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Gebietsvertregung Arnstadt, Region Thüringen - Hersteller von Rollen, Fördertechnik, Schüttgut, Stückgut - Fördertechnik in Thüringen

Herstellung von Rollen, Fördertechnik, Schüttgut, Stückgut in Arnstadt, Thüringen, Deutschland

Schüttgut, Stückgut und Fördertechnik in Arnstadt

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Förderband, Förderrolle und Fördertechnik in Arnstadt, Thüringen

 

 

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Arnstadt

aus www.fmg-rollen.com, der freien Enzyklopädie

Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Arnstadt (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
50.83416666666710.946388888889288Koordinaten: 50° 50′ N, 10° 57′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Ilm-Kreis
Höhe: 288 m ü. NN
Fläche: 55,29 km²
Einwohner:

25.000 (31. Dez. 2010)[1]

Bevölkerungsdichte: 452 Einwohner je km²
Postleitzahl: 99310
Vorwahl: 03628
Kfz-Kennzeichen: IK
Gemeindeschlüssel: 16 0 70 004
Stadtgliederung: 5 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Markt 1
99310 Arnstadt
Webpräsenz: www.arnstadt.de
Bürgermeister: Hans-Christian Köllmer (Pro Arnstadt)
Lage der Stadt Arnstadt im Ilm-Kreis
Über dieses Bild

Arnstadt ist eine Kreisstadt in der Mitte von Thüringen und liegt ca. 20 km südlich von Erfurt. Die Stadt fungiert als Mittelzentrum und ist der Verwaltungssitz des Ilm-Kreises.

Mit der urkundlichen Ersterwähnung im Jahr 704 ist Arnstadt einer der drei ältesten belegten Orte Deutschlands außerhalb der ehemals römischen Siedlungsgebiete. Bis zum 18. Jahrhundert war Arnstadt eine Residenzstadt der Grafen von Schwarzburg. Arnstadt war die erste Wirkungsstätte von Johann Sebastian Bach und ist die Heimat der Thüringer Bratwurst. Die Stadt besitzt einen gut erhaltenen historischen Stadtkern. Aufgrund der Lage am Nordrand des Thüringer Waldes wird Arnstadt als das „Tor zum Thüringer Wald“ bezeichnet.

Arnstadt ist ein bedeutender Industriestandort und besitzt mit dem verkehrstechnisch günstig gelegenen Industriegebiet am Erfurter Kreuz das größte zusammenhängende Industrie- und Gewerbegebiet Thüringens.

Inhaltsverzeichnis

Riedtor (links) und Jacobsturm sind Wahrzeichen von Arnstadt

Arnstadt liegt am Südrand des Thüringer Beckens auf etwa 300 Meter Höhe und wird von der Gera durchflossen. Das hügelige Vorland des Thüringer Waldes mit den Reinsbergen und der Alteburg reicht bis an die südliche Grenze Arnstadts. Es liegt mitten in einem Gebiet, in dem Keuper großflächig ausstreicht. Es ist die Typuslokalität der Arnstadt-Formation des Mittleren Keupers in der Erdgeschichte.

Der Jahresniederschlag beträgt 487 mm. Die Niederschlagsmenge liegt im unteren Zwanzigstel der in Deutschland erfassten Werte. Der trockenste Monat ist der Januar, die meisten Niederschläge fallen im Juni. Im Juni fallen 2,7-mal mehr Niederschläge als im Januar.

Der Stadtkern liegt auf der Westseite der Gera. Er war früher von einer Stadtmauer umgeben. Mit Einsetzen der Industrialisierung entstanden Wohnviertel im Westen, Industrieanlagen im Norden und Villenviertel im Süden der Stadt. Nach dem Zweiten Weltkrieg dehnte sich die Stadt weiter nach Norden entlang des Geratals aus, neue Wohngebiete entstanden in den 70er- und 80er-Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts, im Osten das Ostviertel und im Südosten Arnstadts das Wohngebiet Rabenhold.

Nachbargemeinden sind im Uhrzeigersinn, beginnend im Norden: Ichtershausen, Kirchheim, Alkersleben, Dornheim, Wipfratal, Plaue, Gossel, Wachsenburggemeinde.

Rathaus von Arnstadt

Nach § 3 der Hauptsatzung[2] gehören zur Stadt Arnstadt die folgenden vier Ortschaften mit Geltung der Ortschaftsverfassung im Sinne des § 45 Thüringer Kommunalordnung (ThürKO).

  • Angelhausen/Oberndorf
  • Dosdorf/Espenfeld
  • Rudisleben
  • Siegelbach
Arnstadt um 1650
Arnstadt um 1900
1976: Die Fernverkehrsstraße 4 passiert das Riedtor in Arnstadt.

Am 1. Mai 704 wurden in einer in Würzburg ausgestellten Schenkungsurkunde des Thüringer Herzogs Hedan II. an den angelsächsischen Bischof Willibrord von Utrecht die Orte Arnstadt (als Arnestati), Mühlberg und Großmonra erstmals genannt.[3] Diese sind somit die ältesten urkundlich bezeugten Orte Thüringens und des mittleren und östlichen Deutschlands. Arnstadt wurde deshalb bis 1990 als älteste Stadt der DDR präsentiert. Archäologische Funde belegen, dass der Ort schon in der Jungsteinzeit ein bevorzugter Siedlungsplatz war.

726 ging Arnstadt an die Abtei Echternach und später durch Tausch an die Abtei Hersfeld über. Nach August Beck wurde der Ort von Heinrich I. im Jahre 925 als Bollwerk gegen die einfallenden Ungarn erweitert.[4] Am 17. Dezember 954 hielt König Otto I. in Arnstadt einen Reichstag ab, bei dem er Frieden mit seinem aufständischen Sohn Liudolf von Schwaben schloss und einen anderen Sohn, Wilhelm, zum Erzbischof von Mainz ernannte. Dieser beschloss zugleich die Gründung der Liebfrauenkirche in Arnstadt.

Im 12. Jahrhundert fiel ein Teil Arnstadts unter die Herrschaft der Grafen von Käfernburg. 1198 versammelten sich die Reichsfürsten in Arnstadt und wählten am 8. März Philipp von Schwaben zum deutschen König. 1220 wurde Arnstadt erstmals als civitas, also als Stadt bezeichnet. Das Stadtrecht wurde dem Ort erst am 21. April 1266 vom Abt der Abtei Hersfeld verliehen.[5] Danach entwickelte sich Arnstadt zum Umschlagplatz für Holz, Getreide, Wein und Färberwaid.

Nach dem Aussterben der Käfernburger 1302 gelangte bis 1306 deren Besitz in Arnstadt an die Grafen von Schwarzburg. Versuche von Erfurter Seite, sich 1342 und 1345 der reichen Stadt zu bemächtigen, scheiterten an der starken Befestigung. Der Wohlstand gründete sich auf das Mühlengewerbe, das Tuchmacherhandwerk, auf Gerbereien und den Handel mit Wein und Waid, Holz, Getreide, Wolle und Gemüse.

Am 30. Januar 1349 wurde mit Graf Günther XXI. von Schwarzburg der Arnstädter Landesherr in Frankfurt am Main zum Gegenkönig Karls IV. gewählt und gekrönt. Er entsagte diesem Titel bereits am 26. Mai gegen 20.000 Mark Silber der Krone. 1496 wurde der schwarzburgische Besitz in die Oberherrschaft Arnstadt und die Unterherrschaft Sondershausen geteilt. Während des Deutschen Bauernkrieges wurden am 17. Juni und 2. August 1525 neun beziehungsweise fünf Teilnehmer am Aufstand als Rädelsführer auf dem Arnstädter Marktplatz enthauptet. Die Stadt musste wegen Unterstützung der Aufständischen eine „empfindliche Buße“ (3000 Gulden) zahlen. 1531 wurde in Arnstadt die Reformation eingeführt. Dabei wurde zunächst das Benediktiner-Jungfrauenkloster, 1538 auch das Barfüßerkloster säkularisiert. Die Kirche des Barfüßerklosters wurde ab 1581 als Oberkirche Hauptkirche der Stadt. 1553 begannen die Bauarbeiten an der gräflichen Residenz Schloss Neideck. Das Wasserschloss wurde 1560 fertig gestellt.

In den folgenden 100 Jahren stagnierte die Entwicklung der Stadt: 1581 fielen über 380 Häuser, darunter das Rathaus, einem Großbrand zum Opfer, die Pest forderte 1582 über 1700 und 1625 über 1200 Opfer. Auch der Dreißigjährige Krieg verschonte Arnstadt nicht: Auf 80.000 Gulden belief sich der Gesamtschaden, den durchziehende Einheiten aller Kriegsparteien verursachten. 1670 wurden wiederum 170 Häuser im Südosten der Stadt durch ein weiteres Großfeuer vernichtet.

1703 prüfte der 18-jährige Johann Sebastian Bach die neu gebaute Orgel der Neuen Kirche, wurde gleich als Organist eingestellt und wirkte vier Jahre in der Stadt. Wegen eines Zerwürfnisses mit dem Rat der Stadt wegen nicht genehmigter Urlaubsverlängerung und anderer „Unregelmäßigkeiten“ auch in der musikalischen Arbeit, übersiedelte er im Sommer 1707 nach Mühlhausen. Im Oktober des gleichen Jahres heiratete er im drei Kilometer östlich von Arnstadt gelegenen Dornheim seine Cousine Barbara Bach.

Im Jahr 1709 gaben die Grafen von Schwarzburg die bereits 1697 durch Kaiser Leopold I. bewilligte Erhebung in den Reichsfürstenstand bekannt, die der Herzog von Sachsen-Weimar als Thüringer Landgraf allerdings nicht anerkannte. Vorübergehend wurde Arnstadt von seinen Truppen besetzt, doch konnte sich die Stadt mit der Zahlung von 3500 Talern die Anerkennung erkaufen. Fürstin Auguste Dorothea, die prachtliebende und verschwenderische Frau Anton Günthers, ließ das Schloss Augustenburg errichten und schuf eine Attraktion, die bis heute in Arnstadt zu bewundern ist: In jahrzehntelanger Arbeit des Hofstaats und der Bürgerschaft entstand Mon plaisir (Mein Vergnügen), eine Puppenstadt in 82 Räumen mit rund 400 Wachsfiguren samt der zugehörigen Ausstattung, die ein detailgetreues Abbild des Lebens einer kleinen Residenzstadt darstellt. Die Ausstellung befindet sich im Neuen Palais, das 1728–1732 als Witwensitz der Fürstin Elisabeth Albertine von Schwarzburg-Sondershausen erbaut wurde. Die Arnstädter hatten damals freilich nichts von ihrer Mitwirkung als Arbeit und Kosten, die die Stadt weiter verarmen ließen.

12. November 1989: Rund 10.000 Arnstädter demonstrierten gemeinsam mit ihrem Bürgermeister Bernd Markert (3. v.l.) für friedvolle Veränderungen, verbesserten Umweltschutz und die Zulassung demokratischer Vereinigungen sowie freie Wahlen.

Prägende Persönlichkeit des ersten Vierteljahrhunderts war Harald Bielfeld (NLP, DDP), (Ober-)bürgermeister von 1894 bis 1928. Neben seinem Amt als Bürgermeister war er Landtagspräsident im Landtag des Fürstentum Schwarzburg-Sondershausen und später Minister im neugeschaffenen Thüringen.

Nach dem Thronverzicht des Schwarzburger Fürsten Günther Victor im November 1918 gehörte Arnstadt zum Freistaat Schwarzburg-Sondershausen, der 1920 im Land Thüringen aufging.

Von 1868 bis 1933 tagte in Arnstadt der akademische Arnstädter Verband und errichtete 1926 ein Denkmal für seine im Ersten Weltkrieg gefallenen Mitglieder auf der Alteburg.

1920 wurde der Landkreis Arnstadt gebildet. Arnstadt war kreisfrei und Sitz der Kreisverwaltung. Noch heute findet man an einigen Ausfallstraßen die alten Grenzsteine zwischen Stadt- und Landkreis Arnstadt.

Auf dem Neuen Friedhof wird mit einem Ehrenhain der sechs Todesopfer aus der Arbeiterklasse gedacht, die von den Nationalsozialisten getötet wurden. In der Pogromnacht 1938 wurde die Synagoge an der Krappgartenstraße niedergebrannt, woran seit 1988 ein Gedenkstein am früheren Standort erinnert. 30 männliche Juden wurden in das KZ Buchenwald verschleppt. Auf dem Neuen Friedhof am Parkweg erinnert ein Gedenkstein an die ermordeten Juden.

Während des Zweiten Weltkrieges mussten 2.950 Frauen und Männer vorwiegend aus der Sowjetunion und Polen sowie Kriegsgefangene aus den von Deutschland besetzten Ländern Zwangsarbeit verrichten: im Polte-Werk 1 und 2, in der Firma Siemens & Halske, in der Eisengießerei Winter, bei der Firma Schmidt & Co. Daimon, im Reparaturwerk Erfurt, in der Aktiengesellschaft für Kartonagenindustrie, in der Firma Braunsteinwerke Kunze & Co., in der Fahrzeugfabrik Renger & Co. und in der Bahnmeisterei. Auf dem Neuen Friedhof erinnern 102 Grabsteine an die bei Zwangsarbeit Umgekommenen.[6] Zudem unterhielten die Nationalsozialisten im nahe gelegenen Jonastal ein geheimes Bauvorhaben.

Bei einem Bombenangriff am 6. Februar 1945 wurden unter anderem der Turm der Ruine Neidecksburg und das Rathaus schwer beschädigt. Im April 1945 wurden baukulturell wertvolle Häuser am Marktplatz durch Artillerie-Beschuss zum Teil zerstört oder beschädigt. In Mitleidenschaft gezogen wurden auch die Liebfrauenkirche, die Oberkirche, die Gottesackerkirche und der Prinzenhof.[7]

1951 ließ die SED das Denkmal für die Dichterin Marlitt auf dem Friedhof entfernen („Predigerin des Untertanengeistes“).

1951 verlor Arnstadt seinen Status als kreisfreie Stadt und wurde in den Landkreis Arnstadt aufgenommen. 1952 wurde der Landkreis durch die Bezirksgrenze Erfurt/Suhl durchschnitten und in die Kreise Arnstadt und Ilmenau aufgeteilt. Erst 1994 wurde mit der Gebietsreform Thüringens der Kreis in seiner ursprünglichen Größe wiederhergestellt. Er trägt fortan den Namen Ilm-Kreis. Arnstadt ist damit seit nunmehr 90 Jahren Sitz der Kreisverwaltung.

1300 Jahre Arnstadt: deutsche Briefmarke von 2004

Arnstadt war früh an der Friedlichen Revolution 1989/90 beteiligt. Bereits am 30. September folgten 200 Bürger dem maschinengeschriebenen Aufruf von Günther Sattler zu einer Demonstration auf dem Holzmarkt. Eine Woche später, am 7. Oktober, dem 40. Jahrestag der DDR, beteiligten sich schon wesentlich mehr Arnstädter an der Protestaktion. Diesmal lösten aber mit Knüppeln bewaffnete Volkspolizei-Einheiten die versammelte Menge auf. An Demonstrationen im November 1989 nahmen etwa 10.000 Menschen teil.

Im Jahr 2004 feierte die Stadt ihre 1.300-jährige Ersterwähnung. Aus diesem Anlass wurde unter anderem ein Neigetechnik-ICE der DB-Baureihe 411 im Hauptbahnhof auf den Namen Arnstadt getauft und eine deutsche Briefmarke herausgegeben. Im gleichen Jahr gewann die Stadt beim Bundeswettbewerb Unsere Stadt blüht auf die Goldmedaille.

2006 wurde während des Stadtfestes und des Tages des Offenen Denkmals den Arnstädtern erstmals seit 1942 die restaurierte Skulptur des Bismarck-Brunnens von 1909 gezeigt. Diese befindet sich auch 2010 noch in einer Lagerhalle.

Im Jahre 2008 wurde in der Arnstädter Rosenstraße ein Denkmal mit folgender Inschrift errichtet: „Den Opfern kommunistischer Gewalt 1945–1989“.

Im Ortsteil Rudisleben begannen am 14. August 2009 die Bauarbeiten für eine neue Jugendstrafanstalt, die in Form eines Dorfes errichtet wird. Sie soll die JVA Ichtershausen ersetzen, 340 Plätze bieten und 73 Millionen Euro kosten.

Der Arnstädter Ortsteil Siegelbach

Als erster Ortsteil wurde Angelhausen-Oberndorf 1922 eingemeindet. Am 14. April 1994 wurde Siegelbach mit dem am 24. Januar 1974 eingegliederten Espenfeld und dem am 1. August 1975 eingegliederten Dosdorf eingemeindet,[8] am 1. Juli 1999 folgte Rudisleben.[9]

Einwohnerzahlen der Ortsteile (30. Juni 2005):

  • Rudisleben: 1.224
  • Angelhausen-Oberndorf: 1.050
  • Siegelbach: 323
  • Dosdorf: 267
  • Espenfeld: 160
Die Einwohnerentwicklung von Arnstadt
Entwicklung der Einwohnerzahl
1814 bis 1970 1981 bis 2000 2001 bis 2009
  • 1814: 4.169
  • 1890: 12.818
  • 1905: 16.270
  • 1910: 17.841
  • 1925: 21.693
  • 1933: 22.024
  • 1939: 22.617
  • 1946: 27.846[10]
  • 1950: 28.195[11]
  • 1961: 26.400
  • 1970: 28.990[12]
  • 1981: 30.024
  • 1984: 29.851
  • 1985: 29.944
  • 1994: 27.571[13]
  • 1995: 26.944
  • 1996: 26.385
  • 1997: 26.023
  • 1998: 25.865
  • 1999: 27.278
  • 2000: 27.220
  • 2001: 26.848
  • 2002: 26.565
  • 2003: 26.121
  • 2004: 25.926
  • 2005: 25.722
  • 2006: 25.500
  • 2007: 25.256
  • 2008: 25.092
  • 2009: 25.090
Die erfüllende Gemeinde Arnstadt im Ilmkreis

Arnstadt ist erfüllende Gemeinde für die Wachsenburggemeinde und Wipfratal. Die Stadtverwaltung betreut damit 30.506 Einwohner (Stand: 31. Dezember 2009).

Der Arnstädter Stadtrat setzt sich seit der Kommunalwahl 2009 folgendermaßen zusammen:

  • Die Linke: 7 Sitze
  • CDU: 5 Sitze
  • Pro Arnstadt: 9 Sitze
  • SPD: 5 Sitze
  • Bürgerforum Arnstadt – BFA: 2 Sitze
  • FDP: 2 Sitze

(FDP und BFA bilden eine gemeinsame Fraktion)

Blasonierung: „In Gold ein schwarzer, nach rechts blickender rot bewehrter Adler mit gespreizten Flügeln, aufgesperrtem Schnabel und vorgeschlagener Zunge.“

Flagge der Stadt Arnstadt

Die Flagge der Stadt zeigt waagerecht gestreift die Stadtfarben schwarz-gelb (von oben nach unten) mit Wappen.

  • Dubí (Tschechien)
  • Gurk (Österreich)
  • Kassel (Deutschland)
  • Le Bouscat (Frankreich)
Schlossmuseum Arnstadt
Liebfrauenkirche Arnstadt
Bachkirche Arnstadt
Gebäude der Kreisverwaltung mit Neideckturm im Hintergrund
Bach-Denkmal auf dem Markt

Der Kulturbetrieb der Stadt Arnstadt ist eine städtische Tochtergesellschaft. Als selbstständig agierende Einrichtung der Stadt hat sie die Struktur eines kommunalen Eigenbetriebes. In ihm sind sämtliche kulturellen Einrichtungen der Stadt, die Stadt- und Kreisbibliothek, die Bachausstellung, das Schlossmuseum, der Tierpark Fasanerie und das Theater im Schlossgarten eingebunden und werden von ihm subventioniert beziehungsweise betrieben.

Das Theater im Schlossgarten entstand im Jahre 1842 durch den Umbau der damaligen fürstlichen Reitbahn auf Order Günther Friedrich Carl II. In den folgenden Jahrzehnten durchlebte das Spielhaus zahlreiche Höhen und Tiefen und war von Schließungen bedroht. Das Haus wurde 1995 nach umfangreicher Renovierung und Restaurierung wiedereröffnet. Es wird teils mit eigenem Laienensemble bespielt, größtenteils jedoch von anderen Theatern.

  • Im Neuen Palais, das 1729 bis 1735 als Witwensitz für die Fürstin Elisabeth Albertine von Schwarzburg-Sondershausen errichtet wurde, befindet sich das Schlossmuseum. Die wichtigste Ausstellung ist die einzigartige barocke Puppenstadt Mon plaisir der Fürstin Auguste Dorothea aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Weiterhin befindet sich hier seit 2009 die Bachausstellung über das Wirken Johann Sebastian Bachs und seiner zahlreichen musikalisch tätigen Verwandten in Arnstadt.
  • Das ehemalige Bahnbetriebswerk am Nordwestrand der Stadt hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Eisenbahnmuseum (Bahnbetriebswerk Arnstadt) gewandelt, in dem sämtliche Traditionslokomotiven der Deutschen Reichsbahn – Reichsbahndirektion Erfurt zu besichtigen sind. Schwerpunkt sind dabei Dampflokomotiven verschiedener Baureihen.
  • Die Kleine Galerie, Lohmühlenweg 11, stellt Grafiken des Arnstädter Zeichners Paul Weber aus.
  • Die Kunsthalle, Angelhäuser Str. 1, befindet sich in einer ehemaligen Taschenlampenfabrik. Sie ist die größte Kunsthalle Thüringens und zeigt Wechselausstellungen zeitgenössischer Kunst.
  • Im ältesten Gärtnerhaus Thüringens im Schlossgarten wird das Stadtmodell Arnstadt um 1740 ausgestellt. Ebenfalls zu besichtigen sind die Ausstellungen zur Geschichte von Schloss Neideck und zur Geschichte der Grafen von Käfernburg-Schwarzburg.
  • Einer der bedeutendsten Sakralbauten des Übergangs von der Romanik zur Gotik im mitteldeutschen Raum ist die Liebfrauenkirche, erbaut von 1180 bis 1330.
  • Bemerkenswert ist die barocke Himmelfahrtskirche auf dem Alten Friedhof mit ihrem oktogonalen Umriss.
  • Sehenswert ist die Schlossruine Neideck mit besteigbarem Schlossturm.
  • Bachkirche, vollständig Johann-Sebastian-Bach-Kirche, ehemals St.-Bonifatius-Kirche, wurde nach dem großen Stadtbrand von 1581 als Neue Kirche wiedererrichtet.
  • Auf der Alteburg steht der 1902 errichtete Alteburgturm (früher Kaiser-Wilhelm-Turm).
  • Barfüßerkirche (Oberkirche): um 1250, ursprünglich Kirche des Franziskanerklosters, gotische Hallenkirche, ca. 60 m lang und 11 m breit, Turmanbau zur Stabilisierung der Kirche von 1461, im 17. Jahrhundert umfangreiche Veränderungen im Inneren, Bildergalerie alttesttamentarischer Szenen auf den Emporen, 1751 neue Orgel von Johann Stephan Schmaltz, dem neu hinzugezogenen Bürger und Orgelbauer aus Wandersleben, lange Zeit Hauptkirche von Arnstadt, wegen starker Bauschäden Schließung der Kirche 1977, Dachsanierung und Baukörpersicherung 1991, seitdem eingeschränkte Nutzung, seit 2007 auch für Konzerte, Kino, Märkte und Kinderprogramme, 2008 Beginn einer umfangreichen Sanierung von Kirche und Kloster, die bis zum Lutherjahr 2017 abgeschlossen sein soll.[14]

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bestimmten zwei Großunternehmen mit jeweils mehreren Tausend Beschäftigten die entscheidende Rolle in der Wirtschaftsstruktur der Stadt: der VEB Chemieanlagenbau Erfurt-Rudisleben sowie der zum Kombinat RFT gehörende VEB Fernmeldewerk Arnstadt. Diese betrieben eigene Kulturhäuser in der Stadt, die das kulturelle Leben bestimmten. Nach der Wende ging die Zahl der Beschäftigten stark zurück, so dass ihre Bedeutung für die Stadt als Arbeitgeber geringer wurde und die Kulturhäuser nicht mehr wirtschaftlich vertretbar waren. Die heutige Bezeichnung der Betriebe ist Chema Prozess- und Systemtechnik GmbH bzw. Thales Transportation Systems GmbH. Ein Teil des ehemaligen Fernmeldewerkes, das sogenannte Mechanikzentrum, ist seit 2007 ein eigenständiges Unternehmen unter dem Namen Entwicklungs- und Produktionszentrum GmbH (EPZ GmbH).

