die Revolution in Arnstadt 1989. Jena 2009
  1. ↑ ThĂŒringer Landesamt fĂŒr Statistik – Bevölkerung nach Gemeinden, erfĂŒllenden Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften (Hilfe dazu)
  2. ↑ [ Hauptsatzung der Stadt Arnstadt]
  3. ↑ Georg Heinrich Pertz u. a. (Hrsg.): Scriptores (in Folio) 23: Chronica aevi Suevici. Hannover 1874, S. 55–56 (Monumenta Germaniae Historica, Digitalisat)
  4. ↑ Dr. August Beck: Geschichte des gothaischen Landes, Band I, Gotha, 1868, S. 31.
  5. ↑ Heinrich Gottfried Gengler: Regesten und Urkunden zur Rechts- und Verfassungsgeschichte der deutschen StĂ€dte im Mittelalter, Erlangen 1863, S. 57–59.
  6. ISBN 3-88864-343-0, S. 137ff.
  7. ↑ Rudolf Zießler: Arnstadt In: Götz Eckardt (Hrsg.): Schicksale deutscher Baudenkmale im Zweiten Weltkrieg. Henschel-Verlag, Berlin 1978, Band 2, S. 467.
  8. ISBN 3-8246-0321-7
  9. ↑ StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1999
  10. ↑ 29. Oktober
  11. ↑ 31. August
  12. ↑ ab 1970: 31. Dezember
  13. ↑ Datenquelle ab 1994: ThĂŒringer Landesamt fĂŒr Statistik
  14. ↑ Website der Stadt Arnstadt
  15. ↑ JĂŒrgen Gruhle: Schwarzbuch der Bodenreform. E-Book, 2011
  16. ↑ Homepage der Werkstatt am Kesselbrunn
  17. ↑ Karl Rudolf von Jacobi: Schneidewein, Heinrich und Johannes. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 32, Duncker & Humblot, Leipzig 1891, S. 144–149.


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ThĂŒringen

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Freistaat ThĂŒringen
Über dieses Bild
Flagge
Wappen
Landeshauptstadt: Erfurt
FlĂ€che: 16.172,50 kmÂČ
Einwohnerzahl: 2,224 Mio.(31. Oktober 2011)[1]
Bevölkerungsdichte: 138 Einwohner pro kmÂČ
Arbeitslosenquote: 9,2 % (MĂ€rz 2012)[2]
GrĂŒndung: 3. Oktober 1990
Schulden: 16,2 Mrd. EUR (Mai 2011)[3]
ISO 3166-2: DE-TH
Kontakt:
Website: www.thueringen.de
Politik:
MinisterprÀsidentin: Christine Lieberknecht (CDU)
Regierende Parteien: CDU und SPD
Sitzverteilung im Landtag: CDU 30
Die Linke 26
SPD 19
FDP 7
B’90/GrĂŒne 6
Letzte Wahl: 30. August 2009
NĂ€chste Wahl: voraussichtlich 2014
Parlamentarische Vertretung:
Stimmen im Bundesrat: 4
St. Marienkirche in Gera Untermhaus
Erfurt, Dom und Severikirche
Leuchtenburg

Der Freistaat ThĂŒringen (AbkĂŒrzung TH) ist ein Land der Bundesrepublik Deutschland. Mit rund 2,2 Millionen Einwohnern und einer FlĂ€che von rund 16.000 Quadratkilometern gehört es zu den kleineren LĂ€ndern der Bundesrepublik. Auch die Bevölkerungsdichte liegt etwas unter dem Bundesdurchschnitt. Landeshauptstadt und zugleich grĂ¶ĂŸte Stadt ist Erfurt, wĂ€hrend mit Jena noch eine weitere Großstadt in ThĂŒringen liegt. Als Binnenstaat grenzt es weder ans Meer noch ans Ausland. NachbarlĂ€nder sind Sachsen im Osten und SĂŒdosten, Sachsen-Anhalt im Norden und Nordosten, Niedersachsen im Nordwesten, Hessen im Westen sowie Bayern im SĂŒden. Mehrere Orte im Nordwesten des Landes nehmen fĂŒr sich in Anspruch, der exakte Mittelpunkt Deutschlands zu sein.

Der Name ThĂŒringen tritt als Gebietsbezeichnung seit dem ThĂŒringerreich im frĂŒhen 6. Jahrhundert auf. Danach bildete ThĂŒringen kein zusammenhĂ€ngendes Herrschaftsgebiet mehr, wenngleich es den Landgrafen von ThĂŒringen fĂŒr relativ kurze Zeit gelang, große Teile der Region zu kontrollieren. Dennoch blieb der Name fĂŒr die Landschaft erhalten und wurde 1920 aufgegriffen, als sich sieben Freistaaten zum Land ThĂŒringen vereinigten. Ehemals preußische Gebiete wie Erfurt und NordthĂŒringen kamen 1945 hinzu. Nach der Auflösung der LĂ€nder in der DDR 1952 wurde es erst 1990 aus den drei Bezirken Erfurt, Gera und Suhl sowie einigen angrenzenden Gebieten wiedergegrĂŒndet und ist heute in 17 Landkreise sowie sechs kreisfreie StĂ€dte gegliedert. Seit 1993 trĂ€gt ThĂŒringen wie Bayern und Sachsen offiziell den Namenszusatz Freistaat.

Die Wirtschaft ThĂŒringens konnte sich nach dem Umbruch im Zuge der Wiedervereinigung in der Zeit nach der Jahrtausendwende stabilisieren, sodass die Arbeitslosenquote nur noch etwa zwei Prozentpunkte ĂŒber dem Bundesdurchschnitt liegt. Dennoch blieben strukturelle Defizite bestehen, die beispielsweise fĂŒr im Bundesvergleich geringe Löhne sorgen. Zentrum von Bildung und Forschung im Freistaat ist Jena mit der viertgrĂ¶ĂŸten UniversitĂ€t der neuen BundeslĂ€nder.

ThĂŒringen weist eine hohe Dichte an KulturstĂ€tten von nationalem und internationalem Rang auf. Zum UNESCO-Welterbe gehören das klassische Weimar, das Bauhaus in Weimar und die Wartburg bei Eisenach. Auch die Landeshauptstadt weist mit dem Dom, der KrĂ€merbrĂŒcke und der Ă€ltesten erhaltenen Synagoge Mitteleuropas bedeutende kulturhistorische StĂ€tten auf.

Inhaltsverzeichnis

Im ThĂŒringer Becken bei MĂŒhlberg

ThĂŒringen liegt in der Mitte Deutschlands und grenzt an die LĂ€nder Hessen (LĂ€nge der Grenze 270 km), Bayern (381 km), Sachsen (265 km), Sachsen-Anhalt (296 km) und Niedersachsen (112 km). Der Freistaat ThĂŒringen gehört wie auch Sachsen und Teile Sachsen-Anhalts zur Region Mitteldeutschland. Als Ergebnis einer satellitengestĂŒtzten Landesvermessung 2007/2008 wurde der Mittelpunkt ThĂŒringens auf dem Gebiet der Gemeinde Rockhausen im Ilm-Kreis bei den Koordinaten 50° 54â€Č 12″ N, 11° 1â€Č 35″ O50.90333333333311.026388888889 etwa acht Kilometer sĂŒdlich des Erfurter Doms ermittelt.[4]

Die Landschaft in ThĂŒringen ist sehr unterschiedlich. Im Ă€ußersten Norden befindet sich der Harz. In sĂŒdöstlicher Richtung schließt sich ein als Goldene Aue bezeichnetes Gebiet an, mit dem fruchtbaren Tal des Flusses Helme. Im Nordwesten befindet sich das Eichsfeld, eine teilweise bewaldete HĂŒgellandschaft.

In der Mitte des Landes liegt das flache, sehr fruchtbare ThĂŒringer Becken. Diese Region zĂ€hlt zu den Ă€ltesten Kulturlandschaften Deutschlands. Erste OrtsgrĂŒndungen sind hier bereits seit dem Jahr 704 belegt. Das ThĂŒringer Becken wird von verschiedenen kleinen HöhenzĂŒgen umringt, so der DĂŒn im Nordwesten, die Hainleite und die unmittelbar nördlich davon gelegene Windleite sowie der KyffhĂ€user im Norden, SchmĂŒcke, Hohe Schrecke und Finne im Nordosten, dem Ettersberg im SĂŒdosten, der Fahner Höhe im SĂŒden und dem Hainich im Westen. Der Nationalpark Hainich ist der einzige Nationalpark des Landes.

SĂŒdlich des ThĂŒringer Beckens befindet sich das hĂŒgelige Vorland des ThĂŒringer Waldes, schließlich der ThĂŒringer Wald selbst, als grĂ¶ĂŸtes Gebirge im Land. Östlich geht der Wald nahtlos ins ThĂŒringer Schiefergebirge ĂŒber, welches wiederum sĂŒdöstlich in den Frankenwald ĂŒbergeht, der jedoch nur zu kleinsten Teilen in ThĂŒringen liegt. Diese Mittelgebirgskette wird vom Rennsteig, dem Kammweg, durchzogen. Er stellt die Wasserscheide zwischen Elbe im Norden und Weser beziehungsweise Rhein im SĂŒden dar. Östlich von Wald und Becken verlĂ€uft das Saaletal. Jenseits der Saale liegt im Norden das ThĂŒringer Holzland, im SĂŒden das Vogtland und im Osten das Osterland. Im Gegensatz zu den erstgenannten ist das Osterland um Altenburg wenig bewaldet und sehr fruchtbar.

SĂŒdwestlich des ThĂŒringer Waldes liegt das Werratal, gefolgt von der Rhön im Westen und dem Grabfeld im SĂŒden.

Die wichtigsten FlĂŒsse des Landes sind die Werra im Westen und die Saale im Osten. GrĂ¶ĂŸere ZuflĂŒsse der Saale sind die Unstrut (mit Gera), die Ilm und die Weiße Elster. Im Nordwesten des Landes entspringt die Leine.

Die höchste Erhebung im Land ist der Große Beerberg im ThĂŒringer Wald mit 983 Metern Höhe. Weitere hohe Berge sind der Schneekopf (978 m), der Große Finsterberg (944 m) und der Große Inselsberg (916 m). Niedrigste Punkte sind das Unstruttal zwischen Wiehe und Roßleben (114 m), das Saaletal bei Großheringen (120 m), das Werratal bei Lindewerra (145 m) und das Pleißetal bei Treben (150 m).

ThĂŒringen liegt in der gemĂ€ĂŸigten Klimazone Mitteleuropas bei vorherrschender Westwindströmung. Da zwischen den westlichen Meeren und dem Freistaat bereits einige schĂŒtzende Mittelgebirge liegen, ist das Klima in ThĂŒringen kontinentaler geprĂ€gt als im Westen und Norden Deutschlands. Dies zeigt sich vor allem durch kĂ€ltere Winter und trockenere Sommer als in anderen Teilen der Bundesrepublik.

Innerhalb ThĂŒringens gibt es sehr große klimatische Unterschiede. BegĂŒnstigt ist vor allem das ThĂŒringer Becken in der Landesmitte. Es ist von Gebirgen umgeben, sodass dort die geringsten Niederschlagsmengen Deutschlands fallen. Den Rekord hĂ€lt Straußfurt mit 242 Millimeter Jahresniederschlag im Jahr 1911.[5] Normal sind im ThĂŒringer Becken 400 bis 500 Millimeter Jahresniederschlag bei einer Jahresmitteltemperatur von 8,5 Grad Celsius (1961–1990 an der Wetterstation Artern). Die HĂŒgelzonen im Land liegen klimatisch etwa im deutschen Durchschnitt. So fallen in Gera 624 Millimeter Niederschlag bei einer Temperatur von 7,8 Grad Celsius. Ein ungĂŒnstiges Klima weisen in ThĂŒringen die Gebirgszonen auf. So werden auf der SchmĂŒcke im Schnitt 1289 Millimeter Jahresniederschlag bei einer Temperatur von 4,4 Grad Celsius gemessen. Hier liegt die Januar-Temperatur bei −4 Grad Celsius und die Juli-Temperatur bei 12,8 Grad Celsius. In Artern am Nordrand des ThĂŒringer Beckens liegen die Werte dieser Monate bei −0,7 Grad Celsius und 17,6 Grad Celsius.

Die geologische Situation in ThĂŒringen ist gekennzeichnet durch eine große Vielfalt geologischer Formationen. An der OberflĂ€che beziehungsweise den bodennahen Bereichen lassen sich in den verschiedenen Regionen des Landes fast alle Schichten des Phanerozoikums, das heißt der letzten 500 Millionen Jahre, nachweisen.[6]

Bezogen auf die Entstehungsgeschichte wird ThĂŒringen in vier so genannte Strukturstockwerke gegliedert, die nach ihrem Alter geordnet in den jeweiligen Regionen dominierend auftreten:[7]

  • das hercynisch ausgerichtete Grundgebirgsstockwerk im ThĂŒringer Schiefergebirge
  • das zum Saxothuringikum gehörende Übergangs- beziehungsweise Molassestockwerk im ThĂŒringer Wald
  • das Tafeldeckgebirgsstockwerk im ThĂŒringer Becken und im SĂŒdwestthĂŒringischen Triasgebiet

WĂ€hrend die geomorphologische Gestalt ThĂŒringens im SĂŒden und Westen fast ausschließlich durch tektonische VorgĂ€nge und Erosion durch NiederschlĂ€ge bestimmt ist, kam es vor etwa 70.000 Jahren im Norden und Osten zu einer Überformung dieser Strukturen durch die Elsterkaltzeit. DemgemĂ€ĂŸ erfolgt eine Aufteilung des Landes aus geomorphologischer Sicht in fĂŒnf Ă€ußerlich abgrenzbare Gebiete:

Steinbruch bei Haarhausen im Bereich der Eichenberg–Gotha–Saalfelder Störungszone mit deutlich sichtbarer Gesteinsfaltung
  • das ThĂŒringer Gebirge, bestehend aus ThĂŒringer Wald und ThĂŒringer Schiefergebirge
  • die Zechstein- und Trias-Landschaften des ThĂŒringer Beckens und SĂŒdthĂŒringens
  • die sĂŒdthĂŒringischen Vulkanitgebiete
  • der KyffhĂ€user und der thĂŒringische Anteil des Harzes
  • das Altenburg-Meuselwitzer Gebiet, das durch Braunkohletagebau und Überreste des in der zweiten HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts erfolgten Uranbergbaus gekennzeichnet ist.

Innerhalb der Zechstein- und Triaslandschaften prĂ€gen neben flachen Gebieten zahlreiche Störungen das Landschaftsbild, von denen die Eichenberg–Gotha–Saalfelder Störungszone, die das ThĂŒringer-Wald-Vorland vom ThĂŒringer Becken abgrenzt, die lĂ€ngste und auffĂ€lligste ist. Im Zechsteingebiet im Bereich von Werra und Wipper finden sich grĂ¶ĂŸere Salzvorkommen, die besonders im 20. Jahrhundert abgebaut wurden. Im Buntsandsteingebiet des Saaletales bei Jena sind zahlreiche geologische PhĂ€nomene zu beobachten.

Ausgehend von der im spĂ€ten Mittelalter vor allem in Bereich des ThĂŒringer Gebirges beginnenden Gewinnung von BodenschĂ€tzen wie Eisenerz, Kupferschiefer oder Gold entwickelte sich in der Region bereits im 16. Jahrhundert eine theoretische Verarbeitung praktisch-geowissenschaftlicher Erkenntnisse. Im Jahr 1796 entstand mit der SocietĂ€t fĂŒr die gesamte Mineralogie zu Jena die erste geowissenschaftliche Vereinigung ĂŒberhaupt. Sie entstand auf Anregung Goethes, der von 1803 bis 1830 ihr PrĂ€sident war.

Auf Grund anhaltender tektonischer VorgĂ€nge kommt es im SĂŒdosten ThĂŒringens gelegentlich zu kleineren Erdbeben. Diese werden seit Anfang des 20. Jahrhunderts von der UniversitĂ€t Jena beobachtet. Heute befindet sich im Osten des ThĂŒringer Schiefergebirges das Geodynamische Observatorium Moxa der Friedrich-Schiller-UniversitĂ€t Jena sowie das Zentrum fĂŒr die Ingenieuranalyse von ErdbebenschĂ€den der Bauhaus-UniversitĂ€t Weimar zur Untersuchung und Bewertung möglicher Folgen von Erdbeben nicht nur in diesem Gebiet.

Fichtenwald am Schneekopf
BuchenwÀlder im Hainich gehören zum Weltnaturerbe
Rhönschaf

Durch den vielgestaltigen geologischen Untergrund und dem Einfluss der Mittelgebirge auf das Lokalklima kann in ThĂŒringen eine Vielzahl von Pflanzenarten mit unterschiedlichen ökologischen AnsprĂŒchen wachsen. Eine NaturrĂ€umliche Gliederung ThĂŒringens unterscheidet die sieben Naturraumtypen Mittelgebirge, Buntsandstein-HĂŒgellĂ€nder, Muschelkalk-HĂŒgellĂ€nder, Basaltkuppenland, AckerhĂŒgellĂ€nder, Auen und Niederungen sowie ZechsteingĂŒrtel an GebirgsrĂ€ndern. Innerhalb dieser Naturraumtypen werden 38 einzelne NaturrĂ€ume unterschieden, der Naturraum ThĂŒringer Gebirge wird zudem in acht Untereinheiten gegliedert.[8]

Die Potenzielle natĂŒrliche Vegetation ThĂŒringens besteht aus WĂ€ldern, die je nach StandortverhĂ€ltnissen in verschiedene Typen unterschieden werden könnten. Am weitesten verbreitet wĂ€ren von der Rotbuche (Fagus sylvatica) dominierte BuchenwĂ€lder, dabei vor allem Hainsimsen-, Waldmeister-, Waldgersten- und Orchideen-BuchenwĂ€lder. Nur wo die Standortbedingungen weniger ideal sind, könnten auch andere Baumarten dominieren. So wĂ€ren in den trockenwarmen, kontinental geprĂ€gten Gebieten des zentralen ThĂŒringer Beckens die Traubeneiche (Quercus petraea), Stieleiche (Quercus robur), Hainbuche (Carpinus betulus) und die Winter-Linde (Tilia cordata) hĂ€ufiger zu finden. In den Mittelgebirgen hingegen wĂ€ren neben der Rotbuche der Bergahorn (Acer pseudoplatanus), die Gemeine Fichte (Picea abies) und die heute seltene Weißtanne (Abies alba) zu finden. Nur in den höchsten Lagen des ThĂŒringer Waldes und des ThĂŒringer Schiefergebirges wĂ€ren Fichten-BuchenwĂ€lder zu finden.[8]

Die aktuelle Flora und Fauna sind der deutschen Kulturlandschaft angepasst. Durch die Nutzung des Menschen besteht die Vegetation vor allem aus WĂ€ldern, GrĂŒnland, Äckern, Siedlungen und GewĂ€ssern. Etwa ein Drittel der LandesflĂ€che ist von Wald bedeckt. ThĂŒringen zĂ€hlt damit zu den waldreichen BundeslĂ€ndern. Davon sind jedoch nur 30 % naturnaher Laubwald. PrĂ€gend sind vor allem Nadelholzforste, die Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts angelegt wurden. Die Landesforstverwaltung ist jedoch bestrebt, den Laubholzanteil wieder zu erhöhen.[8] Nachdem der Orkan Kyrill im Januar 2007 vor allem im ThĂŒringer Wald massive SchĂ€den anrichtete, wurde bei der Aufforstung teilweise wieder auf den heimischen Buchen-Eichen-Mischwald anstelle von Fichten-Monokulturen zurĂŒckgegriffen. Hauptbaumarten in ThĂŒringen sind Fichte mit 42,6 %, Rotbuche mit 20,1 % und Waldkiefer mit 15,7 %. Die WĂ€lder sind jedoch nicht homogen zusammengesetzte MischwĂ€lder. Den Standorten entsprechend sind die Mittelgebirgslagen des Mittleren und Östlichen ThĂŒringer Waldes, des ThĂŒringischen Schiefergebirges und des Harzes ĂŒberwiegend mit Fichte bestockt. Kiefernforste sind in den BuntsandsteinlĂ€ndern, so im Holzland, verbreitet. In den Muschelkalkgebieten, darunter im Hainich, im DĂŒn und in der Hainleite, aber auch im nordwestlichen ThĂŒringer Wald dominieren BuchenwĂ€lder.

Das GrĂŒnland ist vor allem durch Trocken- und Halbtrockenrasen geprĂ€gt, artenreiche Frischwiesen in den HĂŒgellĂ€ndern sind stark zurĂŒckgegangen. Ein großer Anteil frischer und feuchter Wiesen wird als Rinderweide genutzt.[8]

Die Wildkatze (Felis silvestris) hat im Nationalpark Hainich ein Refugium gefunden und durch den Harz im Norden des Landes streift wieder der Luchs (Lynx lynx). In den Naturschutzgebieten des Landes bestehen Vorkommen selten gewordener Vogelarten, unter anderem des Birkhuhns (Lyrurus tetrix oder Tetrao tetrix), des Schwarzstorchs (Ciconia nigra) und des Wachtelkönigs (Crex crex).[9] Haustierarten, die an das Leben im Land angepasst sind, sind beispielsweise die seit Jahrhunderten gezĂŒchtete ThĂŒringer Waldziege oder das Rhönschaf.

Bedingt durch den Industrieschmutz, der zwischen 1850 und 1990 ausgestoßen wurde, waren Teile ThĂŒringens am Ende dieser Periode stark geschĂ€digt. Seitdem konnten diese SchĂ€den teilweise abgemildert werden. So wurde im Rahmen der Bundesgartenschau 2007 in Gera und Ronneburg der ehemalige Uran-Tagebau in Ronneburg saniert und versiegelt; es entstand die Neue Landschaft Ronneburg. Eine weitere Altlast ist der Teersee in Rositz bei Altenburg, von dem eine enorm hohe GefĂ€hrdung der Umwelt ausgeht. Insgesamt hat die Belastung der Luft und der GewĂ€sser jedoch erheblich abgenommen, einzig die Werra ist - bedingt durch den hessischen Kali-Abbau - unterhalb von Dorndorf noch derart versalzen (der Salzgehalt entspricht vielerorts dem der Ostsee), dass viele Pflanzen und Tiere nicht ĂŒberleben können. Zu Pfingsten 2007 erhielt der Konzern Kali und Salz AG eine Genehmigung, Salz aus einer Halde in Neuhof bei Fulda bis zur Ausreizung des Grenzwertes in die Werra zu leiten. Die Salzkonzentration der Werra und der anschließenden Weser war zu DDR-Zeiten noch deutlich höher als heute.

Als bedeutende Naturschutzgebiete bestehen in ThĂŒringen der Nationalpark Hainich, die BiosphĂ€renreservate Rhön und Vessertal-ThĂŒringer Wald sowie die Naturparks Eichsfeld-Hainich-Werratal, KyffhĂ€user, ThĂŒringer Schiefergebirge/Obere Saale und ThĂŒringer Wald. Zentrale Bereiche des Nationalparks Hainich zĂ€hlen seit ihrer Anerkennung durch das WelterbekommitĂ©e am 25. Juni 2011 zu den 36 WelterbestĂ€tten Deutschlands.

Bevölkerungsdichte ThĂŒringens nach Gemeinden

Der ĂŒberwiegende Teil der 2,2 Millionen Einwohner ThĂŒringens sind ethnische Deutsche. Angestammte Minderheiten wie etwa die Sorben in Brandenburg und Sachsen gibt es im Land nicht. Die Bevölkerung lĂ€sst sich unter BerĂŒcksichtigung der Sprache in drei Gruppen unterteilen. Als ThĂŒringer bezeichnet werden Sprecher der ThĂŒringisch-ObersĂ€chsischen Dialektgruppe, die nördlich des Rennsteiges leben. Zu dieser Gruppe gehört auch der SĂŒden Sachsen-Anhalts (Landkreis Mansfeld-SĂŒdharz, Saalekreis, Burgenlandkreis und die Stadt Halle). Werra und Leine im Nordwesten, der Harz im Norden und die Weiße Elster im Osten grenzen diesen Siedlungsraum ab. Sprecher der ostfrĂ€nkischen Dialekte leben sĂŒdlich des Rennsteigs und sind kulturell eher an der Region Franken orientiert. Die dritte Gruppe sind die Sprecher niederdeutscher Dialekte, die vor allem im nördlichen Teil des Landkreis Eichsfeld im Norden ThĂŒringens leben. Gegenden mit starker RegionalidentitĂ€t sind das Eichsfeld im Nordwesten und das Vogtland im SĂŒdosten.

Neben diesen drei Gruppen leben im Land etwa 49.000 (2,2 %) AuslĂ€nder (laut TLS[10]). GemĂ€ĂŸ Statistischem Bundesamt (AuslĂ€nderzentralregister) waren es 2009 jedoch nur etwa 34.000 Personen. Die bedeutendsten HerkunftslĂ€nder sind hierbei: Vietnam (3085 Personen), Russland (3070), Ukraine (2105), TĂŒrkei (1863), Polen (1792), Volksrepublik China (1312), Aserbaidschan (939), Ungarn (939), Italien (872) und Kasachstan (745).[11] Verglichen mit Gesamtdeutschland ergeben sich hier erhebliche Abweichungen. So sind Menschen aus „traditionellen“ (westdeutschen) EinwandererlĂ€ndern wie Italien, Griechenland, der TĂŒrkei oder Jugoslawien unterdurchschnittlich oft vertreten. Überdurchschnittlich vertreten sind hingegen OsteuropĂ€er und vor allem die teils schon zu DDR-Zeiten als ArbeitskrĂ€fte zugewanderten Vietnamesen.

In Bezug auf die Bevölkerungsdichte liegt ThĂŒringen hinter Sachsen an zweiter Stelle unter den fĂŒnf neuen LĂ€ndern, trotzdem ist die Bevölkerungsdichte inzwischen geringer als die sĂ€mtlicher "alter" LĂ€nder, wĂ€hrend ThĂŒringen vor dem Zweiten Weltkrieg noch zu den dichter besiedelten Regionen Deutschlands zĂ€hlte. An der ThĂŒringer StĂ€dtekette, die sich quer durch die Mitte des Landes zieht, ist die Bevölkerungsdichte am grĂ¶ĂŸten, wobei sieben der zehn grĂ¶ĂŸten StĂ€dte ThĂŒringens an dieser Linie liegen. Höher ist die Bevölkerungsdichte auch am nördlichen und sĂŒdlichen Rand des ThĂŒringer Waldes bzw. Schiefergebirges, entlang der Verbindung von Halle nach Kassel im Norden sowie in den TĂ€lern von Saale, Werra und Unstrut. DĂŒnner besiedelt sind das Gebiet zwischen Werra und Landesgrenze im SĂŒden, das Gebiet um die Saalestauseen im SĂŒdosten, das Holzland zwischen Roda- und Orlatal sowie der Norden des ThĂŒringer Beckens. Siedlungsgeografisch dominieren westlich der Saale im Flachland große, hĂ€ufig in sich strukturierte Dörfer mit zahlreichen Gehöften und recht großen Ortsfluren wie Herbsleben, wĂ€hrend in den Gebieten östlich der Saale, die nicht zum deutschen Altsiedelland gehörten, die Orte meist nur aus wenigen Gehöften bestehen wie Gieba. DafĂŒr ist die Ortsdichte dort jedoch wesentlich höher. So kommen bei Ă€hnlicher Gesamtbevölkerungsdichte im Landkreis Gotha in der westlichen Landesmitte auf einen Ort jeweils etwa zehn Quadratkilometer FlĂ€che, wĂ€hrend es im Altenburger Land im Osten nur etwa zwei Quadratkilometer sind. In den Waldgebieten sind uneinheitliche Siedlungsstrukturen vorzufinden, dort gibt es sowohl zu StĂ€dten herangewachsene „Industriedörfer“ wie Zella-Mehlis oder Lauscha als auch nur aus wenigen HĂ€usern bestehende Orte wie Allzunah. Insgesamt gibt es, je nach der Definition von Ort, zwischen 2500 und 3000 Orte im Freistaat, unter ihnen verfĂŒgen gegenwĂ€rtig 126 ĂŒber Stadtrechte. Dazu kommen rund 20 ehemalige StĂ€dte, die eingemeindet wurden oder ihre Rechte wieder verloren.

Der Landesentwicklungsplan 2025 gibt raumpolitische Zielsetzungen fĂŒr die Zeit von 2011 bis 2025 vor.[12] Herausforderung der Landesraumplanung ist die AnnĂ€herung an gleichwertige LebensverhĂ€ltnisse im gesamten Land. Dabei gilt es insbesondere infrastrukturellen Defiziten lĂ€ndlicher und peripherer RĂ€ume entgegenzuwirken und die mit dem demografischen Wandel einhergehenden Probleme zu handhaben. Im Land gibt es drei Oberzentren (Erfurt, Jena und Gera), die alle in der Landesmitte liegen, was insbesondere Randregionen beeintrĂ€chtigt. Weitere Oberzentren, die nach ThĂŒringen ausstrahlen sind besonders Coburg (fĂŒr weite Teile SĂŒdthĂŒringens) im SĂŒden und Göttingen (fĂŒr das Eichsfeld) im Nordwesten, dazu Kassel (fĂŒr das Eichsfeld) und Fulda (fĂŒr die Rhön) im Westen, Zwickau, Plauen und Hof fĂŒr das Vogtland im SĂŒdosten sowie Halle (fĂŒr Artern) und Leipzig (fĂŒr das nördliche Altenburger Land) im Nordosten. DarĂŒber hinaus nehmen einige mittelgroße StĂ€dte eine strukturelle Stellung zwischen Oberzentrum und Mittelzentrum ein. Als regionales Zentrum konnte sich Nordhausen fĂŒr die SĂŒdharzregion und den Norden ThĂŒringens etablieren mit einer wachsenden Hochschule und leicht steigender Einwohnerzahl. Auch Eisenach ĂŒbernimmt mit seiner leistungsfĂ€higen Wirtschaft fĂŒr WestthĂŒringen und Teile Nordosthessens eine zentrale Funktion. MĂŒhlhausen und Saalfeld/Rudolstadt zeigten eine geringere Dynamik, können aber dennoch als Regionalzentren im Nordwesten und SĂŒdosten des Landes gelten. Die Bedeutung Suhls als Zentrum im SĂŒdwesten des Landes hat hingegen durch den Niedergang des dortigen Einzelhandels nachgelassen. SchmĂ€lernd wirkte sich hier auch die Eröffnung der Autobahnen 71 und 73 aus, die die Anbindung an die leistungsfĂ€higeren Zentren Erfurt und Coburg stark verbesserte. Auch Weimar und Gotha nehmen höhere zentralörtliche Funktionen im Zentrum ThĂŒringens wahr, wobei sie in ErgĂ€nzung der dortigen Oberzentren Erfurt und Jena stehen. Die ĂŒbrigen Mittel- und einige KleinstĂ€dte sind Mittelzentren mit Ausrichtung auf das lokale Umland. Dabei reicht die Spanne von Orten mit 25.000 Einwohnern bishin zu KleinstĂ€dten mit deutlich unter 10.000 Einwohnern.

Siehe auch: Liste der Orte in ThĂŒringen

Bis nach dem Zweiten Weltkrieg stieg die Einwohnerzahl ThĂŒringens – trotz der Kriegsverluste – durch Zuzug von Heimatvertriebenen an, damals erreichte sie ihren historischen Höchststand von etwa drei Millionen. Durch die anhaltende Fluchtbewegung nach Westdeutschland nahm sie wieder ab. WĂ€hrend die Einwohnerzahl nach dem Bau der Berliner Mauer und der damit verbundenen Grenzschließung 1961 relativ konstant blieb, schrumpfte sie nach dem Wegfall dieser Grenze von 2,7 Millionen 1989 auf die derzeitige Einwohnerzahl von 2,2 Millionen. Die Geburtenzahl sank von 35.000 im Jahr 1988 auf rund 17.000 pro Jahr (relativ konstant seit 1997). Im selben Zeitraum entwickelte sich die Zahl der SterbefĂ€lle von 34.000 auf 26.000 pro Jahr (relativ konstant seit 1998). Jedes Jahr fehlen somit 9000 Geburten, um eine ausgeglichene Geburtenbilanz zu erhalten.[13] 1988 zogen 25.000 Menschen nach ThĂŒringen und 25.000 verließen ThĂŒringen, womit damals eine ausgeglichene Wanderungsbilanz vorherrschte. Seitdem entwickelte sich die Wanderungsbilanz des Landes sehr verschieden. Allein in den Jahren 1989 bis 1991 lag der Wanderungssaldo bei –130.000 Personen, wĂ€hrend er von 1992 bis 1997 relativ ausgeglichen war, bevor eine erneute Phase der Abwanderung einsetzte, weil sich die wirtschaftliche Lage im Land nicht verbesserte. Ihren Höhepunkt erreichte die zweite Welle in den Jahren 2006 und 2007, als der Wanderungssaldo jeweils bei ĂŒber –13.000 Personen lag. Mit der Verbesserung der wirtschaftlichen Lage verringerte sich der Saldo auf unter –6000 Personen im Jahr 2010.[14] Ein weiterer Grund fĂŒr die gesunkene Abwanderung ist das Schrumpfen der Altersgruppe der jungen Erwachsenen durch geburtenschwĂ€chere JahrgĂ€nge nach 1990. Sie können inzwischen auch in ThĂŒringen einen Ausbildungsplatz unter mehreren Angeboten auswĂ€hlen, wĂ€hrend noch wenige Jahre zuvor mehr Interessenten als PlĂ€tze vorhanden waren und die Abwanderung junger Menschen dadurch gefördert wurde. So betrug der Wanderungssaldo der 15- bis 25-JĂ€hrigen im Jahr 2006 noch –5861 Personen, wĂ€hrend es 2010 nur noch –1400 Menschen waren (ein RĂŒckgang um ĂŒber 75 % innerhalb von vier Jahren).[15] Insgesamt ist die Einwohnerzahl ThĂŒringens zwar weiterhin rĂŒcklĂ€ufig, allerdings weniger stark als in den ersten Jahren nach 2000. Bei den Wanderungsbewegungen zeichnet sich eine Stabilisierung ab, wĂ€hrend die natĂŒrliche Bevölkerungsentwicklung wie in ganz Deutschland negativ ist. Anders als diese ist das Wanderungsverhalten fĂŒr die Zukunft allerdings nicht prognostizierbar. So ging die Landesregierung in ihrer Prognose von 2009 von einem Wanderungssaldo von –11.800 Personen fĂŒr 2010 aus, der dann tatsĂ€chlich nur bei –5741 Personen lag. Dies bedeutet schon im zweiten Prognosejahr eine Abweichung um rund 50 % und unterstreicht die Unsicherheit der Vorhersagen der Wanderungsbewegungen.[16]

Wanderungssaldo 2010 nach Kreisen
Geburtensaldo 2010 nach Kreisen

Innerhalb des Landes ist die Bevölkerungsentwicklung unterschiedlich, so herrscht in den StĂ€dten Jena und Weimar seit einigen Jahren eine ausgeglichene Geburtenbilanz (die Zahl der Geborenen deckt die Zahl der Gestorbenen vollstĂ€ndig ab), die eine weitere Alterung der Bevölkerung verlangsamt. Dem entgegen steht die Entwicklung in den lĂ€ndlichen Gebieten, deren Bevölkerung mehr und mehr auf Grund von zu wenig Geburten und nicht mehr vordergrĂŒndig durch Abwanderung schrumpft. Dadurch steigt das Durchschnittsalter in jenen Gebieten rasch an. Bei den Wanderungen können insbesondere die grĂ¶ĂŸeren StĂ€dte profitieren, wĂ€hrend lĂ€ndliche Gebiete weiterhin von Abwanderung betroffen sind. Der Wanderungssaldo lag 2010 in Erfurt bei +1201, in Jena bei +541, in Nordhausen bei +312 und in Weimar bei +291. Auch in Gera war er mit –162 Personen viel kleiner als noch wenige Jahre zuvor. Lediglich Suhl (–474) und Altenburg (–230) waren unter den grĂ¶ĂŸeren StĂ€dten noch in grĂ¶ĂŸerem Maße von Abwanderung betroffen. Bezogen auf die Landkreise verzeichneten nur der Ilm-Kreis (+82) und der Landkreis Nordhausen (+39) Wanderungsgewinne, wĂ€hrend die Verluste im Landkreis Eichsfeld (–754) und im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt (–737) am grĂ¶ĂŸten waren.[17]

Bevölkerungsentwicklung
Jahr Einwohner
18341 1.172.375
18641 1.435.115
18901 1.737.544
19101 2.160.692
1950 2.932.242
1955 2.819.600
1960 2.737.865
1965 2.747.767
1970 2.759.084
1975 2.737.235
Jahr Einwohner
1980 2.730.368
1985 2.721.539
1986 2.718.598
1987 2.720.677
1988 2.723.268
1989 2.683.877
1990 2.611.319
1991 2.572.069
1992 2.532.799
1993 2.532.799
Jahr Einwohner
1994 2.517.776
1995 2.503.785
1996 2.491.119
1997 2.478.148
1998 2.462.836
1999 2.449.082
2000 2.431.255
2001 2.411.387
2002 2.392.040
2003 2.373.157
Jahr Einwohner
2004 2.355.280
2005 2.334.575
2006 2.311.140
2007 2.289.219
2008 2.267.763
2009 2.249.882
2010 2.235.025

Werte ab 1950: Gebietsstand 1994 (bis heute keine Änderung); Daten jeweils zum 31. Dezember des Jahres; Quelle: TLS

1 Gebiete: alle Gebiete der thĂŒringischen Staaten und der preußische Regierungsbezirk Erfurt sowie die Herrschaft Schmalkalden. Daraus ergeben sich einige geringe Abweichungen gegenĂŒber dem heutigen Gebietsstand. Mit einbezogen ist das Herzogtum Coburg, welches heute zu Bayern gehört, nicht mit einbezogen sind hingegen einige Gebiete im heutigen Nordosten ThĂŒringens, nĂ€mlich die preußischen Kreise Ilfeld (Hannover), Kölleda (Reg.-Bez. Merseburg) und Sangerhausen (Region um Artern; Reg.-Bez. Merseburg)

Verbreitung der einzelnen Mundarten

Die Sprachwissenschaftliche Kommission der SĂ€chsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig unterscheidet in ThĂŒringen neun regionale Mundarten[18], von denen sieben zur ThĂŒringisch-ObersĂ€chsischen Dialektgruppe und zwei zur MainfrĂ€nkischen Dialektgruppe gehören. Die ÜbergĂ€nge zwischen diesen einzelnen Dialekten sind fließend, manchmal werden zusĂ€tzlich noch regional sehr beschrĂ€nkte, kleinere Mundarten wie etwa das Rhöner Platt klassifiziert.

ZentralthĂŒringisch wird in der Landesmitte um Erfurt, Arnstadt, Ilmenau, Gotha, Bad Langensalza und Sömmerda gesprochen. Nördlich folgen NordthĂŒringisch um MĂŒhlhausen, Nordhausen, Bad Sachsa, Sondershausen und das Eichsfeld sowie NordostthĂŒringisch um Artern. Östlich an das Verbreitungsgebiet des ZentralthĂŒringischen grenzt das IlmthĂŒringische um Weimar, Jena, Rudolstadt und das Schwarzatal, welches wiederum östlich ins SĂŒdostthĂŒringische ĂŒbergeht. Diese Mundart wird vor allem um Saalfeld, PĂ¶ĂŸneck, Schleiz, Greiz und Gera gesprochen. Im Osten des Landes wird die OstthĂŒringische Mundart gesprochen, dies gilt vor allem im Holzland und im Osterland um Altenburg. Im Raum Eisenach-Bad Salzungen herrscht WestthĂŒringisch vor, ein Dialekt, in dem sich schon EinflĂŒsse des Osthessischen ausmachen lassen. SĂŒdlich von Rennsteig und Salzbogen liegen die mainfrĂ€nkischen Sprachgebiete mit Hennebergisch im Einzugsgebiet der Werra um Suhl, Hildburghausen, Meiningen und Schmalkalden und ItzgrĂŒndisch im Einzugsgebiet der Itz um Sonneberg.

Die ThĂŒringischen Dialekte vereinen Ă€hnliche Merkmale, wobei diese von West nach Ost immer deutlicher hervortreten. Die beiden frĂ€nkischen Dialekte sind ĂŒbergangslos, deutlich hörbar von diesen differenziert und vor allem im itzgrĂŒndischen Sprachraum stark ausgeprĂ€gt. Der Rennsteig als alter Grenzweg der mittelalterlichen Gaue ist hierbei die harte Grenze, lediglich der ebenfalls sĂŒdlich des Rennsteigs gelegene Salzbogen (in etwa die Werra entlang zwischen Breitungen, Bad Salzungen und Vacha) bildet eine ca. 20 km breite Übergangszone mit frĂ€nkischen, hessischen und thĂŒringischen Sprachelementen.

Im nördlichen Eichsfeld wird traditionell ein niederdeutscher Dialekt des OstfÀlischen gesprochen.

Die Georgenkirche in Eisenach ist Bischofskirche der Evangelischen Kirche in ThĂŒringen

Knapp zwei Drittel der Einwohner bekennen sich heute zu keiner Religionsgemeinschaft. Der evangelischen Kirche gehören 26,0% an, der römisch-katholischen Kirche 8,1%.[19]

Die Schulen des Landes bieten evangelischen, katholischen und jĂŒdischen Religionsunterricht an. Dabei können die SchĂŒler zwischen Religionsunterricht oder dem Fach Ethik wĂ€hlen. Religionsunterricht kann sowohl von staatlichen als auch von kirchlichen Lehrern erteilt werden.

Christianisiert wurde ThĂŒringen bereits ab dem 8. Jahrhundert durch Bonifatius, weshalb er gelegentlich als „Missionar der ThĂŒringer“ bezeichnet wird. Bis zur EinfĂŒhrung der Reformation gehörte die Bevölkerung daher dem katholischen Glauben an.

Die thĂŒringischen Staaten waren im 16. Jahrhundert eines der ersten protestantischen Gebiete der Welt, da der Reformator Martin Luther im KurfĂŒrst Friedrich von Sachsen einen Förderer hatte. Zudem spielten sich die HintergrĂŒnde der Reformation teilweise in ThĂŒringen ab: Luther absolvierte sein Theologiestudium an der UniversitĂ€t Erfurt, seine Familie selbst stammte aus Möhra, die BibelĂŒbersetzung entstand in Teilen auf der Wartburg und der Bauernkrieg sowie der Schmalkaldische Krieg als Reformationsfolgen trugen sich zu grĂ¶ĂŸeren Teilen in ThĂŒringen zu. Auch die reformatorische TĂ€uferbewegung war in großen Teilen ThĂŒringens verbreitet. Eines der Zentren der mitteldeutschen TĂ€ufer war die Stadt MĂŒhlhausen, wo 1525 bereits Thomas MĂŒntzer gewirkt hatte.[20][21]

Die evangelische Kirche hatte danach jedoch nie den gesellschaftlichen Einfluss, wie ihn die katholische Kirche in ihren Gebieten hatte. So galten die meisten thĂŒringischen Staaten bereits im 18. Jahrhundert als liberal und aufgeklĂ€rt, was vor allem durch die Weimarer Herzogsfamilie gefördert wurde.

Die durch die Deutschen Christen verursachte Zersetzung der ehemaligen lutherischen Staatskirche, die atheistische Weltanschauung der SED, die entsprechende Erziehung in den Schulen und Karriere-Nachteile fĂŒr Christen trugen spĂ€ter dazu bei, dass der Großteil der Bevölkerung die Kirche verließ und heute der Anteil der evangelisch-lutherischen Christen an der Gesamtbevölkerung bei rund einem Viertel liegt. In der evangelischen Kirche ist ThĂŒringen Teil der 2009 gebildeten Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, die im Wesentlichen die BundeslĂ€nder ThĂŒringen und Sachsen-Anhalt umfasst. Der ehemalige Kreis Schmalkalden gehört als einziger Landesteil nicht zum Bereich der EKMD, sondern zur Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck.

Katholische Gegenden in ThĂŒringen sind das Eichsfeld und in geringem Umfang die Landeshauptstadt Erfurt, die bis 1802 unter dem Einfluss von Kurmainz standen. Zudem ist der Anteil katholischer Einwohner im Dekanat Geisa in der Rhön hoch, da Teile davon bis 1802 zum Hochstift Fulda gehörten. Organisiert sind die Katholiken, deren Anteil an der Gesamtbevölkerung bei knapp zehn Prozent liegt, grĂ¶ĂŸtenteils im Bistum Erfurt. Kleinere Teile des Landes gehören aber auch anderen BistĂŒmern an (OstthĂŒringen zum Bistum Dresden-Meißen, Geisa zum Bistum Fulda).

JĂŒdische Gemeinden existierten in ThĂŒringen seit dem 12. Jahrhundert in geringem Umfang, so lebten nie mehr als 5000 bis 6000 Juden im Land. Die meisten von ihnen lebten in den relativ freien StĂ€dten Erfurt, MĂŒhlhausen und Nordhausen. In der frĂŒhen Neuzeit siedelten sich auch einige „Schutzjuden“ in der Rhön und im Werratal im SĂŒdwesten an. Sie wanderten ab etwa 1870 in die StĂ€dte ab, vor allem nach Eisenach, Gotha, Meiningen und Suhl. Die Zeit des Nationalsozialismus setzte dem jĂŒdischen Leben in ThĂŒringen ein jĂ€hes Ende. So existiert seit dem Zweiten Weltkrieg nur noch die JĂŒdische Gemeinde in Erfurt mit etwa 750 Mitgliedern (2007) in ganz ThĂŒringen.

Andere Religionsgemeinschaften spielen in ThĂŒringen nur eine geringe Rolle. Diverse christliche Freikirchen unterhalten in mittleren StĂ€dten eigene kleine Gemeinden. Auch die muslimischen Gemeinden haben nur wenige Mitglieder (laut taz 3000[22], laut MDR 4000[23] im Jahr 2006, laut Spiegel waren es 2006 etwa 7000[24] - offizielle Zahlen des Statistischen Landesamts werden nicht erhoben).

→ Hauptartikel: Geschichte ThĂŒringens
Das mittelalterliche Erfurt mit zwei Mauerringen und zahlreichen Kirchen
Karte zur Landgrafschaft ThĂŒringen von Adolar Erich um 1650

In der Völkerwanderungszeit bildetete sich der Stamm der ThĂŒringer. Ihre UrsprĂŒnge sind umstritten, so ist eine oftmals angenommene Verbindung zu den Ă€lteren Hermunduren wissenschaftlich nicht haltbar, vielmehr ist es wahrscheinlich, dass der Stamm sich aus ansĂ€ssigen sowie aus dem Osten zugewanderten Gruppen gebildet hat. Die erste ErwĂ€hnung der Toringi findet sich bei Flavius Vegetius Renatus im spĂ€ten 4. Jahrhundert, der ĂŒber ihre Pferde schreibt und sie in einen Zusammenhang mit Hunnen und Burgunden stellt. SpĂ€ter grĂŒndeten die ThĂŒringer ein Königreich mit Siedlungsschwerpunkt im fruchtbaren ThĂŒringer Becken entlang der Unstrut. Es existierte bis 531, als die Franken es mithilfe der Sachsen zerschlugen und das Gebiet westlich der Saale ins FrĂ€nkische Reich eingliederten. Um 620 kam es durch die Merowinger zur GrĂŒndung des Herzogtums ThĂŒringen, welches bis ins spĂ€te 7. Jahrhundert bestand. In diese Zeit fallen auch die ersten schriftlichen Überlieferungen im Land, unter anderem von Arnstadt im Jahr 704 und von Erfurt im Jahr 742. Zeitgleich missionierte Bonifatius im Land, der das Bistum Erfurt grĂŒndete.

Die sĂ€chsischen Ottonen machten das Gebiet an der unteren Unstrut zwischen Naumburg und Sangerhausen zu einem Zentrum des Heiligen Römischen Reiches im 10. Jahrhundert. Ein eigenes thĂŒringisches Stammesherzogtum konnte sich so nicht herausbilden. GrĂ¶ĂŸte Macht im ThĂŒringer Raum war in jener Zeit die Grafschaft Weimar. Erst die Ludowinger konnten wieder betrĂ€chtliche Teile ThĂŒringens unter ihre Kontrolle bringen. So ließ Ludwig der Springer im Jahr 1067 die Wartburg errichten. Seine Nachkommen wurden 1131 von Kaiser Lothar III. zu Landgrafen von ThĂŒringen erhoben. Unter ihnen erblĂŒhte die Region zu einem Zentrum der deutschen Kultur des Hochmittelalters, besonders der SĂ€ngerkrieg auf der Wartburg und das Wirken der Heiligen Elisabeth von ThĂŒringen sind in diesem Zusammenhang erwĂ€hnenswert. 1247 starb das Landgrafengeschlecht aus, woraufhin der thĂŒringisch-hessische Erbfolgekrieg begann. Er endete 1264 damit, dass die Wettiner große Teile des Landes erhielten und in ihren Staat integrierten. Es begann eine fast 700 Jahre wĂ€hrende Herrschaft der Wettiner ĂŒber ThĂŒringen, die erst mit der Abschaffung der Monarchien in Deutschland 1918 endete. Im ThĂŒringer Grafenkrieg zwischen 1342 und 1346 versuchten die Grafen von Schwarzburg, Weimar-OrlamĂŒnde und Hohnstein sowie die Vögte von Weida die Vormachtstellung der Wettiner wieder zurĂŒckzudrĂ€ngen, was ihnen jedoch nicht gelang.