Stattdessen entstanden im Norden der Stadt einige Gewerbe- und Industriegebiete:

  • Erfurter Kreuz
  • Arnstadt-Rudisleben
  • Ichtershausen-Thörey-Autobahn (GITA)

Zusammen ergeben sie das größte zusammenhängende Industrie- und Gewerbegebiet Thüringens.

Das Erfurter Kreuz ist das größte Gebiet (400 Hektar) mit der 2008 größten Entwicklungsdynamik. Das Gebiet Arnstadt-Rudisleben grenzt an das Erfurter Kreuz und weist ebenfalls eine hohe Entwicklungsdynamik auf, ist jedoch schon höher ausgelastet. GITA liegt direkt an der Autobahn und gehört zu der Gemeinde Ichtershausen. Dieses Gebiet ist fast ausgelastet und eine Erweiterung ist in Planung. Das Erfurter Kreuz und das Gebiet Arnstadt-Rudisleben bieten 2008 Platz für Sofortinvestitionen.

Mit den neu angesiedelten Unternehmen sowie mit den Traditionsunternehmen sind zahlreiche Firmen in Arnstadt und nächster Umgebung ansässig.

Seit Ende des 19. Jahrhunderts befand sich im Nordwesten Arnstadts das Stadtgut Kesselbrunn mit einer Fläche von 104 ha, das zur Unterstützung der Versorgung der Stadtbevölkerung eingerichtet wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Anwesen ein Volkseigenes Gut, das dann nach den Grundsätzen der DDR-Landwirtschaft wirtschaftete.[15] Nach 1990 wurde hier eine Werkstatt für behinderte Menschen eingerichtet, die 1996 um einen Werkstattneubau ergänzt wurde. Hier haben knapp 200 Menschen, vorrangig in der Metallbearbeitung, einen Arbeitsplatz.[16]

  • HOLZ-INDUSTRIE, Thomas Gerling, Sonderschalungssysteme, Industrieverpackungen, Kaminholz
  • Thales Transportation Systems GmbH
  • Sunways Production GmbH
  • Bosch Solar Energy AG
  • Masdar PV GmbH (Firmensitz in Ichtershausen)
  • Antec Solar GmbH Solarmodultechnologie (Halbleiterschichtaufbau/Dünnschicht) und Anlagentechnik
  • N3 Engine Overhaul Services GmbH & Co. KG (Lufthansa & Rolls Royce)
  • BorgWarner Transmission Systems Arnstadt GmbH (USA)
  • Gonvauto (Spanien)
  • IHI Charging Systems International (ICSI) GmbH
  • Garant Türen- und Zargen GmbH
  • Bosch Sicherheitssysteme Montage und Service GmbH
  • Avermann Laser- und Kant-Zentrum GmbH
  • Wintersteiger Sägen GmbH (Österreich)
  • Banso Sägen
  • Deutsche Gießerei- und Industrie-Holding AG (Eisenwerk Arnstadt GmbH)
  • Arnstädter Werkzeug- und Maschinenbau (AWM) AG
  • Schenker Deutschland AG
  • United Parcel Service Deutschland Inc.& Co. OHG
  • Dachser GmbH & Co. KG
  • DHL Deutsche Post
  • SCA Packaging Arnstadt GmbH
  • Carpenter GmbH (USA)
  • Schuite & Schuite Druckfarben GmbH (Niederlande)
  • Getränke Fachmarkt Waldhoff GmbH
  • Wolf Süßwaren GmbH
  • frischBack GmbH Arnstadt
  • Sauels Schinken GmbH & Co. KG
  • Die Thüringer Fleisch- und Wurstspezialitäten Rainer Wagner GmbH
  • Arnstadt Kristall GmbH

Durch die umfangreiche Industrieansiedlung sank die Arbeitslosenquote in Arnstadt und Umgebung von etwa 13 Prozent (Stand: Januar 2008) auf 9,4 Prozent (Stand Oktober 2010) und liegt damit leicht unter dem Durchschnitt des Ilmkreises bzw. Thüringer Durchschnitt von 10,3 bzw. 10,4 Prozent.

Anschluss an die Autobahn erhielt Arnstadt bereits 1940 mit der Reichsautobahn, Abfahrt Arnstadt (heute Neudietendorf/Arnstadt-West). Aufgrund der zentralen Lage südwestlich vom Erfurter Kreuz (A 4/A 71) wird der Großraum Arnstadt heute durch insgesamt sechs Autobahnanschlussstellen erschlossen (Im Uhrzeigersinn genannt sind das auf der A 4 die Abfahrten Wandersleben, Neudietendorf/Arnstadt-West, Erfurt-West und auf der A 71 die Abfahrten Arnstadt-Nord, Arnstadt-Süd und Gräfenroda). Ein dichtes Netz aus Landes- und Kreisstraßen, das sternförmig zur Kernstadt hin zusammenläuft, sorgt für eine schnelle Erreichbarkeit aus allen Himmelsrichtungen. Der Teil der B 4, der Arnstadt bis 2003 in Nord-Süd-Richtung erschloss, wurde 2003 zwischen den Autobahnanschlussstellen Erfurt West und Ilmenau-West zur Landesstraße 3004 herabgestuft. Deren überregionale Funktion übernimmt seitdem die A 71. Die noch relativ junge Landesstraße L 1044 von der Autobahnabfahrt Neudietendorf/Arnstadt-West der A 4 bis zur Autobahnabfahrt Arnstadt-Nord der A 71 verbindet das Gewerbegebiet Ichtershausen-Thörey und das Gewerbegebiet Arnstadt-Nord, -Nordost und -Rudisleben und ist damit eine Hauptader im Industriegebiet Erfurter Kreuz.

Arnstadt Hauptbahnhof

Arnstadt erhielt 1867 Bahnanschluss mit der Strecke Dietendorf–Arnstadt. Das heutige Neudietendorf erhielt bereits 1847 Bahnanschluss an die Thüringer Bahn. 1879 wurde die Bahnstrecke über Arnstadt hinaus bis nach Ilmenau, 1883 abzweigend in Plaue nach Schweinfurt, sowie in Arnstadt beginnend 1885 nach Ichtershausen und 1895 nach Saalfeld verlängert.

Das früher in Arnstadt bestehende Bahnbetriebswerk ist heute das Museum Bahnbetriebswerk Arnstadt. Der Haltepunkt Arnstadt Süd hieß bis 1912 Bahnhof Längwitz. Der Gesamtverkehr auf der Nebenbahn nach Ichtershausen wurde 1966 eingestellt; ein Reststück der Strecke wird heute als Rangierbezirk des Hauptbahnhofs Arnstadt betrieben. Die Strecke Neudietendorf–Arnstadt Hbf war von 1984 bis 1996 elektrifiziert.

Heute ist der Hauptbahnhof der Kreisstadt Knotenpunkt von drei Regional-Express-Linien (RE 2, 7, 14) und drei Regionalbahn-Linien (RB 23, EB 3, STB 4). Im Taktverkehr bestehen regelmäßige Direktverbindungen in die Ober- und Mittelzentren Erfurt, Saalfeld/Saale, Suhl, Meiningen, Schweinfurt, Würzburg und Ilmenau. Am Hauptbahnhof halten werktäglich 103 Personenzüge, in Arnstadt Süd 49.

Vom regelmäßigen Güterfernverkehr wird Arnstadt derzeit nicht tangiert. Lokale Güterverladung mit werktäglicher Bedienung durch DB Schenker Rail erfolgt im Hauptbahnhof und in den Gleisanschlüssen im einstigen Bahnhof Arnstadt Ost (ehemalige Arnstadt-Ichtershäuser Eisenbahn), im Eisenwerk sowie am Gleisanschluss zum Industriegebiet Arnstadt-Nord/Erfurter Kreuz, unter anderem zur Bedienung des Flugzeugturbinenwartungswerks N3 und der Firma Gonvauto Thüringen.

Etwa acht Kilometer östlich von Arnstadt befindet sich der Verkehrslandeplatz Arnstadt-Alkersleben, der hauptsächlich für Sport-, Freizeit- und Rundflüge sowie von kleinen Chartermaschinen genutzt wird. Nächster internationaler Flughafen ist der Flughafen Erfurt-Weimar, zirka 20 Kilometer nördlich von Arnstadt.

In Arnstadt bestehen vier Grundschulen, zwei Regelschulen und ein Gymnasium. Darüber hinaus gibt es seit 2008 mit der FH KUNST eine private Kunsthochschule in der Stadt.

Das wichtigste Sportereignis in Arnstadt ist der seit 1977 alljährlich Ende Januar/Anfang Februar ausgetragene Hochsprung mit Musik, das sich inzwischen zum ersten internationalen Kräftemessem der weltbesten Hochspringer im jeweiligen Jahr entwickelt hat. So wurde hier im Jahr 2006 durch die Schwedin Kajsa Bergqvist ein Hallenweltrekord erzielt. Im Jahr 2008 gab es sowohl im Männer- als auch im Frauenwettbewerb Jahresweltbestleistungen. Die Veranstaltung findet in der Sporthalle am im Osten der Stadt gelegenen Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadion statt. Dieses ist auch die Heimstätte der wichtigsten Fußballmannschaft der Stadt, dem SV 09 Arnstadt, der im Jahr 2009 aus den Vereinen Motor Rudisleben und BC 07 Arnstadt entstand. Motor Rudisleben spielte zwischen 1978 und 1984 in der DDR-Liga, 2008 gelang der Mannschaft der Aufstieg in die Landesliga des Thüringer Fußballverbandes, in der sie seitdem spielt.

Insgesamt gibt es in Arnstadt über 60 Sportvereine, die die verschiedensten Sportarten anbieten. Größter Sportverein der Stadt ist die SG Motor Arnstadt, aus dessen Leichtathletik-Abteilung unter anderen Katrin Schreiter als Mitglied der 4×400-m-Weltmeisterstaffel 1990 hervorging. Die Handballer von Motor Arnstadt spielen in der Thüringer Landesliga.

Weitere wichtige Sportstätten sind der Sportplatz des ESV Lok Arnstadt, die Reitsportanlage Angelhausen sowie die Tennisplätze am Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadion.

Zu bekannten Arnstädter Persönlichkeiten zählen die Schriftstellerin Eugenie Marlitt sowie der Graphiker A. Paul Weber und auch Willibald Alexis, Ludwig Bechstein sowie der Komponist Johann Sebastian Bach, der von 1703 bis 1707 als Organist und Kantor der hiesigen Neuen Kirche tätig war. Mitglieder seiner Familie lebten schon seit Generationen in und um Arnstadt. Auf dem Alten Friedhof sind mehr als 20 Mitglieder der Familie Bach bestattet. Zu Ehren des Johann Sebastian Bachs findet seit 2005 jährlich im März das Bach-Festival Arnstadt statt.

  • 1. April 1895: Fürst Otto von Bismarck
  • 9. September 1927: Benjamin Kiesewetter (1853–1934), Landtagsabgeordneter und Gemeideratsvorsteher
  • 1933: Adolf Hitler, Reichskanzler, nach 1945 wieder aberkannt
  • 27. November 1993: Albin Schaedel (1905–1999), Glaskünstler

Im 16. Jahrhundert geboren

  • Günther XLI. von Schwarzburg (1529–1583), ab 1552 regierender Graf von Schwarzburg
  • Hieronymus Frobenius (1580–1666), Bürgermeister von Arnstadt

Im 17. Jahrhundert geboren

  • Philipp Ernst Förster (1618–1658), Hofrat der Grafen zu Stolberg-Wernigerode
  • Johann Christoph Bach (1642–1703), Komponist
  • Christian Leonhard Leucht (1645–1716), Jurist
  • Johann Michael Bach (1648–1694), Komponist

Im 18. Jahrhundert geboren

  • August Johann Rösel von Rosenhof (1705–1759), Naturforscher
  • Johann Christian Gottlieb Ernesti (1756–1802), Gelehrter
  • Christian Julius Wilhelm Mosche, (1768–1815), Pädagoge

Im 19. Jahrhundert geboren

  • Friedrich Emmerling (1801–1879), 1857 bis 1871 Bürgermeister von Arnstadt
  • E. Marlitt (1825–1887), Schriftstellerin
  • Hermann Auleb (1832–1911), Richter und Landtagsabgeordneter
  • Reinhold Bärwinkel (1834–1898), Landtagspräsident
  • Edmund Günther Böttcher (1836–1929), Landtagsabgeordneter
  • Bernhard Stade (1848–1906), evangelischer Theologe
  • Robert Poseck (1858–1939), Architekt
  • Alfred Ley (1873–1945), Automobilpionier
  • Hermann Schwarzbold (1886–1956), Gewerkschafter, Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus und Kommunalpolitiker (SED)
  • Hermann Steudner (1896–1986), kommunistischer Tischler, Oberbürgermeister von Arnstadt und Oberstleutnant des MfS
  • Andreas Paul Weber (1893–1980), Zeichner
  • Irmgard von Witzleben (1896–1944), Künstlerin

Im 20. Jahrhundert geboren

  • Otto Knöpfer (1911–1993), Maler
  • Walter Lendrich (1912–1999), Schauspieler
  • Christa Reetz (* 1922), Politikerin (Bündnis 90/Die Grünen)
  • Rolf Grunert (* 1925), Kriminalist
  • Ekkehard Böhmer (* 1929), Fernsehregisseur
  • Jan Knopf (* 1944), Literaturwissenschaftler
  • Andreas Schmidt-Schaller (* 1945), Schauspieler
  • Katrin Schreiter (* 1969), Leichtathletin
  • Kornelia Greßler (* 1970), Schwimmerin
  • Katrin Weißensee (* 1976), Diplom-Betriebswirtin (FH) und erste Performancekünstlerin der Sandanimation
  • Thomas Ziegler (* 1980), Radsportler
  • Marcel Kittel (* 1988), Radsportler
  • Maximilian May (* 1988), Radsportler
  • Sebastian May (* 1988), Radsportler
  • Hedan II., Herzog der Thüringer, schenkte Arnstadt im Jahr 704 dem Bischof Willibrord

Im 16. Jahrhundert geboren

  • Joachim Mörlin (1514–1571), Reformator und Theologe, Superintendent von Arnstadt
  • Nicodemus Lappius (1582–1633), Hofprediger in Arnstadt

Im 17. Jahrhundert geboren

  • Christoph Bach (1613–1661), Musiker, lebte ab 1654 in Arnstadt
  • Johannes Musaeus (1613–1681), evangelischer Theologe, besuchte in Arnstadt das Gymnasium
  • Heinrich Bach (1615–1692), Organist, lebte ab 1641 in Arnstadt
  • Peter Musaeus (1620–1674), evangelischer Theologe, besuchte in Arnstadt das Gymnasium
  • Adam Drese (1620–1701), Komponist, Hofkapellmeister von Arnstadt
  • Johann Ambrosius Bach (1645–1695), Komponist, lebte einige Jahre in Arnstadt
  • Johann Christoph Bach (1645–1693), ab 1671 Hofmusikus in Arnstadt
  • Ludwig Günther Martini (1647–1719), Jurist und Schriftsteller, lebte zeitweise in Arnstadt
  • Anton Günther II. von Schwarzburg (1653–1716), ab 1681 Graf von Schwarzburg-Arnstadt
  • Wilhelm Ernst Tentzel (1659–1707), Gelehrter, lebte einige Zeit in Arnstadt
  • Auguste Dorothea von Braunschweig-Wolfenbüttel (1666–1751), Gründerin der Puppensammlung Mon plaisir
  • Christian Friedrich Hunold (1680–1721), Schriftsteller, ging in Arnstadt zur Schule
  • Johann Sebastian Bach (1685–1750), Komponist, lebte von 1703 bis 1707 in Arnstadt
  • Johann Alexander Thiele (1685–1752), Hofmaler in Arnstadt

Im 18. Jahrhundert geboren

  • Johann Friedrich Christoph Ernesti (1705–1758), evangelischer Theologe, ab 1744 in Arnstadt tätig
  • Johann Stephan Schmaltz (1715–1784), Orgelbauer, lebte und arbeitete ab 1751 in Arnstadt
  • Wilhelm Heinse (1746–1803), Schriftsteller, besuchte in Arnstadt das Gymnasium
  • Johann Samuel Ferdinand Blumröder (1793–1878), evangelischer Theologe, besuchte in Arnstadt das Gymnasium
  • Willibald Alexis (1798–1871), Schriftsteller, lebte ab 1851 in Arnstadt

Im 19. Jahrhundert geboren

  • Eduard Wedekind (1805–1885), Jurist und Politiker, lebte und starb in Arnstadt
  • Emil Palleske (1823–1880), Schauspieler und Schriftsteller, lebte zeitweise in Arnstadt
  • Friedrich Helbig (1832–1896), Jurist, Kreisgerichtsrat von Arnstadt
  • Johann Sperl (1840–1914), Maler, Leiter der Lithografischen Anstalt in Arnstadt
  • Wilhelm Bock (1846–1931), Politiker (SPD), absolvierte seine Berufsausbildung in Arnstadt
  • Karl Wilhelm Julius Hugo Riemann (1849–1919), Musiktheoretiker, Musikhistoriker, Musikpädagoge und Musiklexikograph, besuchte das Gymnasium in Sondershausen und Arnstadt, hat in Arnstadt Reifeprüfung abgelegt
  • Wilhelm Kammeier (1889–1959), Schriftsteller, lebte nach dem Zweiten Weltkrieg in Arnstadt, wo er auch starb
  • Bruno Bieligk (1889–1969), Politiker (SPD), zwischen 1919 und 1933 Landrat von Arnstadt
  • Ernst Sorge (1899–1946), Geograph, Polarforscher und Lehrer, starb in Arnstadt

Im 20. Jahrhundert geboren

  • Herbert Heinicke (1905–1988), Schachspieler, wuchs in Arnstadt auf
  • Günter Rexrodt (1941–2004), Politiker (FDP), wuchs in Arnstadt auf
  • Joachim Krauledat (* 1944), Sänger der Band Steppenwolf, verbrachte nach der Flucht aus Ostpreußen seine früheste Kindheit in Arnstadt
  • Rudolf Fischer (1910–1971), Sprachwissenschaftler, lebte und arbeitete nach dem Zweiten Weltkrieg in Arnstadt
  • Janny Dittrich/Andrea Kirchschlager: Arnstadt 1949 bis 1989. Sutton Verlag, Erfurt 2007, ISBN 978-3-86680-090-8
  • Andrea Kirchschlager, Ulrich Lappe, Peter Unger (Hrsg.): Chronik von Arnstadt. Zeittafel/Lexikon. Kirchschlager, Arnstadt 2003.
  • Jan Schönfelder: Der Mut der Einzelnen. Die Revolution in Arnstadt 1989. Jena 2009
  1. Thüringer Landesamt für Statistik – Bevölkerung nach Gemeinden, erfüllenden Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften (Hilfe dazu)
  2. [ Hauptsatzung der Stadt Arnstadt]
  3. Georg Heinrich Pertz u. a. (Hrsg.): Scriptores (in Folio) 23: Chronica aevi Suevici. Hannover 1874, S. 55–56 (Monumenta Germaniae Historica, Digitalisat)
  4. Dr. August Beck: Geschichte des gothaischen Landes, Band I, Gotha, 1868, S. 31.
  5. Heinrich Gottfried Gengler: Regesten und Urkunden zur Rechts- und Verfassungsgeschichte der deutschen Städte im Mittelalter, Erlangen 1863, S. 57–59.
  6. ISBN 3-88864-343-0, S. 137ff.
  7. Rudolf Zießler: Arnstadt In: Götz Eckardt (Hrsg.): Schicksale deutscher Baudenkmale im Zweiten Weltkrieg. Henschel-Verlag, Berlin 1978, Band 2, S. 467.
  8. ISBN 3-8246-0321-7
  9. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1999
  10. 29. Oktober
  11. 31. August
  12. ab 1970: 31. Dezember
  13. Datenquelle ab 1994: Thüringer Landesamt für Statistik
  14. Website der Stadt Arnstadt
  15. Jürgen Gruhle: Schwarzbuch der Bodenreform. E-Book, 2011
  16. Homepage der Werkstatt am Kesselbrunn
  17. Karl Rudolf von Jacobi: Schneidewein, Heinrich und Johannes. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 32, Duncker & Humblot, Leipzig 1891, S. 144–149.


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Thüringen

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Thüringen (Begriffsklärung) aufgeführt.
Freistaat Thüringen
Über dieses Bild
Flagge
Wappen
Landeshauptstadt: Erfurt
Fläche: 16.172,50 km²
Einwohnerzahl: 2,224 Mio.(31. Oktober 2011)[1]
Bevölkerungsdichte: 138 Einwohner pro km²
Arbeitslosenquote: 9,2 % (März 2012)[2]
Gründung: 3. Oktober 1990
Schulden: 16,2 Mrd. EUR (Mai 2011)[3]
ISO 3166-2: DE-TH
Kontakt:
Website: www.thueringen.de
Politik:
Ministerpräsidentin: Christine Lieberknecht (CDU)
Regierende Parteien: CDU und SPD
Sitzverteilung im Landtag: CDU 30
Die Linke 26
SPD 19
FDP 7
B’90/Grüne 6
Letzte Wahl: 30. August 2009
Nächste Wahl: voraussichtlich 2014
Parlamentarische Vertretung:
Stimmen im Bundesrat: 4
St. Marienkirche in Gera Untermhaus
Erfurt, Dom und Severikirche
Leuchtenburg

Der Freistaat Thüringen (Abkürzung TH) ist ein Land der Bundesrepublik Deutschland. Mit rund 2,2 Millionen Einwohnern und einer Fläche von rund 16.000 Quadratkilometern gehört es zu den kleineren Ländern der Bundesrepublik. Auch die Bevölkerungsdichte liegt etwas unter dem Bundesdurchschnitt. Landeshauptstadt und zugleich größte Stadt ist Erfurt, während mit Jena noch eine weitere Großstadt in Thüringen liegt. Als Binnenstaat grenzt es weder ans Meer noch ans Ausland. Nachbarländer sind Sachsen im Osten und Südosten, Sachsen-Anhalt im Norden und Nordosten, Niedersachsen im Nordwesten, Hessen im Westen sowie Bayern im Süden. Mehrere Orte im Nordwesten des Landes nehmen für sich in Anspruch, der exakte Mittelpunkt Deutschlands zu sein.