Im 12. Jahrhundert verstĂ€rkte sich der Prozess des Landesausbaus in ThĂŒringen. Es entstanden erste befestigte StĂ€dte wie etwa MĂŒhlhausen (1135) oder auch Saalfeld (1180). Gleichzeitig begann die BlĂŒtezeit Erfurts. Die Einwohnerzahl erreichte im 14. Jahrhundert etwa 20.000, womit nur Köln, NĂŒrnberg und Magdeburg zu dieser Zeit grĂ¶ĂŸer waren als Erfurt. Die Stadt war mit etwa 30 Pfarrkirchen und Klöstern fast aller in Mitteleuropa prĂ€senten Orden, zwei mĂ€chtigen Mauerringen, einem Dom sowie dem Peterskloster ausgestattet. 1331 erhielt die Stadt ĂŒber 150 Jahre vor Leipzig (1497) das kaiserliche Messeprivileg, 1392 folgte die GrĂŒndung der dritten UniversitĂ€t Deutschlands in der Stadt. Erfurts BlĂŒtezeit endete am Beginn des 16. Jahrhunderts, als sich die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verschlechterten. Der Reichtum der Stadt fußte zum Teil auf dem Handel mit FĂ€rberwaid, der nach der Entdeckung Amerikas durch das billigere Indigo ersetzt wurde, womit eine entscheidende Einnahmequelle wegbrach. Schwerer wogen allerdings die politischen Ursachen. Durch die Reformation wurden Stadtbevölkerung und Stadtrat evangelisch, wĂ€hrend der Landesherr, das Erzbistum Mainz, katholisch blieb. Der Erzbischof von Mainz unterdrĂŒckte die Stadt Erfurt und den Stadtrat, andererseits lag sie als Exklave mitten im sĂ€chsischen Herrschaftsgebiet, was die Wirtschaft Erfurts hemmte, sodass die Stadt von den aufstrebenden HandelsstĂ€dten Frankfurt am Main und Leipzig ĂŒberholt wurde.

Die bedeutendsten Adelsgeschlechter des mittelalterlichen ThĂŒringens waren neben den dominanten Wettinern und den Ludowingern (Landgrafen von ThĂŒringen; 1040–1247) die Grafen von Beichlingen (in NordthĂŒringen; 1080 bis ca. 1600), die Grafen von Gleichen (in ZentralthĂŒringen; 1099–1631), die Grafen von Henneberg (sĂŒdlich des Rennsteigs; 1096–1583), die Grafen von Hohnstein (im Harzvorland; 1184–1593), die Grafen von KĂ€fernburg (im Vorland des ThĂŒringer Walds; 8. Jahrhundert bis 1385), die Lobdeburger (in OstthĂŒringen; ca. 1100 bis ca. 1300), die Grafen von Schwarzburg (im ThĂŒringer Schiefergebirge und dessen Vorland; 1071–1918), die Grafen von Stolberg (im Harz; 1210–1806), die Grafen von Vitzthum (im Raum Weimar-Jena; ab 1123), die Vögte von Weida (im Elstertal, Vorfahren der Grafen von Reuß; 1209–1918) und die Grafen von Weimar-OrlamĂŒnde (in ZentralthĂŒringen; 949–1486). Über das Ende des Heiligen Römischen Reichs 1806 konnten nur die Ernestiner als Nachfahren der Wettiner sowie die nunmehr gefĂŒrsteten Reußen und Schwarzburger ihre Macht in ThĂŒringen sichern. Sie regierten bis zum Ende der Monarchie 1918.

Martin Luther (nach Lucas Cranach dem Älteren, 1529)

1485 wurden mit der Leipziger Teilung die wettinischen Lande auf die jĂŒngeren Albertiner im Osten und die Ă€lteren Ernestiner im Westen verteilt. Diese ĂŒbernahmen gleichzeitig die KurwĂŒrde von den Wettinern. Die Ernestiner herrschten zunĂ€chst ĂŒber große Teile ThĂŒringens, lediglich ein Streifen im Norden entlang der Unstrut gehörte den Albertinern.

Mit der Reformation am Beginn des 16. Jahrhunderts rĂŒckte ThĂŒringen ins Zentrum der deutschen Politik. Martin Luther studierte zunĂ€chst an der UniversitĂ€t Erfurt und wohnte im Augustinerkloster, bevor er nach Wittenberg ging und die Reformation begann. Schließlich wurde er vom sĂ€chsischen KurfĂŒrst Friedrich dem Weisen auf der Wartburg versteckt, wo er an der BibelĂŒbersetzung ins Deutsche arbeitete. 1525 begann als Folge der Reformation der Bauernkrieg, der in den thĂŒringischen StĂ€dten MĂŒhlhausen und Frankenhausen zwei seiner Zentren und mit Thomas MĂŒntzer einen starken AnfĂŒhrer fand. SpĂ€ter begann in ThĂŒringen der Schmalkaldische Krieg zwischen katholischer Reichsgewalt und protestantischen FĂŒrsten, der 1547 mit der Wittenberger Kapitulation und einer Niederlage der Protestanten endete. Deshalb ging die sĂ€chsische KurwĂŒrde von den zunehmend an Bedeutung verlierenden Ernestinern an die Albertiner ĂŒber. Als die Henneberger 1583 ausstarben, trat ein Erbvertrag in Kraft, der den Ernestinern umfangreiche BesitztĂŒmer in SĂŒdthĂŒringen einbrachte. Mit der Erfurter Teilung 1572 begann die fortwĂ€hrende Zersplitterung des ernestinischen Besitzes in zahlreiche HerzogtĂŒmer, die teilweise bis 1918 Bestand hatten. Es bildeten sich 1640 zwei ernestinische Hauptlinien heraus: das Haus Sachsen-Weimar und das Haus Sachsen-Gotha. WĂ€hrend Ersteres nur wenige Nebenlinien hatte und als höchsten Vertreter die erste deutsch-preußische Kaiserin Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach stellte, hatte das Haus Sachsen-Gotha sehr viele Nebenlinien, die meist ĂŒber ein eigenes Land herrschten. Außerdem stellt dieses Haus eine Reihe europĂ€ischer Könige, so die englischen Könige (seit 1901), die belgischen Könige (seit 1831), die portugiesischen Könige (1837–1910) und die bulgarischen Könige (1887–1946).

In der Folgezeit begann die Phase des Humanismus in ThĂŒringen, in der auch die UniversitĂ€t Erfurt eine BlĂŒtezeit erlebte. Um Ulrich von Hutten und die Reformatoren bildete sich ein Zentrum des deutschen Humanismus. Als humanistischer „Musterstaat“ galt zu dieser Zeit Sachsen-Gotha unter der Herrschaft Ernst des Frommen. Er fĂŒhrte beispielsweise im Jahr 1642 als erstes Staatsoberhaupt der Welt die allgemeine Schulpflicht fĂŒr alle Jungen und MĂ€dchen bis zum zwölften Lebensjahr ein.

Staatenkarte von 1871
ThĂŒringische Staaten von 1890

Erst ab etwa 1780 machten die regierende Herzogin Anna Amalia und ihr Sohn Karl August wieder auf die Region aufmerksam. Sie riefen Dichter wie Johann Wolfgang von Goethe oder Friedrich Schiller an ihren Hof, sodass sich dort die Weimarer Klassik als deutsche Version der klassischen Literaturbewegung etablierte. An der UniversitĂ€t Jena bildete sich in dieser Zeit ein Zentrum der deutschen Philosophie, das sich durch das Wirken von Johann Gottlieb Fichte, Friedrich Wilhelm Joseph Schelling und Georg Wilhelm Friedrich Hegel begrĂŒndete. Auch die Jenaer Romantik um Dichter wie Novalis, Clemens Brentano oder Friedrich Schlegel war zu dieser Zeit deutschlandweit stilprĂ€gend.

Der Reichsdeputationshauptschluss 1803 sorgte dafĂŒr, dass das Erzbistum Mainz seine Gebiete um Erfurt und das Eichsfeld verlor und die ReichsstĂ€dte MĂŒhlhausen und Nordhausen ihre SelbststĂ€ndigkeit aufgeben mussten. Sie wurden auf dem Wiener Kongress 1815 endgĂŒltig Preußen zugeschlagen. Er erhob auch Sachsen-Weimar-Eisenach zum einzigen Großherzogtum ThĂŒringens. Zur Napoleonischen Zeit bahnte sich 1806 auch die entscheidende Schlacht zwischen Franzosen und Preußen in ThĂŒringen an. Am 9. Oktober kam es zum Gefecht bei Schleiz, gefolgt vom Gefecht bei Saalfeld am 10. Oktober und der entscheidenden Schlacht bei Jena und Auerstedt am 14. Oktober, die mit einer preußischen Niederlage endete. Es folgte 1808 der Erfurter FĂŒrstenkongress zwischen Frankreich und Russland, bei dem auch Goethe auf NapolĂ©on traf und schließlich die Bildung erster Widerstandsgruppen gegen die französische Herrschaft. Impulsgeber war auch hier die UniversitĂ€t Jena. Nach dem Ende der napoleonischen Herrschaft und den ernĂŒchternden Ergebnissen des Wiener Kongresses formierte sich 1815 in Jena die Urburschenschaft, die 1817 das Wartburgfest veranstaltete und nationale wie liberale Bewegungen in sich vereinte. Auch erste liberale Verfassungen entstanden in dieser Zeit, so 1816 in Sachsen-Weimar-Eisenach, 1818 in Sachsen-Hildburghausen und 1821 in Sachsen-Coburg-Saalfeld. Mit der Durchsetzung der Karlsbader BeschlĂŒsse von 1819 in ThĂŒringen nahm diese frĂŒhe Phase der LiberalitĂ€t ein Ende.

Die kulturelle BlĂŒte des Landes setzte sich auch in den folgenden Jahrzehnten fort, so entstand unter dem PĂ€dagogen Friedrich Fröbel 1817 die Allgemeine Deutsche Bildungsanstalt als moderne Schule in Rudolstadt. 1840 folgte die GrĂŒndung des ersten deutschen Kindergartens durch Fröbel in Bad Blankenburg. Weiterhin begrĂŒndete Ernst-Wilhelm Arnoldi 1820 mit der Gothaer Versicherung das deutsche Versicherungswesen. Joseph Meyer grĂŒndete 1826 in Gotha das Bibliographische Institut, den Herausgeber von Meyers Konversations-Lexikon. Auch das Bibliographische Institut & F. A. Brockhaus, Herausgeber der Brockhaus EnzyklopĂ€die, hatte seinen Sitz zwischen 1811 und 1818 in Altenburg im Osten ThĂŒringens. Der erste Duden erschien 1872 in Schleiz. Am 1. MĂ€rz 1882 grĂŒndete Oscar Tietz in Gera das Warenhaus Tietz, den spĂ€teren Kaufhauskonzern Hertie. 1908 eröffnete er in Erfurt das Kaufhaus Römischer Kaiser (heute Anger 1), das nach wie vor grĂ¶ĂŸte Kaufhaus des Landes. In der zweiten HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts erlebte Weimar eine Renaissance in seinem „Silbernen Zeitalter“. Musiker wie Franz Liszt kamen an den Hof und die Weimarer Malerschule etablierte sich seit 1860 in der deutschen Malerei.

Ehemalige Textilindustrie in PĂ¶ĂŸneck

1833 erfolgte die GrĂŒndung des Zoll- und Handelsverein der ThĂŒringischen Staaten, der die Industrielle Revolution im Land beflĂŒgelte. 1842 erreichte die erste Bahnlinie thĂŒringisches Gebiet und 1846 wurde mit der ThĂŒringer Bahn die Hauptbahnlinie des Landes eröffnet. ZunĂ€chst nahm die ostthĂŒringische Textilindustrie um Gera einen Aufschwung, gefolgt von der ĂŒberall im Land verstreuten Metallindustrie und der optischen Industrie in Jena, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts in die Weltspitze aufstieg.

Die Revolution von 1848 verlief in ThĂŒringen eher unspektakulĂ€r. Zentren fanden sich im verarmten Eichsfeld sowie im rĂŒckstĂ€ndigen Reuß. An ihrem Ende stand die Abdankung des starrsinnigen Herzogs Joseph von Sachsen-Altenburg sowie die Abdankung des FĂŒrsten Heinrich LXXII. von Reuß-Ebersdorf, dessen Land im FĂŒrstentum Reuß jĂŒngerer Linie (regiert von der Schleizer Linie) aufging. Die WĂŒnsche nach einem vereinten deutschen Staat blieben allerdings auch nach der gescheiterten Revolution prĂ€sent und so kam es im Jahr 1850 zur Einberufung des Erfurter Unionsparlaments, das die Nationalstaatsidee aufgriff und diskutierte, ohne jedoch zu einem Durchbruch zu gelangen. Auch der Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha befĂŒrwortete die deutsche Einheit, allerdings war er ebenso ein Kritiker preußischer Hegemonialpolitik, was dem Volksfeste liebenden Herzog den spöttischen Namen „SchĂŒtzenkönig“ einbrachte.

Im Preußisch-Österreichischen Krieg von 1866 standen die meisten ThĂŒringer Staaten auf Seiten Preußens, lediglich Sachsen-Meiningen und Reuß Ă€lterer Linie waren mit Österreich verbĂŒndet. Dieser Umstand fĂŒhrte dazu, dass Bismarck die beiden Staaten nach Kriegsende in das Königreich Preußen eingliedern wollte, was jedoch auf Intervention des Weimarer Großherzogs Karl August, dem Schwager des preußischen Königs, unterblieb. Stattdessen wurden lediglich die Herrscher der beiden Staaten, Bernhard II. von Sachsen-Meiningen und Caroline von Reuß-Greiz, abgesetzt.

Als Folge der Industrialisierung wurde ThĂŒringen zur Wiege der Sozialdemokratie. 1869 grĂŒndeten August Bebel und Wilhelm Liebknecht in Eisenach die Sozialdemokratische Arbeiterpartei, die 1875 mit dem Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein in Gotha zur SPD fusionierte. Das Gothaer Programm und das Erfurter Programm legten in der Folge die Ziele der sozialdemokratischen Politik in Deutschland fest.

Nach der Vereidigung des ersten ReichsprÀsidenten Friedrich Ebert am 21. August 1919 am Deutschen Nationaltheater in Weimar

Die Novemberrevolution nach dem Ersten Weltkrieg fand ihr thĂŒringisches Zentrum im Freistaat Sachsen-Gotha unter RevolutionsfĂŒhrer Wilhelm Bock. In Gotha wurde bereits am 8. April 1917 die USPD gegrĂŒndet. ZunĂ€chst dankten die acht ThĂŒringer Monarchen zwischen dem 9. und 25. November ab. Im Freistaat Sachsen-Gotha bildete sich ein kommunistischer Rat. Sachsen-Gotha geriet bis 1920 in politische Querelen und bĂŒrgerkriegsĂ€hnliche ZustĂ€nde. Ein besonderer Vorfall waren hierbei die Morde von MechterstĂ€dt im Jahr 1920. Wegen der politischen Unruhen in Berlin wurde die neue Reichsverfassung als die Weimarer Verfassung 1919 in Weimar erarbeitet, in Schwarzburg unterschrieben und dadurch als erste demokratische Verfassung fĂŒr Gesamtdeutschland in Kraft gesetzt.

Nachdem die Monarchen abgedankt hatten, war der Weg frei zur GrĂŒndung eines einheitlichen Staats in ThĂŒringen. Am 1. Mai 1920 wurde daher das Land ThĂŒringen gegrĂŒndet. Es umfasste die ThĂŒringischen Staaten, namentlich Sachsen-Weimar-Eisenach, Sachsen-Gotha, Sachsen-Meiningen, Sachsen-Altenburg, Schwarzburg-Rudolstadt, Schwarzburg-Sondershausen und den Volksstaat Reuß. Sachsen-Coburg schloss sich Bayern an.

Die Entwicklung des jungen Landes war von politischer und kultureller Zerrissenheit in den 1920er Jahren geprĂ€gt. Dadurch erfolgte eine StĂ€rkung der politischen Extremisten von rechts und links. Auch die Gesellschaft war gespalten: Junge Modernisierer, die sich ab 1919 unter anderem am Bauhaus in Weimar sammelten, standen alten Traditionalisten gegenĂŒber, die sich nach der Monarchie zurĂŒcksehnten. Zu dieser Zeit hatte Hitler in vielen deutschen Staaten Redeverbot, nicht so jedoch in ThĂŒringen, weshalb er in den 1920er Jahren immer wieder in Weimar Kundgebungen abhalten konnte.

Ehemaliges KZ Buchenwald

1923 kam es zur Bildung einer Landesregierung aus SPD und KPD, die zum Roten Oktober in Sachsen und ThĂŒringen fĂŒhrte. Die beiden LĂ€nder wurden am 29. Oktober (Sachsen) und am 6. November (ThĂŒringen) mit der Reichsexekution belegt und die Reichswehr marschierte ein, um die Regierung abzusetzen, was ihr auch gelang. Die SPD reagierte darauf mit einem Misstrauensvotum gegen Kanzler Gustav Stresemann im Reichstag, das zu dessen Absetzung fĂŒhrte. Die 1920er Jahre blieben von politischem Stillstand und stĂ€ndig wechselnden Landesregierungen geprĂ€gt. Bereits 1930 etablierte sich mit der Baum-Frick-Regierung eine erste Landesregierung unter Beteiligung der NSDAP in Deutschland.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde das Land ThĂŒringen gleichgeschaltet und somit faktisch aufgehoben. Gauleiter ThĂŒringens war Fritz Sauckel. WĂ€hrend der Zeit des Nationalsozialismus bestanden neben dem 1933 kurzzeitig betriebenen KZ Nohra drei Konzentrationslager im Land: das KZ Bad Sulza von 1933 bis 1937, dessen Nachfolger, das KZ Buchenwald bei Weimar von 1937 bis 1945 und das KZ Dora Mittelbau bei Nordhausen von 1943 bis 1945.

Der Zweite Weltkrieg richtete in ThĂŒringen vergleichsweise mĂ€ĂŸige SchĂ€den an. Nordhausen wurde durch britische Luftangriffe im April 1945 fast völlig zerstört, wobei etwa 8.800 Menschen starben. SchĂ€den durch Bombardements entstanden auch in Erfurt, Gera, Jena, Weimar, Eisenach und einigen kleineren StĂ€dten. ThĂŒringen wurde zwischen dem 1. und dem 16. April 1945 von den Amerikanern besetzt und zum 1. Juli 1945 an die sowjetische MilitĂ€rverwaltung ĂŒbergeben, wobei Gebiete um die Stadt Bad Sachsa im Tausch gegen Teile des Landkreises Blankenburg an die britische MilitĂ€rverwaltung ĂŒberlassen wurden. Das Land ThĂŒringen wurde wiederhergestellt und um den vormals preußischen Regierungsbezirk Erfurt erweitert. Aufgelöst wurde es von der DDR-Regierung 1952. An seine Stelle traten der Bezirk Erfurt, der Bezirk Gera und der Bezirk Suhl.

GedenkstÀtte zur Deutschen Teilung in Mödlareuth

Am Volksaufstand vom 17. Juni 1953 beteiligten sich in ThĂŒringen etwa 24.000 Arbeiter, vor allem in den Industriezentren Erfurt, Jena und Gera. Am 13. August 1961 begann laut Beschluss des Warschauer Pakts in Moskau die völlige Abriegelung der Grenzen zwischen der DDR und der Bundesrepublik, die ThĂŒringen besonders hart traf. Einige Dörfer im Grenzgebiet wurden zwangsumgesiedelt und abgerissen (beispielsweise Billmuthausen, Erlebach, Leitenhausen und Liebau an der Grenze zu Bayern), andere durch Mauern geteilt (Mödlareuth und Heinersdorf). Bereits seit 1952 wurden Familien im Grenzgebiet im Rahmen der Aktion Ungeziefer umgesiedelt. Dies betraf etwa 6000 Menschen, die unangekĂŒndigt und oft unter ZurĂŒcklassung ihres Besitzes umgesiedelt wurden. 1970 trafen sich erstmals die Spitzenpolitiker der beiden deutschen Staaten. Willy Brandt und Willi Stoph tagten beim Erfurter Gipfeltreffen im Erfurter Hof am 19. MĂ€rz, begleitet von einer großen Menschenmenge vor dem Haus am Hauptbahnhof, die dem westdeutschen Bundeskanzler zujubelte. Im Herbst 1989 begannen auch in ThĂŒringen Massendemonstrationen gegen das SED-Regime, die sich nach und nach auf alle StĂ€dte des Landes ausweiteten. In der Nacht vom 9. zum 10. November 1989 wurden schließlich die GrenzĂŒbergĂ€nge zwischen ThĂŒringen und Bayern, Hessen sowie Niedersachsen geöffnet.

Mit der deutschen Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 wurde der Freistaat ThĂŒringen wiedergegrĂŒndet. Er entstand aus den Bezirken Erfurt, Gera und Suhl sowie aus Teilen der Bezirke Leipzig (Kreise Altenburg und Schmölln) und Halle (Kreis Artern). Am 10. Januar 1991 entschied der Landtag, welche Stadt Landeshauptstadt ThĂŒringens wird. Beworben hatten sich neben Erfurt auch Gera, Jena, Weimar und Nordhausen. Von 88 Abgeordneten stimmte eine Mehrheit von 49 fĂŒr Erfurt, gefolgt von Weimar mit 25, Gera mit zehn und Jena mit vier Stimmen. Die Verfassung des Landes wurde am 25. Oktober 1993 auf der Wartburg durch den Landtag mit mehr als zwei Drittel seiner Mitglieder verabschiedet. Sie trat am 30. Oktober 1993 vorlĂ€ufig und nach einem Volksentscheid am 16. Oktober 1994 mit 70 % Zustimmung endgĂŒltig in Kraft.

Der Staatsaufbau ThĂŒringens basiert auf der Verfassung des Freistaats ThĂŒringen von 1993. Laut der Verfassung ist ThĂŒringen ein Land der Bundesrepublik Deutschland. Es ist ein demokratischer, sozialer und dem Schutz der natĂŒrlichen Lebensgrundlagen des Menschen verpflichteter Rechtsstaat (Art. 44). Artikel 45 besagt, dass alle Staatsgewalt vom Volke ausgeht und dass das Volk seinen Willen durch Wahlen, Volksbegehren und Volksentscheid verwirklicht.

Die Legislative ist der ThĂŒringer Landtag, der alle fĂŒnf Jahre nach dem personalisierten VerhĂ€ltniswahlrecht neu gewĂ€hlt wird. Der fĂŒnfte ThĂŒringer Landtag besteht aus 88 Abgeordneten und wurde auf Grundlage des Ergebnisses der Landtagswahl vom 30. August 2009 gebildet. Die CDU stellt mit 30 Mandaten die stĂ€rkste Fraktion; Die Linke ist mit 27 Sitzen die grĂ¶ĂŸte Oppositionspartei. Die SPD stellt 18 Abgeordnete; die FDP und BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen, die zum ersten Mal seit der ersten Wahlperiode wieder den Einzug in den Landtag geschafft haben, sind mit sieben bzw. sechs Abgeordneten vertreten. Die PrĂ€sidentin des Landtags ist Birgit Diezel (CDU).

Im Weiteren besteht die Möglichkeit der aktiven Teilnahme an der Legislative des Volks durch Volksentscheid.

Ergebnisse der Landtagswahlen:

Wahl Wahlbe-
teiligung
CDU PDS
Linke
SPD FDP GrĂŒne
1990 71,7 % 45,4 % 9,7 % 22,8 % 9,3 % 6,5 %
1994 74,8 % 42,6 % 16,6 % 29,6 % 3,2 % 4,5 %
1999 59,9 % 51,0 % 21,3 % 18,5 % 1,1 % 1,9 %
2004 53,8 % 43,0 % 26,1 % 14,5 % 3,6 % 4,5 %
2009 56,2 % 31,2 % 27,4 % 18,5 % 7,6 % 6,2 %

FĂŒr weitere Details siehe: Wahlergebnisse und Landesregierungen in ThĂŒringen

Die Exekutive besteht aus dem MinisterprĂ€sidenten und den Ministern. Der MinisterprĂ€sident wird vom Landtag mit der Mehrheit seiner Mitglieder ohne Aussprache in geheimer Abstimmung fĂŒr die gesamte Legislaturperiode gewĂ€hlt. Der MinisterprĂ€sident ernennt und entlĂ€sst die Minister. Er bestimmt außerdem einen Minister zu seinem Stellvertreter. Der Landtag kann den MinisterprĂ€sidenten nur durch ein konstruktives Misstrauensvotum absetzen.

MinisterprĂ€sidenten des Freistaates ThĂŒringen
Nr. Name Lebensdaten Partei Beginn der Amtszeit Ende der Amtszeit
1 Josef Duchač * 1938 CDU 1990 1992
2 Bernhard Vogel * 1932 CDU 1992 2003
3 Dieter Althaus * 1958 CDU 2003 2009
4 Christine Lieberknecht * 1958 CDU 2009

Die seit 1999 allein regierende CDU verpasste bei der Landtagswahl 2009 ihre absolute Mehrheit. Seitdem wird ThĂŒringen von einer Koalition aus CDU und SPD regiert. Die Minister des Kabinetts Lieberknecht wurden am 4. November 2009 vereidigt.

Die derzeit amtierenden Regierungsmitglieder sind:

  • ThĂŒringer MinisterprĂ€sidentin: Christine Lieberknecht (CDU)
  • ThĂŒringer Minister fĂŒr Bildung, Wissenschaft und Kultur; Stellvertreter der MinisterprĂ€sidentin: Christoph Matschie (SPD)
  • ThĂŒringer Finanzminister: Wolfgang Voß (CDU)
  • ThĂŒringer Innenminister: Jörg Geibert (CDU)
  • ThĂŒringer Minister fĂŒr Landwirtschaft, Forsten, Umwelt und Naturschutz: JĂŒrgen Reinholz (CDU)
  • ThĂŒringer Justizminister: Holger PoppenhĂ€ger (SPD)
  • ThĂŒringer Ministerin fĂŒr Soziales, Familie und Gesundheit: Heike Taubert (SPD)
  • ThĂŒringer Minister fĂŒr Wirtschaft, Arbeit und Technologie: Matthias Machnig (SPD)
  • ThĂŒringer Minister fĂŒr Bau, Landesentwicklung und Verkehr: Christian Carius (CDU)
  • ThĂŒringer Ministerin fĂŒr Bundes- und Europaangelegenheiten in der Staatskanzlei: Marion Walsmann (CDU)

Von den 17 LandrĂ€ten werden 12 von der CDU und 3 von der SPD gestellt; zwei Landkreise verfĂŒgen ĂŒber einen parteilosen Landrat. Nur drei LandrĂ€te sind weiblich. Die OberbĂŒrgermeister der sechs kreisfreien StĂ€dte werden mit Ausnahme des parteilosen OberbĂŒrgermeisters von Suhl alle von der SPD gestellt. Insgesamt werden von den 22 BĂŒrgermeistern der StĂ€dte mit mehr als 20.000 Einwohnern 10 von der SPD, 5 von der CDU, 3 von Freien WĂ€hlergemeinschaften und 1 (Sömmerda) von der Linken gestellt; 3 BĂŒrgermeister sind parteilos. Nur Nordhausen und Sonneberg verfĂŒgen ĂŒber eine BĂŒrgermeisterin.

ThĂŒringer Oberlandesgericht in Jena

Die Judikative wird vom ThĂŒringer Verfassungsgerichtshof und von den weiteren Gerichten des Landes ausgeĂŒbt. Der Verfassungsgerichtshof besteht aus einem PrĂ€sidenten und acht weiteren Mitgliedern. Die ordentliche Gerichtsbarkeit gliedert sich in das ThĂŒringer Oberlandesgericht Jena, die Landgerichte in Erfurt, Gera, MĂŒhlhausen und Meiningen sowie die nachgeordneten Amtsgerichte. GefĂ€ngnisse bestehen in Gera, Goldlauter, GrĂ€fentonna, Hohenleuben, Ichtershausen, Untermaßfeld und Weimar.

Das ThĂŒringer Oberverwaltungsgericht hat seinen Sitz in Weimar.

Mit dem Bundesarbeitsgericht in Erfurt sitzt auch ein Bundesgericht in ThĂŒringen.

In ThĂŒringen gab es wegen seiner zentralen Lage weit entfernt von der KĂŒste sowie der deutschen West- und Ostgrenze bereits seit dem 19. Jahrhundert nur eine unterdurchschnittliche Anzahl von MilitĂ€rstĂŒtzpunkten, wenngleich zumindest die LandeshauptstĂ€dte ĂŒber Kasernen verfĂŒgten. Einzige bedeutende Garnisonsstadt war jedoch das zu Preußen gehörende Erfurt, das bis 1873 eine Festungsstadt war und auch im 20. Jahrhundert eine hohe Anzahl von Kasernen und MilitĂ€rangehörigen aufwies.

Nach 1990 wurden im Zuge der Auflösung der Nationalen Volksarmee und dem Abzug der Sowjetischen StreitkrĂ€fte in Deutschland weitere Kasernen geschlossen, sodass heute nur noch acht Kasernen der Bundeswehr bestehen, die sich mit zwei Ausnahmen in der nördlichen Landesmitte am Rand des ThĂŒringer Beckens konzentrieren. Im Einzelnen sind dies die Henne-Kaserne und die Löberfeld-Kaserne in Erfurt, die KyffhĂ€user-Kaserne in Bad Frankenhausen, die Karl-GĂŒnther-Kaserne in Sondershausen, die Görmar-Kaserne in MĂŒhlhausen, die Friedenstein-Kaserne in Gotha, die Pionierkaserne in Gera und die Werratal-Kaserne in Bad Salzungen. Sie bieten Arbeit fĂŒr 7000 Soldaten und 700 zivile Angestellte.[25] Der einzige TruppenĂŒbungsplatz im Freistaat ist der TruppenĂŒbungsplatz Ohrdruf. Mit dem TruppenĂŒbungsplatz Weberstedt bestand bis 1990 ein zweiter im Land. Nach seiner Auflösung wurde er in den Nationalpark Hainich integriert.

Gleichwohl spielt die Bundeswehr als Arbeitgeber eine gewisse Rolle, da aus ThĂŒringen (wie aus allen neuen BundeslĂ€ndern) ĂŒberdurchschnittlich viele junge MĂ€nner – teils in Ermangelung anderer erfolgversprechender Zukunftsperspektiven – als Berufssoldaten bei der Bundeswehr arbeiten.

→ Hauptartikel: ThĂŒringer Landeswappen und Flagge ThĂŒringens

Das ThĂŒringer Landeswappen zeigt im lasurblauen Schild den viermal gleichbreit rot-silbern gestreiften, golden bewehrten und gekrönten Â»Bunten Löwen« der Ludowinger, umgeben von acht silbernen Sternen.

Als Ă€lteste farbige Darstellung des Â»ThĂŒringer Urwappens« blieb der Wappenschild des Landgrafen Konrad von ThĂŒringen aus dem 13. Jahrhundert erhalten. Der Erbfolgekrieg 1264/65 entließ Hessen politisch selbststĂ€ndig, das seitdem den Â»Bunten Löwen« (umgekehrt gestreift: silber-rot) im Wappen fĂŒhrt. Als sich am 1. Mai 1920 das Land ThĂŒringen aus den sieben republikanischen thĂŒringischen Kleinstaaten zusammenschloss, wurden in Anlehnung an das föderale Sternenbanner der USA sieben silberne Sterne auf revolutionĂ€r-republikanisch rotem Grund zum Staatswappen gewĂ€hlt. Die Nationalsozialisten verpassten ThĂŒringen ein archaischeres, beadlertes Wappen. Mit der NeugrĂŒndung des Landes ThĂŒringen wurde 1991 das jetzige ThĂŒringer Wappen aus den historischen Grundlagen abgeleitet. Der achte Stern steht fĂŒr die zusĂ€tzlich zum Freistaat ThĂŒringen gehörigen, ehemals Preußen angegliederten Gebietsteile Erfurt, MĂŒhlhausen, Nordhausen, Schmalkalden und Suhl.

Landeswappen Landesflagge Landesdienstflagge

Das Land ThĂŒringen ist auf zwei Ebenen gegliedert. Auf der ersten Ebene stehen seit der Kommunalreform vom 1. Juli 1994 die 17 Landkreise und sechs kreisfreien StĂ€dte und auf der zweiten Ebene die 913 Gemeinden des Landes (Stand: 1. Dezember 2011). Dazwischen gibt es teilweise Verwaltungsgemeinschaften und erfĂŒllende Gemeinden als Zusammenschluss mehrerer kleiner Gemeinden, die ihre Verwaltungsaufgaben gemeinsam erledigen. Die Ebene der Regierungsbezirke gab es in ThĂŒringen nie, da die GrĂ¶ĂŸe des Landes dies nicht rechtfertigt.

Die Anzahl und der Zuschnitt der Landkreise und kreisfreien StĂ€dte waren seit der EinfĂŒhrung dieser Verwaltungsebene in Preußen 1815 stetigen VerĂ€nderungen unterworfen. Diese werden im Artikel Geschichte der Verwaltungsgliederung ThĂŒringens dargestellt.

FĂŒr die Legislaturperiode 2009-2014 waren vor allem durch die Parteien Die Linke[26] und SPD[27] weitgehende Kreisgebietsreformen vorgesehen. In der schwarz-roten Koalition aus CDU und SPD sollen weiterhin VerĂ€nderung in der Verwaltungsgliederung ThĂŒringens, wenn auch in geringerem Ausmaß, stattfinden.[28][29]

Siehe auch: Liste der Landkreise und kreisfreien StĂ€dte in ThĂŒringen und Geschichte der Verwaltungsgliederung ThĂŒringens

Der Sitz des ThĂŒringer Landesverwaltungsamtes befindet sich in Weimar.

Nr. Landkreis Sitz Kfz.-Z. FlÀche
(kmÂČ)
Einwohner
(31. Dez. 2010)
Bevölkerungs-
dichte
Einwohner
(31. Dez. 2000)
VerÀnderung
1 Altenburger Land Altenburg ABG 569,08 98.810 174 114.200 –13,48 %
2 Eichsfeld Heiligenstadt EIC 940,06 105.195 112 114.109 –7,81 %
3 Gotha Gotha GTH 935,61 138.056 148 148.527 –7,05 %
4 Greiz Greiz GRZ 843,52 107.555 128 123.869 –13,17 %
5 Hildburghausen Hildburghausen HBN 937,37 67.007 71 73.839 –9,25 %
6 Ilm-Kreis Arnstadt IK 843,14 112.350 133 121.806 –7,76 %
7 KyffhĂ€userkreis Sondershausen KYF 1.035,16 81.449 79 94.343 –13,67 %
8 Nordhausen Nordhausen NDH 711,00 89.963 127 98.609 –8,77 %
9 Saale-Holzland-Kreis Eisenberg SHK 816,97 86.809 106 93.929 –7,58 %
10 Saale-Orla-Kreis Schleiz SOK 1.148,47 87.799 76 98.592 –10,95 %
11 Saalfeld-Rudolstadt Saalfeld/Saale SLF 1.034,58 116.818 113 132.885 –12,09 %
12 Schmalkalden-Meiningen Meiningen SM 1.210,14 129.982 107 143.702 –9,55 %
13 Sömmerda Sömmerda SÖM 804,20 72.877 91 81.204 –10,25 %
14 Sonneberg Sonneberg SON 433,49 59.954 138 67.833 –11,62 %
15 Unstrut-Hainich-Kreis MĂŒhlhausen/ThĂŒringen UH 975,53 108.758 111 119.504 –8,99 %
16 Wartburgkreis Bad Salzungen WAK 1.304,86 130.560 100 144.677 –9,76 %
17 Weimarer Land Apolda AP 803,04 84.693 105 91.443 –7,38 %
Die Landkreise und kreisfreien StĂ€dte in ThĂŒringen
  • Eisenach (EA)
  • Erfurt (EF)
  • Gera (G)
  • Jena (J)
  • Suhl (SHL)
  • Weimar (WE)
Siehe auch: Statistiken thĂŒringischer Kommunen

Nach der Wiedervereinigung verloren zunĂ€chst alle StĂ€dte ThĂŒringens rasch an Einwohnern. Seit der Jahrtausendwende begann sich diese Entwicklung auszudifferenzieren, was sich in den Jahren danach noch verstĂ€rkte. So konnten die drei StĂ€dte Erfurt, Weimar und Jena seit 2000 kontinuierlich wachsen und damit den Trend der Schrumpfung umkehren. In einer Gruppe weiterer StĂ€dte ebbte die Schrumpfung weitgehend ab und es ist eine stĂ€rkere Stabilisierung zu sehen, etwa in Nordhausen und Eisenach oder auch Ilmenau und Arnstadt. Einige andere StĂ€dte setzten hingegen die leichte Schrumpfung im gleichen Tempo fort, beispielsweise Saalfeld oder MĂŒhlhausen, wĂ€hrend sich in wenigen StĂ€dten das Tempo des BevölkerungsrĂŒckgangs noch verstĂ€rkte, wie etwa in Suhl. Es zeigt sich, dass insbesondere StĂ€dte mit großen Bildungs- und Forschungseinrichtungen demografisch profitieren, in geringerem Maße gilt dies auch fĂŒr StĂ€dte mit einem ausgeprĂ€gten, exportorientierten produzierenden Gewerbe wie Eisenach oder Arnstadt. Die anderen StĂ€dte sind nach wie vor von einem gewissen Grad an Abwanderung betroffen (rĂ€umliche Bevölkerungsbewegung), wenngleich das Fehlen von Geburten und die damit einhergehende Überalterung dort langfristig zum gravierenderen Problem werden wird (natĂŒrliche Bevölkerungsbewegung).

Stadt Landkreis Einwohner
31. August 1950
damaliger Gebietsstand
31. Dezember 1989[30]
Gebietsstand 2011
31. Dezember 2000
Gebietsstand 2011
31. Dezember 2010
Gebietsstand 2011
VerÀnderung
2000 bis 2010 in %
Erfurt kreisfrei 188.650 232.809 200.564 204.994 +2,21
Jena kreisfrei 80.309 108.979 99.893 105.129 +5,24
Gera kreisfrei 98.576 137.448 112.835 99.262 –12,03
Weimar kreisfrei 64.452 65.644 62.425 65.479 +4,89
Gotha Gotha 57.414 57.798 48.376 45.593 –5,75
Nordhausen Nordhausen 39.452 54.179 46.645 44.296 –5,04
Eisenach kreisfrei 51.777 51.493 44.442 42.750 –3,81
Suhl kreisfrei 24.020 58.756 48.025 38.776 –19,26
MĂŒhlhausen Unstrut-Hainich-Kreis 48.769 44.525 38.695 35.978 –7,02
Altenburg Altenburger Land 49.413 53.530 41.290 34.972 –15,30
Saalfeld Saalfeld-Rudolstadt 27.673 34.911 29.768 27.008 –9,27
Ilmenau Ilm-Kreis 18.538 31.660 27.176 26.022 –4,25
Arnstadt Ilm-Kreis 28.195 31.493 27.220 25.000 –8,16
Rudolstadt Saalfeld-Rudolstadt 28.234 32.573 27.528 23.762 –13,68
Sondershausen KyffhĂ€userkreis 19.622 30.950 26.514 23.142 –12,72
Apolda Weimarer Land 32.736 30.862 25.899 23.131 –10,69
Sonneberg Sonneberg 30.182 27.969 24.837 22.356 –9,99
Greiz Greiz 42.520 33.861 26.177 21.792 –16,75
Meiningen Schmalkalden-Meiningen 23.484 27.288 23.221 21.590 –7,02
Symbol fĂŒr ostdeutsches Unternehmertum - Jentower in Jena
Außenhandelspartner ThĂŒringens 2008
GewĂŒrzwerk Schönbrunn
Neben Opel in Eisenach hat sich auch die Gumpert Sportwagenmanufaktur in Altenburg angesiedelt

Historisch betrachtet hat sich die Verteilung zwischen wohlhabenden und Ă€rmeren Gebieten in ThĂŒringen seit 1945 grundlegend verĂ€ndert. Vor dem Zweiten Weltkrieg waren die Ă€rmsten Gegenden im ThĂŒringer Wald, ThĂŒringer Schiefergebirge und auch in den lĂ€ndlichen RĂ€umen SĂŒdthĂŒringens zu finden. Zu den entwickeltsten Gebieten zĂ€hlten das industrialisierte OstthĂŒringen um Gera sowie die an Sachsen grenzenden Gebiete, welche von den StĂ€dten Zwickau, Leipzig und Chemnitz profitierten. Auch Kommunen, in denen sich öffentlicher Dienst konzentrierte wie etwa Meiningen oder Weimar waren relativ wohlhabend. Heute sind die entwickeltsten und wohlhabendsten Regionen hingegen entlang der ThĂŒringer StĂ€dtekette zu finden, besonders der Raum Erfurt-Weimar-Jena weist ein hohes Wirtschaftswachstum auf. Das vom industriellen Strukturwandel geprĂ€gte OstthĂŒringen zĂ€hlt heute hingegen gemeinsam mit dem Norden des Landes zu den strukturschwachen Regionen ThĂŒringens.

Die soziale Marktwirtschaft hat mit der Wirtschafts-, WĂ€hrungs- und Sozialunion und dem Beitritt zur Bundesrepublik 1990 die sozialistische Zentralverwaltungswirtschaft in ThĂŒringen abgelöst. Dieser tief greifende Umstrukturierungsprozess löste in verschiedenen Branchen Krisen aus und fĂŒhrte zu hohen Arbeitslosenraten. Zwei Drittel der alten ArbeitsplĂ€tze ThĂŒringens fielen zwischen 1989 und 1995 der wirtschaftlichen Wende zum Opfer. Inzwischen haben einige Branchen wie der wissenschaftliche GerĂ€tebau, die Mikroelektronik und die Medizintechnik ZuwĂ€chse erzielt, so dass ein Mangel an qualifizierten FachkrĂ€ften besteht.

Seit etwa 2003 gelang es ThĂŒringen zunehmend sich von der geringeren Dynamik der ĂŒbrigen neuen LĂ€nder abzukoppeln und die Arbeitslosigkeit um bis zu acht Prozentpunkte zu reduzieren. So lag die Arbeitslosenquote im September 2011 bei 8,1 Prozent, dem niedrigsten Stand seit 1991 (vgl. Mai 2004: 16,6 Prozent). In Bezug auf die Arbeitslosenquote bestehen große Unterschiede innerhalb des Landes. Die geringste Quote verzeichnete der Landkreis Sonneberg im SĂŒden ThĂŒringens mit 4,0 %. Auch die anderen sĂŒdlich des ThĂŒringer Waldes gelegenen Kreise weisen mit Quoten um 6 % sehr niedrige Arbeitslosigkeit auf. Hoch ist die Arbeitslosigkeit dagegen noch im nördlichen ThĂŒringer Becken (Unstrut-Hainich-Kreis mit 10,2 % und KyffhĂ€userkreis mit 12,1 %) sowie in Gera (11,4 %) und im Altenburger Land (11,3 %) im Osten ThĂŒringens. Außerdem ist Arbeitslosigkeit inzwischen ein ĂŒberwiegend stĂ€dtisches PhĂ€nomen. Beispielsweise lag die Quote im Mai 2011 in Altenburg, MĂŒhlhausen, Bad Langensalza, Bad Frankenhausen sowie Artern bei rund 15 % und selbst im wirtschaftsstarken Jena bei 7,0 %, wĂ€hrend viele kleine Gemeinden Raten um und unter 5 % aufweisen (dort herrscht unter den Arbeitsmarktvorraussetzungen Ostdeutschlands somit nahezu VollbeschĂ€ftigung). In den StĂ€dten ist zudem Langzeitarbeitslosigkeit ein großes Problem, sodass sich die Situation nur sehr langsam verbessert und eine hohe Sockelarbeitslosigkeit vorherrscht.[31]

Auf der anderen Seite war der durchschnittliche Stundenlohn mit 14,91 Euro im Jahr 2007 am geringsten im bundesweiten Vergleich bei gleichzeitig lĂ€ngsten Arbeitszeiten. Arbeitslosigkeit und niedrige Löhne veranlassen gut ausgebildete junge Menschen zur Abwanderung Richtung Westen. Im ersten Quartal 2008 wurden 10.307 FortzĂŒge gemeldet im Vergleich zu weniger als 7000 ZuzĂŒgen nach ThĂŒringen.[32]

Im Vergleich mit dem BIP der EU, ausgedrĂŒckt in Kaufkraftstandards, erreichte ThĂŒringen einen Wert von 81,6 Prozent (EU-27:100) (2006).[33]

2007 betrug die Wirtschaftsleistung im Bundesland ThĂŒringen gemessen am BIP rund 48 Milliarden Euro. Der Schuldenstand belief sich im Dezember 2007 auf rund 15,8 Milliarden Euro.

Schon im Mittelalter wurde mit FĂ€rberwaid ein europaweit bedeutendes Handelsgut in ThĂŒringen angebaut und exportiert. Dies verhalf StĂ€dten wie Erfurt zu großem Reichtum. Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden in ThĂŒringen Industrieunternehmen, die hauptsĂ€chlich fĂŒr den Export produzierten. Dazu gehörten beispielsweise die optische Industrie Jenas, die technische Glasproduktion, aber auch die Spielzeugindustrie des ThĂŒringer Waldes, deren Produkte in den 1920er Jahren von Woolworth aus Sonneberg in die Vereinigten Staaten exportiert wurden. Nach dem Zweiten Weltkrieg fand der Handel vor allem mit den Staaten des Rats fĂŒr gegenseitige Wirtschaftshilfe statt.

Der Zusammenbruch dieses Markts 1990 trug maßgeblich zum Zusammenbruch der gesamten Industrie nach der Wiedervereinigung bei. So erreichten die Exporte 1992 mit umgerechnet 1,2 Milliarden Euro einen Tiefpunkt. Bis 2008 verzehnfachte sich das Exportvolumen fast auf 11,1 Milliarden Euro, bevor in der Wirtschaftskrise 2009 ein stĂ€rkerer RĂŒckgang stattfand. Die wichtigsten Exportpartner waren Frankreich, das Vereinigte Königreich und Italien. Spezifisch fĂŒr das Land ist ein ĂŒberdurchschnittliches Volumen im Außenhandel mit Tschechien und Polen. Etwa zwei Drittel des Exportes gehen in die EuropĂ€ische Union. Bei den Importen steht China seit 2004 an erster Stelle, wobei dennoch ĂŒber 60 % aller Waren aus der EuropĂ€ischen Union stammen. In der Summe ĂŒbersteigt der Wert der Exporte den der Importe um etwa ein Drittel, wĂ€hrend 1999 mehr importiert als exportiert wurde.[34]

In ThĂŒringen werden vor allem Glas, Keramik, Spielwaren, Holz und Textilien und viele Produkte aus der Metallverarbeitung hergestellt. Die meisten Arbeiter sind in Eisenach und Waltershausen im Maschinen- und Fahrzeugbau beschĂ€ftigt, aber auch in der Kleineisen- und Werkzeugproduktion. Von Bedeutung sind Elektrotechnik und GerĂ€tebau in Erfurt, Eisenach, Ruhla, Suhl und Meiningen. Die Stadt Jena erlangte durch die Herstellung von PrĂ€zisionsgerĂ€ten weltweites Ansehen. Aus dem Unternehmen Carl Zeiss Jena entstand nach 1990 Jenoptik, der grĂ¶ĂŸte Arbeitgeber der Stadt. In den letzten Jahren hat sich die Lebensmittelindustrie zu einem bedeutenden Wirtschaftszweig im Freistaat entwickelt. Das ErnĂ€hrungsgewerbe erreichte mit einem Anteil von 11,2 Prozent am Industrieumsatz Rang 2 im ThĂŒringer Verarbeitenden Gewerbe nach der Automobilindustrie.[35] Eines der grĂ¶ĂŸten Lebensmittelbetriebe in ThĂŒringen ist das in Schönbrunn ansĂ€ssige GewĂŒrzwerk, welches mit mehr als 800[36] BeschĂ€ftigten einen Spitzenplatz unter den gewĂŒrzverarbeitenden Betrieben in Europa einnimmt.

In ThĂŒringen gibt es eine Reihe börsennotierter Unternehmen (in Klammern der Börsenwert in Millionen Euro am 17. Juni 2011)[37]: ADVA Optical Networking aus Meiningen (195,42), Analytik Jena aus Jena (49,46), Biolitec aus Jena (35,39), Carl Zeiss Meditec aus Jena (1243,22), CyBio aus Jena (7,85), ersol Solar Energy aus Erfurt (1131,33), Funkwerk aus Kölleda (40,95), Geratherm Medical aus Geschwenda (36,63), Hyrican aus KindelbrĂŒck (16,68), Intershop aus Jena (70,03), Jenoptik aus Jena (354,88) und Q-Soft aus Erfurt (2,16). ADVA Optical Networking, Carl Zeiss Meditec und Jenoptik sind im TecDAX gelistet.