Der Name Thüringen tritt als Gebietsbezeichnung seit dem Thüringerreich im frühen 6. Jahrhundert auf. Danach bildete Thüringen kein zusammenhängendes Herrschaftsgebiet mehr, wenngleich es den Landgrafen von Thüringen für relativ kurze Zeit gelang, große Teile der Region zu kontrollieren. Dennoch blieb der Name für die Landschaft erhalten und wurde 1920 aufgegriffen, als sich sieben Freistaaten zum Land Thüringen vereinigten. Ehemals preußische Gebiete wie Erfurt und Nordthüringen kamen 1945 hinzu. Nach der Auflösung der Länder in der DDR 1952 wurde es erst 1990 aus den drei Bezirken Erfurt, Gera und Suhl sowie einigen angrenzenden Gebieten wiedergegründet und ist heute in 17 Landkreise sowie sechs kreisfreie Städte gegliedert. Seit 1993 trägt Thüringen wie Bayern und Sachsen offiziell den Namenszusatz Freistaat.

Die Wirtschaft Thüringens konnte sich nach dem Umbruch im Zuge der Wiedervereinigung in der Zeit nach der Jahrtausendwende stabilisieren, sodass die Arbeitslosenquote nur noch etwa zwei Prozentpunkte über dem Bundesdurchschnitt liegt. Dennoch blieben strukturelle Defizite bestehen, die beispielsweise für im Bundesvergleich geringe Löhne sorgen. Zentrum von Bildung und Forschung im Freistaat ist Jena mit der viertgrößten Universität der neuen Bundesländer.

Thüringen weist eine hohe Dichte an Kulturstätten von nationalem und internationalem Rang auf. Zum UNESCO-Welterbe gehören das klassische Weimar, das Bauhaus in Weimar und die Wartburg bei Eisenach. Auch die Landeshauptstadt weist mit dem Dom, der Krämerbrücke und der ältesten erhaltenen Synagoge Mitteleuropas bedeutende kulturhistorische Stätten auf.

Inhaltsverzeichnis

Im Thüringer Becken bei Mühlberg

Thüringen liegt in der Mitte Deutschlands und grenzt an die Länder Hessen (Länge der Grenze 270 km), Bayern (381 km), Sachsen (265 km), Sachsen-Anhalt (296 km) und Niedersachsen (112 km). Der Freistaat Thüringen gehört wie auch Sachsen und Teile Sachsen-Anhalts zur Region Mitteldeutschland. Als Ergebnis einer satellitengestützten Landesvermessung 2007/2008 wurde der Mittelpunkt Thüringens auf dem Gebiet der Gemeinde Rockhausen im Ilm-Kreis bei den Koordinaten 50° 54′ 12″ N, 11° 1′ 35″ O50.90333333333311.026388888889 etwa acht Kilometer südlich des Erfurter Doms ermittelt.[4]

Die Landschaft in Thüringen ist sehr unterschiedlich. Im äußersten Norden befindet sich der Harz. In südöstlicher Richtung schließt sich ein als Goldene Aue bezeichnetes Gebiet an, mit dem fruchtbaren Tal des Flusses Helme. Im Nordwesten befindet sich das Eichsfeld, eine teilweise bewaldete Hügellandschaft.

In der Mitte des Landes liegt das flache, sehr fruchtbare Thüringer Becken. Diese Region zählt zu den ältesten Kulturlandschaften Deutschlands. Erste Ortsgründungen sind hier bereits seit dem Jahr 704 belegt. Das Thüringer Becken wird von verschiedenen kleinen Höhenzügen umringt, so der Dün im Nordwesten, die Hainleite und die unmittelbar nördlich davon gelegene Windleite sowie der Kyffhäuser im Norden, Schmücke, Hohe Schrecke und Finne im Nordosten, dem Ettersberg im Südosten, der Fahner Höhe im Süden und dem Hainich im Westen. Der Nationalpark Hainich ist der einzige Nationalpark des Landes.

Südlich des Thüringer Beckens befindet sich das hügelige Vorland des Thüringer Waldes, schließlich der Thüringer Wald selbst, als größtes Gebirge im Land. Östlich geht der Wald nahtlos ins Thüringer Schiefergebirge über, welches wiederum südöstlich in den Frankenwald übergeht, der jedoch nur zu kleinsten Teilen in Thüringen liegt. Diese Mittelgebirgskette wird vom Rennsteig, dem Kammweg, durchzogen. Er stellt die Wasserscheide zwischen Elbe im Norden und Weser beziehungsweise Rhein im Süden dar. Östlich von Wald und Becken verläuft das Saaletal. Jenseits der Saale liegt im Norden das Thüringer Holzland, im Süden das Vogtland und im Osten das Osterland. Im Gegensatz zu den erstgenannten ist das Osterland um Altenburg wenig bewaldet und sehr fruchtbar.

Südwestlich des Thüringer Waldes liegt das Werratal, gefolgt von der Rhön im Westen und dem Grabfeld im Süden.

Die wichtigsten Flüsse des Landes sind die Werra im Westen und die Saale im Osten. Größere Zuflüsse der Saale sind die Unstrut (mit Gera), die Ilm und die Weiße Elster. Im Nordwesten des Landes entspringt die Leine.

Die höchste Erhebung im Land ist der Große Beerberg im Thüringer Wald mit 983 Metern Höhe. Weitere hohe Berge sind der Schneekopf (978 m), der Große Finsterberg (944 m) und der Große Inselsberg (916 m). Niedrigste Punkte sind das Unstruttal zwischen Wiehe und Roßleben (114 m), das Saaletal bei Großheringen (120 m), das Werratal bei Lindewerra (145 m) und das Pleißetal bei Treben (150 m).

Thüringen liegt in der gemäßigten Klimazone Mitteleuropas bei vorherrschender Westwindströmung. Da zwischen den westlichen Meeren und dem Freistaat bereits einige schützende Mittelgebirge liegen, ist das Klima in Thüringen kontinentaler geprägt als im Westen und Norden Deutschlands. Dies zeigt sich vor allem durch kältere Winter und trockenere Sommer als in anderen Teilen der Bundesrepublik.

Innerhalb Thüringens gibt es sehr große klimatische Unterschiede. Begünstigt ist vor allem das Thüringer Becken in der Landesmitte. Es ist von Gebirgen umgeben, sodass dort die geringsten Niederschlagsmengen Deutschlands fallen. Den Rekord hält Straußfurt mit 242 Millimeter Jahresniederschlag im Jahr 1911.[5] Normal sind im Thüringer Becken 400 bis 500 Millimeter Jahresniederschlag bei einer Jahresmitteltemperatur von 8,5 Grad Celsius (1961–1990 an der Wetterstation Artern). Die Hügelzonen im Land liegen klimatisch etwa im deutschen Durchschnitt. So fallen in Gera 624 Millimeter Niederschlag bei einer Temperatur von 7,8 Grad Celsius. Ein ungünstiges Klima weisen in Thüringen die Gebirgszonen auf. So werden auf der Schmücke im Schnitt 1289 Millimeter Jahresniederschlag bei einer Temperatur von 4,4 Grad Celsius gemessen. Hier liegt die Januar-Temperatur bei −4 Grad Celsius und die Juli-Temperatur bei 12,8 Grad Celsius. In Artern am Nordrand des Thüringer Beckens liegen die Werte dieser Monate bei −0,7 Grad Celsius und 17,6 Grad Celsius.

Die geologische Situation in Thüringen ist gekennzeichnet durch eine große Vielfalt geologischer Formationen. An der Oberfläche beziehungsweise den bodennahen Bereichen lassen sich in den verschiedenen Regionen des Landes fast alle Schichten des Phanerozoikums, das heißt der letzten 500 Millionen Jahre, nachweisen.[6]

Bezogen auf die Entstehungsgeschichte wird Thüringen in vier so genannte Strukturstockwerke gegliedert, die nach ihrem Alter geordnet in den jeweiligen Regionen dominierend auftreten:[7]

  • das hercynisch ausgerichtete Grundgebirgsstockwerk im Thüringer Schiefergebirge
  • das zum Saxothuringikum gehörende Übergangs- beziehungsweise Molassestockwerk im Thüringer Wald
  • das Tafeldeckgebirgsstockwerk im Thüringer Becken und im Südwestthüringischen Triasgebiet

Während die geomorphologische Gestalt Thüringens im Süden und Westen fast ausschließlich durch tektonische Vorgänge und Erosion durch Niederschläge bestimmt ist, kam es vor etwa 70.000 Jahren im Norden und Osten zu einer Überformung dieser Strukturen durch die Elsterkaltzeit. Demgemäß erfolgt eine Aufteilung des Landes aus geomorphologischer Sicht in fünf äußerlich abgrenzbare Gebiete:

Steinbruch bei Haarhausen im Bereich der Eichenberg–Gotha–Saalfelder Störungszone mit deutlich sichtbarer Gesteinsfaltung
  • das Thüringer Gebirge, bestehend aus Thüringer Wald und Thüringer Schiefergebirge
  • die Zechstein- und Trias-Landschaften des Thüringer Beckens und Südthüringens
  • die südthüringischen Vulkanitgebiete
  • der Kyffhäuser und der thüringische Anteil des Harzes
  • das Altenburg-Meuselwitzer Gebiet, das durch Braunkohletagebau und Überreste des in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erfolgten Uranbergbaus gekennzeichnet ist.

Innerhalb der Zechstein- und Triaslandschaften prägen neben flachen Gebieten zahlreiche Störungen das Landschaftsbild, von denen die Eichenberg–Gotha–Saalfelder Störungszone, die das Thüringer-Wald-Vorland vom Thüringer Becken abgrenzt, die längste und auffälligste ist. Im Zechsteingebiet im Bereich von Werra und Wipper finden sich größere Salzvorkommen, die besonders im 20. Jahrhundert abgebaut wurden. Im Buntsandsteingebiet des Saaletales bei Jena sind zahlreiche geologische Phänomene zu beobachten.

Ausgehend von der im späten Mittelalter vor allem in Bereich des Thüringer Gebirges beginnenden Gewinnung von Bodenschätzen wie Eisenerz, Kupferschiefer oder Gold entwickelte sich in der Region bereits im 16. Jahrhundert eine theoretische Verarbeitung praktisch-geowissenschaftlicher Erkenntnisse. Im Jahr 1796 entstand mit der Societät für die gesamte Mineralogie zu Jena die erste geowissenschaftliche Vereinigung überhaupt. Sie entstand auf Anregung Goethes, der von 1803 bis 1830 ihr Präsident war.

Auf Grund anhaltender tektonischer Vorgänge kommt es im Südosten Thüringens gelegentlich zu kleineren Erdbeben. Diese werden seit Anfang des 20. Jahrhunderts von der Universität Jena beobachtet. Heute befindet sich im Osten des Thüringer Schiefergebirges das Geodynamische Observatorium Moxa der Friedrich-Schiller-Universität Jena sowie das Zentrum für die Ingenieuranalyse von Erdbebenschäden der Bauhaus-Universität Weimar zur Untersuchung und Bewertung möglicher Folgen von Erdbeben nicht nur in diesem Gebiet.

Fichtenwald am Schneekopf
Buchenwälder im Hainich gehören zum Weltnaturerbe
Rhönschaf

Durch den vielgestaltigen geologischen Untergrund und dem Einfluss der Mittelgebirge auf das Lokalklima kann in Thüringen eine Vielzahl von Pflanzenarten mit unterschiedlichen ökologischen Ansprüchen wachsen. Eine Naturräumliche Gliederung Thüringens unterscheidet die sieben Naturraumtypen Mittelgebirge, Buntsandstein-Hügelländer, Muschelkalk-Hügelländer, Basaltkuppenland, Ackerhügelländer, Auen und Niederungen sowie Zechsteingürtel an Gebirgsrändern. Innerhalb dieser Naturraumtypen werden 38 einzelne Naturräume unterschieden, der Naturraum Thüringer Gebirge wird zudem in acht Untereinheiten gegliedert.[8]

Die Potenzielle natürliche Vegetation Thüringens besteht aus Wäldern, die je nach Standortverhältnissen in verschiedene Typen unterschieden werden könnten. Am weitesten verbreitet wären von der Rotbuche (Fagus sylvatica) dominierte Buchenwälder, dabei vor allem Hainsimsen-, Waldmeister-, Waldgersten- und Orchideen-Buchenwälder. Nur wo die Standortbedingungen weniger ideal sind, könnten auch andere Baumarten dominieren. So wären in den trockenwarmen, kontinental geprägten Gebieten des zentralen Thüringer Beckens die Traubeneiche (Quercus petraea), Stieleiche (Quercus robur), Hainbuche (Carpinus betulus) und die Winter-Linde (Tilia cordata) häufiger zu finden. In den Mittelgebirgen hingegen wären neben der Rotbuche der Bergahorn (Acer pseudoplatanus), die Gemeine Fichte (Picea abies) und die heute seltene Weißtanne (Abies alba) zu finden. Nur in den höchsten Lagen des Thüringer Waldes und des Thüringer Schiefergebirges wären Fichten-Buchenwälder zu finden.[8]

Die aktuelle Flora und Fauna sind der deutschen Kulturlandschaft angepasst. Durch die Nutzung des Menschen besteht die Vegetation vor allem aus Wäldern, Grünland, Äckern, Siedlungen und Gewässern. Etwa ein Drittel der Landesfläche ist von Wald bedeckt. Thüringen zählt damit zu den waldreichen Bundesländern. Davon sind jedoch nur 30 % naturnaher Laubwald. Prägend sind vor allem Nadelholzforste, die Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts angelegt wurden. Die Landesforstverwaltung ist jedoch bestrebt, den Laubholzanteil wieder zu erhöhen.[8] Nachdem der Orkan Kyrill im Januar 2007 vor allem im Thüringer Wald massive Schäden anrichtete, wurde bei der Aufforstung teilweise wieder auf den heimischen Buchen-Eichen-Mischwald anstelle von Fichten-Monokulturen zurückgegriffen. Hauptbaumarten in Thüringen sind Fichte mit 42,6 %, Rotbuche mit 20,1 % und Waldkiefer mit 15,7 %. Die Wälder sind jedoch nicht homogen zusammengesetzte Mischwälder. Den Standorten entsprechend sind die Mittelgebirgslagen des Mittleren und Östlichen Thüringer Waldes, des Thüringischen Schiefergebirges und des Harzes überwiegend mit Fichte bestockt. Kiefernforste sind in den Buntsandsteinländern, so im Holzland, verbreitet. In den Muschelkalkgebieten, darunter im Hainich, im Dün und in der Hainleite, aber auch im nordwestlichen Thüringer Wald dominieren Buchenwälder.

Das Grünland ist vor allem durch Trocken- und Halbtrockenrasen geprägt, artenreiche Frischwiesen in den Hügelländern sind stark zurückgegangen. Ein großer Anteil frischer und feuchter Wiesen wird als Rinderweide genutzt.[8]

Die Wildkatze (Felis silvestris) hat im Nationalpark Hainich ein Refugium gefunden und durch den Harz im Norden des Landes streift wieder der Luchs (Lynx lynx). In den Naturschutzgebieten des Landes bestehen Vorkommen selten gewordener Vogelarten, unter anderem des Birkhuhns (Lyrurus tetrix oder Tetrao tetrix), des Schwarzstorchs (Ciconia nigra) und des Wachtelkönigs (Crex crex).[9] Haustierarten, die an das Leben im Land angepasst sind, sind beispielsweise die seit Jahrhunderten gezüchtete Thüringer Waldziege oder das Rhönschaf.

Bedingt durch den Industrieschmutz, der zwischen 1850 und 1990 ausgestoßen wurde, waren Teile Thüringens am Ende dieser Periode stark geschädigt. Seitdem konnten diese Schäden teilweise abgemildert werden. So wurde im Rahmen der Bundesgartenschau 2007 in Gera und Ronneburg der ehemalige Uran-Tagebau in Ronneburg saniert und versiegelt; es entstand die Neue Landschaft Ronneburg. Eine weitere Altlast ist der Teersee in Rositz bei Altenburg, von dem eine enorm hohe Gefährdung der Umwelt ausgeht. Insgesamt hat die Belastung der Luft und der Gewässer jedoch erheblich abgenommen, einzig die Werra ist - bedingt durch den hessischen Kali-Abbau - unterhalb von Dorndorf noch derart versalzen (der Salzgehalt entspricht vielerorts dem der Ostsee), dass viele Pflanzen und Tiere nicht überleben können. Zu Pfingsten 2007 erhielt der Konzern Kali und Salz AG eine Genehmigung, Salz aus einer Halde in Neuhof bei Fulda bis zur Ausreizung des Grenzwertes in die Werra zu leiten. Die Salzkonzentration der Werra und der anschließenden Weser war zu DDR-Zeiten noch deutlich höher als heute.

Als bedeutende Naturschutzgebiete bestehen in Thüringen der Nationalpark Hainich, die Biosphärenreservate Rhön und Vessertal-Thüringer Wald sowie die Naturparks Eichsfeld-Hainich-Werratal, Kyffhäuser, Thüringer Schiefergebirge/Obere Saale und Thüringer Wald. Zentrale Bereiche des Nationalparks Hainich zählen seit ihrer Anerkennung durch das Welterbekommitée am 25. Juni 2011 zu den 36 Welterbestätten Deutschlands.

Bevölkerungsdichte Thüringens nach Gemeinden

Der überwiegende Teil der 2,2 Millionen Einwohner Thüringens sind ethnische Deutsche. Angestammte Minderheiten wie etwa die Sorben in Brandenburg und Sachsen gibt es im Land nicht. Die Bevölkerung lässt sich unter Berücksichtigung der Sprache in drei Gruppen unterteilen. Als Thüringer bezeichnet werden Sprecher der Thüringisch-Obersächsischen Dialektgruppe, die nördlich des Rennsteiges leben. Zu dieser Gruppe gehört auch der Süden Sachsen-Anhalts (Landkreis Mansfeld-Südharz, Saalekreis, Burgenlandkreis und die Stadt Halle). Werra und Leine im Nordwesten, der Harz im Norden und die Weiße Elster im Osten grenzen diesen Siedlungsraum ab. Sprecher der ostfränkischen Dialekte leben südlich des Rennsteigs und sind kulturell eher an der Region Franken orientiert. Die dritte Gruppe sind die Sprecher niederdeutscher Dialekte, die vor allem im nördlichen Teil des Landkreis Eichsfeld im Norden Thüringens leben. Gegenden mit starker Regionalidentität sind das Eichsfeld im Nordwesten und das Vogtland im Südosten.

Neben diesen drei Gruppen leben im Land etwa 49.000 (2,2 %) Ausländer (laut TLS[10]). Gemäß Statistischem Bundesamt (Ausländerzentralregister) waren es 2009 jedoch nur etwa 34.000 Personen. Die bedeutendsten Herkunftsländer sind hierbei: Vietnam (3085 Personen), Russland (3070), Ukraine (2105), Türkei (1863), Polen (1792), Volksrepublik China (1312), Aserbaidschan (939), Ungarn (939), Italien (872) und Kasachstan (745).[11] Verglichen mit Gesamtdeutschland ergeben sich hier erhebliche Abweichungen. So sind Menschen aus „traditionellen“ (westdeutschen) Einwandererländern wie Italien, Griechenland, der Türkei oder Jugoslawien unterdurchschnittlich oft vertreten. Überdurchschnittlich vertreten sind hingegen Osteuropäer und vor allem die teils schon zu DDR-Zeiten als Arbeitskräfte zugewanderten Vietnamesen.

In Bezug auf die Bevölkerungsdichte liegt Thüringen hinter Sachsen an zweiter Stelle unter den fünf neuen Ländern, trotzdem ist die Bevölkerungsdichte inzwischen geringer als die sämtlicher "alter" Länder, während Thüringen vor dem Zweiten Weltkrieg noch zu den dichter besiedelten Regionen Deutschlands zählte. An der Thüringer Städtekette, die sich quer durch die Mitte des Landes zieht, ist die Bevölkerungsdichte am größten, wobei sieben der zehn größten Städte Thüringens an dieser Linie liegen. Höher ist die Bevölkerungsdichte auch am nördlichen und südlichen Rand des Thüringer Waldes bzw. Schiefergebirges, entlang der Verbindung von Halle nach Kassel im Norden sowie in den Tälern von Saale, Werra und Unstrut. Dünner besiedelt sind das Gebiet zwischen Werra und Landesgrenze im Süden, das Gebiet um die Saalestauseen im Südosten, das Holzland zwischen Roda- und Orlatal sowie der Norden des Thüringer Beckens. Siedlungsgeografisch dominieren westlich der Saale im Flachland große, häufig in sich strukturierte Dörfer mit zahlreichen Gehöften und recht großen Ortsfluren wie Herbsleben, während in den Gebieten östlich der Saale, die nicht zum deutschen Altsiedelland gehörten, die Orte meist nur aus wenigen Gehöften bestehen wie Gieba. Dafür ist die Ortsdichte dort jedoch wesentlich höher. So kommen bei ähnlicher Gesamtbevölkerungsdichte im Landkreis Gotha in der westlichen Landesmitte auf einen Ort jeweils etwa zehn Quadratkilometer Fläche, während es im Altenburger Land im Osten nur etwa zwei Quadratkilometer sind. In den Waldgebieten sind uneinheitliche Siedlungsstrukturen vorzufinden, dort gibt es sowohl zu Städten herangewachsene „Industriedörfer“ wie Zella-Mehlis oder Lauscha als auch nur aus wenigen Häusern bestehende Orte wie Allzunah. Insgesamt gibt es, je nach der Definition von Ort, zwischen 2500 und 3000 Orte im Freistaat, unter ihnen verfügen gegenwärtig 126 über Stadtrechte. Dazu kommen rund 20 ehemalige Städte, die eingemeindet wurden oder ihre Rechte wieder verloren.