In ThĂŒringen wurde schon seit dem Mittelalter Bergbau betrieben, besonders in den Gebirgen wie dem ThĂŒringer Wald, dem Harz und dem ThĂŒringer Schiefergebirge. Mit Schmalkalden, Suhl oder auch Ilmenau gab es bedeutende BergbaustĂ€dte im ThĂŒringer Wald. Abgebaut wurden verschiedene Erze wie Eisen oder Mangan, aber auch Silber. Im ThĂŒringer Schiefergebirge wurden bedeutende Goldvorkommen abgebaut, worauf noch heute Ortsnamen wie Goldisthal oder Reichmannsdorf hinweisen. Bedeutendste dieser BergbaustĂ€tten war die Region Schmalkalden mit ihrer Eisenindustrie, die erst im 19. Jahrhundert unter der Konkurrenz aus dem Ruhrgebiet und dem Saarland zugrunde ging. Zur selben Zeit entstand die MaxhĂŒtte Unterwellenborn bei Saalfeld, die ebenfalls mit regionalen Eisenvorkommen versorgt wurde. Sie besteht bis heute als Stahlwerk ThĂŒringen fort.

Im 20. Jahrhundert entwickelte sich der Kali-Bergbau zum bedeutendsten Bergbauzweig. Dabei verfĂŒgt ThĂŒringen ĂŒber zwei Reviere: zum einen das noch heute genutzte Werra-Revier zwischen Bad Salzungen und Bad Hersfeld, zum anderen das nach 1990 stillgelegte nordthĂŒringische Revier mit den FörderstĂ€tten Sondershausen, Bleicherode und Bischofferode. Zur Zeit des Kalten Kriegs wurde zudem bei Ronneburg ein Großteil des von der Sowjetunion benötigten Urans abgebaut. Damit einher gingen massive Umweltzerstörungen sowie zahlreiche Erkrankungen der Bergleute, die mit dem krebserregenden Material in BerĂŒhrung kamen.

Im 19. Jahrhundert begann im Meuselwitzer Revier im Osten ThĂŒringens der Braunkohletagebau, der neben der Energiegewinnung auch den Leunawerken als Grundstoff der chemischen Industrie diente. Die Braunkohle-LagerstĂ€tten wurden gegen Ende des 20. Jahrhunderts erschöpft. Im ThĂŒringer Wald bestanden auch vereinzelte Steinkohlevorkommen, deren Abbau jedoch mit der Industrialisierung nicht mehr lohnte. LĂ€nger wurde Steinkohle noch im Stockheimer Revier bei Sonneberg an der Grenze zu Bayern abgebaut. Bedeutsam ist auch der noch heute betriebene Schieferabbau im ThĂŒringer Schiefergebirge. Dessen Zentrum ist die Stadt Lehesten mit den grĂ¶ĂŸten SchiefersteinbrĂŒchen des Landes. In Gehren im ThĂŒringer Wald befindet sich ein Bergwerk zum Abbau von Schwerspat.

Die grĂ¶ĂŸten Unternehmen in ThĂŒringen, gemessen an der Mitarbeiterzahl, waren laut einer Studie der Landesbank Hessen-ThĂŒringen im Jahr 2010 die folgenden:[38]

Unternehmen Mitarbeiter Branche Hauptstandorte
Edeka 5400 Einzelhandel flÀchendeckend
Deutsche Bahn 4500 Verkehr Erfurt/flÀchendeckend
Deutsche Post 4300 Logistik Erfurt/flÀchendeckend
Randstad 4200 Zeitarbeit, Arbeitsvermittlung Erfurt/flÀchendeckend
Bosch 4050 Automobilzulieferer, Photovoltaik, Elektrotechnik Arnstadt, Eisenach, Erfurt
Helios Kliniken 3950 KrankenhÀuser Erfurt, Gotha/Ohrdruf, Blankenhain, Bleicherode
REWE 3500 Einzelhandel flÀchendeckend
Rhön-Klinikum 3450 KrankenhÀuser Bad Berka, Meiningen, Friedrichroda, Hildburghausen
Zeitungsgruppe ThĂŒringen 1750 Zeitungen Erfurt, Gera, Löbichau
1750 Versorger, Verkehr Erfurt
Carl Zeiss 1700 Optik, Elektrotechnik Jena
Deutsche Telekom 1600 Telekommunikation Erfurt/flÀchendeckend
Opel 1600 Automobilhersteller Eisenach

Die StÀdte mit den meisten IndustriearbeitsplÀtzen waren 2006 Jena (7227), Erfurt (6503), Eisenach (6038), Gotha (3529), Nordhausen (2934), Gera (2743), Arnstadt (2335), Suhl (2227), Schmalkalden (2169) und Sömmerda (2153). Insgesamt waren 147.323 Menschen im verarbeitenden Gewerbe tÀtig.[39]

Zu DDR-Zeiten waren das Kombinat Mikroelektronik Erfurt mit 56.000 Mitarbeitern (1990) und das Kombinat Carl Zeiss Jena mit 54.000 Mitarbeitern (1990) die grĂ¶ĂŸten Arbeitgeber ThĂŒringens. 1990 gab es weitere 22 Kombinate mit je 2000 bis 30.000 BeschĂ€ftigten, die ihren Sitz im heutigen Land ThĂŒringen hatten.

Die 515.262 Hektar WaldflĂ€che in ThĂŒringen (2009) teilen sich vor allem in die Eigentumsformen Privatwald, Staatsforst und Kommunalwald auf. Auch Kirchenwald ist vorhanden. Privatwaldbesitzer haben sich hĂ€ufig zu forstlichen Betriebsgemeinschaften zusammengetan. Als besondere Eigentumsform treten in den PlenterwĂ€ldern im Naturraum Hainich-DĂŒn-Hainleite Laubgenossenschaften auf. Die Beförsterung erfolgt derzeit durch die 28 ForstĂ€mter der Landesforstverwaltung.

Die Landwirtschaft in ThĂŒringen ist durch Großbetriebe geprĂ€gt, die ihre Wurzeln in den zu DDR-Zeiten gegrĂŒndeten LPGs haben. Dadurch sind die FeldstĂŒcken recht groß und effizient zu bewirtschaften. Auch die Fleischproduktion wird von Großbetrieben dominiert.

Im ThĂŒringer Becken wird vor allem Ackerbau betrieben

Pflanzenproduktion: Insgesamt arbeiteten 2005 27.175 Menschen in der Landwirtschaft. Die LandwirtschaftsflĂ€che lag 2009 bei 879.438 Hektar, das entspricht 54,4 % der LandesflĂ€che. Der Anteil an der LandwirtschaftsflĂ€che der Bundesrepublik Deutschland lag damit bei etwa fĂŒnf Prozent. Im ThĂŒringer Becken, in der Orlasenke und im Gebiet sĂŒdlich von Altenburg wird auf hochwertigen Böden ĂŒberwiegend Ackerbau betrieben. Landwirtschaftlich genutzt wurden 793.505 Hektar (2008). Die AckerflĂ€che lag 2009 bei 527.335 Hektar, DauergrĂŒnland waren 172.862 Hektar, der GrĂŒnlandanteil lag damit bei rund 19,7 %. Angebaut werden vor allem Winterweizen, Winterraps, Wintergerste und Silomais. Die HauptanbauflĂ€che verteilt sich auf die vier Landkreise KyffhĂ€userkreis, Unstrut-Hainich-Kreis, Sömmerda und Wartburgkreis. Hauptobstanbaugebiete mit Dauerkulturen sind der Landkreis Gotha (Fahnersche Höhen), der KyffhĂ€userkreis und der Landkreis Sömmerda. Beim GemĂŒse dominiert der Anbau von Weißkohl, Blumenkohl, Zwiebeln, Tomaten, Gurken, Bohnen und Spargel. Zentrum des Weinbaus ist die Stadt Bad Sulza, die zum Weinbaugebiet Saale-Unstrut gehört. Die Weinberge befinden sich an den sonnigen Kalk-TrockenhĂ€ngen von Ilm- und Saale-Tal an der Grenze zu Sachsen-Anhalt zwischen Weimar, Jena und Naumburg. Von den 4789 Landwirtschaftbetrieben waren 2007 2084 Futterbaubetriebe, 1275 Ackerbaubetriebe und 642 Pflanzenbau-Viehhaltungsbetriebe.

Tierproduktion: 2006 wurden 1.745.000 Legehennen, 779.034 Schweine, 346.652 Rinder und 216.242 Schafe gezĂ€hlt. Zentrum der Fleischproduktion ist OstthĂŒringen.

TU Ilmenau (Altes Technikum)
Klosterschule Roßleben (1905)
Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek Weimar
Max-Planck-Institut fĂŒr Biogeochemie in Jena

Einzige VolluniversitĂ€t ist die 1558 gegrĂŒndete Friedrich-Schiller-UniversitĂ€t Jena mit zehn FakultĂ€ten, die gleichzeitig die Ă€lteste durchgehend bestehende Hochschule in ThĂŒringen ist. Mit der Bauhaus-UniversitĂ€t in Weimar mit den Schwerpunkten Architektur, Bauingenieurwesen, Gestaltung und Medien, der Technischen UniversitĂ€t Ilmenau und der nach der Wende wiedergegrĂŒndeten UniversitĂ€t Erfurt mit geisteswissenschaftlichem Profil existieren drei weitere UniversitĂ€ten. Die vier Fachhochschulen des Landes befinden sich in Nordhausen, Erfurt, Jena und Schmalkalden. In Weimar gibt es zudem noch die Hochschule fĂŒr Musik Franz Liszt. Zwei Berufsakademien bestehen in Gera und Eisenach. Weitere Bildungseinrichtungen sind die ThĂŒringer Fachhochschule fĂŒr öffentliche Verwaltung in Gotha und Meiningen, die private SRH Fachhochschule fĂŒr Gesundheit Gera, die private, 2008 gegrĂŒndete Adam-Ries-Fachhochschule in Erfurt sowie das Priesterseminar Erfurt. StudiengebĂŒhren werden in ThĂŒringen an den staatlichen Hochschulen nicht erhoben. Insgesamt studieren knapp 50.000 Menschen in ThĂŒringen, etwa die HĂ€lfte davon in Jena, weitere 9000 in Erfurt, 6000 in Ilmenau sowie 4000 in Weimar. Die ĂŒbrigen Studenten verteilen sich auf die kleineren Hochschulstandorte Schmalkalden, Nordhausen, Gera, Eisenach, Gotha und Meiningen.

Das Schulsystem ThĂŒringens ist dreigliedrig aufgebaut. Nach der vierjĂ€hrigen Grundschule folgen das seit 1990 achtjĂ€hrige Gymnasium (G8) oder die Regelschule, die Haupt- und Realschule in sich vereint. Zum Abitur in ThĂŒringen gehört die Seminarfacharbeit, eine bundesweit einzigartige Hausarbeit, die wie eine AbiturprĂŒfung in die Abiturnote eingebracht werden kann. Nach dem Amoklauf von Erfurt wurde an den ThĂŒringer Gymnasien am Ende der Klasse 10 die Besondere Leistungsfeststellung eingefĂŒhrt, eine PrĂŒfung in Deutsch, Mathematik, Englisch und einer Naturwissenschaft, die allen bestehenden SchĂŒlern einen Realschulabschluss (mittlere Reife) einbringt. Zu DDR-Zeiten entstanden in ThĂŒringen mehrere Spezialschulen zur Förderung hochbegabter SchĂŒler in bestimmten Themenbereichen, die bis heute fortbestehen. Dazu gehören die Musikgymnasien Schloss Belvedere in Weimar und Goethe-Gymnasium/Rutheneum in Gera, die Sportgymnasien Pierre de Coubertin in Erfurt, Johann Christoph Friedrich GutsMuths in Jena und das Sportgymnasium fĂŒr die Wintersportarten in Oberhof, die naturwissenschaftlichen Spezialschulen in Erfurt (Albert-Schweitzer-Gymnasium), Ilmenau (Goetheschule) und Jena (Carl-Zeiss-Gymnasium) und das Sprachgymnasium Salzmannschule Schnepfenthal bei Waltershausen. Auch die Internatsschulen Hermann-Lietz-Schule Haubinda (gegrĂŒndet 1901) und Klosterschule Roßleben (gegrĂŒndet 1544) gehören zu den besonderen Schulen im Land. Auf dem zweiten Bildungsweg zum Abitur fĂŒhren das ThĂŒringenkolleg in Weimar und das Ilmenau-Kolleg in Ilmenau. Bedeutende PĂ€dagogen mit TĂ€tigkeitsschwerpunkt im Land waren unter anderem Friedrich Fröbel, der „Erfinder“ des Kindergartens, Johann Christoph Friedrich GutsMuths, der den Sportunterricht an Schulen begrĂŒndete, Christian Gotthilf Salzmann, GrĂŒnder der Salzmannschule in Schnepfenthal, Hermann Lietz, GrĂŒnder der Hermann-Lietz-Schulen, und Peter Petersen, der das Konzept der Jena-Plan-Schulen erdachte.

Bedeutende Bibliotheken im Land sind die ThĂŒringer UniversitĂ€ts- und Landesbibliothek, seit 1549 in Jena ansĂ€ssig (vorher in Wittenberg und Weimar) und die 1691 gegrĂŒndete Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar. Die UniversitĂ€ts- und Forschungsbibliothek Erfurt/Gotha wurde 1647 von Ernst dem Frommen in Gotha gegrĂŒndet und gehört ebenfalls zu den bedeutendsten Bibliotheken des Landes. Die Akademie gemeinnĂŒtziger Wissenschaften wurde 1754 in Erfurt gegrĂŒndet und ist der drittĂ€lteste Gelehrtenzirkel seiner Art in Deutschland. Die wichtigsten Archive ThĂŒringens sind das Goethe- und Schiller-Archiv in Weimar, das Hauptstaatsarchiv Weimar sowie die nachgeordneten Staatsarchive in Altenburg, Gotha, Greiz, Meiningen und Rudolstadt.

Bedeutende Forschungsinstitute in ThĂŒringen sind das Fraunhofer-Institut fĂŒr Digitale Medientechnologie in Ilmenau, das Fraunhofer-Anwendungszentrum fĂŒr Systemtechnik in Ilmenau, das Fraunhofer-Institut fĂŒr Angewandte Optik und Feinmechanik in Jena, das Leibniz-Institut fĂŒr Altersforschung in Jena, das Leibniz-Institut fĂŒr Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie in Jena, das Max-Planck-Institut fĂŒr Biogeochemie in Jena, das Max-Planck-Institut fĂŒr chemische Ökologie in Jena, das Max-Planck-Institut fĂŒr Ökonomik in Jena, das Institut fĂŒr GemĂŒse- und Zierpflanzenbau in Erfurt, das Institut fĂŒr Photonische Technologien in Jena, das Institut fĂŒr bakterielle Infektionen und Zoonosen in Jena und das Institut fĂŒr molekulare Pathogenese in Jena. Auch das Ă€lteste noch bestehende Planetarium der Welt, das Planetarium Jena, gehört zu den bedeutendsten wissenschaftlichen Einrichtungen des Landes.

Siehe auch: Hochschulen in ThĂŒringen und Liste der Gymnasien in ThĂŒringen
→ Hauptartikel: Tourismus in ThĂŒringen

Der ThĂŒringer Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftszweig. Die Erholungsgebiete befinden sich hauptsĂ€chlich im ThĂŒringer Wald und im ThĂŒringer Schiefergebirge. Zahlreiche Wanderwege erschließen diese Gebirge. Der etwa 160 Kilometer lange Fernwanderweg „Rennsteig“, der auf dem Kamm des gesamten ThĂŒringer Waldes und des ThĂŒringer Schiefergebirges entlangfĂŒhrt, bietet sehr gute Fernsichten. Eines der Wintersportzentren ist Oberhof, welches etwa zehn Kilometer nördlich von Suhl liegt.

Im Jahr 2010 waren die zehn Orte ThĂŒringens mit den meisten Übernachtungen: Erfurt (726.662), Weimar (607.834), Oberhof (432.866), Friedrichroda (380.461), Bad Liebenstein (376.353), Masserberg (305.993), Jena (297.614), Eisenach (293.404), Suhl (229.548) und Bad Sulza (217.950). Insgesamt wurden 2008 in ThĂŒringen von 3.119.024 GĂ€sten 8.682.405 Übernachtungen gebucht.[40]

Auf Grund seiner zentralen Lage im wiedervereinigten Deutschland und des Nachholebedarfs infolge seiner DDR-Vergangenheit wurden in ThĂŒringen seit 1990 erhebliche Anstrengungen zum Ausbau der Infrastruktur unternommen.

Die grĂ¶ĂŸten Verkehrsprojekte sind teilweise fertiggestellt. Im Jahr 2015 sollen alle Großprojekte abgeschlossen sein. Bedingt durch seine Lage im Mittelgebirgsraum gibt es in ThĂŒringen als einzigem Bundesland keine Wasserstraßen, also keine schiffbaren FlĂŒsse oder KanĂ€le. Schifffahrt wird lediglich auf dem Hohenwarte-Stausee und der Bleilochtalsperre betrieben. Sie dient mit Ausnahme der FĂ€hre von Altenbeuthen zur LinkenmĂŒhle touristischem Verkehr.

Die TalbrĂŒcke JĂŒchsen der A 71 wĂ€hrend der Bauzeit

Wichtigste Straßenverkehrsachsen in ThĂŒringen sind die Bundesautobahn 4 in Ost-West-Richtung und die Bundesautobahn 9 in Nord-SĂŒd-Richtung. Beide werden zurzeit ausgebaut, um am Ende durchgehend sechsstreifig befahrbar zu sein. ErgĂ€nzt wird das Autobahnnetz durch die Bundesautobahn 38 im Norden, die Leipzig mit Kassel verbindet; die Bundesautobahn 71 fĂŒhrt in Nordost-SĂŒdwest-Richtung quer durch das Land und ist bis auf den Abschnitt Sömmerda–Sangerhausen, der 2013 eröffnet werden soll[41], ebenfalls fertiggestellt. Sie verbindet die Landeshauptstadt Erfurt mit dem Raum WĂŒrzburg im SĂŒden und dem Raum Halle im Norden. Die Bundesautobahn 73 setzt in Suhl sĂŒdlich der Querung des ThĂŒringer Waldes der A 71 an und fĂŒhrt nach SĂŒden in den Großraum NĂŒrnberg. Nicht ĂŒber thĂŒringisches Gebiet verlaufen die Bundesautobahn 44 und die Bundesautobahn 72, die aber dennoch Einfluss auf den Verkehr in ThĂŒringen haben. Erstere soll zukĂŒnftig die A 4 bei Eisenach mit Kassel und dem Ruhrgebiet verbinden und Letztere bietet dem Raum Greiz eine Autobahnanbindung. Dennoch gibt es einige Bereiche, die von diesen Autobahnen umgangen werden. Dies sind insbesondere der Raum Saalfeld/Rudolstadt und der Raum MĂŒhlhausen, wo durch Ausbau der Bundesstraßen eine gute Anbindung sichergestellt werden soll.

Siehe auch: Liste der Fernstraßen in ThĂŒringen und Liste der Straßentunnel in ThĂŒringen
Der Erfurter Hauptbahnhof
→ Hauptartikel: Eisenbahn in ThĂŒringen

Die Eisenbahn erreichte ThĂŒringen im Jahr 1842 mit der Bahnstrecke Leipzig–Hof ĂŒber Altenburg (damals SĂ€chsisch-Bayerische Eisenbahn genannt). Die Landeshauptstadt Erfurt erhielt 1846 einen Eisenbahnanschluss an der Strecke von Berlin nach Frankfurt am Main. Heute gibt es in ThĂŒringen zwei Eisenbahnstrecken, die zum ICE-Liniennetz gehören, die Saalbahn (Berlin)–Naumburg–Jena–Saalfeld–Kronach–Lichtenfels–(NĂŒrnberg–MĂŒnchen) und die ThĂŒringer Bahn (Dresden–Leipzig)–Naumburg–Weimar–Erfurt–Gotha–Eisenach–(Fulda–Frankfurt am Main). Vor 1945 gab es noch eine dritte bedeutende Personenverkehrsachse durch ThĂŒringen, die Bahnstrecke Erfurt–Schweinfurt, die von ExpresszĂŒgen von Berlin nach Stuttgart genutzt wurde. Heute hat sie ihre Bedeutung aber weitestgehend verloren. Die Halle-Kasseler Eisenbahn ĂŒber Nordhausen diente und dient hauptsĂ€chlich dem Ost-West-GĂŒterverkehr. Dem Mischverkehr diente die einstmals bedeutende Strecke Ruhrgebiet-Northeim-Nordhausen-Halle; heute SĂŒdharz-Eisenbahnstrecke (Erfurt-Nordhausen-Göttingen). Nordhausen ist ebenso der Kopfbahnhof fĂŒr die Harz-Querbahn zum Brocken und nach Wernigerode. ICE-Halte in ThĂŒringen sind Erfurt Hbf, Weimar, Gotha und Eisenach an der Strecke Dresden–Frankfurt sowie Jena Paradies und Saalfeld an der Strecke Berlin–MĂŒnchen.

Im Regionalverkehr erbringen neben der DB Regio SĂŒdost auch die Vogtlandbahn, die Erfurter Bahn, die SĂŒd-ThĂŒringen-Bahn und die Cantus Verkehrsleistungen. Regionalexpress-Verbindungen bestehen in angrenzende GroßstĂ€dte wie Göttingen, Magdeburg, Chemnitz oder WĂŒrzburg. In Bau sind gegenwĂ€rtig die Schnellfahrstrecke NĂŒrnberg–Erfurt und die Neubaustrecke Erfurt–Leipzig/Halle als derzeit grĂ¶ĂŸtes Bauprojekt im deutschen Schienennetz. Mit der Fertigstellung in Richtung Halle wird um das Jahr 2015, nach NĂŒrnberg ab 2017 gerechnet. Dann werden sich die Reisezeiten zwischen Erfurt und NĂŒrnberg/MĂŒnchen sowie Leipzig/Berlin mit dem ICE deutlich verkĂŒrzen.

Seine maximale Ausdehnung erreichte das ThĂŒringer Eisenbahnnetz um 1940 mit fast 2500 Kilometern. Heute sind noch knapp 1500 Kilometer Bahnstrecken in Betrieb.

Siehe auch: Liste der Eisenbahntunnel in ThĂŒringen
FlughĂ€fen und LandeplĂ€tze in ThĂŒringen

FlughÀfen mit Linienbetrieb sind der Flughafen Erfurt und der Leipzig-Altenburg Airport bei Nobitz im Altenburger Land.

Weitere FlugplĂ€tze gibt es bei den StĂ€dten Arnstadt, Bad Berka, Bad Frankenhausen, Bad Langensalza, Eisenach, Gera, Gotha, Greiz, Heilbad Heiligenstadt, Ilmenau, Jena, MĂŒhlhausen, Nordhausen, Rudolstadt, Schlotheim, Sömmerda, Suhl und Weimar.

Die Talsperre Schönbrunn

Die Stromerzeugung spielt in ThĂŒringen nur eine untergeordnete Rolle, da das Land seit jeher von den großen Braunkohlekraftwerken bei Leipzig und in der Lausitz mitversorgt wird. In den letzten Jahren wurde im Freistaat der Aufbau erneuerbarer Energien gefördert. So entstanden neben zahlreichen Windparks auch das Pumpspeicherwerk Goldisthal, das grĂ¶ĂŸte Pumpspeicherwerk Deutschlands. Die Wasserenergie wurde jedoch schon seit den 1930er Jahren im großen Stil genutzt. Damals entstand das Talsperrensystem Saalekaskade, wo mit der Bleilochtalsperre die grĂ¶ĂŸte Talsperre Deutschlands liegt. Der Freistaat gehört zum Übertragungsnetzgebiet von 50Hertz Transmission.

ThĂŒringen ist eines der wasserreichsten BundeslĂ€nder. Die großen Talsperren im ThĂŒringer Wald und ThĂŒringer Schiefergebirge versorgen teils auch angrenzende Regionen in anderen LĂ€ndern mit Trinkwasser. Bedeutende Trinkwassertalsperren sind die Talsperre Leibis-Lichte, die Talsperre Schönbrunn, die Talsperre Schmalwasser und die Ohra-Talsperre.

→ Hauptartikel: Gesundheitswesen in ThĂŒringen

In ThĂŒringen erscheinen sieben regionale Tageszeitungstitel: die ThĂŒringer Allgemeine (TA) im Gebiet des ehemaligen Bezirkes Erfurt (Mitte, Norden), die ThĂŒringische Landeszeitung (TLZ) und die OstthĂŒringer Zeitung (OTZ), alle drei gehören zur Zeitungsgruppe ThĂŒringen der WAZ-Mediengruppe. Daneben erscheinen das Freie Wort (FW) und kooperationsbedingt teils inhaltsgleich die SĂŒdthĂŒringer Zeitung (stz) und das FW Meininger Tageblatt. Sie gehören zur Regionalzeitungsgruppe Hof/Coburg/Suhl des SĂŒddeutschen Verlags. Im Gebiet des ehemaligen Kreises Altenburg erscheint die OsterlĂ€nder Volkszeitung, die zur Leipziger Volkszeitung gehört.

Öffentlich-rechtlicher Rundfunk wird in ThĂŒringen vom MDR produziert. Der MDR betreibt das Landesfunkhaus ThĂŒringen in der Gothaer Straße in Erfurt. Dort sind auch der KI.KA, der Kinderkanal von ARD und ZDF, die MDR-Werbung, die MDR-Produktionstochter MCS ThĂŒringen untergebracht. Im Erfurter Funkhaus wird das ThĂŒringenjournal, die tĂ€gliche Fernseh-Nachrichtensendung fĂŒr ThĂŒringen, produziert. Daneben strahlt der MDR mit MDR 1 Radio ThĂŒringen ein eigens fĂŒr das Land produziertes Hörfunkprogramm aus. In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich Das KinderMedienZentrum, in dem unter anderen die KiKa-Serie Schloss Einstein produziert wird. Das ZDF betreibt in Erfurt sein Landesstudio ThĂŒringen. Produziert werden Berichte ĂŒber ThĂŒringen unter anderem fĂŒr die heute-Nachrichten, das Heute-Journal, WISO und andere Magazine des ZDF.

Privatrundfunk senden in ThĂŒringen die landesweiten Radios Landeswelle ThĂŒringen, Antenne ThĂŒringen und deren Tochtergesellschaft Radio Top 40. In manchen Orten gibt es lokale Fernsehstationen. Die ThĂŒringer Landesmedienanstalt hat außerdem elf BĂŒrgerfunkprojekte eingerichtet. Mit den grĂ¶ĂŸten Verbreitungsgebieten sind dies die beiden direkt von der TLM getragenen Offenen KanĂ€le der Offene Fernsehkanal in Gera und Radio Funkwerk in Erfurt und Weimar. Hinzu kommen leistungsfĂ€hige Offene KanĂ€le in TrĂ€gerschaft von Vereinen in Jena der OK-J, Saalfeld der SRB, Eisenach das Wartburg-Radio, Nordhausen und Leinefelde. In einigen StĂ€dten wurden von der TLM auch nichtkommerzielle Lokal- und Hochschulradios lizenziert. Dazu gehören Radio F.R.E.I. in Erfurt, Radio Lotte Weimar, radio hsf in Ilmenau, das Studentenradio der Bauhaus-UniversitĂ€t Weimar. In den meisten Offenen KanĂ€len sind zudem die medienpĂ€dagogischen Projekte, unter Anderem PiXEL-Fernsehen und RABATZ, angesiedelt. Hier können Kinder und Jugendliche selbst Radio und Fernsehen machen.

Die bundesweit zustĂ€ndige Kommission fĂŒr Jugendmedienschutz hat ihren Sitz seit ihrer GrĂŒndung im Jahr 2003 in Erfurt.

Die Kultur ThĂŒringens ist bedingt durch die lange politische Zersplitterung (bis 1920) besonders vielfĂ€ltig. Diese Vielfalt hat sich bis heute erhalten und findet in den verschiedenen ehemaligen Residenzen im Land Ausdruck. Parallel zur Vielfalt der Landesteile verbinden aber vor allem die Ă€hnliche KĂŒche sowie die Ă€hnlichen Feste und BrĂ€uche.

Zum UNESCO-Welterbe in ThĂŒringen gehören seit 1996 die Bauhaus-StĂ€tten in Weimar mit dem zwischen 1904 und 1911 nach PlĂ€nen von Henry van de Velde errichteten HauptgebĂ€ude der Bauhaus-UniversitĂ€t, der Kunstgewerbeschule Weimar und dem Musterhaus Am Horn, seit 1998 die elf StĂ€tten des Klassischen Weimars (Goethes Wohnhaus, Schillers Wohnhaus, Herderkirche und Herder-StĂ€tten, Weimarer Stadtschloss, Wittumspalais, Herzogin Anna Amalia Bibliothek, Park an der Ilm mit Goethes Gartenhaus und Römischem Haus, Schloss Belvedere, Schloss Ettersburg, Schloss Tiefurt, Historischer Friedhof Weimar) und seit 1999 die Wartburg bei Eisenach.

Siehe auch: Liste der Museen in ThĂŒringen
Das Bauhaus-Museum in Weimar

Die Museumslandschaft ThĂŒringens hat ihren Schwerpunkt in Weimar mit seinen klassischen Dichtern, Musikern und KĂŒnstlern. Aber auch in einigen anderen StĂ€dten im Land liegen bedeutsame Museen. ZusĂ€tzlich befinden sich in den alten Residenzschlössern die jeweiligen Landesmuseen, die einen regionalgeschichtlichen Schwerpunkt setzen.

Zum Weimarer Weltkulturerbe gehören das Goethe-Nationalmuseum, welches die WirkungsstĂ€tten des Dichters in der Stadt vereint, sowie Schillers Wohnhaus und eine Vielzahl anderer kulturell genutzter Einrichtungen. Bedeutsam ist außerdem das Bauhaus-Museum in der Weimarer Innenstadt.

Das Lindenau-Museum in Altenburg beherbergt die grĂ¶ĂŸte Sammlung frĂŒhitalienischer Tafelbildmalerei nördlich der Alpen. Es gehört neben der Wartburg und der Klassik Stiftung Weimar zu den 20 „kulturellen LeuchttĂŒrmen“ im Blaubuch der Bundesregierung in den neuen BundeslĂ€ndern.

Ein imposantes Bauwerk ist das Bauernkriegspanorama bei Bad Frankenhausen, welches eines der drei grĂ¶ĂŸten GemĂ€lde der Welt beinhaltet und 1989 eröffnet wurde. Das Deutsche Spielzeugmuseum in Sonneberg wurde 1901 eröffnet und ist das Ă€lteste sowie eines der grĂ¶ĂŸten Spielzeugmuseen in der Bundesrepublik. Ähnlich bedeutsam ist das Deutsche Gartenbaumuseum in Erfurt auf dem Gebiet der Landschaftsarchitektur. Es zeigt auf 1500 Quadratmetern geschichtliches und biologisches aus dem Gartenbau in Mitteleuropa. Das Optische Museum in Jena schildert die Geschichte und den Fortschritt der Technologie im Bereich der Optik und ist auf diesem Gebiet ebenfalls von bundesweiter Bedeutung.

Das Deutsche Nationaltheater in Weimar

Die Theaterlandschaft in ThĂŒringen ist – bedingt durch die Kleinstaaterei – ebenfalls noch heute vielfĂ€ltig. Die bedeutendsten Theater des Landes sind das Deutsche Nationaltheater in Weimar und das Das Meininger Theater. Traditionsreiche SchauspielhĂ€user werden heute auch noch in Eisenach, Gera und Altenburg betrieben. Ein Neubau aus der jĂŒngsten Zeit ist das Theater Erfurt. Weitere Theater fĂŒhren in Arnstadt, Greiz, Nordhausen und Rudolstadt auf. Vielen Theatern gehört zudem noch ein eigenes Orchester an. Die grĂ¶ĂŸte FreiluftbĂŒhne ist das Naturtheater Steinbach-Langenbach im ThĂŒringer Wald. Da alle Theater vom Freistaat bezuschusst werden, stellt die Finanzierung dieses Kulturangebots eine schwierige Aufgabe dar. In den letzten Jahren mussten die Theater bereits grĂ¶ĂŸere EtatkĂŒrzungen durch die Landesregierung hinnehmen.

Mit dem Ekhof-Theater von 1681 in Gotha befindet sich das Ă€lteste erhaltene Theater Deutschlands ebenso im Land wie das Stadttheater Hildburghausen von 1755 als Ă€ltestes erhaltenes Stadttheater, wo 1765 auch die erste Schauspielschule Deutschlands gegrĂŒndet wurde.

Um 1200 erlebte ThĂŒringen eine BlĂŒtezeit des Minnesangs und der Sangspruchdichtung. Davon legt besonders die Gedichtsammlung ĂŒber den fiktiven SĂ€ngerkrieg auf der Wartburg ein bedeutendes Zeugnis ab. Der Legende nach sollen dort damals die wichtigsten MinnesĂ€nger dieser Zeit miteinander gewetteifert haben.

Johann Sebastian Bach

Die Familie Bach mit ihrem berĂŒhmtesten Sohn, Johann Sebastian Bach, stammt aus Wechmar bei Gotha. Viele Mitglieder dieser Familie wurden Musiker und prĂ€gten die Hof- und Kirchenmusik in ThĂŒringen zwischen dem 16. und dem 18. Jahrhundert. Nach der Familie Bach kamen im „Silbernen Zeitalter“ Weimars, dem 19. Jahrhundert, Musiker wie Franz Liszt nach ThĂŒringen. Sie schĂ€tzten die liberale und geschichtstrĂ€chtige AtmosphĂ€re der Goethestadt. Durch Liszt und seinen SchĂŒlerkreis wurde Weimar um 1850 eines der Zentren der damaligen modernen Musik. 1872 grĂŒndete Carl MĂŒllerhartung hier die erste deutsche Orchesterschule, den VorlĂ€ufer der heutigen Hochschule fĂŒr Musik Franz Liszt Weimar. Zu den dort tĂ€tigen MusikpĂ€dagogen gehörten auch die wohl bedeutendsten dauerhaft in ThĂŒringen lebenden Komponisten des 20. Jahrhunderts, Richard Wetz und Johann CilenĆĄek. In der zweiten HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts erlangte die Meininger Hofkapelle den Ruf eines hervorragenden Orchesters, das besonders seit Hans von BĂŒlow 1880 die Leitung ĂŒbernommen hatte, weitere fĂ€hige Musiker anzog, die zur Entwicklung einer musikalischen BlĂŒtezeit Wesentliches beitrugen. Bis 1914 wurde diese Tradition unter den Dirigenten Richard Strauss, Fritz Steinbach, Wilhelm Berger und Max Reger fortgefĂŒhrt.

Wichtige Orchester des Landes sind die ThĂŒringen Philharmonie Gotha, die ThĂŒringer Symphoniker Saalfeld-Rudolstadt, die Jenaer Philharmonie, das Loh-Orchester Sondershausen und die Vogtland Philharmonie Greiz Reichenbach. Auch der Bachchor Eisenach kann auf eine traditionsreiche Geschichte zurĂŒckblicken. Die ThĂŒringer Bachwochen sind ein landesweites Musikfestival zu Ehren Johann Sebastian Bachs. Der volkstĂŒmlichen Musik in ThĂŒringen war vor allem Herbert Roth, der Komponist des Rennsteiglieds, verschrieben. Es gilt als inoffizielle Landeshymne. Zu den bekanntesten Musikern aus ThĂŒringen gehörten zu DDR-Zeiten Veronika Fischer, Tamara Danz, die SĂ€ngerin der Band Silly, die SchlagersĂ€ngerin Ute Freudenberg („Jugendliebe“), die Rockmusiker JĂŒrgen Kerth und Klaus Renft, GrĂŒnder der Klaus Renft Combo, sowie der Liedermacher Gerhard Gundermann. In jĂŒngster Zeit sind vor allem Pop-Musiker wie Yvonne Catterfeld oder Clueso bekannt. ThĂŒringen hat sich außerdem einen Ruf in der Elektromusikszene erworben. Hier wĂ€ren als erstes international erfolgreiche KĂŒnstler, wie Northern Light oder Marek Hemmann zu erwĂ€hnen. Ebenso gibt es eine Bandbreite an national und regional erfolgreichen DJÂŽs, die sich Musikarten wie House, Minimal, Hard-Tech oder Schranz widmen. Dazu gehören DJÂŽs wie zum Beispiel A.N.A.L., The Housegroover u. v. a.

Die Literaturgeschichte ThĂŒringens ist untrennbar durch die Weimarer Klassik bestimmt. Sie fĂŒhrte die deutschsprachige Literatur im 18. Jahrhundert mit dem Dichterkreis um Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller an. Ebenfalls in diese Epoche können Johann Gottfried Herder, Karl Ludwig von Knebel und Christoph Martin Wieland eingeordnet werden. Sie konzentrierten sich am Weimarer Hofe um Herzog Karl August und dessen Mutter Anna Amalia. In spĂ€teren Epochen waren fĂŒr das Land vor allem Dichter wie Rudolf Baumbach, Ludwig Bechstein, Otto Ludwig und Theodor Storm von Bedeutung. Auch die Sachliteratur hat einige bedeutende Werke hervorgebracht, so erschien 1872 in Schleiz der erste Duden von Konrad Duden, Justus Perthes schrieb 1763 das erste Genealogische Handbuch des Adels, welches spĂ€ter als „der Gotha“ bezeichnet wurde. Ab 1863 erschienen in Hildburghausen Brehms Thierleben von Alfred Brehm aus Renthendorf bei Neustadt an der Orla. Ernst Haeckel publizierte an der UniversitĂ€t Jena die Darwinsche Evolutionstheorie und entwickelte sie weiter. Der Philosoph Friedrich Nietzsche verbrachte seine letzten Lebensjahre in Weimar, wo das Nietzsche-Archiv heute seinen Nachlass verwaltet. Ein bedeutender Kartograf wurde ab 1900 der Gothaer Hermann Haack.

Auf dem Gebiet der Bildenden KĂŒnste war in ThĂŒringen vor allem das Bauhaus in Weimar von Bedeutung. Es war in den 1920er Jahren weltweit stilprĂ€gend und zog Maler wie Lyonel Feininger, Wassily Kandinsky, Paul Klee, Johannes Itten und Oskar Schlemmer sowie Architekten wie Walter Gropius, Henry van de Velde und Ludwig Mies van der Rohe in den Freistaat. Aber auch Maler wie Lucas Cranach der Ältere oder Otto Dix und der Bildhauer Tilman Riemenschneider wirkten in ThĂŒringen.

Kloster Paulinzella (Romanik)

In ThĂŒringen sind Bauwerke aus den Stilepochen seit der Romanik erhalten. Romanische Bauwerke von Bedeutung sind die Wartburg, die Burg Lohra und die Kemenate OrlamĂŒnde auf dem Gebiet des Burgenbaus und die Klöster in ThalbĂŒrgel, Paulinzella und Göllingen (byzantinischer Stil) sowie der NordhĂ€user Dom und die Erfurter Peterskirche (ehemaliges Peterskloster). Auch die WerrabrĂŒcke Creuzburg, errichtet 1223 und damit die Ă€lteste BrĂŒcke der neuen BundeslĂ€nder, wurde im romanischen Stil errichtet.

Die Gotik war durch den Bau großer, reprĂ€sentativer Stadtkirchen geprĂ€gt. Bedeutendste Werke dieser Zeit sind der Erfurter Dom und die benachbarte Severikirche sowie die Predigerkirche und die BarfĂŒĂŸerkirche in der Erfurter Altstadt. Auch in anderen StĂ€dten entstanden zu dieser Zeit große Kirchbauten, wie etwa die Marienkirche und die Divi-Blasii-Kirche in MĂŒhlhausen oder die Marktkirche in Bad Langensalza und die Jenaer Stadtkirche. Zu den grĂ¶ĂŸten gotischen Profanbauten gehört der Kornhofspeicher in Erfurt.

Schloss Belvedere (Barock)

Die Zeit der Renaissance fĂŒhrte zum Aufschwung des BĂŒrgertums in den StĂ€dten, wovon die BĂŒrger- und RathĂ€user der damaligen Zeit zeugen. Das Altenburger Rathaus gehört ebenso wie das Geraer Rathaus und die Erfurter BĂŒrgerhĂ€user Haus zum Roten Ochsen, Haus zum Breiten Herd oder Haus zum Stockfisch in diese Epoche der abendlĂ€ndischen Architektur. In dieser Zeit vollzog sich der Übergang vom Burgenbau zum Schlossbau, was heute in Schlossburgen wie dem Oberen Schloss in Greiz, der Burg Ranis, dem Schloss Bertholdsburg in Schleusingen oder dem Schloss Wilhelmsburg in Schmalkalden deutlich wird. Der Kirchenbau kam in ThĂŒringen in der Renaissance angesichts der Reformation zum Erliegen.

Im Barock erlebte der Schlossbau seine BlĂŒtezeit. Es entstanden Residenzen wie die Heidecksburg oder Schloss Friedenstein, aber auch VerwaltungsgebĂ€ude wie die Kurmainzische Statthalterei, heute ThĂŒringer Staatskanzlei, in Erfurt. Landschlösser entstanden zu dieser Zeit unweit der ResidenzstĂ€dte, allein im Umfeld Weimars sind dies das Schloss Belvedere, das Schloss Tiefurt und das Schloss Ettersburg, die allesamt in der barocken Zeit des Absolutismus entstanden. Vereinzelt wurden auch Kirchen wie die Stadtkirche Waltershausen (rund), NebengebĂ€ude von Residenzen wie die Orangerie Gotha und WohnhĂ€user des BĂŒrgertums wie das Weimarer Wittumspalais errichtet.

Zeiss-Bau 15 (Moderne)

Der Klassizismus war in ThĂŒringen weniger prĂ€gend als etwa in Preußen. GrĂ¶ĂŸere Schlossanlagen aus dieser Epoche sind das Weimarer Stadtschloss und das Untere Schloss in Greiz. Vereinzelt sind auch klassizistische Kirchenbauten vorhanden, beispielsweise die Dreieinigkeitskirche in Zeulenroda. In derselben Stadt befindet sich mit dem Rathaus auch das prĂ€gendste Bauwerk des Klassizismus in ThĂŒringen. Auf diesen Stil folgte der Historismus mit dem ein enormes Bevölkerungs- und StĂ€dtewachstum einherging, was zahlreiche Neubauten erforderte. So prĂ€gt der Historismus heute noch ganze Stadtbilder. Es entstanden unzĂ€hlige WohnhĂ€user und Verwaltungsbauten, aber auch Kirchen in den wachsenden Vierteln der grĂ¶ĂŸeren StĂ€dte. Im frĂŒhen Historismus entstand das neugotische Schloss Landsberg bei Meiningen, spĂ€ter folgten das Neue Museum in Weimar und das Museum der Natur Gotha. In der Endphase des Historismus vor dem Ersten Weltkrieg errichtete man neue Theater (in Weimar und Meiningen) oder auch das Volkshaus Jena.

Die Moderne begann in ThĂŒringen wĂ€hrend des Ersten Weltkriegs, als mit dem 42 Meter hohen Bau 15 in Jena das erste Hochhaus Deutschlands entstand. Ab 1919 wurde das Bauhaus mit Sitz in Weimar stilprĂ€gend. Unter der Leitung von Walter Gropius entstand in Weimar das Musterhaus Am Horn nach den Idealen des Bauhauses. Auch das Haus des Volkes in Probstzella ist nach den GrundsĂ€tzen des Bauhauses errichtet worden. Die Lutherkirche in Erfurt ist eines der wenigen Bauwerke im Stil des Art DĂ©co, errichtet 1927. Um 1930 wurden im Osten Erfurts erste Quartiere mit Sozialwohnungen errichtet, die sich stilistisch an Bauhaus und Neue Sachlichkeit anlehnten. Es folgte die Architektur des Nationalsozialismus, die Vorgabe zum Bau des Gauforums in Weimar war. Nach dem Krieg wurde in der DDR der industrielle Wohnungsbau aus Betonfertigteilen dominant. Auch in der Architektur öffentlicher Bauten schlug sich dieser Trend nieder. 1972 wurde das UniversitĂ€tshochhaus in Jena eingeweiht. Seit 2004 misst es bis zur Turmspitze 159 Meter. Einer der letzten Bauten der DDR war das monumentale GebĂ€ude des Bauernkriegspanoramas („Elefantenklo“) bei Bad Frankenhausen aus dem Jahr 1987. Nach der deutschen Wiedervereinigung konzentrierte sich die BautĂ€tigkeit auf öffentliche GebĂ€ude wie etwa das Bundesarbeitsgericht oder das Theater Erfurt, die dem Zeitgeschmack entsprechend in Glas und Stahl ausgefĂŒhrt wurden.

Zu den berĂŒhmtesten Architekten, die in ThĂŒringen wirkten, zĂ€hlen Nikolaus Gromann (Renaissance), Gottfried Heinrich Krohne (Barock), Clemens Wenzeslaus Coudray (Klassizismus), Henry van de Velde (Jugendstil) und Walter Gropius (Bauhaus Weimar).

ThĂŒringer RostbratwĂŒrste
→ Hauptartikel: ThĂŒringer KĂŒche

Die ThĂŒringer KĂŒche ist traditionell fleischlastig und eher deftig. Bekannte SpezialitĂ€ten sind die ThĂŒringer KlĂ¶ĂŸe, die ThĂŒringer Rostbratwurst und das RostbrĂ€tel.

Bier ist das bedeutendste GetrĂ€nk in ThĂŒringen, besonders das Köstritzer Schwarzbier ist bundesweit bekannt. Pils und andere Biersorten werden in den vielen kleinen und mittelstĂ€ndischen Brauereien des Landes produziert. Zentrum des Weinbaus ist die Stadt Bad Sulza im Ilmtal. Sie gehört zum Weinbaugebiet Saale-Unstrut.

ThĂŒringen besitzt kein einheitliches signifikantes Brauchtum, vielmehr unterscheidet sich dieses von Dorf zu Dorf und von Region zu Region. Im ganzen Land begangen wird in fast jedem Dorf alljĂ€hrlich die Kirmes als zentrales Dorffest. Die MĂŒhlhĂ€user Kirmes ist hierbei nach eigenen Angaben die grĂ¶ĂŸte in Deutschland. Der Eisenacher Sommergewinn ist das grĂ¶ĂŸte FrĂŒhlingsfest Deutschlands, das alljĂ€hrlich 3 Wochen vor Ostern mit einem großem Festzug gefeiert wird. Auch SchĂŒtzenfeste sind in einigen Landesteilen ein fester Bestandteil der dörflichen Lebenskultur.

Traditionsreiche Feste sind darĂŒber hinaus das RudolstĂ€dter Vogelschießen, der Weimarer Zwiebelmarkt, der Erfurter Weihnachtsmarkt sowie die DomStufen-Festspiele in der Hauptstadt Erfurt.

Die grĂŒnderzeitlich geprĂ€gte Stadt Greiz

Am 30. Juni 2007 lebten 988.122 von 2.300.538 Menschen in ThĂŒringen in StĂ€dten mit mehr als 20.000 Einwohnern. Obwohl der VerstĂ€dterungsgrad mit 42,95 % relativ gering ist und ein Großteil der StĂ€dte seit 1940 kein wesentliches Wachstum mehr erfuhr, bilden sie die kulturellen und wirtschaftlichen Zentren des Landes. Das umfangreichste kulturelle Leben spielt sich in den StĂ€dten Erfurt (Landeshauptstadt), Weimar (EuropĂ€ische Kulturhauptstadt 1999) und Jena (universitĂ€res und wirtschaftliches Zentrum) ab. Das Bild der StĂ€dte ist relativ heterogen, so zeigen einige StĂ€dte im Kern ein mittelalterliches Stadtbild. Dies gilt vor allem fĂŒr Erfurt und MĂŒhlhausen, aber auch fĂŒr kleinere StĂ€dte wie Saalfeld und Schmalkalden. Ein barock-klassizistisches Stadtbild prĂ€gt die ehemaligen Residenzen wie Weimar, Gotha, Eisenach, Rudolstadt oder Meiningen. In der Zeit der Industrialisierung herangewachsene StĂ€dte wie Gera, Altenburg, Greiz oder Apolda sind durch ein grĂŒnderzeitliches Erscheinungsbild gekennzeichnet. Die Zerstörungen durch den Zweiten Weltkrieg sorgten dafĂŒr, dass Jena und Nordhausen Ă€ußerst heterogene Stadtkerne besitzen, in denen HochhĂ€user und Großwohnblocks mit Fachwerkbauten abwechseln. Die Stadt Suhl erfuhr in den 1960er und 1970er Jahren einen in ThĂŒringen beispiellosen Umbau, in dem der Großteil des Altstadtkerns entfernt und durch ein dem Zeitgeschmack der Sozialistischen Stadt entsprechendes Zentrum ersetzt wurde. Leinefelde entstand im Wesentlichen zur DDR-Zeit und stellt die einzige Planstadt dieses Typs in ThĂŒringen dar. PrĂ€gend fĂŒr viele StĂ€dte im Land ist ihre Lage in relativ beengten FlusstĂ€lern, sodass sich betrĂ€chtliche Höhenunterschiede innerhalb der StĂ€dte ergeben und der Bauplatz vielerorts begrenzt ist. Dadurch dehnen sich einige der grĂ¶ĂŸten StĂ€dte wie Jena, Gera, Eisenach oder Suhl ĂŒber große Strecken lĂ€ngs eines Tales aus und nehmen dessen gesamte Breite ein.