Der Landesentwicklungsplan 2025 gibt raumpolitische Zielsetzungen für die Zeit von 2011 bis 2025 vor.[12] Herausforderung der Landesraumplanung ist die Annäherung an gleichwertige Lebensverhältnisse im gesamten Land. Dabei gilt es insbesondere infrastrukturellen Defiziten ländlicher und peripherer Räume entgegenzuwirken und die mit dem demografischen Wandel einhergehenden Probleme zu handhaben. Im Land gibt es drei Oberzentren (Erfurt, Jena und Gera), die alle in der Landesmitte liegen, was insbesondere Randregionen beeinträchtigt. Weitere Oberzentren, die nach Thüringen ausstrahlen sind besonders Coburg (für weite Teile Südthüringens) im Süden und Göttingen (für das Eichsfeld) im Nordwesten, dazu Kassel (für das Eichsfeld) und Fulda (für die Rhön) im Westen, Zwickau, Plauen und Hof für das Vogtland im Südosten sowie Halle (für Artern) und Leipzig (für das nördliche Altenburger Land) im Nordosten. Darüber hinaus nehmen einige mittelgroße Städte eine strukturelle Stellung zwischen Oberzentrum und Mittelzentrum ein. Als regionales Zentrum konnte sich Nordhausen für die Südharzregion und den Norden Thüringens etablieren mit einer wachsenden Hochschule und leicht steigender Einwohnerzahl. Auch Eisenach übernimmt mit seiner leistungsfähigen Wirtschaft für Westthüringen und Teile Nordosthessens eine zentrale Funktion. Mühlhausen und Saalfeld/Rudolstadt zeigten eine geringere Dynamik, können aber dennoch als Regionalzentren im Nordwesten und Südosten des Landes gelten. Die Bedeutung Suhls als Zentrum im Südwesten des Landes hat hingegen durch den Niedergang des dortigen Einzelhandels nachgelassen. Schmälernd wirkte sich hier auch die Eröffnung der Autobahnen 71 und 73 aus, die die Anbindung an die leistungsfähigeren Zentren Erfurt und Coburg stark verbesserte. Auch Weimar und Gotha nehmen höhere zentralörtliche Funktionen im Zentrum Thüringens wahr, wobei sie in Ergänzung der dortigen Oberzentren Erfurt und Jena stehen. Die übrigen Mittel- und einige Kleinstädte sind Mittelzentren mit Ausrichtung auf das lokale Umland. Dabei reicht die Spanne von Orten mit 25.000 Einwohnern bishin zu Kleinstädten mit deutlich unter 10.000 Einwohnern.

Siehe auch: Liste der Orte in Thüringen

Bis nach dem Zweiten Weltkrieg stieg die Einwohnerzahl Thüringens – trotz der Kriegsverluste – durch Zuzug von Heimatvertriebenen an, damals erreichte sie ihren historischen Höchststand von etwa drei Millionen. Durch die anhaltende Fluchtbewegung nach Westdeutschland nahm sie wieder ab. Während die Einwohnerzahl nach dem Bau der Berliner Mauer und der damit verbundenen Grenzschließung 1961 relativ konstant blieb, schrumpfte sie nach dem Wegfall dieser Grenze von 2,7 Millionen 1989 auf die derzeitige Einwohnerzahl von 2,2 Millionen. Die Geburtenzahl sank von 35.000 im Jahr 1988 auf rund 17.000 pro Jahr (relativ konstant seit 1997). Im selben Zeitraum entwickelte sich die Zahl der Sterbefälle von 34.000 auf 26.000 pro Jahr (relativ konstant seit 1998). Jedes Jahr fehlen somit 9000 Geburten, um eine ausgeglichene Geburtenbilanz zu erhalten.[13] 1988 zogen 25.000 Menschen nach Thüringen und 25.000 verließen Thüringen, womit damals eine ausgeglichene Wanderungsbilanz vorherrschte. Seitdem entwickelte sich die Wanderungsbilanz des Landes sehr verschieden. Allein in den Jahren 1989 bis 1991 lag der Wanderungssaldo bei –130.000 Personen, während er von 1992 bis 1997 relativ ausgeglichen war, bevor eine erneute Phase der Abwanderung einsetzte, weil sich die wirtschaftliche Lage im Land nicht verbesserte. Ihren Höhepunkt erreichte die zweite Welle in den Jahren 2006 und 2007, als der Wanderungssaldo jeweils bei über –13.000 Personen lag. Mit der Verbesserung der wirtschaftlichen Lage verringerte sich der Saldo auf unter –6000 Personen im Jahr 2010.[14] Ein weiterer Grund für die gesunkene Abwanderung ist das Schrumpfen der Altersgruppe der jungen Erwachsenen durch geburtenschwächere Jahrgänge nach 1990. Sie können inzwischen auch in Thüringen einen Ausbildungsplatz unter mehreren Angeboten auswählen, während noch wenige Jahre zuvor mehr Interessenten als Plätze vorhanden waren und die Abwanderung junger Menschen dadurch gefördert wurde. So betrug der Wanderungssaldo der 15- bis 25-Jährigen im Jahr 2006 noch –5861 Personen, während es 2010 nur noch –1400 Menschen waren (ein Rückgang um über 75 % innerhalb von vier Jahren).[15] Insgesamt ist die Einwohnerzahl Thüringens zwar weiterhin rückläufig, allerdings weniger stark als in den ersten Jahren nach 2000. Bei den Wanderungsbewegungen zeichnet sich eine Stabilisierung ab, während die natürliche Bevölkerungsentwicklung wie in ganz Deutschland negativ ist. Anders als diese ist das Wanderungsverhalten für die Zukunft allerdings nicht prognostizierbar. So ging die Landesregierung in ihrer Prognose von 2009 von einem Wanderungssaldo von –11.800 Personen für 2010 aus, der dann tatsächlich nur bei –5741 Personen lag. Dies bedeutet schon im zweiten Prognosejahr eine Abweichung um rund 50 % und unterstreicht die Unsicherheit der Vorhersagen der Wanderungsbewegungen.[16]

Wanderungssaldo 2010 nach Kreisen
Geburtensaldo 2010 nach Kreisen

Innerhalb des Landes ist die Bevölkerungsentwicklung unterschiedlich, so herrscht in den Städten Jena und Weimar seit einigen Jahren eine ausgeglichene Geburtenbilanz (die Zahl der Geborenen deckt die Zahl der Gestorbenen vollständig ab), die eine weitere Alterung der Bevölkerung verlangsamt. Dem entgegen steht die Entwicklung in den ländlichen Gebieten, deren Bevölkerung mehr und mehr auf Grund von zu wenig Geburten und nicht mehr vordergründig durch Abwanderung schrumpft. Dadurch steigt das Durchschnittsalter in jenen Gebieten rasch an. Bei den Wanderungen können insbesondere die größeren Städte profitieren, während ländliche Gebiete weiterhin von Abwanderung betroffen sind. Der Wanderungssaldo lag 2010 in Erfurt bei +1201, in Jena bei +541, in Nordhausen bei +312 und in Weimar bei +291. Auch in Gera war er mit –162 Personen viel kleiner als noch wenige Jahre zuvor. Lediglich Suhl (–474) und Altenburg (–230) waren unter den größeren Städten noch in größerem Maße von Abwanderung betroffen. Bezogen auf die Landkreise verzeichneten nur der Ilm-Kreis (+82) und der Landkreis Nordhausen (+39) Wanderungsgewinne, während die Verluste im Landkreis Eichsfeld (–754) und im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt (–737) am größten waren.[17]

Bevölkerungsentwicklung
Jahr Einwohner
18341 1.172.375
18641 1.435.115
18901 1.737.544
19101 2.160.692
1950 2.932.242
1955 2.819.600
1960 2.737.865
1965 2.747.767
1970 2.759.084
1975 2.737.235
Jahr Einwohner
1980 2.730.368
1985 2.721.539
1986 2.718.598
1987 2.720.677
1988 2.723.268
1989 2.683.877
1990 2.611.319
1991 2.572.069
1992 2.532.799
1993 2.532.799
Jahr Einwohner
1994 2.517.776
1995 2.503.785
1996 2.491.119
1997 2.478.148
1998 2.462.836
1999 2.449.082
2000 2.431.255
2001 2.411.387
2002 2.392.040
2003 2.373.157
Jahr Einwohner
2004 2.355.280
2005 2.334.575
2006 2.311.140
2007 2.289.219
2008 2.267.763
2009 2.249.882
2010 2.235.025

Werte ab 1950: Gebietsstand 1994 (bis heute keine Änderung); Daten jeweils zum 31. Dezember des Jahres; Quelle: TLS

1 Gebiete: alle Gebiete der thüringischen Staaten und der preußische Regierungsbezirk Erfurt sowie die Herrschaft Schmalkalden. Daraus ergeben sich einige geringe Abweichungen gegenüber dem heutigen Gebietsstand. Mit einbezogen ist das Herzogtum Coburg, welches heute zu Bayern gehört, nicht mit einbezogen sind hingegen einige Gebiete im heutigen Nordosten Thüringens, nämlich die preußischen Kreise Ilfeld (Hannover), Kölleda (Reg.-Bez. Merseburg) und Sangerhausen (Region um Artern; Reg.-Bez. Merseburg)

Verbreitung der einzelnen Mundarten

Die Sprachwissenschaftliche Kommission der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig unterscheidet in Thüringen neun regionale Mundarten[18], von denen sieben zur Thüringisch-Obersächsischen Dialektgruppe und zwei zur Mainfränkischen Dialektgruppe gehören. Die Übergänge zwischen diesen einzelnen Dialekten sind fließend, manchmal werden zusätzlich noch regional sehr beschränkte, kleinere Mundarten wie etwa das Rhöner Platt klassifiziert.

Zentralthüringisch wird in der Landesmitte um Erfurt, Arnstadt, Ilmenau, Gotha, Bad Langensalza und Sömmerda gesprochen. Nördlich folgen Nordthüringisch um Mühlhausen, Nordhausen, Bad Sachsa, Sondershausen und das Eichsfeld sowie Nordostthüringisch um Artern. Östlich an das Verbreitungsgebiet des Zentralthüringischen grenzt das Ilmthüringische um Weimar, Jena, Rudolstadt und das Schwarzatal, welches wiederum östlich ins Südostthüringische übergeht. Diese Mundart wird vor allem um Saalfeld, Pößneck, Schleiz, Greiz und Gera gesprochen. Im Osten des Landes wird die Ostthüringische Mundart gesprochen, dies gilt vor allem im Holzland und im Osterland um Altenburg. Im Raum Eisenach-Bad Salzungen herrscht Westthüringisch vor, ein Dialekt, in dem sich schon Einflüsse des Osthessischen ausmachen lassen. Südlich von Rennsteig und Salzbogen liegen die mainfränkischen Sprachgebiete mit Hennebergisch im Einzugsgebiet der Werra um Suhl, Hildburghausen, Meiningen und Schmalkalden und Itzgründisch im Einzugsgebiet der Itz um Sonneberg.

Die Thüringischen Dialekte vereinen ähnliche Merkmale, wobei diese von West nach Ost immer deutlicher hervortreten. Die beiden fränkischen Dialekte sind übergangslos, deutlich hörbar von diesen differenziert und vor allem im itzgründischen Sprachraum stark ausgeprägt. Der Rennsteig als alter Grenzweg der mittelalterlichen Gaue ist hierbei die harte Grenze, lediglich der ebenfalls südlich des Rennsteigs gelegene Salzbogen (in etwa die Werra entlang zwischen Breitungen, Bad Salzungen und Vacha) bildet eine ca. 20 km breite Übergangszone mit fränkischen, hessischen und thüringischen Sprachelementen.

Im nördlichen Eichsfeld wird traditionell ein niederdeutscher Dialekt des Ostfälischen gesprochen.

Die Georgenkirche in Eisenach ist Bischofskirche der Evangelischen Kirche in Thüringen

Knapp zwei Drittel der Einwohner bekennen sich heute zu keiner Religionsgemeinschaft. Der evangelischen Kirche gehören 26,0% an, der römisch-katholischen Kirche 8,1%.[19]

Die Schulen des Landes bieten evangelischen, katholischen und jüdischen Religionsunterricht an. Dabei können die Schüler zwischen Religionsunterricht oder dem Fach Ethik wählen. Religionsunterricht kann sowohl von staatlichen als auch von kirchlichen Lehrern erteilt werden.

Christianisiert wurde Thüringen bereits ab dem 8. Jahrhundert durch Bonifatius, weshalb er gelegentlich als „Missionar der Thüringer“ bezeichnet wird. Bis zur Einführung der Reformation gehörte die Bevölkerung daher dem katholischen Glauben an.

Die thüringischen Staaten waren im 16. Jahrhundert eines der ersten protestantischen Gebiete der Welt, da der Reformator Martin Luther im Kurfürst Friedrich von Sachsen einen Förderer hatte. Zudem spielten sich die Hintergründe der Reformation teilweise in Thüringen ab: Luther absolvierte sein Theologiestudium an der Universität Erfurt, seine Familie selbst stammte aus Möhra, die Bibelübersetzung entstand in Teilen auf der Wartburg und der Bauernkrieg sowie der Schmalkaldische Krieg als Reformationsfolgen trugen sich zu größeren Teilen in Thüringen zu. Auch die reformatorische Täuferbewegung war in großen Teilen Thüringens verbreitet. Eines der Zentren der mitteldeutschen Täufer war die Stadt Mühlhausen, wo 1525 bereits Thomas Müntzer gewirkt hatte.[20][21]

Die evangelische Kirche hatte danach jedoch nie den gesellschaftlichen Einfluss, wie ihn die katholische Kirche in ihren Gebieten hatte. So galten die meisten thüringischen Staaten bereits im 18. Jahrhundert als liberal und aufgeklärt, was vor allem durch die Weimarer Herzogsfamilie gefördert wurde.

Die durch die Deutschen Christen verursachte Zersetzung der ehemaligen lutherischen Staatskirche, die atheistische Weltanschauung der SED, die entsprechende Erziehung in den Schulen und Karriere-Nachteile für Christen trugen später dazu bei, dass der Großteil der Bevölkerung die Kirche verließ und heute der Anteil der evangelisch-lutherischen Christen an der Gesamtbevölkerung bei rund einem Viertel liegt. In der evangelischen Kirche ist Thüringen Teil der 2009 gebildeten Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, die im Wesentlichen die Bundesländer Thüringen und Sachsen-Anhalt umfasst. Der ehemalige Kreis Schmalkalden gehört als einziger Landesteil nicht zum Bereich der EKMD, sondern zur Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck.

Katholische Gegenden in Thüringen sind das Eichsfeld und in geringem Umfang die Landeshauptstadt Erfurt, die bis 1802 unter dem Einfluss von Kurmainz standen. Zudem ist der Anteil katholischer Einwohner im Dekanat Geisa in der Rhön hoch, da Teile davon bis 1802 zum Hochstift Fulda gehörten. Organisiert sind die Katholiken, deren Anteil an der Gesamtbevölkerung bei knapp zehn Prozent liegt, größtenteils im Bistum Erfurt. Kleinere Teile des Landes gehören aber auch anderen Bistümern an (Ostthüringen zum Bistum Dresden-Meißen, Geisa zum Bistum Fulda).

Jüdische Gemeinden existierten in Thüringen seit dem 12. Jahrhundert in geringem Umfang, so lebten nie mehr als 5000 bis 6000 Juden im Land. Die meisten von ihnen lebten in den relativ freien Städten Erfurt, Mühlhausen und Nordhausen. In der frühen Neuzeit siedelten sich auch einige „Schutzjuden“ in der Rhön und im Werratal im Südwesten an. Sie wanderten ab etwa 1870 in die Städte ab, vor allem nach Eisenach, Gotha, Meiningen und Suhl. Die Zeit des Nationalsozialismus setzte dem jüdischen Leben in Thüringen ein jähes Ende. So existiert seit dem Zweiten Weltkrieg nur noch die Jüdische Gemeinde in Erfurt mit etwa 750 Mitgliedern (2007) in ganz Thüringen.

Andere Religionsgemeinschaften spielen in Thüringen nur eine geringe Rolle. Diverse christliche Freikirchen unterhalten in mittleren Städten eigene kleine Gemeinden. Auch die muslimischen Gemeinden haben nur wenige Mitglieder (laut taz 3000[22], laut MDR 4000[23] im Jahr 2006, laut Spiegel waren es 2006 etwa 7000[24] - offizielle Zahlen des Statistischen Landesamts werden nicht erhoben).

Hauptartikel: Geschichte Thüringens
Das mittelalterliche Erfurt mit zwei Mauerringen und zahlreichen Kirchen
Karte zur Landgrafschaft Thüringen von Adolar Erich um 1650

In der Völkerwanderungszeit bildetete sich der Stamm der Thüringer. Ihre Ursprünge sind umstritten, so ist eine oftmals angenommene Verbindung zu den älteren Hermunduren wissenschaftlich nicht haltbar, vielmehr ist es wahrscheinlich, dass der Stamm sich aus ansässigen sowie aus dem Osten zugewanderten Gruppen gebildet hat. Die erste Erwähnung der Toringi findet sich bei Flavius Vegetius Renatus im späten 4. Jahrhundert, der über ihre Pferde schreibt und sie in einen Zusammenhang mit Hunnen und Burgunden stellt. Später gründeten die Thüringer ein Königreich mit Siedlungsschwerpunkt im fruchtbaren Thüringer Becken entlang der Unstrut. Es existierte bis 531, als die Franken es mithilfe der Sachsen zerschlugen und das Gebiet westlich der Saale ins Fränkische Reich eingliederten. Um 620 kam es durch die Merowinger zur Gründung des Herzogtums Thüringen, welches bis ins späte 7. Jahrhundert bestand. In diese Zeit fallen auch die ersten schriftlichen Überlieferungen im Land, unter anderem von Arnstadt im Jahr 704 und von Erfurt im Jahr 742. Zeitgleich missionierte Bonifatius im Land, der das Bistum Erfurt gründete.

Die sächsischen Ottonen machten das Gebiet an der unteren Unstrut zwischen Naumburg und Sangerhausen zu einem Zentrum des Heiligen Römischen Reiches im 10. Jahrhundert. Ein eigenes thüringisches Stammesherzogtum konnte sich so nicht herausbilden. Größte Macht im Thüringer Raum war in jener Zeit die Grafschaft Weimar. Erst die Ludowinger konnten wieder beträchtliche Teile Thüringens unter ihre Kontrolle bringen. So ließ Ludwig der Springer im Jahr 1067 die Wartburg errichten. Seine Nachkommen wurden 1131 von Kaiser Lothar III. zu Landgrafen von Thüringen erhoben. Unter ihnen erblühte die Region zu einem Zentrum der deutschen Kultur des Hochmittelalters, besonders der Sängerkrieg auf der Wartburg und das Wirken der Heiligen Elisabeth von Thüringen sind in diesem Zusammenhang erwähnenswert. 1247 starb das Landgrafengeschlecht aus, woraufhin der thüringisch-hessische Erbfolgekrieg begann. Er endete 1264 damit, dass die Wettiner große Teile des Landes erhielten und in ihren Staat integrierten. Es begann eine fast 700 Jahre währende Herrschaft der Wettiner über Thüringen, die erst mit der Abschaffung der Monarchien in Deutschland 1918 endete. Im Thüringer Grafenkrieg zwischen 1342 und 1346 versuchten die Grafen von Schwarzburg, Weimar-Orlamünde und Hohnstein sowie die Vögte von Weida die Vormachtstellung der Wettiner wieder zurückzudrängen, was ihnen jedoch nicht gelang.

Im 12. Jahrhundert verstärkte sich der Prozess des Landesausbaus in Thüringen. Es entstanden erste befestigte Städte wie etwa Mühlhausen (1135) oder auch Saalfeld (1180). Gleichzeitig begann die Blütezeit Erfurts. Die Einwohnerzahl erreichte im 14. Jahrhundert etwa 20.000, womit nur Köln, Nürnberg und Magdeburg zu dieser Zeit größer waren als Erfurt. Die Stadt war mit etwa 30 Pfarrkirchen und Klöstern fast aller in Mitteleuropa präsenten Orden, zwei mächtigen Mauerringen, einem Dom sowie dem Peterskloster ausgestattet. 1331 erhielt die Stadt über 150 Jahre vor Leipzig (1497) das kaiserliche Messeprivileg, 1392 folgte die Gründung der dritten Universität Deutschlands in der Stadt. Erfurts Blütezeit endete am Beginn des 16. Jahrhunderts, als sich die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verschlechterten. Der Reichtum der Stadt fußte zum Teil auf dem Handel mit Färberwaid, der nach der Entdeckung Amerikas durch das billigere Indigo ersetzt wurde, womit eine entscheidende Einnahmequelle wegbrach. Schwerer wogen allerdings die politischen Ursachen. Durch die Reformation wurden Stadtbevölkerung und Stadtrat evangelisch, während der Landesherr, das Erzbistum Mainz, katholisch blieb. Der Erzbischof von Mainz unterdrückte die Stadt Erfurt und den Stadtrat, andererseits lag sie als Exklave mitten im sächsischen Herrschaftsgebiet, was die Wirtschaft Erfurts hemmte, sodass die Stadt von den aufstrebenden Handelsstädten Frankfurt am Main und Leipzig überholt wurde.

Die bedeutendsten Adelsgeschlechter des mittelalterlichen Thüringens waren neben den dominanten Wettinern und den Ludowingern (Landgrafen von Thüringen; 1040–1247) die Grafen von Beichlingen (in Nordthüringen; 1080 bis ca. 1600), die Grafen von Gleichen (in Zentralthüringen; 1099–1631), die Grafen von Henneberg (südlich des Rennsteigs; 1096–1583), die Grafen von Hohnstein (im Harzvorland; 1184–1593), die Grafen von Käfernburg (im Vorland des Thüringer Walds; 8. Jahrhundert bis 1385), die Lobdeburger (in Ostthüringen; ca. 1100 bis ca. 1300), die Grafen von Schwarzburg (im Thüringer Schiefergebirge und dessen Vorland; 1071–1918), die Grafen von Stolberg (im Harz; 1210–1806), die Grafen von Vitzthum (im Raum Weimar-Jena; ab 1123), die Vögte von Weida (im Elstertal, Vorfahren der Grafen von Reuß; 1209–1918) und die Grafen von Weimar-Orlamünde (in Zentralthüringen; 949–1486). Über das Ende des Heiligen Römischen Reichs 1806 konnten nur die Ernestiner als Nachfahren der Wettiner sowie die nunmehr gefürsteten Reußen und Schwarzburger ihre Macht in Thüringen sichern. Sie regierten bis zum Ende der Monarchie 1918.

Martin Luther (nach Lucas Cranach dem Älteren, 1529)

1485 wurden mit der Leipziger Teilung die wettinischen Lande auf die jüngeren Albertiner im Osten und die älteren Ernestiner im Westen verteilt. Diese übernahmen gleichzeitig die Kurwürde von den Wettinern. Die Ernestiner herrschten zunächst über große Teile Thüringens, lediglich ein Streifen im Norden entlang der Unstrut gehörte den Albertinern.

Mit der Reformation am Beginn des 16. Jahrhunderts rückte Thüringen ins Zentrum der deutschen Politik. Martin Luther studierte zunächst an der Universität Erfurt und wohnte im Augustinerkloster, bevor er nach Wittenberg ging und die Reformation begann. Schließlich wurde er vom sächsischen Kurfürst Friedrich dem Weisen auf der Wartburg versteckt, wo er an der Bibelübersetzung ins Deutsche arbeitete. 1525 begann als Folge der Reformation der Bauernkrieg, der in den thüringischen Städten Mühlhausen und Frankenhausen zwei seiner Zentren und mit Thomas Müntzer einen starken Anführer fand. Später begann in Thüringen der Schmalkaldische Krieg zwischen katholischer Reichsgewalt und protestantischen Fürsten, der 1547 mit der Wittenberger Kapitulation und einer Niederlage der Protestanten endete. Deshalb ging die sächsische Kurwürde von den zunehmend an Bedeutung verlierenden Ernestinern an die Albertiner über. Als die Henneberger 1583 ausstarben, trat ein Erbvertrag in Kraft, der den Ernestinern umfangreiche Besitztümer in Südthüringen einbrachte. Mit der Erfurter Teilung 1572 begann die fortwährende Zersplitterung des ernestinischen Besitzes in zahlreiche Herzogtümer, die teilweise bis 1918 Bestand hatten. Es bildeten sich 1640 zwei ernestinische Hauptlinien heraus: das Haus Sachsen-Weimar und das Haus Sachsen-Gotha. Während Ersteres nur wenige Nebenlinien hatte und als höchsten Vertreter die erste deutsch-preußische Kaiserin Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach stellte, hatte das Haus Sachsen-Gotha sehr viele Nebenlinien, die meist über ein eigenes Land herrschten. Außerdem stellt dieses Haus eine Reihe europäischer Könige, so die englischen Könige (seit 1901), die belgischen Könige (seit 1831), die portugiesischen Könige (1837–1910) und die bulgarischen Könige (1887–1946).