Die Verwaltungen gehen mit historischer Bausubstanz unterschiedlich um: wĂ€hrend einige StĂ€dte mit großem Aufwand versuchen, möglichst viel altstĂ€dtische Bausubstanz zu erhalten und damit auch Erfolge erzielten (Bad Langensalza gewann 2004 beim Wettbewerb Entente Florale Gold), messen andere StĂ€dte dem Denkmalschutz geringere Bedeutung zu. So beschloss die Stadt Gotha am 6. Juni 2007 den Abriss des geschichtstrĂ€chtigen Volkshauses zum Mohren, der im Oktober 2007 durchgefĂŒhrt wurde, sowie am 13. September 2006 den Abriss des Winterpalais, der nur durch massive Proteste von verschiedenen Seiten verhindert werden konnte.

Eine Liste der stĂ€dtischen RathĂ€user, die oftmals bedeutende Kulturdenkmale sind, findet sich unter Liste der RathĂ€user in ThĂŒringen.

Siehe auch: Liste der Burgen und Schlösser in ThĂŒringen
Die Wartburg

Die hĂŒgelige Landschaft mit vielen Taleinschnitten sowie die zentrale Lage im deutschen Kulturraum begĂŒnstigten schon seit dem frĂŒhen Mittelalter die Anlage von Burgen im Freistaat. Die bekannteste Burg des Landes ist die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörende Wartburg oberhalb von Eisenach. Sie war einst Sitz der Landgrafen von ThĂŒringen und spĂ€ter der Ort, an dem Martin Luther vor der kaiserlichen Reichsgewalt versteckt wurde und Teile der Bibel ins Deutsche ĂŒbersetzte. SpĂ€ter erlangte die Wartburg noch einmal Bedeutung fĂŒr die liberalen und nationalen Studentenbewegungen des 19. Jahrhunderts, da hier 1817 das Wartburgfest stattfand.

Ein bekanntes Burgenensemble sind die Drei Gleichen zwischen Erfurt, Arnstadt und Gotha. Zu ihnen gehört mit der MĂŒhlburg das Ă€lteste erhaltene GebĂ€ude ThĂŒringens aus dem Jahr 704. Weitere mĂ€chtige Anlagen sind die Burg Creuzburg ĂŒber dem Werratal bei Creuzburg, die Leuchtenburg ĂŒber dem Saaletal bei Kahla sowie die Osterburg ĂŒber dem Elstertal bei Weida. DarĂŒber hinaus besteht heute noch eine Vielzahl weiterer Burgen und Burgruinen, die in der Liste der Burgen und Schlösser in ThĂŒringen aufgelistet werden.

Eine Weiterentwicklung der mittelalterlichen Burgen waren neuzeitliche Festungen. Mit der Zitadelle Petersberg erhebt sich in der Erfurter Altstadt eine der grĂ¶ĂŸten erhaltenen frĂŒhneuzeitlichen Festungsanlagen Mitteleuropas.

Schloss Friedenstein in Gotha
Residenzschloss in Sondershausen
Siehe auch: Liste der Residenzschlösser in ThĂŒringen

Im Jahre 1918 gab es in ThĂŒringen noch acht Monarchien mit eigener Residenz. Diese Residenzen sind heute die grĂ¶ĂŸten und bedeutendsten Schlösser ThĂŒringens. Hauptsitz der Ernestiner war Weimar, wo das heute zum Weltkulturerbe zĂ€hlende klassizistische Weimarer Stadtschloss ein umfangreiches Museum beherbergt. Das Schloss Friedenstein in Gotha war Sitz des Herzogs von Sachsen-Gotha und ist heute ebenfalls großenteils als Museum genutzt. Weitere ernestinische Residenzen waren das Schloss Altenburg in Altenburg und das Schloss Elisabethenburg in Meiningen. ZusĂ€tzlich unterhielt dieses Herzogsgeschlecht viele kleine Landschlösser, die in ganz ThĂŒringen verstreut liegen. Bekannte unter ihnen sind vor allem die Dornburger Schlösser ĂŒber dem Saaletal, die Schlösser Tiefurt, Ettersburg und Belvedere bei Weimar und Schloss Molsdorf bei Erfurt sowie Schloss Altenstein mit seinem großen Landschaftspark bei Bad Liebenstein.

Neben den Ernestinern herrschten in ThĂŒringen die FĂŒrstengeschlechter Schwarzburg und Reuß. Die schwarzburgischen Residenzen Schloss Heidecksburg in Rudolstadt und das Schloss in Sondershausen sind heute ebenso umfassende Museen wie das Untere Schloss in Greiz. Die andere reußische Residenz in Gera, Schloss Osterstein, wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Sehenswert sind auch das Schloss Burgk, ebenfalls den FĂŒrsten von Reuß gehörig, ĂŒber den Saaletalsperren sowie das Schloss Schwarzburg im Schwarzatal.

Bedeutende frĂŒhneuzeitliche Schlossanlagen Ă€lterer Herrschergeschlechter sind die hennebergische Residenz Schloss Bertholdsburg in Schleusingen, Schloss Ehrenstein in Ohrdruf sowie Schloss Wilhelmsburg in Schmalkalden als Sitz einer Nebenlinie der Landgrafen von Hessen.

Siehe auch: Liste bedeutender Kirchen in ThĂŒringen
Dom und Severikirche in Erfurt
Gotische Marienkirche in MĂŒhlhausen

Die bedeutendsten der etwa 2500 Sakralbauten ThĂŒringens stammen aus der Gotik und stehen in den Zentren der historischen StĂ€dte. In Erfurt liegt mit dem Erfurter Dom die grĂ¶ĂŸte Kirche ThĂŒringens, die mit der benachbarten Severikirche ein sehenswertes Ensemble bildet. DarĂŒber hinaus stehen in der Erfurter Altstadt etwa 25 weitere, meist gotische, Pfarrkirchen, die das Stadtbild maßgeblich prĂ€gen.

FĂŒr die Gotik bedeutend sind die beiden Hauptkirchen der Reichsstadt MĂŒhlhausen. Die Marienkirche war ein Zentrum des Bauernkriegs von 1525 und besitzt den höchsten Kirchturm im Freistaat (86 Meter). Die Divi-Blasii-Kirche war eine WirkungsstĂ€tte des Komponisten Johann Sebastian Bach und ist die gotische Hauptkirche MĂŒhlhausens. In Nordhausen, der zweiten Reichsstadt ThĂŒringens, liegt mit dem NordhĂ€user Dom eine der beiden Domkirchen des Landes.

ErwĂ€hnenswert in der Kirchenlandschaft sind vor allem die Oberkirche in Bad Frankenhausen mit dem um vier Meter aus der senkrechten geneigten Turm sowie die Russisch-Orthodoxe Kapelle in Weimar, die einst fĂŒr Herzogin Maria Pawlowna errichtet wurde und zu den Ă€ltesten orthodoxen Kirchen Deutschlands gehört.

Die Klöster des Landes verloren im Wesentlichen mit der Reformation am Beginn des 16. Jahrhunderts ihre Macht, woraufhin viele aufgelöst wurden. Daher sind heute vor allem romanische und gotische Klosterruinen erhalten. Historisch bedeutend war hierbei vor allem das Kloster Reinhardsbrunn bei Gotha und architektonisch interessant sind die Klosterruinen in Kloster Veßra und Paulinzella. Ein bekanntes ThĂŒringer Kloster ist das Erfurter Augustinerkloster, in dem Martin Luther einige Jahre seines Lebens verbrachte.

Die bekanntesten DenkmĂ€ler im Land sind zum einen das in der Gemarkung Steinthaleben gelegene KyffhĂ€userdenkmal, ein 81 Meter hohes, weithin sichtbares Denkmal auf dem gleichnamigen Gebirge bei Bad Frankenhausen. Es wurde zwischen 1890 und 1896 als Kaiser-Wilhelm-Denkmal errichtet und ist das drittgrĂ¶ĂŸte Denkmal Deutschlands.

Zum anderen ist das Goethe- und Schiller-Denkmal auf dem Weimarer Theaterplatz sehr bekannt. Es gehört zum Weltkulturerbe und zeigt die Dichter Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller. Aufgestellt wurde es 1856. Das 33 Meter hohe Burschenschaftsdenkmal bei Eisenach von 1902 erinnert an die deutschen Burschenschaften des frĂŒhen 19. Jahrhunderts, die unter anderem beim Wartburgfest von 1817 eine Rolle spielten.

Siehe auch: Sport in ThĂŒringen

Erfolgreichste Sportler aus ThĂŒringen sind die Oberhofer Wintersportler aus den Disziplinen Rodeln/Bob und Langlauf/Nordische Kombination/Biathlon. Sie sind bei Olympischen Winterspielen stets erfolgreich und vielfach Olympia-Sieger. Daneben sind die EisschnelllĂ€ufer und EiskunstlĂ€ufer des Eissportclubs Erfurt seit vielen Jahren international erfolgreich.

Im Sommersport ist der Fußball in ThĂŒringen am populĂ€rsten. Die erfolgreichsten Mannschaften sind derzeit die MĂ€nner des FC Rot-Weiß Erfurt, FC Carl Zeiss Jena (beide in der Dritten Liga) und die Frauen des FF USV Jena (in der Ersten Bundesliga). Auch andere Mannschaftssportarten und die Leichtathletik werden im Land vielerorts betrieben. Der traditionsreiche Herzogliche Golf-Club Oberhof verfĂŒgt ĂŒber die einzige Golfanlage Deutschlands, die unter Denkmalschutz steht.

SMS ThĂŒringen, gebaut 1911

Neben den bundesweit gĂŒltigen Feiertagen ist in ThĂŒringen der Reformationstag ein gesetzlicher Feiertag. Im gesamten Landkreis Eichsfeld und in bestimmten Gemeinden des Unstrut-Hainich- und des Wartburgkreises ist Fronleichnam ein gesetzlicher Feiertag.

Im Jahre 1911 lief ein Großlinienschiff vom Stapel, das auf der Bremer Weser-Werft gebaut wurde und am 12. April die Werft verließ, die SMS ThĂŒringen.

  • ISBN 978-3-406-60523-9.
  • Reinhard Jonscher/Willy Schilling: Kleine thĂŒringische Geschichte. Jena 2005, ISBN 3-910141-74-9.
  • Steffen Raßloff: ThĂŒringen. Ein historischer Überblick. Erfurt 2004 (2. Auflage 2011). (PDF)
  • JĂŒrgen John: Quellen zur Geschichte ThĂŒringens. Landeszentrale fĂŒr politische Bildung, Erfurt 1997, ISBN 3-931426-14-9.
  • ThĂŒringen-Handbuch. Territorium, Verfassung, Parlament, Regierung und Verwaltung in ThĂŒringen 1920 bis 1995. Herausgegeben von Bernhard Post und Volker Wahl. Weimar 1999, ISBN 3-7400-0962-4
  • ISBN 3-89807-020-4
  • Georg Dehio: ISBN 3-422-03095-6.
  • Hans MĂŒller: ThĂŒringen. DuMont KunstreisefĂŒhrer, Ostfildern 2005, ISBN 3-7701-3848-1.
  • Literatur von ThĂŒringen im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
  • ThĂŒringen-Bibliographie
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  2. ↑ Arbeitslosenquoten im MĂ€rz 2012 – LĂ€nder und Kreise. In: arbeitsagentur.de. Bundesagentur fĂŒr Arbeit, abgerufen am 29. MĂ€rz 2012.
  3. ↑ http://www.steuerzahler-thueringen.de/
  4. ↑ Pressemitteilung des ThĂŒringer Landesministeriums fĂŒr Bau, Landesentwicklung und Medien vom 15. August 2008
  5. ↑ Wetterrekorde beim DWD
  6. ↑ Geologische Landesaufnahme auf den Seiten des Geologischen Landesdienstes
  7. ISBN 978-3-510-65205-1
  8. ↑ ISBN 3-936055-09-2.
  9. ↑ ThĂŒringer Ministerium fĂŒr Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt: Bericht zur ÜberprĂŒfung des UNESCO-BiosphĂ€renreservates Vessertal - ThĂŒringer Wald. August 2003 (Bearbeitungsstand Oktober 2001).
  10. ↑ AuslĂ€ndische Bevölkerung nach Kreisen, 31. Dezember 2010
  11. ↑ AuslĂ€ndische Bevölkerung - Ergebnisse des AuslĂ€nderzentralregisters, S. 66-69
  12. ↑ Landesentwicklungsplan 2025 (Entwurf 2011)
  13. ↑ TLS
  14. ↑ TLS
  15. ↑ TLS
  16. ↑ TLS
  17. ↑ TLS
  18. ↑ W. Lösch, R. Petzold, F. Reinhold, S. Wiegand: Kleines ThĂŒringer Wörterbuch, Reclam Verlag Leipzig, 1995, S. 6
  19. ↑ Statistisches Jahrbuch ThĂŒringen 2008- PDF, 4,3 MB
  20. ↑  Paul Wappler, Verein fĂŒr ThĂŒringische Geschichte und Altertumskunde (Hrsg.): Die TĂ€uferbewegung in ThĂŒringen von 1526-1584. Verlag von Gustav Fischer, 1913.
  21. ↑  Christian Hege und Christian Neff: Mennonitisches Lexikon. Band 4, Eigenverlag, 1959, S. 324-327.
  22. ↑ taz
  23. ↑ MDR
  24. ↑ Der Spiegel
  25. ↑ MDR: Die Bundeswehr in ThĂŒringen, 14. Februar 2011
  26. ↑ http://www.pds-fraktion-thueringen.de/presse/pm2009/pm141009c.html
  27. ↑ http://l4.spd-thl.de/dokumente/dok/20050919-grundsaetze-verwaltungsreform-thueringen.pdf
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  30. ↑ TLUG: Umwelt regional; Bevölkerungsentwicklung
  31. ↑ www.pub.arbeitsamt.de: [1]
  32. ↑ thueringen.dgb.de: Viel Arbeit fĂŒr wenig Geld - ThĂŒringen hat bundesweit bei den lĂ€ngsten Arbeitszeiten die niedrigsten Löhne und GehĂ€lter (September 2008)
  33. ↑ epp.eurostat.ec.europa.eu: Regionales Bruttoinlandsprodukt (KKS je Einwohner in % des EU-27 Durchschnitts), nach NUTS-2-Regionen
  34. ↑ ThĂŒringer Landesamt fĂŒr Statistik
  35. ↑ ThĂŒringer Ministerium fĂŒr Wirtschaft, Technologie und Arbeit: Wirtschaftsbericht 2007 fĂŒr den Freistaat ThĂŒringen
  36. ↑ Neue ThĂŒringer Illustrierte. Mai/Juni 2007, Nr. 5, S. 71
  37. ↑ Marktdaten am 17. Juni 2011 von finanzen.net
  38. ↑ Die 100 grĂ¶ĂŸten Unternehmen in ThĂŒringen
  39. ↑ TLS
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  41. ↑ http://www.fmg-rollen.com/wiki/Bundesautobahn_71

50.86144411.052246Koordinaten: 50° 51â€Č 41,2″ N, 11° 3â€Č 8,1″ O



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Produktion

aus www.fmg-rollen.com, der freien EnzyklopÀdie

Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Produktion (BegriffsklĂ€rung) aufgefĂŒhrt.

Produktion, (v. lat.: producere = hervor fĂŒhren), Fertigung, Fabrikation, im rechtlichen Sprachgebrauch die Herstellung, ist der vom Menschen (Produzent) bewirkte Prozess der Transformation, der aus natĂŒrlichen wie bereits produzierten Ausgangsstoffen (Material) unter Einsatz von Energie, Arbeitskraft und bestimmten Produktionsmitteln lagerbare Wirtschafts- oder GebrauchsgĂŒter (Ökonomisches Gut) erzeugt.

Die Produktion ist Teil des GeschĂ€ftsprozesses. Eine umfassende Betrachtung der Produktion erstreckt sich nicht nur auf organisatorische und technologische Gesichtspunkte, sondern auch auf soziokulturelle und ethisch-normative Wertvorstellungen ĂŒber die Arbeit, denen sie als einer der grundlegenden VorgĂ€nge zur Deckung der menschlichen BedĂŒrfnisse unterliegt.

Inhaltsverzeichnis

Der Begriff der Produktion ist dabei zunĂ€chst nicht auf den industriellen Bereich beschrĂ€nkt, sondern bezeichnet ebenfalls die Herstellung von GĂŒtern im Allgemeinen. Produziert wird ebenso im Handwerk, in der Land- und Forstwirtschaft und auf kĂŒnstlerischem Gebiet. Dienstleistungen sind eingeschrĂ€nkt produzierbar, solange ein zumindest in Maßen als Gegenstand zu begreifendes Produkt erzeugt wird (Fernsehsendung). In Verlagen bleibt die traditionelle Bezeichnung Herstellung als großer Arbeitsbereich, zustĂ€ndig fĂŒr Papier und Online-Organisation, Satz etc. Nicht lagerbare WirtschaftsgĂŒter, wie beispielsweise ElektrizitĂ€t, werden dagegen in der Regel nicht ‚produziert‘, sondern bereitgestellt.

In der industriellen Produktion wird die Fertigung (von StĂŒckgĂŒtern), die Prozessfertigung (von FließgĂŒtern) und die Verfahrenstechnik (von Rohstoffen zu GĂŒtern) unterschieden.

  • Unter Fertigungstechnik versteht man die Herstellung und Montage von diskreten, zĂ€hlbaren Teilen. Die verschiedenen Fertigungsverfahren werden aus betriebswirtschaftlicher Sicht unterschieden nach der Fertigungsart, welche nach dem Fertigungstyp mit Anzahl der gefertigten Teile als Einteilungskriterium und der Fertigungsorganisation differenziert wird. Die Fertigungstechnik beschreibt die technischen Methoden der Fertigung.
  • In der Verfahrenstechnik wird primĂ€r die Verarbeitung von Rohmaterialien zu einem Produkt betrachtet. Dabei werden kontinuierliche und diskontinuierliche Prozesse unterschieden.

Die wettbewerbsfĂ€hige GĂŒterproduktion in HochlohnlĂ€ndern basiert auf qualifizierten Fachleuten, besonders aber auf einem hohen Technisierungsgrad. Die Produktionsforschung entwickelt Verfahren, AusrĂŒstungen und ProduktionsstĂ€tten unter anderem fĂŒr den Fahrzeugbau oder das verarbeitende Gewerbe. Besonders wichtig sind ihre Ergebnisse aber im Maschinen- und Anlagenbau, dessen Produkte ĂŒber die LeistungsfĂ€higkeit der anderen Industriezweige bestimmen.

In den letzten Jahren hat die Globalisierung der Produktion stark zugenommen. Hierbei spielen die beiden Hauptmotive Kostensenkung und Markterschließung die wichtigen Rollen. Die Arbeitskosten und die NĂ€he zum Markt sind deshalb die beiden relevanten Standortfaktoren fĂŒr die Produktion. Erfolgreich global tĂ€tigen Unternehmen ist es fast ĂŒberall auf der Welt gelungen, exzellente ProduktivitĂ€t und QualitĂ€t zu erreichen. Diese Unternehmen stellen sich auf die unterschiedlichen Gegebenheiten ein und nutzen die standortgerechte Fertigungstechnik und BeschĂ€ftigungsstrategie.

Die Betrachtung der Produktion ist jedoch insbesondere auf die industrielle Fertigung im Produktionsbetrieb ausgerichtet. Die Betriebswirtschaftslehre fĂŒhrt sie als eine der klassischen Funktionen im Betrieb (Produktionswirtschaft, Industriebetriebslehre, Technologie).

In der Volkswirtschaftslehre beschreibt die Produktionstheorie die Herleitung der Angebotskurve (Angebot (Volkswirtschaftslehre)) im Marktmodell. Von einer Technologie ausgehend, die alle technisch machbaren Kombinationen von Inputfaktoren beschreibt, lĂ€sst sich die effizienteste Faktorkombination - fĂŒr gegebene Preise - herleiten (sogenannte Gewinnmaximierung). Daraus lassen sich die Faktornachfrage und das GĂŒterangebot herleiten.

  • Faktor-Substitution: Die Faktoren können beliebig kombiniert werden, da ein Faktor einen anderen ersetzen (substituieren) kann.
  • Partielle Faktor-Variation: Im Gegensatz zur Faktorsubstitution, bei der die Ausbringungsmenge bei Änderung des VerhĂ€ltnisses der Einsatzfaktoren konstant bleibt, Ă€ndert sich die Ausbringungsmenge. Partiell bedeutet ferner, dass lediglich ein Faktor geĂ€ndert, der andere konstant gehalten wird.
  • Totale Faktor-Variation: Alle Produktionsfaktoren können frei eingesetzt werden (keine Restriktion).

Hinsichtlich der Faktorbeziehungen lassen sich substitutionale und limitationale Produktionsfunktionen unterscheiden. Bei substitutionalen Produktionsfunktionen stehen die Ertragsfaktoren in keiner festen Relation zu dem mengenmĂ€ĂŸigen Ertrag. Substitionale Produktionsfaktoren können daher gegeneinander ausgetauscht werden. Hierbei ist allerdings ggf. eine abnehmende Grenzrate der Substitution zu beachten, das heißt, dass mit fortschreitender Substitution eines Produktionsfaktors ein steigender Bedarf an den anderen Produktionsfaktoren besteht, um eine Einheit des substituierten Faktors zu ersetzen.

Im Gegensatz hierzu stehen die Faktoren bei limitationalen Produktionsfunktionen in einer technisch determinierten Relation zur geplanten Produktionsmenge. Zur Erzeugung eines bestimmten Ertrages ist eine technisch genau festgelegte Einsatzmenge jedes limitationalen Produktionsfaktors erforderlich. Dies findet man hÀufig in der chemischen Industrie.

  • Hoitsch, H.-J.: Produktionswirtschaft. Grundlagen einer industriellen Betriebswirtschaftslehre, 2. Aufl., Vahlen 1993
  • Corsten, H.: Produktionswirtschaft, 10. Aufl., MĂŒnchen/Wien 2003
  • Dyckhoff, H.: Produktionstheorie, 5. Aufl., Berlin 2006
  • Ebel. B.: Produktionswirtschaft, 8. Aufl., Ludwigshafen 2003
  • Fandel, G.: Produktion 1, 6. Aufl., Berlin 2005
  • Gutenberg, E.: Grundlagen der Betriebswirtschaftslehre, Erster Band: Die Produktion, 24. Aufl., Berlin/Heidelberg/New York 1983
  • Nebl, Th.: Produktionswirtschaft, 6. Aufl., MĂŒnchen/Wien 2007
  • Produkt (Wirtschaft)
  • schlanke Produktion
  • Minimalkostenkombination
  • Kuppelproduktion
  • Fertigungsdienstleistung
  • Verlagsherstellung
  • Konstruieren (Technik)
  • Produktion von Software
  • Bereitstellen von IT-Leistungen ĂŒber spezielle Produktionsumgebungen


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Fördertechnik

aus www.fmg-rollen.com, der freien EnzyklopÀdie

Fördertechnik fĂŒr StĂŒckgut in einem Distributionszentrum

Die Fördertechnik (FT) (engl. material handling) ist eine Teildisziplin des Maschinenbaus und befasst sich mit der Konzeption, der Auslegung, der Planung und der AusfĂŒhrung von Einrichtungen zum Transport von StĂŒckgut (Paletten, Kisten, Pakete etc.) oder SchĂŒttgut (Sand, Erz, Getreide etc.). Der Transport von flĂŒssigen Medien und Gasen mit Rohrleitungen ist in der Regel nicht Teil der Fördertechnik.

Unter Fördertechnik versteht man zunĂ€chst die eigentliche Technik (Förderanlagen im erweiterten Sinne einschließlich der Lagertechnik), aber auch die Prozessgestaltung beim Betrieb der Anlagen. Zum Fachgebiet Fördertechnik gehört also die Gesamtheit aller Transport-, Umschlag- und Lageraufgaben oder -prozesse sowohl in technischer als auch in wirtschaftlicher Hinsicht. HĂ€ufig wird dieser Bereich unter dem Begriff Logistik zusammengefasst.

Im Gegensatz zur Verkehrstechnik, die sich mit dem weitrĂ€umigen Transport befasst, behandelt die Fördertechnik das Fortbewegen von GĂŒtern in abgegrenzten Betriebsbereichen wie beispielsweise HĂ€fen, FlughĂ€fen, im Bergbau oder auch in Industriebetrieben.

Fördertechnische Bauteile sind Seile und FlaschenzĂŒge, Seilrollen, Seiltrommeln und Treibscheiben. Rundstahlketten, Gelenkketten, KettenrĂ€der und Kettentrommeln werden fĂŒr Kettentriebe benötigt. Fördergurte sind Hauptbauelement von FörderbĂ€ndern. Fahrwerkselemente sind LaufrĂ€der und Schienen. Als Lastaufnahmemittel bezeichnet man Lasthaken, Hakengeschirre, SchĂ€kel, Zangen und Klemmen, KĂŒbel und Greifer. Weitere Bauelemente der Fördertechnik sind Triebwerke und Bremsen.