In der Folgezeit begann die Phase des Humanismus in Thüringen, in der auch die Universität Erfurt eine Blütezeit erlebte. Um Ulrich von Hutten und die Reformatoren bildete sich ein Zentrum des deutschen Humanismus. Als humanistischer „Musterstaat“ galt zu dieser Zeit Sachsen-Gotha unter der Herrschaft Ernst des Frommen. Er führte beispielsweise im Jahr 1642 als erstes Staatsoberhaupt der Welt die allgemeine Schulpflicht für alle Jungen und Mädchen bis zum zwölften Lebensjahr ein.

Staatenkarte von 1871
Thüringische Staaten von 1890

Erst ab etwa 1780 machten die regierende Herzogin Anna Amalia und ihr Sohn Karl August wieder auf die Region aufmerksam. Sie riefen Dichter wie Johann Wolfgang von Goethe oder Friedrich Schiller an ihren Hof, sodass sich dort die Weimarer Klassik als deutsche Version der klassischen Literaturbewegung etablierte. An der Universität Jena bildete sich in dieser Zeit ein Zentrum der deutschen Philosophie, das sich durch das Wirken von Johann Gottlieb Fichte, Friedrich Wilhelm Joseph Schelling und Georg Wilhelm Friedrich Hegel begründete. Auch die Jenaer Romantik um Dichter wie Novalis, Clemens Brentano oder Friedrich Schlegel war zu dieser Zeit deutschlandweit stilprägend.

Der Reichsdeputationshauptschluss 1803 sorgte dafür, dass das Erzbistum Mainz seine Gebiete um Erfurt und das Eichsfeld verlor und die Reichsstädte Mühlhausen und Nordhausen ihre Selbstständigkeit aufgeben mussten. Sie wurden auf dem Wiener Kongress 1815 endgültig Preußen zugeschlagen. Er erhob auch Sachsen-Weimar-Eisenach zum einzigen Großherzogtum Thüringens. Zur Napoleonischen Zeit bahnte sich 1806 auch die entscheidende Schlacht zwischen Franzosen und Preußen in Thüringen an. Am 9. Oktober kam es zum Gefecht bei Schleiz, gefolgt vom Gefecht bei Saalfeld am 10. Oktober und der entscheidenden Schlacht bei Jena und Auerstedt am 14. Oktober, die mit einer preußischen Niederlage endete. Es folgte 1808 der Erfurter Fürstenkongress zwischen Frankreich und Russland, bei dem auch Goethe auf Napoléon traf und schließlich die Bildung erster Widerstandsgruppen gegen die französische Herrschaft. Impulsgeber war auch hier die Universität Jena. Nach dem Ende der napoleonischen Herrschaft und den ernüchternden Ergebnissen des Wiener Kongresses formierte sich 1815 in Jena die Urburschenschaft, die 1817 das Wartburgfest veranstaltete und nationale wie liberale Bewegungen in sich vereinte. Auch erste liberale Verfassungen entstanden in dieser Zeit, so 1816 in Sachsen-Weimar-Eisenach, 1818 in Sachsen-Hildburghausen und 1821 in Sachsen-Coburg-Saalfeld. Mit der Durchsetzung der Karlsbader Beschlüsse von 1819 in Thüringen nahm diese frühe Phase der Liberalität ein Ende.

Die kulturelle Blüte des Landes setzte sich auch in den folgenden Jahrzehnten fort, so entstand unter dem Pädagogen Friedrich Fröbel 1817 die Allgemeine Deutsche Bildungsanstalt als moderne Schule in Rudolstadt. 1840 folgte die Gründung des ersten deutschen Kindergartens durch Fröbel in Bad Blankenburg. Weiterhin begründete Ernst-Wilhelm Arnoldi 1820 mit der Gothaer Versicherung das deutsche Versicherungswesen. Joseph Meyer gründete 1826 in Gotha das Bibliographische Institut, den Herausgeber von Meyers Konversations-Lexikon. Auch das Bibliographische Institut & F. A. Brockhaus, Herausgeber der Brockhaus Enzyklopädie, hatte seinen Sitz zwischen 1811 und 1818 in Altenburg im Osten Thüringens. Der erste Duden erschien 1872 in Schleiz. Am 1. März 1882 gründete Oscar Tietz in Gera das Warenhaus Tietz, den späteren Kaufhauskonzern Hertie. 1908 eröffnete er in Erfurt das Kaufhaus Römischer Kaiser (heute Anger 1), das nach wie vor größte Kaufhaus des Landes. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erlebte Weimar eine Renaissance in seinem „Silbernen Zeitalter“. Musiker wie Franz Liszt kamen an den Hof und die Weimarer Malerschule etablierte sich seit 1860 in der deutschen Malerei.

Ehemalige Textilindustrie in Pößneck

1833 erfolgte die Gründung des Zoll- und Handelsverein der Thüringischen Staaten, der die Industrielle Revolution im Land beflügelte. 1842 erreichte die erste Bahnlinie thüringisches Gebiet und 1846 wurde mit der Thüringer Bahn die Hauptbahnlinie des Landes eröffnet. Zunächst nahm die ostthüringische Textilindustrie um Gera einen Aufschwung, gefolgt von der überall im Land verstreuten Metallindustrie und der optischen Industrie in Jena, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts in die Weltspitze aufstieg.

Die Revolution von 1848 verlief in Thüringen eher unspektakulär. Zentren fanden sich im verarmten Eichsfeld sowie im rückständigen Reuß. An ihrem Ende stand die Abdankung des starrsinnigen Herzogs Joseph von Sachsen-Altenburg sowie die Abdankung des Fürsten Heinrich LXXII. von Reuß-Ebersdorf, dessen Land im Fürstentum Reuß jüngerer Linie (regiert von der Schleizer Linie) aufging. Die Wünsche nach einem vereinten deutschen Staat blieben allerdings auch nach der gescheiterten Revolution präsent und so kam es im Jahr 1850 zur Einberufung des Erfurter Unionsparlaments, das die Nationalstaatsidee aufgriff und diskutierte, ohne jedoch zu einem Durchbruch zu gelangen. Auch der Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha befürwortete die deutsche Einheit, allerdings war er ebenso ein Kritiker preußischer Hegemonialpolitik, was dem Volksfeste liebenden Herzog den spöttischen Namen „Schützenkönig“ einbrachte.

Im Preußisch-Österreichischen Krieg von 1866 standen die meisten Thüringer Staaten auf Seiten Preußens, lediglich Sachsen-Meiningen und Reuß älterer Linie waren mit Österreich verbündet. Dieser Umstand führte dazu, dass Bismarck die beiden Staaten nach Kriegsende in das Königreich Preußen eingliedern wollte, was jedoch auf Intervention des Weimarer Großherzogs Karl August, dem Schwager des preußischen Königs, unterblieb. Stattdessen wurden lediglich die Herrscher der beiden Staaten, Bernhard II. von Sachsen-Meiningen und Caroline von Reuß-Greiz, abgesetzt.

Als Folge der Industrialisierung wurde Thüringen zur Wiege der Sozialdemokratie. 1869 gründeten August Bebel und Wilhelm Liebknecht in Eisenach die Sozialdemokratische Arbeiterpartei, die 1875 mit dem Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein in Gotha zur SPD fusionierte. Das Gothaer Programm und das Erfurter Programm legten in der Folge die Ziele der sozialdemokratischen Politik in Deutschland fest.

Nach der Vereidigung des ersten Reichspräsidenten Friedrich Ebert am 21. August 1919 am Deutschen Nationaltheater in Weimar

Die Novemberrevolution nach dem Ersten Weltkrieg fand ihr thüringisches Zentrum im Freistaat Sachsen-Gotha unter Revolutionsführer Wilhelm Bock. In Gotha wurde bereits am 8. April 1917 die USPD gegründet. Zunächst dankten die acht Thüringer Monarchen zwischen dem 9. und 25. November ab. Im Freistaat Sachsen-Gotha bildete sich ein kommunistischer Rat. Sachsen-Gotha geriet bis 1920 in politische Querelen und bürgerkriegsähnliche Zustände. Ein besonderer Vorfall waren hierbei die Morde von Mechterstädt im Jahr 1920. Wegen der politischen Unruhen in Berlin wurde die neue Reichsverfassung als die Weimarer Verfassung 1919 in Weimar erarbeitet, in Schwarzburg unterschrieben und dadurch als erste demokratische Verfassung für Gesamtdeutschland in Kraft gesetzt.

Nachdem die Monarchen abgedankt hatten, war der Weg frei zur Gründung eines einheitlichen Staats in Thüringen. Am 1. Mai 1920 wurde daher das Land Thüringen gegründet. Es umfasste die Thüringischen Staaten, namentlich Sachsen-Weimar-Eisenach, Sachsen-Gotha, Sachsen-Meiningen, Sachsen-Altenburg, Schwarzburg-Rudolstadt, Schwarzburg-Sondershausen und den Volksstaat Reuß. Sachsen-Coburg schloss sich Bayern an.

Die Entwicklung des jungen Landes war von politischer und kultureller Zerrissenheit in den 1920er Jahren geprägt. Dadurch erfolgte eine Stärkung der politischen Extremisten von rechts und links. Auch die Gesellschaft war gespalten: Junge Modernisierer, die sich ab 1919 unter anderem am Bauhaus in Weimar sammelten, standen alten Traditionalisten gegenüber, die sich nach der Monarchie zurücksehnten. Zu dieser Zeit hatte Hitler in vielen deutschen Staaten Redeverbot, nicht so jedoch in Thüringen, weshalb er in den 1920er Jahren immer wieder in Weimar Kundgebungen abhalten konnte.

Ehemaliges KZ Buchenwald

1923 kam es zur Bildung einer Landesregierung aus SPD und KPD, die zum Roten Oktober in Sachsen und Thüringen führte. Die beiden Länder wurden am 29. Oktober (Sachsen) und am 6. November (Thüringen) mit der Reichsexekution belegt und die Reichswehr marschierte ein, um die Regierung abzusetzen, was ihr auch gelang. Die SPD reagierte darauf mit einem Misstrauensvotum gegen Kanzler Gustav Stresemann im Reichstag, das zu dessen Absetzung führte. Die 1920er Jahre blieben von politischem Stillstand und ständig wechselnden Landesregierungen geprägt. Bereits 1930 etablierte sich mit der Baum-Frick-Regierung eine erste Landesregierung unter Beteiligung der NSDAP in Deutschland.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde das Land Thüringen gleichgeschaltet und somit faktisch aufgehoben. Gauleiter Thüringens war Fritz Sauckel. Während der Zeit des Nationalsozialismus bestanden neben dem 1933 kurzzeitig betriebenen KZ Nohra drei Konzentrationslager im Land: das KZ Bad Sulza von 1933 bis 1937, dessen Nachfolger, das KZ Buchenwald bei Weimar von 1937 bis 1945 und das KZ Dora Mittelbau bei Nordhausen von 1943 bis 1945.

Der Zweite Weltkrieg richtete in Thüringen vergleichsweise mäßige Schäden an. Nordhausen wurde durch britische Luftangriffe im April 1945 fast völlig zerstört, wobei etwa 8.800 Menschen starben. Schäden durch Bombardements entstanden auch in Erfurt, Gera, Jena, Weimar, Eisenach und einigen kleineren Städten. Thüringen wurde zwischen dem 1. und dem 16. April 1945 von den Amerikanern besetzt und zum 1. Juli 1945 an die sowjetische Militärverwaltung übergeben, wobei Gebiete um die Stadt Bad Sachsa im Tausch gegen Teile des Landkreises Blankenburg an die britische Militärverwaltung überlassen wurden. Das Land Thüringen wurde wiederhergestellt und um den vormals preußischen Regierungsbezirk Erfurt erweitert. Aufgelöst wurde es von der DDR-Regierung 1952. An seine Stelle traten der Bezirk Erfurt, der Bezirk Gera und der Bezirk Suhl.

Gedenkstätte zur Deutschen Teilung in Mödlareuth

Am Volksaufstand vom 17. Juni 1953 beteiligten sich in Thüringen etwa 24.000 Arbeiter, vor allem in den Industriezentren Erfurt, Jena und Gera. Am 13. August 1961 begann laut Beschluss des Warschauer Pakts in Moskau die völlige Abriegelung der Grenzen zwischen der DDR und der Bundesrepublik, die Thüringen besonders hart traf. Einige Dörfer im Grenzgebiet wurden zwangsumgesiedelt und abgerissen (beispielsweise Billmuthausen, Erlebach, Leitenhausen und Liebau an der Grenze zu Bayern), andere durch Mauern geteilt (Mödlareuth und Heinersdorf). Bereits seit 1952 wurden Familien im Grenzgebiet im Rahmen der Aktion Ungeziefer umgesiedelt. Dies betraf etwa 6000 Menschen, die unangekündigt und oft unter Zurücklassung ihres Besitzes umgesiedelt wurden. 1970 trafen sich erstmals die Spitzenpolitiker der beiden deutschen Staaten. Willy Brandt und Willi Stoph tagten beim Erfurter Gipfeltreffen im Erfurter Hof am 19. März, begleitet von einer großen Menschenmenge vor dem Haus am Hauptbahnhof, die dem westdeutschen Bundeskanzler zujubelte. Im Herbst 1989 begannen auch in Thüringen Massendemonstrationen gegen das SED-Regime, die sich nach und nach auf alle Städte des Landes ausweiteten. In der Nacht vom 9. zum 10. November 1989 wurden schließlich die Grenzübergänge zwischen Thüringen und Bayern, Hessen sowie Niedersachsen geöffnet.

Mit der deutschen Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 wurde der Freistaat Thüringen wiedergegründet. Er entstand aus den Bezirken Erfurt, Gera und Suhl sowie aus Teilen der Bezirke Leipzig (Kreise Altenburg und Schmölln) und Halle (Kreis Artern). Am 10. Januar 1991 entschied der Landtag, welche Stadt Landeshauptstadt Thüringens wird. Beworben hatten sich neben Erfurt auch Gera, Jena, Weimar und Nordhausen. Von 88 Abgeordneten stimmte eine Mehrheit von 49 für Erfurt, gefolgt von Weimar mit 25, Gera mit zehn und Jena mit vier Stimmen. Die Verfassung des Landes wurde am 25. Oktober 1993 auf der Wartburg durch den Landtag mit mehr als zwei Drittel seiner Mitglieder verabschiedet. Sie trat am 30. Oktober 1993 vorläufig und nach einem Volksentscheid am 16. Oktober 1994 mit 70 % Zustimmung endgültig in Kraft.

Der Staatsaufbau Thüringens basiert auf der Verfassung des Freistaats Thüringen von 1993. Laut der Verfassung ist Thüringen ein Land der Bundesrepublik Deutschland. Es ist ein demokratischer, sozialer und dem Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen des Menschen verpflichteter Rechtsstaat (Art. 44). Artikel 45 besagt, dass alle Staatsgewalt vom Volke ausgeht und dass das Volk seinen Willen durch Wahlen, Volksbegehren und Volksentscheid verwirklicht.

Die Legislative ist der Thüringer Landtag, der alle fünf Jahre nach dem personalisierten Verhältniswahlrecht neu gewählt wird. Der fünfte Thüringer Landtag besteht aus 88 Abgeordneten und wurde auf Grundlage des Ergebnisses der Landtagswahl vom 30. August 2009 gebildet. Die CDU stellt mit 30 Mandaten die stärkste Fraktion; Die Linke ist mit 27 Sitzen die größte Oppositionspartei. Die SPD stellt 18 Abgeordnete; die FDP und Bündnis 90/Die Grünen, die zum ersten Mal seit der ersten Wahlperiode wieder den Einzug in den Landtag geschafft haben, sind mit sieben bzw. sechs Abgeordneten vertreten. Die Präsidentin des Landtags ist Birgit Diezel (CDU).

Im Weiteren besteht die Möglichkeit der aktiven Teilnahme an der Legislative des Volks durch Volksentscheid.

Ergebnisse der Landtagswahlen:

Wahl Wahlbe-
teiligung
CDU PDS
Linke
SPD FDP Grüne
1990 71,7 % 45,4 % 9,7 % 22,8 % 9,3 % 6,5 %
1994 74,8 % 42,6 % 16,6 % 29,6 % 3,2 % 4,5 %
1999 59,9 % 51,0 % 21,3 % 18,5 % 1,1 % 1,9 %
2004 53,8 % 43,0 % 26,1 % 14,5 % 3,6 % 4,5 %
2009 56,2 % 31,2 % 27,4 % 18,5 % 7,6 % 6,2 %

Für weitere Details siehe: Wahlergebnisse und Landesregierungen in Thüringen

Die Exekutive besteht aus dem Ministerpräsidenten und den Ministern. Der Ministerpräsident wird vom Landtag mit der Mehrheit seiner Mitglieder ohne Aussprache in geheimer Abstimmung für die gesamte Legislaturperiode gewählt. Der Ministerpräsident ernennt und entlässt die Minister. Er bestimmt außerdem einen Minister zu seinem Stellvertreter. Der Landtag kann den Ministerpräsidenten nur durch ein konstruktives Misstrauensvotum absetzen.

Ministerpräsidenten des Freistaates Thüringen
Nr. Name Lebensdaten Partei Beginn der Amtszeit Ende der Amtszeit
1 Josef Duchač * 1938 CDU 1990 1992
2 Bernhard Vogel * 1932 CDU 1992 2003
3 Dieter Althaus * 1958 CDU 2003 2009
4 Christine Lieberknecht * 1958 CDU 2009

Die seit 1999 allein regierende CDU verpasste bei der Landtagswahl 2009 ihre absolute Mehrheit. Seitdem wird Thüringen von einer Koalition aus CDU und SPD regiert. Die Minister des Kabinetts Lieberknecht wurden am 4. November 2009 vereidigt.

Die derzeit amtierenden Regierungsmitglieder sind:

  • Thüringer Ministerpräsidentin: Christine Lieberknecht (CDU)
  • Thüringer Minister für Bildung, Wissenschaft und Kultur; Stellvertreter der Ministerpräsidentin: Christoph Matschie (SPD)
  • Thüringer Finanzminister: Wolfgang Voß (CDU)
  • Thüringer Innenminister: Jörg Geibert (CDU)
  • Thüringer Minister für Landwirtschaft, Forsten, Umwelt und Naturschutz: Jürgen Reinholz (CDU)
  • Thüringer Justizminister: Holger Poppenhäger (SPD)
  • Thüringer Ministerin für Soziales, Familie und Gesundheit: Heike Taubert (SPD)
  • Thüringer Minister für Wirtschaft, Arbeit und Technologie: Matthias Machnig (SPD)
  • Thüringer Minister für Bau, Landesentwicklung und Verkehr: Christian Carius (CDU)
  • Thüringer Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten in der Staatskanzlei: Marion Walsmann (CDU)

Von den 17 Landräten werden 12 von der CDU und 3 von der SPD gestellt; zwei Landkreise verfügen über einen parteilosen Landrat. Nur drei Landräte sind weiblich. Die Oberbürgermeister der sechs kreisfreien Städte werden mit Ausnahme des parteilosen Oberbürgermeisters von Suhl alle von der SPD gestellt. Insgesamt werden von den 22 Bürgermeistern der Städte mit mehr als 20.000 Einwohnern 10 von der SPD, 5 von der CDU, 3 von Freien Wählergemeinschaften und 1 (Sömmerda) von der Linken gestellt; 3 Bürgermeister sind parteilos. Nur Nordhausen und Sonneberg verfügen über eine Bürgermeisterin.

Thüringer Oberlandesgericht in Jena

Die Judikative wird vom Thüringer Verfassungsgerichtshof und von den weiteren Gerichten des Landes ausgeübt. Der Verfassungsgerichtshof besteht aus einem Präsidenten und acht weiteren Mitgliedern. Die ordentliche Gerichtsbarkeit gliedert sich in das Thüringer Oberlandesgericht Jena, die Landgerichte in Erfurt, Gera, Mühlhausen und Meiningen sowie die nachgeordneten Amtsgerichte. Gefängnisse bestehen in Gera, Goldlauter, Gräfentonna, Hohenleuben, Ichtershausen, Untermaßfeld und Weimar.

Das Thüringer Oberverwaltungsgericht hat seinen Sitz in Weimar.

Mit dem Bundesarbeitsgericht in Erfurt sitzt auch ein Bundesgericht in Thüringen.

In Thüringen gab es wegen seiner zentralen Lage weit entfernt von der Küste sowie der deutschen West- und Ostgrenze bereits seit dem 19. Jahrhundert nur eine unterdurchschnittliche Anzahl von Militärstützpunkten, wenngleich zumindest die Landeshauptstädte über Kasernen verfügten. Einzige bedeutende Garnisonsstadt war jedoch das zu Preußen gehörende Erfurt, das bis 1873 eine Festungsstadt war und auch im 20. Jahrhundert eine hohe Anzahl von Kasernen und Militärangehörigen aufwies.

Nach 1990 wurden im Zuge der Auflösung der Nationalen Volksarmee und dem Abzug der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland weitere Kasernen geschlossen, sodass heute nur noch acht Kasernen der Bundeswehr bestehen, die sich mit zwei Ausnahmen in der nördlichen Landesmitte am Rand des Thüringer Beckens konzentrieren. Im Einzelnen sind dies die Henne-Kaserne und die Löberfeld-Kaserne in Erfurt, die Kyffhäuser-Kaserne in Bad Frankenhausen, die Karl-Günther-Kaserne in Sondershausen, die Görmar-Kaserne in Mühlhausen, die Friedenstein-Kaserne in Gotha, die Pionierkaserne in Gera und die Werratal-Kaserne in Bad Salzungen. Sie bieten Arbeit für 7000 Soldaten und 700 zivile Angestellte.[25] Der einzige Truppenübungsplatz im Freistaat ist der Truppenübungsplatz Ohrdruf. Mit dem Truppenübungsplatz Weberstedt bestand bis 1990 ein zweiter im Land. Nach seiner Auflösung wurde er in den Nationalpark Hainich integriert.

Gleichwohl spielt die Bundeswehr als Arbeitgeber eine gewisse Rolle, da aus Thüringen (wie aus allen neuen Bundesländern) überdurchschnittlich viele junge Männer – teils in Ermangelung anderer erfolgversprechender Zukunftsperspektiven – als Berufssoldaten bei der Bundeswehr arbeiten.

Hauptartikel: Thüringer Landeswappen und Flagge Thüringens

Das Thüringer Landeswappen zeigt im lasurblauen Schild den viermal gleichbreit rot-silbern gestreiften, golden bewehrten und gekrönten »Bunten Löwen« der Ludowinger, umgeben von acht silbernen Sternen.

Als älteste farbige Darstellung des »Thüringer Urwappens« blieb der Wappenschild des Landgrafen Konrad von Thüringen aus dem 13. Jahrhundert erhalten. Der Erbfolgekrieg 1264/65 entließ Hessen politisch selbstständig, das seitdem den »Bunten Löwen« (umgekehrt gestreift: silber-rot) im Wappen führt. Als sich am 1. Mai 1920 das Land Thüringen aus den sieben republikanischen thüringischen Kleinstaaten zusammenschloss, wurden in Anlehnung an das föderale Sternenbanner der USA sieben silberne Sterne auf revolutionär-republikanisch rotem Grund zum Staatswappen gewählt. Die Nationalsozialisten verpassten Thüringen ein archaischeres, beadlertes Wappen. Mit der Neugründung des Landes Thüringen wurde 1991 das jetzige Thüringer Wappen aus den historischen Grundlagen abgeleitet. Der achte Stern steht für die zusätzlich zum Freistaat Thüringen gehörigen, ehemals Preußen angegliederten Gebietsteile Erfurt, Mühlhausen, Nordhausen, Schmalkalden und Suhl.

Landeswappen Landesflagge Landesdienstflagge

Das Land Thüringen ist auf zwei Ebenen gegliedert. Auf der ersten Ebene stehen seit der Kommunalreform vom 1. Juli 1994 die 17 Landkreise und sechs kreisfreien Städte und auf der zweiten Ebene die 913 Gemeinden des Landes (Stand: 1. Dezember 2011). Dazwischen gibt es teilweise Verwaltungsgemeinschaften und erfüllende Gemeinden als Zusammenschluss mehrerer kleiner Gemeinden, die ihre Verwaltungsaufgaben gemeinsam erledigen. Die Ebene der Regierungsbezirke gab es in Thüringen nie, da die Größe des Landes dies nicht rechtfertigt.

Die Anzahl und der Zuschnitt der Landkreise und kreisfreien Städte waren seit der Einführung dieser Verwaltungsebene in Preußen 1815 stetigen Veränderungen unterworfen. Diese werden im Artikel Geschichte der Verwaltungsgliederung Thüringens dargestellt.

Für die Legislaturperiode 2009-2014 waren vor allem durch die Parteien Die Linke[26] und SPD[27] weitgehende Kreisgebietsreformen vorgesehen. In der schwarz-roten Koalition aus CDU und SPD sollen weiterhin Veränderung in der Verwaltungsgliederung Thüringens, wenn auch in geringerem Ausmaß, stattfinden.[28][29]

Siehe auch: Liste der Landkreise und kreisfreien Städte in Thüringen und Geschichte der Verwaltungsgliederung Thüringens

Der Sitz des Thüringer Landesverwaltungsamtes befindet sich in Weimar.

Nr. Landkreis Sitz Kfz.-Z. Fläche
(km²)
Einwohner
(31. Dez. 2010)
Bevölkerungs-
dichte
Einwohner
(31. Dez. 2000)
Veränderung
1 Altenburger Land Altenburg ABG 569,08 98.810 174 114.200 –13,48 %
2 Eichsfeld Heiligenstadt EIC 940,06 105.195 112 114.109 –7,81 %
3 Gotha Gotha GTH 935,61 138.056 148 148.527 –7,05 %
4 Greiz Greiz GRZ 843,52 107.555 128 123.869 –13,17 %
5 Hildburghausen Hildburghausen HBN 937,37 67.007 71 73.839 –9,25 %
6 Ilm-Kreis Arnstadt IK 843,14 112.350 133 121.806 –7,76 %
7 Kyffhäuserkreis Sondershausen KYF 1.035,16 81.449 79 94.343 –13,67 %
8 Nordhausen Nordhausen NDH 711,00 89.963 127 98.609 –8,77 %
9 Saale-Holzland-Kreis Eisenberg SHK 816,97 86.809 106 93.929 –7,58 %
10 Saale-Orla-Kreis Schleiz SOK 1.148,47 87.799 76 98.592 –10,95 %
11 Saalfeld-Rudolstadt Saalfeld/Saale SLF 1.034,58 116.818 113 132.885 –12,09 %
12 Schmalkalden-Meiningen Meiningen SM 1.210,14 129.982 107 143.702 –9,55 %
13 Sömmerda Sömmerda SÖM 804,20 72.877 91 81.204 –10,25 %
14 Sonneberg Sonneberg SON 433,49 59.954 138 67.833 –11,62 %
15 Unstrut-Hainich-Kreis Mühlhausen/Thüringen UH 975,53 108.758 111 119.504 –8,99 %
16 Wartburgkreis Bad Salzungen WAK 1.304,86 130.560 100 144.677 –9,76 %
17 Weimarer Land Apolda AP 803,04 84.693 105 91.443 –7,38 %
Die Landkreise und kreisfreien Städte in Thüringen
  • Eisenach (EA)
  • Erfurt (EF)
  • Gera (G)
  • Jena (J)
  • Suhl (SHL)
  • Weimar (WE)
Siehe auch: Statistiken thüringischer Kommunen

Nach der Wiedervereinigung verloren zunächst alle Städte Thüringens rasch an Einwohnern. Seit der Jahrtausendwende begann sich diese Entwicklung auszudifferenzieren, was sich in den Jahren danach noch verstärkte. So konnten die drei Städte Erfurt, Weimar und Jena seit 2000 kontinuierlich wachsen und damit den Trend der Schrumpfung umkehren. In einer Gruppe weiterer Städte ebbte die Schrumpfung weitgehend ab und es ist eine stärkere Stabilisierung zu sehen, etwa in Nordhausen und Eisenach oder auch Ilmenau und Arnstadt. Einige andere Städte setzten hingegen die leichte Schrumpfung im gleichen Tempo fort, beispielsweise Saalfeld oder Mühlhausen, während sich in wenigen Städten das Tempo des Bevölkerungsrückgangs noch verstärkte, wie etwa in Suhl. Es zeigt sich, dass insbesondere Städte mit großen Bildungs- und Forschungseinrichtungen demografisch profitieren, in geringerem Maße gilt dies auch für Städte mit einem ausgeprägten, exportorientierten produzierenden Gewerbe wie Eisenach oder Arnstadt. Die anderen Städte sind nach wie vor von einem gewissen Grad an Abwanderung betroffen (räumliche Bevölkerungsbewegung), wenngleich das Fehlen von Geburten und die damit einhergehende Überalterung dort langfristig zum gravierenderen Problem werden wird (natürliche Bevölkerungsbewegung).

Stadt Landkreis Einwohner
31. August 1950
damaliger Gebietsstand
31. Dezember 1989[30]
Gebietsstand 2011
31. Dezember 2000
Gebietsstand 2011
31. Dezember 2010
Gebietsstand 2011
Veränderung
2000 bis 2010 in %
Erfurt kreisfrei 188.650 232.809 200.564 204.994 +2,21
Jena kreisfrei 80.309 108.979 99.893 105.129 +5,24
Gera kreisfrei 98.576 137.448 112.835 99.262 –12,03
Weimar kreisfrei 64.452 65.644 62.425 65.479 +4,89
Gotha Gotha 57.414 57.798 48.376 45.593 –5,75
Nordhausen Nordhausen 39.452 54.179 46.645 44.296 –5,04
Eisenach kreisfrei 51.777 51.493 44.442 42.750 –3,81
Suhl kreisfrei 24.020 58.756 48.025 38.776 –19,26
Mühlhausen Unstrut-Hainich-Kreis 48.769 44.525 38.695 35.978 –7,02
Altenburg Altenburger Land 49.413 53.530 41.290 34.972 –15,30
Saalfeld Saalfeld-Rudolstadt 27.673 34.911 29.768 27.008 –9,27
Ilmenau Ilm-Kreis 18.538 31.660 27.176 26.022 –4,25
Arnstadt Ilm-Kreis 28.195 31.493 27.220 25.000 –8,16
Rudolstadt Saalfeld-Rudolstadt 28.234 32.573 27.528 23.762 –13,68
Sondershausen Kyffhäuserkreis 19.622 30.950 26.514 23.142 –12,72
Apolda Weimarer Land 32.736 30.862 25.899 23.131 –10,69
Sonneberg Sonneberg 30.182 27.969 24.837 22.356 –9,99
Greiz Greiz 42.520 33.861 26.177 21.792 –16,75
Meiningen Schmalkalden-Meiningen 23.484 27.288 23.221 21.590 –7,02
Symbol für ostdeutsches Unternehmertum - Jentower in Jena
Außenhandelspartner Thüringens 2008
Gewürzwerk Schönbrunn
Neben Opel in Eisenach hat sich auch die Gumpert Sportwagenmanufaktur in Altenburg angesiedelt

Historisch betrachtet hat sich die Verteilung zwischen wohlhabenden und ärmeren Gebieten in Thüringen seit 1945 grundlegend verändert. Vor dem Zweiten Weltkrieg waren die ärmsten Gegenden im Thüringer Wald, Thüringer Schiefergebirge und auch in den ländlichen Räumen Südthüringens zu finden. Zu den entwickeltsten Gebieten zählten das industrialisierte Ostthüringen um Gera sowie die an Sachsen grenzenden Gebiete, welche von den Städten Zwickau, Leipzig und Chemnitz profitierten. Auch Kommunen, in denen sich öffentlicher Dienst konzentrierte wie etwa Meiningen oder Weimar waren relativ wohlhabend. Heute sind die entwickeltsten und wohlhabendsten Regionen hingegen entlang der Thüringer Städtekette zu finden, besonders der Raum Erfurt-Weimar-Jena weist ein hohes Wirtschaftswachstum auf. Das vom industriellen Strukturwandel geprägte Ostthüringen zählt heute hingegen gemeinsam mit dem Norden des Landes zu den strukturschwachen Regionen Thüringens.

Die soziale Marktwirtschaft hat mit der Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion und dem Beitritt zur Bundesrepublik 1990 die sozialistische Zentralverwaltungswirtschaft in Thüringen abgelöst. Dieser tief greifende Umstrukturierungsprozess löste in verschiedenen Branchen Krisen aus und führte zu hohen Arbeitslosenraten. Zwei Drittel der alten Arbeitsplätze Thüringens fielen zwischen 1989 und 1995 der wirtschaftlichen Wende zum Opfer. Inzwischen haben einige Branchen wie der wissenschaftliche Gerätebau, die Mikroelektronik und die Medizintechnik Zuwächse erzielt, so dass ein Mangel an qualifizierten Fachkräften besteht.

Seit etwa 2003 gelang es Thüringen zunehmend sich von der geringeren Dynamik der übrigen neuen Länder abzukoppeln und die Arbeitslosigkeit um bis zu acht Prozentpunkte zu reduzieren. So lag die Arbeitslosenquote im September 2011 bei 8,1 Prozent, dem niedrigsten Stand seit 1991 (vgl. Mai 2004: 16,6 Prozent). In Bezug auf die Arbeitslosenquote bestehen große Unterschiede innerhalb des Landes. Die geringste Quote verzeichnete der Landkreis Sonneberg im Süden Thüringens mit 4,0 %. Auch die anderen südlich des Thüringer Waldes gelegenen Kreise weisen mit Quoten um 6 % sehr niedrige Arbeitslosigkeit auf. Hoch ist die Arbeitslosigkeit dagegen noch im nördlichen Thüringer Becken (Unstrut-Hainich-Kreis mit 10,2 % und Kyffhäuserkreis mit 12,1 %) sowie in Gera (11,4 %) und im Altenburger Land (11,3 %) im Osten Thüringens. Außerdem ist Arbeitslosigkeit inzwischen ein überwiegend städtisches Phänomen. Beispielsweise lag die Quote im Mai 2011 in Altenburg, Mühlhausen, Bad Langensalza, Bad Frankenhausen sowie Artern bei rund 15 % und selbst im wirtschaftsstarken Jena bei 7,0 %, während viele kleine Gemeinden Raten um und unter 5 % aufweisen (dort herrscht unter den Arbeitsmarktvorraussetzungen Ostdeutschlands somit nahezu Vollbeschäftigung). In den Städten ist zudem Langzeitarbeitslosigkeit ein großes Problem, sodass sich die Situation nur sehr langsam verbessert und eine hohe Sockelarbeitslosigkeit vorherrscht.[31]

Auf der anderen Seite war der durchschnittliche Stundenlohn mit 14,91 Euro im Jahr 2007 am geringsten im bundesweiten Vergleich bei gleichzeitig längsten Arbeitszeiten. Arbeitslosigkeit und niedrige Löhne veranlassen gut ausgebildete junge Menschen zur Abwanderung Richtung Westen. Im ersten Quartal 2008 wurden 10.307 Fortzüge gemeldet im Vergleich zu weniger als 7000 Zuzügen nach Thüringen.[32]

Im Vergleich mit dem BIP der EU, ausgedrückt in Kaufkraftstandards, erreichte Thüringen einen Wert von 81,6 Prozent (EU-27:100) (2006).[33]

2007 betrug die Wirtschaftsleistung im Bundesland Thüringen gemessen am BIP rund 48 Milliarden Euro. Der Schuldenstand belief sich im Dezember 2007 auf rund 15,8 Milliarden Euro.

Schon im Mittelalter wurde mit Färberwaid ein europaweit bedeutendes Handelsgut in Thüringen angebaut und exportiert. Dies verhalf Städten wie Erfurt zu großem Reichtum. Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden in Thüringen Industrieunternehmen, die hauptsächlich für den Export produzierten. Dazu gehörten beispielsweise die optische Industrie Jenas, die technische Glasproduktion, aber auch die Spielzeugindustrie des Thüringer Waldes, deren Produkte in den 1920er Jahren von Woolworth aus Sonneberg in die Vereinigten Staaten exportiert wurden. Nach dem Zweiten Weltkrieg fand der Handel vor allem mit den Staaten des Rats für gegenseitige Wirtschaftshilfe statt.

Der Zusammenbruch dieses Markts 1990 trug maßgeblich zum Zusammenbruch der gesamten Industrie nach der Wiedervereinigung bei. So erreichten die Exporte 1992 mit umgerechnet 1,2 Milliarden Euro einen Tiefpunkt. Bis 2008 verzehnfachte sich das Exportvolumen fast auf 11,1 Milliarden Euro, bevor in der Wirtschaftskrise 2009 ein stärkerer Rückgang stattfand. Die wichtigsten Exportpartner waren Frankreich, das Vereinigte Königreich und Italien. Spezifisch für das Land ist ein überdurchschnittliches Volumen im Außenhandel mit Tschechien und Polen. Etwa zwei Drittel des Exportes gehen in die Europäische Union. Bei den Importen steht China seit 2004 an erster Stelle, wobei dennoch über 60 % aller Waren aus der Europäischen Union stammen. In der Summe übersteigt der Wert der Exporte den der Importe um etwa ein Drittel, während 1999 mehr importiert als exportiert wurde.[34]

In Thüringen werden vor allem Glas, Keramik, Spielwaren, Holz und Textilien und viele Produkte aus der Metallverarbeitung hergestellt. Die meisten Arbeiter sind in Eisenach und Waltershausen im Maschinen- und Fahrzeugbau beschäftigt, aber auch in der Kleineisen- und Werkzeugproduktion. Von Bedeutung sind Elektrotechnik und Gerätebau in Erfurt, Eisenach, Ruhla, Suhl und Meiningen. Die Stadt Jena erlangte durch die Herstellung von Präzisionsgeräten weltweites Ansehen. Aus dem Unternehmen Carl Zeiss Jena entstand nach 1990 Jenoptik, der größte Arbeitgeber der Stadt. In den letzten Jahren hat sich die Lebensmittelindustrie zu einem bedeutenden Wirtschaftszweig im Freistaat entwickelt. Das Ernährungsgewerbe erreichte mit einem Anteil von 11,2 Prozent am Industrieumsatz Rang 2 im Thüringer Verarbeitenden Gewerbe nach der Automobilindustrie.[35] Eines der größten Lebensmittelbetriebe in Thüringen ist das in Schönbrunn ansässige Gewürzwerk, welches mit mehr als 800[36] Beschäftigten einen Spitzenplatz unter den gewürzverarbeitenden Betrieben in Europa einnimmt.

In Thüringen gibt es eine Reihe börsennotierter Unternehmen (in Klammern der Börsenwert in Millionen Euro am 17. Juni 2011)[37]: ADVA Optical Networking aus Meiningen (195,42), Analytik Jena aus Jena (49,46), Biolitec aus Jena (35,39), Carl Zeiss Meditec aus Jena (1243,22), CyBio aus Jena (7,85), ersol Solar Energy aus Erfurt (1131,33), Funkwerk aus Kölleda (40,95), Geratherm Medical aus Geschwenda (36,63), Hyrican aus Kindelbrück (16,68), Intershop aus Jena (70,03), Jenoptik aus Jena (354,88) und Q-Soft aus Erfurt (2,16). ADVA Optical Networking, Carl Zeiss Meditec und Jenoptik sind im TecDAX gelistet.

In Thüringen wurde schon seit dem Mittelalter Bergbau betrieben, besonders in den Gebirgen wie dem Thüringer Wald, dem Harz und dem Thüringer Schiefergebirge. Mit Schmalkalden, Suhl oder auch Ilmenau gab es bedeutende Bergbaustädte im Thüringer Wald. Abgebaut wurden verschiedene Erze wie Eisen oder Mangan, aber auch Silber. Im Thüringer Schiefergebirge wurden bedeutende Goldvorkommen abgebaut, worauf noch heute Ortsnamen wie Goldisthal oder Reichmannsdorf hinweisen. Bedeutendste dieser Bergbaustätten war die Region Schmalkalden mit ihrer Eisenindustrie, die erst im 19. Jahrhundert unter der Konkurrenz aus dem Ruhrgebiet und dem Saarland zugrunde ging. Zur selben Zeit entstand die Maxhütte Unterwellenborn bei Saalfeld, die ebenfalls mit regionalen Eisenvorkommen versorgt wurde. Sie besteht bis heute als Stahlwerk Thüringen fort.

Im 20. Jahrhundert entwickelte sich der Kali-Bergbau zum bedeutendsten Bergbauzweig. Dabei verfügt Thüringen über zwei Reviere: zum einen das noch heute genutzte Werra-Revier zwischen Bad Salzungen und Bad Hersfeld, zum anderen das nach 1990 stillgelegte nordthüringische Revier mit den Förderstätten Sondershausen, Bleicherode und Bischofferode. Zur Zeit des Kalten Kriegs wurde zudem bei Ronneburg ein Großteil des von der Sowjetunion benötigten Urans abgebaut. Damit einher gingen massive Umweltzerstörungen sowie zahlreiche Erkrankungen der Bergleute, die mit dem krebserregenden Material in Berührung kamen.

Im 19. Jahrhundert begann im Meuselwitzer Revier im Osten Thüringens der Braunkohletagebau, der neben der Energiegewinnung auch den Leunawerken als Grundstoff der chemischen Industrie diente. Die Braunkohle-Lagerstätten wurden gegen Ende des 20. Jahrhunderts erschöpft. Im Thüringer Wald bestanden auch vereinzelte Steinkohlevorkommen, deren Abbau jedoch mit der Industrialisierung nicht mehr lohnte. Länger wurde Steinkohle noch im Stockheimer Revier bei Sonneberg an der Grenze zu Bayern abgebaut. Bedeutsam ist auch der noch heute betriebene Schieferabbau im Thüringer Schiefergebirge. Dessen Zentrum ist die Stadt Lehesten mit den größten Schiefersteinbrüchen des Landes. In Gehren im Thüringer Wald befindet sich ein Bergwerk zum Abbau von Schwerspat.

Die größten Unternehmen in Thüringen, gemessen an der Mitarbeiterzahl, waren laut einer Studie der Landesbank Hessen-Thüringen im Jahr 2010 die folgenden:[38]

Unternehmen Mitarbeiter Branche Hauptstandorte
Edeka 5400 Einzelhandel flächendeckend
Deutsche Bahn 4500 Verkehr Erfurt/flächendeckend
Deutsche Post 4300 Logistik Erfurt/flächendeckend
Randstad 4200 Zeitarbeit, Arbeitsvermittlung Erfurt/flächendeckend
Bosch 4050 Automobilzulieferer, Photovoltaik, Elektrotechnik Arnstadt, Eisenach, Erfurt
Helios Kliniken 3950 Krankenhäuser Erfurt, Gotha/Ohrdruf, Blankenhain, Bleicherode
REWE 3500 Einzelhandel flächendeckend
Rhön-Klinikum 3450 Krankenhäuser Bad Berka, Meiningen, Friedrichroda, Hildburghausen
Zeitungsgruppe Thüringen 1750 Zeitungen Erfurt, Gera, Löbichau
1750 Versorger, Verkehr Erfurt
Carl Zeiss 1700 Optik, Elektrotechnik Jena
Deutsche Telekom 1600 Telekommunikation Erfurt/flächendeckend
Opel 1600 Automobilhersteller Eisenach

Die Städte mit den meisten Industriearbeitsplätzen waren 2006 Jena (7227), Erfurt (6503), Eisenach (6038), Gotha (3529), Nordhausen (2934), Gera (2743), Arnstadt (2335), Suhl (2227), Schmalkalden (2169) und Sömmerda (2153). Insgesamt waren 147.323 Menschen im verarbeitenden Gewerbe tätig.[39]

Zu DDR-Zeiten waren das Kombinat Mikroelektronik Erfurt mit 56.000 Mitarbeitern (1990) und das Kombinat Carl Zeiss Jena mit 54.000 Mitarbeitern (1990) die größten Arbeitgeber Thüringens. 1990 gab es weitere 22 Kombinate mit je 2000 bis 30.000 Beschäftigten, die ihren Sitz im heutigen Land Thüringen hatten.

Die 515.262 Hektar Waldfläche in Thüringen (2009) teilen sich vor allem in die Eigentumsformen Privatwald, Staatsforst und Kommunalwald auf. Auch Kirchenwald ist vorhanden. Privatwaldbesitzer haben sich häufig zu forstlichen Betriebsgemeinschaften zusammengetan. Als besondere Eigentumsform treten in den Plenterwäldern im Naturraum Hainich-Dün-Hainleite Laubgenossenschaften auf. Die Beförsterung erfolgt derzeit durch die 28 Forstämter der Landesforstverwaltung.

Die Landwirtschaft in Thüringen ist durch Großbetriebe geprägt, die ihre Wurzeln in den zu DDR-Zeiten gegründeten LPGs haben. Dadurch sind die Feldstücken recht groß und effizient zu bewirtschaften. Auch die Fleischproduktion wird von Großbetrieben dominiert.