Weiter werden zur Fördertechnik die innerbetrieblichen Transportsysteme gerechnet. Dazu gehören Stetigförderer wie Rollenbahnen, Zellenradschleusen, Gurtbecherwerke und Gurtbandförderer sowie Unstetigförderer wie mannbediente Flurförderzeuge (Gabelstapler, Plattformwagen etc.), Krane, Automatische LKW-Verladesysteme, Fahrerlose Transportfahrzeuge (FTF), WerkstĂŒckförderer und Senkrechtförderer wie Hebetische oder Gurtheber.

In der Fabrikautomation spielen auch pneumatische Antriebe, beispielsweise zum Fördern von Halbfabrikaten und Fertigprodukten, eine bedeutende Rolle. Das pneumatische Fördersystem der Rohrpost wird heute nur noch selten eingesetzt.

  • Sorter
  • ZufĂŒhrtechnik
  • Dubbel: Taschenbuch fĂŒr den Maschinenbau, Berlin: Springer-Verlag 1990
  • DIN: Taschenbuch 44, Fördertechnik 1, Berlin: Beuth-Verlag 1995
  • DIN: Taschenbuch 185, Fördertechnik 2, Berlin: Beuth-Verlag 1995


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Rollen

aus www.fmg-rollen.com, der freien EnzyklopÀdie

Rollen steht fĂŒr:

  • mathematisch die Bewegung eines Punktes um eine Achse, siehe Zykloide
  • physikalisch den Abrollvorgang eines Rades oder rundlichenen Objektes auf dem Untergrund, siehe Rollwiderstand
  • die Bewegung eines Wasser- oder Luftfahrzeugs um seine LĂ€ngsachse, siehe Rollen (Bewegung)
  • die Bewegung eines Flugzeuges von und zur Parkposition auf der Rollbahn eines Flugplatzes, siehe Taxiing
  • ein Darstellungverfahren fĂŒr Computerbildschirme, um zu große Inhalte wiederzugeben (engl. Scrolling), siehe Bildlauf
  • ein Element auf der Computertastatur, siehe Rollen-Taste
  • ein Vorbereitungsverfahren von Lebensmitteln, siehe Wickeln (Zubereitungsart)
  • umgangssprachlich das Aussprechen eines R-Lautes als Vibrant
  • das Verkosten von FlĂŒssigkeiten, wie Wein, siehe Verkostung
Diese Seite ist eine BegriffsklÀrung zur Unterscheidung mehrerer mit demselben Wort bezeichneter Begriffe.


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StĂŒckgut

aus www.fmg-rollen.com, der freien EnzyklopÀdie

StĂŒckgutverladung 1920
StĂŒckgut-Spezialladung, Mini U-Boot, fĂŒr Nassau, Bahamas (1964)

StĂŒckgut bezeichnet in der Logistik alles, was sich einzeln am StĂŒck transportieren lĂ€sst:

  • Kollo (Plural Kolli, oft auch Colli, von italienisch collo bzw. französisch colis, engl. trading unit) bezeichnet die kleinste Einheit einer Warensendung: (einzelne) StĂŒcke, die in völlig unterschiedlicher, uneinheitlicher Form und GrĂ¶ĂŸe vorliegen, als EinzelstĂŒck oder Verpackungseinheit (PackstĂŒck, engl. packing unit)
  • StĂŒck (gebrĂ€uchliche AbkĂŒrzung Stck.) bezeichnet immer Kolli derselben Art
  • Sammelgut bezeichnet die Zusammenfassung von gleichen oder verschiedenen StĂŒckgĂŒtern zu einem StĂŒck.

Die StĂŒckmenge ist die MessgrĂ¶ĂŸe des StĂŒckgutes, solange es noch nicht den logistischen Maßnahmen fĂŒr den Transport unterworfen ist. Durch ZĂ€hlen von Kolli oder StĂŒcken wird dabei die StĂŒckzahl als Maßeinheit der StĂŒckmenge ermittelt, wie es etwa manuell, mit ZĂ€hlwaagen oder auf elektronischem Wege geschieht.

Inhaltsverzeichnis

Abgrenzung des Begriffs StĂŒckgut

StĂŒckgut bezeichnet in der Logistik alles, was sich am StĂŒck transportieren lĂ€sst, also ein Gebinde, beispielsweise Kisten, beladene Paletten, Maschinen oder Anlagenteile, Kabel-, Papier- oder Blechrollen und FĂ€sser. Die internationale Bezeichnung ist Kollo (Plural: Kolli). Kein StĂŒckgut ist beispielsweise FlĂŒssiggut oder sind Gase, die ohne eigenen BehĂ€lter in die Transportfahrzeuge gepumpt werden. Sand, Kohle, Getreide und vergleichbare Feststoffe sind SchĂŒtt- oder Sauggut, sofern sie nicht verpackt sind.

Die Begriffe StĂŒckgut und Sammelgut werden hĂ€ufig als synonymes Wortpaar verwendet. WĂ€hrend Sammelgut jedoch die Konsolidierung von Warenströmen zur Steigerung der Gewichts- oder Raumausnutzung von Verkehrsmitteln, vor allem in speditionellen HauptlĂ€ufen beschreibt, ist der Begriff des StĂŒckguts im Rahmen von GĂŒterverkehrssystemen der Ebene der ObjektgrĂ¶ĂŸe zuzuordnen.

  • In Deutschland stellte nach dem Eisenbahn-Reformtarif von 1877 das StĂŒckgut neben dem Eilgut und der Wagenladung ein eigenes Abrechnungskriterium dar.
  • FĂŒr den GĂŒterkraftverkehr fand sich eine legaldefinitorische Abgrenzung des StĂŒckguts vom Ladungsverkehr hinsichtlich der Abfertigungsart im § 4 der Kraftverkehrsordnung (KVO) fĂŒr den GĂŒterfernverkehr mit Kraftfahrzeugen, in der zwischen der Übergabe zur Verladung (StĂŒckgut) oder Bestellung eines Fahrzeuges (Ladungsverkehr) unterschieden wurde.
In der weltweiten Logistik wird StĂŒckgut meist in Containern transportiert

Bei der Abmessung von StĂŒckgĂŒtern gibt es im Gegensatz zu den klar definierten Gewichts- und GrĂ¶ĂŸenmaßen bei den Paketdiensten (vor allem bei den multinationalen Integrators) keine bestimmten Grenzwerte. Die Gewichtsgrenzen sind hĂ€ufig historisch gewachsene und durch alte, nicht mehr gĂŒltige Gesetze und Verordnungen geprĂ€gt.

Die GrĂ¶ĂŸe von StĂŒckgut liegt meist zwischen dem, was ein Gabelstapler transportieren kann, und den Abmessungen eines 40-Fuß-Containers bzw. der LadeflĂ€che eines LKW. Jedoch sind grĂ¶ĂŸere Abmessungen unvermeidlich, wenn der jeweilige Kollo nicht in Einzelteilen transportierbar und erst am Einsatzort montierbar ist, beispielsweise im Fall von Turbinen fĂŒr ElektrizitĂ€tswerke. Übergroße StĂŒcke erfordern Großraumtransporte, welche eine Teildisziplin der Schwertransporte darstellen.

Bei der GrĂ¶ĂŸenabgrenzung ist grundsĂ€tzlich die Gliederung von 1877 aber auch heute noch im GĂŒterkraftverkehr durch die Segmente Paketdienst, StĂŒckgutverkehr und Ladungsverkehr gegeben. In den letzten Jahren hat sich der Transportmarkt weiter differenziert, so dass heute der Markt in die Bereiche Kurier-, Express und Paketdienst (KEP), Gefahrgut, temperaturgefĂŒhrte GĂŒter, Nahrungsmittel, hĂ€ngende GĂŒter und den Markt von handhabbaren und nicht handhabbaren StĂŒckgĂŒtern eingeteilt werden kann. Die Gliederung des Transportmarktes hinsichtlich dieser Gewichtsgrenzen und der Anzahl der Nutzer verdeutlicht Abbildung 1.

Bei der Untergrenze von StĂŒckgĂŒtern gibt es keine einheitliche Meinung. Sie ist vielmehr im Übergangsbereich zu den Kurier, Express und Paketdiensten (KEP) sowie den multinationalen Integrators festzumachen. Der Gewichtsbereich unter 20 kg wird durch das Postgesetz (PostG) im § 4 eindeutig in einen Briefbereich und einen Paketbereich gegliedert. Alle anderen Gewichtsgrenzen sind nicht (mehr) gesetzlich fixiert. Der nationale KEP-Markt orientiert sich ĂŒberwiegend an der 31,5 kg Grenze mit einer Anhebung bis teilweise 40 kg bzw. 50 kg fĂŒr Standardsendungen. Die gleiche Entwicklung ist auch bei den Integrators zu beobachten, bei denen eine Gewichtsanhebung von 31,5 kg auf maximal 68 kg bzw. 70 kg zu beobachten ist. Der Bundesverband Spedition und Logistik (BSL) empfiehlt ein Mindestgewicht von 50 kg, bzw. bei unpalettiert ĂŒbernommenen GĂŒtern 1.000 kg pro Lademeter. In der Speditionspraxis sind VerrechnungssĂ€tze mit Mindestgewichten von national 50 kg bis international 200 kg ĂŒblich.

Als Obergrenze lassen sich in der Literatur Gewichte von 1.500 bis 3.000 kg finden. WĂ€hrend die untere Grenze eher eine fehlende TrennschĂ€rfe zur Unterscheidung von Direktabholung resp. Direktzustellung vermuten lĂ€sst, wird von vielen Speditionen ein Gewicht von 2.500 kg veröffentlicht, die auch in der amtlichen Statistik beim gewerblichen Fernverkehr angesetzt werden. Die Preisempfehlungen des BSL setzen bei StĂŒckgĂŒtern eine Obergrenze von 3.000 kg an.

MarktfĂŒhrer im StĂŒckgut-Segment ist die Kemptener Spedition Dachser. Zu den Top-Ten-StĂŒckgut-Dienstleistern gehören neben DB Schenker und DHL Logistics auch die Kölner Spedition Emons (Stand 2007).

Unter StĂŒckgut kann somit eine Sendung verstanden werden, die zwischen Absender und EmpfĂ€nger im Haus-zu-Haus Verkehr befördert wird, und ein Gewicht zwischen 50 kg und 2.500 kg hat, die zulĂ€ssige Nutzlast des verwendeten Fahrzeuges sowohl vom Volumen als auch vom Gewicht nicht vollstĂ€ndig ausnutzt und somit in der Regel mit anderen Sendungen zusammen befördert wird.

HĂ€ufig besteht eine Lieferung an einen Kunden aus mehreren einzelnen Teilen. Diese werden zur besseren Handhabung im Transport zu grĂ¶ĂŸeren PackstĂŒcken (Kollo) zusammengefasst, etwa in Kartons verpackt. Diese PackstĂŒcke werden schließlich als einzeln zu handhabende StĂŒcke beispielsweise in einen LKW verladen und beim Kunden wieder ausgeladen.

Die Anzahl der Kolli wird in der Regel auf dem Frachtbrief angegeben. Nur diese, nicht der Inhalt der Kolli, kann und sollte vom Spediteur beim Aufladen ĂŒberprĂŒft werden; denn er haftet in der Regel fĂŒr verloren gegangene Ware und sollte daher sicher sein, auch alles eingepackt zu haben.

Zur ÜberprĂŒfung der VollstĂ€ndigkeit einer Lieferung wird in der Regel auf dem Lieferschein die Anzahl der Kolli angegeben. So kann sofort nach dem Entladen eine erste VollstĂ€ndigkeitsprĂŒfung durchgefĂŒhrt und sichergestellt werden, dass beispielsweise kein Kollo auf dem LKW vergessen wurde.

StĂŒckgut kann auf Pritschenwagen, geschlossenen Lastkraftwagen, in Containern oder im Laderaum von Flugzeugen transportiert werden und erfordert keine speziellen TransportbehĂ€lter.

StĂŒckgut wurde frĂŒher auf StĂŒckgutschiffen und in StĂŒckgutwaggons, u.a. im StĂŒckgut-Schnellverkehr, transportiert. Heute verwendet man hierfĂŒr fast nur noch Container, die sich in verschiedenen Verkehrsmitteln einfach transportieren lassen.

FĂŒr StĂŒckgut gelten spezielle Vorschriften der Ladegutsicherung.

→ Hauptartikel: Transportnetzstruktur

Besonders im Sammelgut- und StĂŒckgutverkehr ergibt sich durch die zunehmenden Bedeutung der Logistik als Wettbewerbsfaktor fĂŒr Industrie und Handel, die Notwendigkeit, flĂ€chendeckende Dienstleistungen anzubieten. Plangesteuerte Distributionsverfahren gelten als veraltet, zentrale Distributionsstrategie erfordern jedoch niedrige Transportkosten und kurze Laufzeiten. Laufzeitunterschiede im „Europa mit Grenzen“ waren und sind bei osteuropĂ€ischen Verkehren auch heute noch plausibel und allgemein akzeptiert. In Zentraleuropa hingegen werden nur noch Entfernungsunterschiede akzeptiert. Der Netzstruktur, als ein wesentlicher Einflussfaktor, kommt daher eine besondere Bedeutung zu.

Netzwerkstrukturen entstehen durch die Anordnung von Knoten (Quellen und Senken von Ladungen) und deren VerknĂŒpfung ĂŒber Kanten (Netzwerkprozesse). Knoten stellen somit Lagerorte und Kanten Transporte dar. Eine Charakterisierung kann ĂŒber die drei Kriterien Stufigkeit, Dichte (Anzahl der im Netzwerk verbundenen Depots) und Dislozierung (rĂ€umliche Verteilung) erfolgen.

Das Marktvolumen ist auf Grund einer schwierigen Datenlage nur eingeschrĂ€nkt bewertbar. 1996 betrug die beförderte GĂŒtermenge im StĂŒckgutverkehr 41 Mio. Tonnen , was 1,4 % der gesamten GĂŒtermenge bedeutet. Vergleiche mit Paketdiensten können nur schwer gezogen werden, da hier das Sendungsaufkommen in Paketanzahl erfasst wird. Der im StĂŒckgutverkehr erwirtschaftete Umsatz belĂ€uft sich nach Lorenz auf 12 Mrd. DM, wobei aktuelle SchĂ€tzungen 14 Mrd. DM angeben. Zu signifikanten Unterschieden im Umsatz gelangt die Marktstudie der UniversitĂ€t Erlangen, wonach schon die Top 50 Unternehmen einen Umsatz im Sammelgutbereich von fast 30 Mrd. DM erwirtschaften.

Infolge der Reduzierung von LagerbestĂ€nden in Industrie und Handel und der damit verbundenen Steigerung der Lieferfrequenz Logistikeffekt, kann es zu erhöhtem Aufkommen an StĂŒckgutverkehren kommen. Da StĂŒckgutverkehre jedoch wiederum mit höheren Kosten verbunden sind, wird mit Konzepten wie z. B. milkrun) versucht Belieferungen zu bĂŒndeln. Eine weitere Steigerung des Aufkommens ist mit der Internationalisierung von Unternehmen und der Vernetzung der Produktionsstandorte zu erklĂ€ren.

Die Sammelgutbranche ist aufgrund der sammelgutaffinen Entwicklungstendenzen zu kleineren GrĂ¶ĂŸen und Gewichten grundsĂ€tzlich als Wachstumsbranche zu bezeichnen.

Siehe auch: PaneuropĂ€ischer StĂŒckgutverkehr

Als Teilmenge der logistischen Dienstleistungen finden StĂŒckgutverkehre zwischen den Produzenten und dem Nachfrager statt. Somit können allgemeine Modelle, wie z. B. das Modell der „blauen Banane“ herangezogen werden. Bei diesem Modell werden Aktiv- und PassivrĂ€ume in Europa dargestellt. Die ĂŒberwiegend zwischen und innerhalb dieser und den angrenzenden Regionen stattfindenden Transporte bestimmen die rĂ€umliche Struktur der StĂŒckgutverkehre. Ein weiteres Modell zur Beschreibung von StĂŒckgutverkehren basiert auf der Erreichbarkeit einer Region. Hier kann z. B. der Peripherieindex herangezogen werden. Bezogen auf die Bevölkerung und den LKW zeigt eine positive Erreichbarkeit fĂŒr Zentralpolen und Westungarn, die vergleichbar mit Norditalien und Zentralfrankreich ist. Eine von Miebach Logistics durchgefĂŒhrte Studie zur Standortwahl in Ostmitteleuropa (1998) nennt Posen, Prag, Brno und Bratislava als ideale Standorte fĂŒr nationale oder regionale Distributionslager.

Die meisten Speditionen sind in BĂŒnden organisiert (z. B. VTL (Vernetzte-Transport-Logistik GmbH); 24plus logistics network; CTL; CargoLine; IDS; S.T.a.R., Systemgut; System Alliance). Diese BĂŒnde arbeiten mit GĂŒterverteilungszentren an Verkehrsknotenpunkten (Verteilerzentren). Ähnlich wie bei Paketdienstleistern ĂŒberspannt ein Netz aus Linienverkehren und Knotenpunkten den gesamten Zustellungsbereich, so können die Lastkraftwagen optimal eingesetzt und ausgelastet werden. Diese Art von Logistik nennt man "Systemverkehr".

Beispielhaft fĂŒr den Systemverkehr ist z. B. der Warenumlauf bei großen Handelsketten wie Kaufland. Das fĂŒr den Bereich Schweinfurt / Kitzingen zustĂ€ndige Warenlager befindet sich in Donnersdorf. Lkws eines bei Kaufland beschĂ€ftigten Fuhrunternehmens liefern beispielsweise StĂŒckgut (z. B. Wein und Kleidung) von diesem Verteilerzentrum nach SĂŒdfrankreich, der Lkw nimmt dort eine andere Ware auf, liefert nach Nordspanien und kehrt dann wieder mit Ware, deren Zielort in Mitteleuropa liegt, zurĂŒck zum Ausgangspunkt. Leerfahrten werden so notwendigerweise vermieden. Diese Route wird regelmĂ€ĂŸig gefahren, sie ist deshalb ein Linienverkehr. NatĂŒrlich trifft dies auch auf StĂŒckgut aller Art zu, der stĂ€ndige Kostendruck auf die Fuhrunternehmer zwingt diese zu Rationalisierungsmaßnahmen, StĂŒckgut kann nun also nicht mehr einzeln geliefert es muss gemeinsam mit StĂŒckgut,bzw. anderer Art der Ladung, zu einer großen Sendung zusammengefasst werden. Die mittlerweile beinahe tĂ€glich zwischen großen StĂ€dten pendelnden Linienverkehre ermöglichen so eine kosteneffiziente Methode des Transports.

[Bearbeiten] Andere TransportgĂŒter

  • Frachtgut
    • Containergut
    • FlĂŒssiggut
    • Greifergut
    • Massengut
    • Sauggut
    • SchĂŒttgut


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SchĂŒttgut

aus www.fmg-rollen.com, der freien EnzyklopÀdie

Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter SchĂŒttgut (BegriffsklĂ€rung) aufgefĂŒhrt.
Siloanlage SchĂŒttgĂŒter
Sand gehört zur Klasse der SchĂŒttgĂŒter

Der Begriff SchĂŒttgut bezeichnet ein körniges oder auch stĂŒckiges Gemenge, das in einer schĂŒttfĂ€higen Form vorliegt. Bestimmt werden die Eigenschaften von SchĂŒttgut durch die KorngrĂ¶ĂŸe und der Kornverteilung, sowie die SchĂŒttdichte, den SchĂŒttwinkel, die Feuchtigkeit und der Temperatur.[1]

SchĂŒttgĂŒter werden in zwei Gruppen unterschieden:

  • kohĂ€sionlose, freifließende SchĂŒttgĂŒter
  • kohĂ€sive, zusammenhaltende SchĂŒttgĂŒter

Die Bezeichnung „SchĂŒtten” ist ein aus den DIN-Normen des Transportwesens und der Verfahrenstechnik definierter Begriff mit dem Umgang von SchĂŒttgĂŒtern. Eine SchĂŒttung, insbesondere die lose SchĂŒttung, bezeichnet GĂŒter, die sich in einem BehĂ€ltnis frei bewegen können oder nicht anderweitig in ihrer Lage gesichert sind.

Die SchĂŒttgutmechanik beschĂ€ftigt sich mit Lager- und Transportbedingungen von SchĂŒttgĂŒtern wie SchĂŒttwinkel (Reibungswinkel), Ausflussverhalten von Silos, Fluidisierung und SchĂŒttdichte. Nach Überschreiten einer Aktivierungsenergie können sich SchĂŒttgĂŒter wie ein Fluid verhalten, also fließen. Die Partikel bleiben dabei im Wesentlichen erhalten oder verĂ€ndern ihre Form auf dem Transportweg nicht. Die wichtigste KenngrĂ¶ĂŸe hierfĂŒr ist die RieselfĂ€higkeit. Physikalisch behandelt werden die Eigenschaften von SchĂŒttgut in der Theorie der granularen Materie.

Inhaltsverzeichnis

Salz als Berg (Halde) aufgeschĂŒttet

Zu den SchĂŒttgĂŒtern zĂ€hlen Baustoffe wie beispielsweise Oberboden, Sand, Kies und Zement sowie Rohstoffe wie etwa Erz, Kohle oder Streusalz. Weiterhin gehören Lebensmittel wie Getreidesorten, Zucker, Salz, Kaffee und Mehl zur Gruppe der SchĂŒttgĂŒter. Pulverförmige GĂŒter wie Pigmente sowie FĂŒllstoffe, Granulate und Pellets lassen sich ebenfalls zuordnen.

SchĂŒttgĂŒter werden aufgrund ihrer Stoffeigenschaften oftmals in Silos oder Bunkern gelagert. Je nach Stoffeigenschaft unterscheidet man freifliessende und zusammenhaltende SchĂŒttgĂŒter. Erstere sind problemlos mit beispielsweise einer Zellenradschleuse oder mithilfe eines Schiebers auszutragen. Bei schwierigen (komplexen) SchĂŒttgĂŒter beispielsweise bei kohĂ€siven, hygroskopischen, entmischenden, schießenden, nicht fließfĂ€higen oder pastösen SchĂŒttgĂŒter ist die Austragung (speziell die genau dosierte), mehr als anspruchsvoll. Stoffe mit den beschriebenen Eigenschaften können problemlos mit einem Kippbalkenboden ausgetragen werden. Ware, die witterungsunempfindlich ist, kann auch im Freien gelagert werden. Bei der Beförderung unterscheidet man kontinuierlichen, also ununterbrochen fließenden, und diskontinuierlichen Transport.

Zu den kontinuierliche Transportverfahren zĂ€hlen einfache Einrichtungen wie SchlĂ€uche und Rohre (so genannte pneumatische Förderung), aber auch komplexe Systeme wie Bandstetigförderer (Muldengurtförderer, Fördergurt), Kettenstetigförderer, Schwingförderer und Becherwerke sowie Zellenradschleusen zum Austragen und Eindosieren. Des Weiteren dient die Doppelpendelklappe zur Beförderung von grobem SchĂŒttgut. Diskontinuierlicher Transport erfolgt bei SchĂŒttgut-Silos oder -Bunkern (etwa bei Schiffen, dort auch als StĂŒrzgut bezeichnet) in Mulden- und Hochbordfahrzeugen (Straße und Schiene) sowie in Silowagen, Silofahrzeugen, Sattelauflieger mit Schiebeboden und als Sackware oder in Bigbags.

In der SchĂŒttguttechnik beschĂ€ftigt man sich mit der funktionsgerechten Auslegung von Apparaten der mechanischen Verfahrenstechnik, insbesondere Silos. Durch Kenntnis experimentell ermittelter SchĂŒttguteigenschaften ist eine Siloauslegung mit dem Ziel der Vermeidung von Ausflussstörungen, wie Schachtbildung, BrĂŒckenbildung oder Entmischung möglich.

Experimentell ermittelte Eigenschaften sind:

  • die SchĂŒttgutfestigkeit,
  • die SchĂŒttdichte,
  • der effektive Reibungswinkel,
  • der Wandreibungswinkel
  • Transportgut
  • Sauggut
  • Massengut
  • StĂŒckgut
  • FĂŒllgut
  1. ↑ SchĂŒttgut Tagung
  • Dietmar Schulze: Pulver und SchĂŒttgĂŒter, Fließeigenschaften und Handhabung, 508 S. m. 350 Abb., Springer Verlag Berlin, ISBN 978-3-540-34082-9
  • DIN EN 1991-4: Einwirkungen auf Tragwerke - Teil 4: Einwirkungen auf SchĂŒttgut-Silos Deutsche Fassung EN 1991-4:2006, 119 S., Beuth Verlag GmbH
  • Schulze: Pulver und SchĂŒttgĂŒter: Fliesseigenschaften und Handhabung. Springer 2006
  • Dietmar Schulze: Pulver und SchĂŒttgĂŒter, Fließeigenschaften und Handhabung, 377 S., Springer Verlag Berlin, ISBN 3-540-34082-3


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