Im Thüringer Becken wird vor allem Ackerbau betrieben

Pflanzenproduktion: Insgesamt arbeiteten 2005 27.175 Menschen in der Landwirtschaft. Die Landwirtschaftsfläche lag 2009 bei 879.438 Hektar, das entspricht 54,4 % der Landesfläche. Der Anteil an der Landwirtschaftsfläche der Bundesrepublik Deutschland lag damit bei etwa fünf Prozent. Im Thüringer Becken, in der Orlasenke und im Gebiet südlich von Altenburg wird auf hochwertigen Böden überwiegend Ackerbau betrieben. Landwirtschaftlich genutzt wurden 793.505 Hektar (2008). Die Ackerfläche lag 2009 bei 527.335 Hektar, Dauergrünland waren 172.862 Hektar, der Grünlandanteil lag damit bei rund 19,7 %. Angebaut werden vor allem Winterweizen, Winterraps, Wintergerste und Silomais. Die Hauptanbaufläche verteilt sich auf die vier Landkreise Kyffhäuserkreis, Unstrut-Hainich-Kreis, Sömmerda und Wartburgkreis. Hauptobstanbaugebiete mit Dauerkulturen sind der Landkreis Gotha (Fahnersche Höhen), der Kyffhäuserkreis und der Landkreis Sömmerda. Beim Gemüse dominiert der Anbau von Weißkohl, Blumenkohl, Zwiebeln, Tomaten, Gurken, Bohnen und Spargel. Zentrum des Weinbaus ist die Stadt Bad Sulza, die zum Weinbaugebiet Saale-Unstrut gehört. Die Weinberge befinden sich an den sonnigen Kalk-Trockenhängen von Ilm- und Saale-Tal an der Grenze zu Sachsen-Anhalt zwischen Weimar, Jena und Naumburg. Von den 4789 Landwirtschaftbetrieben waren 2007 2084 Futterbaubetriebe, 1275 Ackerbaubetriebe und 642 Pflanzenbau-Viehhaltungsbetriebe.

Tierproduktion: 2006 wurden 1.745.000 Legehennen, 779.034 Schweine, 346.652 Rinder und 216.242 Schafe gezählt. Zentrum der Fleischproduktion ist Ostthüringen.

TU Ilmenau (Altes Technikum)
Klosterschule Roßleben (1905)
Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek Weimar
Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena

Einzige Volluniversität ist die 1558 gegründete Friedrich-Schiller-Universität Jena mit zehn Fakultäten, die gleichzeitig die älteste durchgehend bestehende Hochschule in Thüringen ist. Mit der Bauhaus-Universität in Weimar mit den Schwerpunkten Architektur, Bauingenieurwesen, Gestaltung und Medien, der Technischen Universität Ilmenau und der nach der Wende wiedergegründeten Universität Erfurt mit geisteswissenschaftlichem Profil existieren drei weitere Universitäten. Die vier Fachhochschulen des Landes befinden sich in Nordhausen, Erfurt, Jena und Schmalkalden. In Weimar gibt es zudem noch die Hochschule für Musik Franz Liszt. Zwei Berufsakademien bestehen in Gera und Eisenach. Weitere Bildungseinrichtungen sind die Thüringer Fachhochschule für öffentliche Verwaltung in Gotha und Meiningen, die private SRH Fachhochschule für Gesundheit Gera, die private, 2008 gegründete Adam-Ries-Fachhochschule in Erfurt sowie das Priesterseminar Erfurt. Studiengebühren werden in Thüringen an den staatlichen Hochschulen nicht erhoben. Insgesamt studieren knapp 50.000 Menschen in Thüringen, etwa die Hälfte davon in Jena, weitere 9000 in Erfurt, 6000 in Ilmenau sowie 4000 in Weimar. Die übrigen Studenten verteilen sich auf die kleineren Hochschulstandorte Schmalkalden, Nordhausen, Gera, Eisenach, Gotha und Meiningen.

Das Schulsystem Thüringens ist dreigliedrig aufgebaut. Nach der vierjährigen Grundschule folgen das seit 1990 achtjährige Gymnasium (G8) oder die Regelschule, die Haupt- und Realschule in sich vereint. Zum Abitur in Thüringen gehört die Seminarfacharbeit, eine bundesweit einzigartige Hausarbeit, die wie eine Abiturprüfung in die Abiturnote eingebracht werden kann. Nach dem Amoklauf von Erfurt wurde an den Thüringer Gymnasien am Ende der Klasse 10 die Besondere Leistungsfeststellung eingeführt, eine Prüfung in Deutsch, Mathematik, Englisch und einer Naturwissenschaft, die allen bestehenden Schülern einen Realschulabschluss (mittlere Reife) einbringt. Zu DDR-Zeiten entstanden in Thüringen mehrere Spezialschulen zur Förderung hochbegabter Schüler in bestimmten Themenbereichen, die bis heute fortbestehen. Dazu gehören die Musikgymnasien Schloss Belvedere in Weimar und Goethe-Gymnasium/Rutheneum in Gera, die Sportgymnasien Pierre de Coubertin in Erfurt, Johann Christoph Friedrich GutsMuths in Jena und das Sportgymnasium für die Wintersportarten in Oberhof, die naturwissenschaftlichen Spezialschulen in Erfurt (Albert-Schweitzer-Gymnasium), Ilmenau (Goetheschule) und Jena (Carl-Zeiss-Gymnasium) und das Sprachgymnasium Salzmannschule Schnepfenthal bei Waltershausen. Auch die Internatsschulen Hermann-Lietz-Schule Haubinda (gegründet 1901) und Klosterschule Roßleben (gegründet 1544) gehören zu den besonderen Schulen im Land. Auf dem zweiten Bildungsweg zum Abitur führen das Thüringenkolleg in Weimar und das Ilmenau-Kolleg in Ilmenau. Bedeutende Pädagogen mit Tätigkeitsschwerpunkt im Land waren unter anderem Friedrich Fröbel, der „Erfinder“ des Kindergartens, Johann Christoph Friedrich GutsMuths, der den Sportunterricht an Schulen begründete, Christian Gotthilf Salzmann, Gründer der Salzmannschule in Schnepfenthal, Hermann Lietz, Gründer der Hermann-Lietz-Schulen, und Peter Petersen, der das Konzept der Jena-Plan-Schulen erdachte.

Bedeutende Bibliotheken im Land sind die Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek, seit 1549 in Jena ansässig (vorher in Wittenberg und Weimar) und die 1691 gegründete Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar. Die Universitäts- und Forschungsbibliothek Erfurt/Gotha wurde 1647 von Ernst dem Frommen in Gotha gegründet und gehört ebenfalls zu den bedeutendsten Bibliotheken des Landes. Die Akademie gemeinnütziger Wissenschaften wurde 1754 in Erfurt gegründet und ist der drittälteste Gelehrtenzirkel seiner Art in Deutschland. Die wichtigsten Archive Thüringens sind das Goethe- und Schiller-Archiv in Weimar, das Hauptstaatsarchiv Weimar sowie die nachgeordneten Staatsarchive in Altenburg, Gotha, Greiz, Meiningen und Rudolstadt.

Bedeutende Forschungsinstitute in Thüringen sind das Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie in Ilmenau, das Fraunhofer-Anwendungszentrum für Systemtechnik in Ilmenau, das Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik in Jena, das Leibniz-Institut für Altersforschung in Jena, das Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie in Jena, das Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena, das Max-Planck-Institut für chemische Ökologie in Jena, das Max-Planck-Institut für Ökonomik in Jena, das Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau in Erfurt, das Institut für Photonische Technologien in Jena, das Institut für bakterielle Infektionen und Zoonosen in Jena und das Institut für molekulare Pathogenese in Jena. Auch das älteste noch bestehende Planetarium der Welt, das Planetarium Jena, gehört zu den bedeutendsten wissenschaftlichen Einrichtungen des Landes.

Siehe auch: Hochschulen in Thüringen und Liste der Gymnasien in Thüringen
Hauptartikel: Tourismus in Thüringen

Der Thüringer Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftszweig. Die Erholungsgebiete befinden sich hauptsächlich im Thüringer Wald und im Thüringer Schiefergebirge. Zahlreiche Wanderwege erschließen diese Gebirge. Der etwa 160 Kilometer lange Fernwanderweg „Rennsteig“, der auf dem Kamm des gesamten Thüringer Waldes und des Thüringer Schiefergebirges entlangführt, bietet sehr gute Fernsichten. Eines der Wintersportzentren ist Oberhof, welches etwa zehn Kilometer nördlich von Suhl liegt.

Im Jahr 2010 waren die zehn Orte Thüringens mit den meisten Übernachtungen: Erfurt (726.662), Weimar (607.834), Oberhof (432.866), Friedrichroda (380.461), Bad Liebenstein (376.353), Masserberg (305.993), Jena (297.614), Eisenach (293.404), Suhl (229.548) und Bad Sulza (217.950). Insgesamt wurden 2008 in Thüringen von 3.119.024 Gästen 8.682.405 Übernachtungen gebucht.[40]

Auf Grund seiner zentralen Lage im wiedervereinigten Deutschland und des Nachholebedarfs infolge seiner DDR-Vergangenheit wurden in Thüringen seit 1990 erhebliche Anstrengungen zum Ausbau der Infrastruktur unternommen.

Die größten Verkehrsprojekte sind teilweise fertiggestellt. Im Jahr 2015 sollen alle Großprojekte abgeschlossen sein. Bedingt durch seine Lage im Mittelgebirgsraum gibt es in Thüringen als einzigem Bundesland keine Wasserstraßen, also keine schiffbaren Flüsse oder Kanäle. Schifffahrt wird lediglich auf dem Hohenwarte-Stausee und der Bleilochtalsperre betrieben. Sie dient mit Ausnahme der Fähre von Altenbeuthen zur Linkenmühle touristischem Verkehr.

Die Talbrücke Jüchsen der A 71 während der Bauzeit

Wichtigste Straßenverkehrsachsen in Thüringen sind die Bundesautobahn 4 in Ost-West-Richtung und die Bundesautobahn 9 in Nord-Süd-Richtung. Beide werden zurzeit ausgebaut, um am Ende durchgehend sechsstreifig befahrbar zu sein. Ergänzt wird das Autobahnnetz durch die Bundesautobahn 38 im Norden, die Leipzig mit Kassel verbindet; die Bundesautobahn 71 führt in Nordost-Südwest-Richtung quer durch das Land und ist bis auf den Abschnitt Sömmerda–Sangerhausen, der 2013 eröffnet werden soll[41], ebenfalls fertiggestellt. Sie verbindet die Landeshauptstadt Erfurt mit dem Raum Würzburg im Süden und dem Raum Halle im Norden. Die Bundesautobahn 73 setzt in Suhl südlich der Querung des Thüringer Waldes der A 71 an und führt nach Süden in den Großraum Nürnberg. Nicht über thüringisches Gebiet verlaufen die Bundesautobahn 44 und die Bundesautobahn 72, die aber dennoch Einfluss auf den Verkehr in Thüringen haben. Erstere soll zukünftig die A 4 bei Eisenach mit Kassel und dem Ruhrgebiet verbinden und Letztere bietet dem Raum Greiz eine Autobahnanbindung. Dennoch gibt es einige Bereiche, die von diesen Autobahnen umgangen werden. Dies sind insbesondere der Raum Saalfeld/Rudolstadt und der Raum Mühlhausen, wo durch Ausbau der Bundesstraßen eine gute Anbindung sichergestellt werden soll.

Siehe auch: Liste der Fernstraßen in Thüringen und Liste der Straßentunnel in Thüringen
Der Erfurter Hauptbahnhof
Hauptartikel: Eisenbahn in Thüringen

Die Eisenbahn erreichte Thüringen im Jahr 1842 mit der Bahnstrecke Leipzig–Hof über Altenburg (damals Sächsisch-Bayerische Eisenbahn genannt). Die Landeshauptstadt Erfurt erhielt 1846 einen Eisenbahnanschluss an der Strecke von Berlin nach Frankfurt am Main. Heute gibt es in Thüringen zwei Eisenbahnstrecken, die zum ICE-Liniennetz gehören, die Saalbahn (Berlin)–Naumburg–Jena–Saalfeld–Kronach–Lichtenfels–(Nürnberg–München) und die Thüringer Bahn (Dresden–Leipzig)–Naumburg–Weimar–Erfurt–Gotha–Eisenach–(Fulda–Frankfurt am Main). Vor 1945 gab es noch eine dritte bedeutende Personenverkehrsachse durch Thüringen, die Bahnstrecke Erfurt–Schweinfurt, die von Expresszügen von Berlin nach Stuttgart genutzt wurde. Heute hat sie ihre Bedeutung aber weitestgehend verloren. Die Halle-Kasseler Eisenbahn über Nordhausen diente und dient hauptsächlich dem Ost-West-Güterverkehr. Dem Mischverkehr diente die einstmals bedeutende Strecke Ruhrgebiet-Northeim-Nordhausen-Halle; heute Südharz-Eisenbahnstrecke (Erfurt-Nordhausen-Göttingen). Nordhausen ist ebenso der Kopfbahnhof für die Harz-Querbahn zum Brocken und nach Wernigerode. ICE-Halte in Thüringen sind Erfurt Hbf, Weimar, Gotha und Eisenach an der Strecke Dresden–Frankfurt sowie Jena Paradies und Saalfeld an der Strecke Berlin–München.

Im Regionalverkehr erbringen neben der DB Regio Südost auch die Vogtlandbahn, die Erfurter Bahn, die Süd-Thüringen-Bahn und die Cantus Verkehrsleistungen. Regionalexpress-Verbindungen bestehen in angrenzende Großstädte wie Göttingen, Magdeburg, Chemnitz oder Würzburg. In Bau sind gegenwärtig die Schnellfahrstrecke Nürnberg–Erfurt und die Neubaustrecke Erfurt–Leipzig/Halle als derzeit größtes Bauprojekt im deutschen Schienennetz. Mit der Fertigstellung in Richtung Halle wird um das Jahr 2015, nach Nürnberg ab 2017 gerechnet. Dann werden sich die Reisezeiten zwischen Erfurt und Nürnberg/München sowie Leipzig/Berlin mit dem ICE deutlich verkürzen.

Seine maximale Ausdehnung erreichte das Thüringer Eisenbahnnetz um 1940 mit fast 2500 Kilometern. Heute sind noch knapp 1500 Kilometer Bahnstrecken in Betrieb.

Siehe auch: Liste der Eisenbahntunnel in Thüringen
Flughäfen und Landeplätze in Thüringen

Flughäfen mit Linienbetrieb sind der Flughafen Erfurt und der Leipzig-Altenburg Airport bei Nobitz im Altenburger Land.

Weitere Flugplätze gibt es bei den Städten Arnstadt, Bad Berka, Bad Frankenhausen, Bad Langensalza, Eisenach, Gera, Gotha, Greiz, Heilbad Heiligenstadt, Ilmenau, Jena, Mühlhausen, Nordhausen, Rudolstadt, Schlotheim, Sömmerda, Suhl und Weimar.

Die Talsperre Schönbrunn

Die Stromerzeugung spielt in Thüringen nur eine untergeordnete Rolle, da das Land seit jeher von den großen Braunkohlekraftwerken bei Leipzig und in der Lausitz mitversorgt wird. In den letzten Jahren wurde im Freistaat der Aufbau erneuerbarer Energien gefördert. So entstanden neben zahlreichen Windparks auch das Pumpspeicherwerk Goldisthal, das größte Pumpspeicherwerk Deutschlands. Die Wasserenergie wurde jedoch schon seit den 1930er Jahren im großen Stil genutzt. Damals entstand das Talsperrensystem Saalekaskade, wo mit der Bleilochtalsperre die größte Talsperre Deutschlands liegt. Der Freistaat gehört zum Übertragungsnetzgebiet von 50Hertz Transmission.

Thüringen ist eines der wasserreichsten Bundesländer. Die großen Talsperren im Thüringer Wald und Thüringer Schiefergebirge versorgen teils auch angrenzende Regionen in anderen Ländern mit Trinkwasser. Bedeutende Trinkwassertalsperren sind die Talsperre Leibis-Lichte, die Talsperre Schönbrunn, die Talsperre Schmalwasser und die Ohra-Talsperre.

Hauptartikel: Gesundheitswesen in Thüringen

In Thüringen erscheinen sieben regionale Tageszeitungstitel: die Thüringer Allgemeine (TA) im Gebiet des ehemaligen Bezirkes Erfurt (Mitte, Norden), die Thüringische Landeszeitung (TLZ) und die Ostthüringer Zeitung (OTZ), alle drei gehören zur Zeitungsgruppe Thüringen der WAZ-Mediengruppe. Daneben erscheinen das Freie Wort (FW) und kooperationsbedingt teils inhaltsgleich die Südthüringer Zeitung (stz) und das FW Meininger Tageblatt. Sie gehören zur Regionalzeitungsgruppe Hof/Coburg/Suhl des Süddeutschen Verlags. Im Gebiet des ehemaligen Kreises Altenburg erscheint die Osterländer Volkszeitung, die zur Leipziger Volkszeitung gehört.

Öffentlich-rechtlicher Rundfunk wird in Thüringen vom MDR produziert. Der MDR betreibt das Landesfunkhaus Thüringen in der Gothaer Straße in Erfurt. Dort sind auch der KI.KA, der Kinderkanal von ARD und ZDF, die MDR-Werbung, die MDR-Produktionstochter MCS Thüringen untergebracht. Im Erfurter Funkhaus wird das Thüringenjournal, die tägliche Fernseh-Nachrichtensendung für Thüringen, produziert. Daneben strahlt der MDR mit MDR 1 Radio Thüringen ein eigens für das Land produziertes Hörfunkprogramm aus. In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich Das KinderMedienZentrum, in dem unter anderen die KiKa-Serie Schloss Einstein produziert wird. Das ZDF betreibt in Erfurt sein Landesstudio Thüringen. Produziert werden Berichte über Thüringen unter anderem für die heute-Nachrichten, das Heute-Journal, WISO und andere Magazine des ZDF.

Privatrundfunk senden in Thüringen die landesweiten Radios Landeswelle Thüringen, Antenne Thüringen und deren Tochtergesellschaft Radio Top 40. In manchen Orten gibt es lokale Fernsehstationen. Die Thüringer Landesmedienanstalt hat außerdem elf Bürgerfunkprojekte eingerichtet. Mit den größten Verbreitungsgebieten sind dies die beiden direkt von der TLM getragenen Offenen Kanäle der Offene Fernsehkanal in Gera und Radio Funkwerk in Erfurt und Weimar. Hinzu kommen leistungsfähige Offene Kanäle in Trägerschaft von Vereinen in Jena der OK-J, Saalfeld der SRB, Eisenach das Wartburg-Radio, Nordhausen und Leinefelde. In einigen Städten wurden von der TLM auch nichtkommerzielle Lokal- und Hochschulradios lizenziert. Dazu gehören Radio F.R.E.I. in Erfurt, Radio Lotte Weimar, radio hsf in Ilmenau, das Studentenradio der Bauhaus-Universität Weimar. In den meisten Offenen Kanälen sind zudem die medienpädagogischen Projekte, unter Anderem PiXEL-Fernsehen und RABATZ, angesiedelt. Hier können Kinder und Jugendliche selbst Radio und Fernsehen machen.

Die bundesweit zuständige Kommission für Jugendmedienschutz hat ihren Sitz seit ihrer Gründung im Jahr 2003 in Erfurt.

Die Kultur Thüringens ist bedingt durch die lange politische Zersplitterung (bis 1920) besonders vielfältig. Diese Vielfalt hat sich bis heute erhalten und findet in den verschiedenen ehemaligen Residenzen im Land Ausdruck. Parallel zur Vielfalt der Landesteile verbinden aber vor allem die ähnliche Küche sowie die ähnlichen Feste und Bräuche.

Zum UNESCO-Welterbe in Thüringen gehören seit 1996 die Bauhaus-Stätten in Weimar mit dem zwischen 1904 und 1911 nach Plänen von Henry van de Velde errichteten Hauptgebäude der Bauhaus-Universität, der Kunstgewerbeschule Weimar und dem Musterhaus Am Horn, seit 1998 die elf Stätten des Klassischen Weimars (Goethes Wohnhaus, Schillers Wohnhaus, Herderkirche und Herder-Stätten, Weimarer Stadtschloss, Wittumspalais, Herzogin Anna Amalia Bibliothek, Park an der Ilm mit Goethes Gartenhaus und Römischem Haus, Schloss Belvedere, Schloss Ettersburg, Schloss Tiefurt, Historischer Friedhof Weimar) und seit 1999 die Wartburg bei Eisenach.

Siehe auch: Liste der Museen in Thüringen
Das Bauhaus-Museum in Weimar

Die Museumslandschaft Thüringens hat ihren Schwerpunkt in Weimar mit seinen klassischen Dichtern, Musikern und Künstlern. Aber auch in einigen anderen Städten im Land liegen bedeutsame Museen. Zusätzlich befinden sich in den alten Residenzschlössern die jeweiligen Landesmuseen, die einen regionalgeschichtlichen Schwerpunkt setzen.

Zum Weimarer Weltkulturerbe gehören das Goethe-Nationalmuseum, welches die Wirkungsstätten des Dichters in der Stadt vereint, sowie Schillers Wohnhaus und eine Vielzahl anderer kulturell genutzter Einrichtungen. Bedeutsam ist außerdem das Bauhaus-Museum in der Weimarer Innenstadt.

Das Lindenau-Museum in Altenburg beherbergt die größte Sammlung frühitalienischer Tafelbildmalerei nördlich der Alpen. Es gehört neben der Wartburg und der Klassik Stiftung Weimar zu den 20 „kulturellen Leuchttürmen“ im Blaubuch der Bundesregierung in den neuen Bundesländern.

Ein imposantes Bauwerk ist das Bauernkriegspanorama bei Bad Frankenhausen, welches eines der drei größten Gemälde der Welt beinhaltet und 1989 eröffnet wurde. Das Deutsche Spielzeugmuseum in Sonneberg wurde 1901 eröffnet und ist das älteste sowie eines der größten Spielzeugmuseen in der Bundesrepublik. Ähnlich bedeutsam ist das Deutsche Gartenbaumuseum in Erfurt auf dem Gebiet der Landschaftsarchitektur. Es zeigt auf 1500 Quadratmetern geschichtliches und biologisches aus dem Gartenbau in Mitteleuropa. Das Optische Museum in Jena schildert die Geschichte und den Fortschritt der Technologie im Bereich der Optik und ist auf diesem Gebiet ebenfalls von bundesweiter Bedeutung.

Das Deutsche Nationaltheater in Weimar

Die Theaterlandschaft in Thüringen ist – bedingt durch die Kleinstaaterei – ebenfalls noch heute vielfältig. Die bedeutendsten Theater des Landes sind das Deutsche Nationaltheater in Weimar und das Das Meininger Theater. Traditionsreiche Schauspielhäuser werden heute auch noch in Eisenach, Gera und Altenburg betrieben. Ein Neubau aus der jüngsten Zeit ist das Theater Erfurt. Weitere Theater führen in Arnstadt, Greiz, Nordhausen und Rudolstadt auf. Vielen Theatern gehört zudem noch ein eigenes Orchester an. Die größte Freiluftbühne ist das Naturtheater Steinbach-Langenbach im Thüringer Wald. Da alle Theater vom Freistaat bezuschusst werden, stellt die Finanzierung dieses Kulturangebots eine schwierige Aufgabe dar. In den letzten Jahren mussten die Theater bereits größere Etatkürzungen durch die Landesregierung hinnehmen.

Mit dem Ekhof-Theater von 1681 in Gotha befindet sich das älteste erhaltene Theater Deutschlands ebenso im Land wie das Stadttheater Hildburghausen von 1755 als ältestes erhaltenes Stadttheater, wo 1765 auch die erste Schauspielschule Deutschlands gegründet wurde.

Um 1200 erlebte Thüringen eine Blütezeit des Minnesangs und der Sangspruchdichtung. Davon legt besonders die Gedichtsammlung über den fiktiven Sängerkrieg auf der Wartburg ein bedeutendes Zeugnis ab. Der Legende nach sollen dort damals die wichtigsten Minnesänger dieser Zeit miteinander gewetteifert haben.

Johann Sebastian Bach

Die Familie Bach mit ihrem berühmtesten Sohn, Johann Sebastian Bach, stammt aus Wechmar bei Gotha. Viele Mitglieder dieser Familie wurden Musiker und prägten die Hof- und Kirchenmusik in Thüringen zwischen dem 16. und dem 18. Jahrhundert. Nach der Familie Bach kamen im „Silbernen Zeitalter“ Weimars, dem 19. Jahrhundert, Musiker wie Franz Liszt nach Thüringen. Sie schätzten die liberale und geschichtsträchtige Atmosphäre der Goethestadt. Durch Liszt und seinen Schülerkreis wurde Weimar um 1850 eines der Zentren der damaligen modernen Musik. 1872 gründete Carl Müllerhartung hier die erste deutsche Orchesterschule, den Vorläufer der heutigen Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar. Zu den dort tätigen Musikpädagogen gehörten auch die wohl bedeutendsten dauerhaft in Thüringen lebenden Komponisten des 20. Jahrhunderts, Richard Wetz und Johann Cilenšek. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erlangte die Meininger Hofkapelle den Ruf eines hervorragenden Orchesters, das besonders seit Hans von Bülow 1880 die Leitung übernommen hatte, weitere fähige Musiker anzog, die zur Entwicklung einer musikalischen Blütezeit Wesentliches beitrugen. Bis 1914 wurde diese Tradition unter den Dirigenten Richard Strauss, Fritz Steinbach, Wilhelm Berger und Max Reger fortgeführt.

Wichtige Orchester des Landes sind die Thüringen Philharmonie Gotha, die Thüringer Symphoniker Saalfeld-Rudolstadt, die Jenaer Philharmonie, das Loh-Orchester Sondershausen und die Vogtland Philharmonie Greiz Reichenbach. Auch der Bachchor Eisenach kann auf eine traditionsreiche Geschichte zurückblicken. Die Thüringer Bachwochen sind ein landesweites Musikfestival zu Ehren Johann Sebastian Bachs. Der volkstümlichen Musik in Thüringen war vor allem Herbert Roth, der Komponist des Rennsteiglieds, verschrieben. Es gilt als inoffizielle Landeshymne. Zu den bekanntesten Musikern aus Thüringen gehörten zu DDR-Zeiten Veronika Fischer, Tamara Danz, die Sängerin der Band Silly, die Schlagersängerin Ute Freudenberg („Jugendliebe“), die Rockmusiker Jürgen Kerth und Klaus Renft, Gründer der Klaus Renft Combo, sowie der Liedermacher Gerhard Gundermann. In jüngster Zeit sind vor allem Pop-Musiker wie Yvonne Catterfeld oder Clueso bekannt. Thüringen hat sich außerdem einen Ruf in der Elektromusikszene erworben. Hier wären als erstes international erfolgreiche Künstler, wie Northern Light oder Marek Hemmann zu erwähnen. Ebenso gibt es eine Bandbreite an national und regional erfolgreichen DJ´s, die sich Musikarten wie House, Minimal, Hard-Tech oder Schranz widmen. Dazu gehören DJ´s wie zum Beispiel A.N.A.L., The Housegroover u. v. a.

Die Literaturgeschichte Thüringens ist untrennbar durch die Weimarer Klassik bestimmt. Sie führte die deutschsprachige Literatur im 18. Jahrhundert mit dem Dichterkreis um Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller an. Ebenfalls in diese Epoche können Johann Gottfried Herder, Karl Ludwig von Knebel und Christoph Martin Wieland eingeordnet werden. Sie konzentrierten sich am Weimarer Hofe um Herzog Karl August und dessen Mutter Anna Amalia. In späteren Epochen waren für das Land vor allem Dichter wie Rudolf Baumbach, Ludwig Bechstein, Otto Ludwig und Theodor Storm von Bedeutung. Auch die Sachliteratur hat einige bedeutende Werke hervorgebracht, so erschien 1872 in Schleiz der erste Duden von Konrad Duden, Justus Perthes schrieb 1763 das erste Genealogische Handbuch des Adels, welches später als „der Gotha“ bezeichnet wurde. Ab 1863 erschienen in Hildburghausen Brehms Thierleben von Alfred Brehm aus Renthendorf bei Neustadt an der Orla. Ernst Haeckel publizierte an der Universität Jena die Darwinsche Evolutionstheorie und entwickelte sie weiter. Der Philosoph Friedrich Nietzsche verbrachte seine letzten Lebensjahre in Weimar, wo das Nietzsche-Archiv heute seinen Nachlass verwaltet. Ein bedeutender Kartograf wurde ab 1900 der Gothaer Hermann Haack.

Auf dem Gebiet der Bildenden Künste war in Thüringen vor allem das Bauhaus in Weimar von Bedeutung. Es war in den 1920er Jahren weltweit stilprägend und zog Maler wie Lyonel Feininger, Wassily Kandinsky, Paul Klee, Johannes Itten und Oskar Schlemmer sowie Architekten wie Walter Gropius, Henry van de Velde und Ludwig Mies van der Rohe in den Freistaat. Aber auch Maler wie Lucas Cranach der Ältere oder Otto Dix und der Bildhauer Tilman Riemenschneider wirkten in Thüringen.

Kloster Paulinzella (Romanik)

In Thüringen sind Bauwerke aus den Stilepochen seit der Romanik erhalten. Romanische Bauwerke von Bedeutung sind die Wartburg, die Burg Lohra und die Kemenate Orlamünde auf dem Gebiet des Burgenbaus und die Klöster in Thalbürgel, Paulinzella und Göllingen (byzantinischer Stil) sowie der Nordhäuser Dom und die Erfurter Peterskirche (ehemaliges Peterskloster). Auch die Werrabrücke Creuzburg, errichtet 1223 und damit die älteste Brücke der neuen Bundesländer, wurde im romanischen Stil errichtet.

Die Gotik war durch den Bau großer, repräsentativer Stadtkirchen geprägt. Bedeutendste Werke dieser Zeit sind der Erfurter Dom und die benachbarte Severikirche sowie die Predigerkirche und die Barfüßerkirche in der Erfurter Altstadt. Auch in anderen Städten entstanden zu dieser Zeit große Kirchbauten, wie etwa die Marienkirche und die Divi-Blasii-Kirche in Mühlhausen oder die Marktkirche in Bad Langensalza und die Jenaer Stadtkirche. Zu den größten gotischen Profanbauten gehört der Kornhofspeicher in Erfurt.

Schloss Belvedere (Barock)

Die Zeit der Renaissance führte zum Aufschwung des Bürgertums in den Städten, wovon die Bürger- und Rathäuser der damaligen Zeit zeugen. Das Altenburger Rathaus gehört ebenso wie das Geraer Rathaus und die Erfurter Bürgerhäuser Haus zum Roten Ochsen, Haus zum Breiten Herd oder Haus zum Stockfisch in diese Epoche der abendländischen Architektur. In dieser Zeit vollzog sich der Übergang vom Burgenbau zum Schlossbau, was heute in Schlossburgen wie dem Oberen Schloss in Greiz, der Burg Ranis, dem Schloss Bertholdsburg in Schleusingen oder dem Schloss Wilhelmsburg in Schmalkalden deutlich wird. Der Kirchenbau kam in Thüringen in der Renaissance angesichts der Reformation zum Erliegen.

Im Barock erlebte der Schlossbau seine Blütezeit. Es entstanden Residenzen wie die Heidecksburg oder Schloss Friedenstein, aber auch Verwaltungsgebäude wie die Kurmainzische Statthalterei, heute Thüringer Staatskanzlei, in Erfurt. Landschlösser entstanden zu dieser Zeit unweit der Residenzstädte, allein im Umfeld Weimars sind dies das Schloss Belvedere, das Schloss Tiefurt und das Schloss Ettersburg, die allesamt in der barocken Zeit des Absolutismus entstanden. Vereinzelt wurden auch Kirchen wie die Stadtkirche Waltershausen (rund), Nebengebäude von Residenzen wie die Orangerie Gotha und Wohnhäuser des Bürgertums wie das Weimarer Wittumspalais errichtet.

Zeiss-Bau 15 (Moderne)

Der Klassizismus war in Thüringen weniger prägend als etwa in Preußen. Größere Schlossanlagen aus dieser Epoche sind das Weimarer Stadtschloss und das Untere Schloss in Greiz. Vereinzelt sind auch klassizistische Kirchenbauten vorhanden, beispielsweise die Dreieinigkeitskirche in Zeulenroda. In derselben Stadt befindet sich mit dem Rathaus auch das prägendste Bauwerk des Klassizismus in Thüringen. Auf diesen Stil folgte der Historismus mit dem ein enormes Bevölkerungs- und Städtewachstum einherging, was zahlreiche Neubauten erforderte. So prägt der Historismus heute noch ganze Stadtbilder. Es entstanden unzählige Wohnhäuser und Verwaltungsbauten, aber auch Kirchen in den wachsenden Vierteln der größeren Städte. Im frühen Historismus entstand das neugotische Schloss Landsberg bei Meiningen, später folgten das Neue Museum in Weimar und das Museum der Natur Gotha. In der Endphase des Historismus vor dem Ersten Weltkrieg errichtete man neue Theater (in Weimar und Meiningen) oder auch das Volkshaus Jena.

Die Moderne begann in Thüringen während des Ersten Weltkriegs, als mit dem 42 Meter hohen Bau 15 in Jena das erste Hochhaus Deutschlands entstand. Ab 1919 wurde das Bauhaus mit Sitz in Weimar stilprägend. Unter der Leitung von Walter Gropius entstand in Weimar das Musterhaus Am Horn nach den Idealen des Bauhauses. Auch das Haus des Volkes in Probstzella ist nach den Grundsätzen des Bauhauses errichtet worden. Die Lutherkirche in Erfurt ist eines der wenigen Bauwerke im Stil des Art Déco, errichtet 1927. Um 1930 wurden im Osten Erfurts erste Quartiere mit Sozialwohnungen errichtet, die sich stilistisch an Bauhaus und Neue Sachlichkeit anlehnten. Es folgte die Architektur des Nationalsozialismus, die Vorgabe zum Bau des Gauforums in Weimar war. Nach dem Krieg wurde in der DDR der industrielle Wohnungsbau aus Betonfertigteilen dominant. Auch in der Architektur öffentlicher Bauten schlug sich dieser Trend nieder. 1972 wurde das Universitätshochhaus in Jena eingeweiht. Seit 2004 misst es bis zur Turmspitze 159 Meter. Einer der letzten Bauten der DDR war das monumentale Gebäude des Bauernkriegspanoramas („Elefantenklo“) bei Bad Frankenhausen aus dem Jahr 1987. Nach der deutschen Wiedervereinigung konzentrierte sich die Bautätigkeit auf öffentliche Gebäude wie etwa das Bundesarbeitsgericht oder das Theater Erfurt, die dem Zeitgeschmack entsprechend in Glas und Stahl ausgeführt wurden.

Zu den berühmtesten Architekten, die in Thüringen wirkten, zählen Nikolaus Gromann (Renaissance), Gottfried Heinrich Krohne (Barock), Clemens Wenzeslaus Coudray (Klassizismus), Henry van de Velde (Jugendstil) und Walter Gropius (Bauhaus Weimar).

Thüringer Rostbratwürste
Hauptartikel: Thüringer Küche

Die Thüringer Küche ist traditionell fleischlastig und eher deftig. Bekannte Spezialitäten sind die Thüringer Klöße, die Thüringer Rostbratwurst und das Rostbrätel.

Bier ist das bedeutendste Getränk in Thüringen, besonders das Köstritzer Schwarzbier ist bundesweit bekannt. Pils und andere Biersorten werden in den vielen kleinen und mittelständischen Brauereien des Landes produziert. Zentrum des Weinbaus ist die Stadt Bad Sulza im Ilmtal. Sie gehört zum Weinbaugebiet Saale-Unstrut.

Thüringen besitzt kein einheitliches signifikantes Brauchtum, vielmehr unterscheidet sich dieses von Dorf zu Dorf und von Region zu Region. Im ganzen Land begangen wird in fast jedem Dorf alljährlich die Kirmes als zentrales Dorffest. Die Mühlhäuser Kirmes ist hierbei nach eigenen Angaben die größte in Deutschland. Der Eisenacher Sommergewinn ist das größte Frühlingsfest Deutschlands, das alljährlich 3 Wochen vor Ostern mit einem großem Festzug gefeiert wird. Auch Schützenfeste sind in einigen Landesteilen ein fester Bestandteil der dörflichen Lebenskultur.

Traditionsreiche Feste sind darüber hinaus das Rudolstädter Vogelschießen, der Weimarer Zwiebelmarkt, der Erfurter Weihnachtsmarkt sowie die DomStufen-Festspiele in der Hauptstadt Erfurt.

Die gründerzeitlich geprägte Stadt Greiz

Am 30. Juni 2007 lebten 988.122 von 2.300.538 Menschen in Thüringen in Städten mit mehr als 20.000 Einwohnern. Obwohl der Verstädterungsgrad mit 42,95 % relativ gering ist und ein Großteil der Städte seit 1940 kein wesentliches Wachstum mehr erfuhr, bilden sie die kulturellen und wirtschaftlichen Zentren des Landes. Das umfangreichste kulturelle Leben spielt sich in den Städten Erfurt (Landeshauptstadt), Weimar (Europäische Kulturhauptstadt 1999) und Jena (universitäres und wirtschaftliches Zentrum) ab. Das Bild der Städte ist relativ heterogen, so zeigen einige Städte im Kern ein mittelalterliches Stadtbild. Dies gilt vor allem für Erfurt und Mühlhausen, aber auch für kleinere Städte wie Saalfeld und Schmalkalden. Ein barock-klassizistisches Stadtbild prägt die ehemaligen Residenzen wie Weimar, Gotha, Eisenach, Rudolstadt oder Meiningen. In der Zeit der Industrialisierung herangewachsene Städte wie Gera, Altenburg, Greiz oder Apolda sind durch ein gründerzeitliches Erscheinungsbild gekennzeichnet. Die Zerstörungen durch den Zweiten Weltkrieg sorgten dafür, dass Jena und Nordhausen äußerst heterogene Stadtkerne besitzen, in denen Hochhäuser und Großwohnblocks mit Fachwerkbauten abwechseln. Die Stadt Suhl erfuhr in den 1960er und 1970er Jahren einen in Thüringen beispiellosen Umbau, in dem der Großteil des Altstadtkerns entfernt und durch ein dem Zeitgeschmack der Sozialistischen Stadt entsprechendes Zentrum ersetzt wurde. Leinefelde entstand im Wesentlichen zur DDR-Zeit und stellt die einzige Planstadt dieses Typs in Thüringen dar. Prägend für viele Städte im Land ist ihre Lage in relativ beengten Flusstälern, sodass sich beträchtliche Höhenunterschiede innerhalb der Städte ergeben und der Bauplatz vielerorts begrenzt ist. Dadurch dehnen sich einige der größten Städte wie Jena, Gera, Eisenach oder Suhl über große Strecken längs eines Tales aus und nehmen dessen gesamte Breite ein.

Die Verwaltungen gehen mit historischer Bausubstanz unterschiedlich um: während einige Städte mit großem Aufwand versuchen, möglichst viel altstädtische Bausubstanz zu erhalten und damit auch Erfolge erzielten (Bad Langensalza gewann 2004 beim Wettbewerb Entente Florale Gold), messen andere Städte dem Denkmalschutz geringere Bedeutung zu. So beschloss die Stadt Gotha am 6. Juni 2007 den Abriss des geschichtsträchtigen Volkshauses zum Mohren, der im Oktober 2007 durchgeführt wurde, sowie am 13. September 2006 den Abriss des Winterpalais, der nur durch massive Proteste von verschiedenen Seiten verhindert werden konnte.

Eine Liste der städtischen Rathäuser, die oftmals bedeutende Kulturdenkmale sind, findet sich unter Liste der Rathäuser in Thüringen.

Siehe auch: Liste der Burgen und Schlösser in Thüringen
Die Wartburg

Die hügelige Landschaft mit vielen Taleinschnitten sowie die zentrale Lage im deutschen Kulturraum begünstigten schon seit dem frühen Mittelalter die Anlage von Burgen im Freistaat. Die bekannteste Burg des Landes ist die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörende Wartburg oberhalb von Eisenach. Sie war einst Sitz der Landgrafen von Thüringen und später der Ort, an dem Martin Luther vor der kaiserlichen Reichsgewalt versteckt wurde und Teile der Bibel ins Deutsche übersetzte. Später erlangte die Wartburg noch einmal Bedeutung für die liberalen und nationalen Studentenbewegungen des 19. Jahrhunderts, da hier 1817 das Wartburgfest stattfand.

Ein bekanntes Burgenensemble sind die Drei Gleichen zwischen Erfurt, Arnstadt und Gotha. Zu ihnen gehört mit der Mühlburg das älteste erhaltene Gebäude Thüringens aus dem Jahr 704. Weitere mächtige Anlagen sind die Burg Creuzburg über dem Werratal bei Creuzburg, die Leuchtenburg über dem Saaletal bei Kahla sowie die Osterburg über dem Elstertal bei Weida. Darüber hinaus besteht heute noch eine Vielzahl weiterer Burgen und Burgruinen, die in der Liste der Burgen und Schlösser in Thüringen aufgelistet werden.

Eine Weiterentwicklung der mittelalterlichen Burgen waren neuzeitliche Festungen. Mit der Zitadelle Petersberg erhebt sich in der Erfurter Altstadt eine der größten erhaltenen frühneuzeitlichen Festungsanlagen Mitteleuropas.

Schloss Friedenstein in Gotha
Residenzschloss in Sondershausen
Siehe auch: Liste der Residenzschlösser in Thüringen

Im Jahre 1918 gab es in Thüringen noch acht Monarchien mit eigener Residenz. Diese Residenzen sind heute die größten und bedeutendsten Schlösser Thüringens. Hauptsitz der Ernestiner war Weimar, wo das heute zum Weltkulturerbe zählende klassizistische Weimarer Stadtschloss ein umfangreiches Museum beherbergt. Das Schloss Friedenstein in Gotha war Sitz des Herzogs von Sachsen-Gotha und ist heute ebenfalls großenteils als Museum genutzt. Weitere ernestinische Residenzen waren das Schloss Altenburg in Altenburg und das Schloss Elisabethenburg in Meiningen. Zusätzlich unterhielt dieses Herzogsgeschlecht viele kleine Landschlösser, die in ganz Thüringen verstreut liegen. Bekannte unter ihnen sind vor allem die Dornburger Schlösser über dem Saaletal, die Schlösser Tiefurt, Ettersburg und Belvedere bei Weimar und Schloss Molsdorf bei Erfurt sowie Schloss Altenstein mit seinem großen Landschaftspark bei Bad Liebenstein.

Neben den Ernestinern herrschten in Thüringen die Fürstengeschlechter Schwarzburg und Reuß. Die schwarzburgischen Residenzen Schloss Heidecksburg in Rudolstadt und das Schloss in Sondershausen sind heute ebenso umfassende Museen wie das Untere Schloss in Greiz. Die andere reußische Residenz in Gera, Schloss Osterstein, wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Sehenswert sind auch das Schloss Burgk, ebenfalls den Fürsten von Reuß gehörig, über den Saaletalsperren sowie das Schloss Schwarzburg im Schwarzatal.

Bedeutende frühneuzeitliche Schlossanlagen älterer Herrschergeschlechter sind die hennebergische Residenz Schloss Bertholdsburg in Schleusingen, Schloss Ehrenstein in Ohrdruf sowie Schloss Wilhelmsburg in Schmalkalden als Sitz einer Nebenlinie der Landgrafen von Hessen.

Siehe auch: Liste bedeutender Kirchen in Thüringen
Dom und Severikirche in Erfurt
Gotische Marienkirche in Mühlhausen

Die bedeutendsten der etwa 2500 Sakralbauten Thüringens stammen aus der Gotik und stehen in den Zentren der historischen Städte. In Erfurt liegt mit dem Erfurter Dom die größte Kirche Thüringens, die mit der benachbarten Severikirche ein sehenswertes Ensemble bildet. Darüber hinaus stehen in der Erfurter Altstadt etwa 25 weitere, meist gotische, Pfarrkirchen, die das Stadtbild maßgeblich prägen.

Für die Gotik bedeutend sind die beiden Hauptkirchen der Reichsstadt Mühlhausen. Die Marienkirche war ein Zentrum des Bauernkriegs von 1525 und besitzt den höchsten Kirchturm im Freistaat (86 Meter). Die Divi-Blasii-Kirche war eine Wirkungsstätte des Komponisten Johann Sebastian Bach und ist die gotische Hauptkirche Mühlhausens. In Nordhausen, der zweiten Reichsstadt Thüringens, liegt mit dem Nordhäuser Dom eine der beiden Domkirchen des Landes.

Erwähnenswert in der Kirchenlandschaft sind vor allem die Oberkirche in Bad Frankenhausen mit dem um vier Meter aus der senkrechten geneigten Turm sowie die Russisch-Orthodoxe Kapelle in Weimar, die einst für Herzogin Maria Pawlowna errichtet wurde und zu den ältesten orthodoxen Kirchen Deutschlands gehört.

Die Klöster des Landes verloren im Wesentlichen mit der Reformation am Beginn des 16. Jahrhunderts ihre Macht, woraufhin viele aufgelöst wurden. Daher sind heute vor allem romanische und gotische Klosterruinen erhalten. Historisch bedeutend war hierbei vor allem das Kloster Reinhardsbrunn bei Gotha und architektonisch interessant sind die Klosterruinen in Kloster Veßra und Paulinzella. Ein bekanntes Thüringer Kloster ist das Erfurter Augustinerkloster, in dem Martin Luther einige Jahre seines Lebens verbrachte.

Die bekanntesten Denkmäler im Land sind zum einen das in der Gemarkung Steinthaleben gelegene Kyffhäuserdenkmal, ein 81 Meter hohes, weithin sichtbares Denkmal auf dem gleichnamigen Gebirge bei Bad Frankenhausen. Es wurde zwischen 1890 und 1896 als Kaiser-Wilhelm-Denkmal errichtet und ist das drittgrößte Denkmal Deutschlands.

Zum anderen ist das Goethe- und Schiller-Denkmal auf dem Weimarer Theaterplatz sehr bekannt. Es gehört zum Weltkulturerbe und zeigt die Dichter Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller. Aufgestellt wurde es 1856. Das 33 Meter hohe Burschenschaftsdenkmal bei Eisenach von 1902 erinnert an die deutschen Burschenschaften des frühen 19. Jahrhunderts, die unter anderem beim Wartburgfest von 1817 eine Rolle spielten.

Siehe auch: Sport in Thüringen

Erfolgreichste Sportler aus Thüringen sind die Oberhofer Wintersportler aus den Disziplinen Rodeln/Bob und Langlauf/Nordische Kombination/Biathlon. Sie sind bei Olympischen Winterspielen stets erfolgreich und vielfach Olympia-Sieger. Daneben sind die Eisschnellläufer und Eiskunstläufer des Eissportclubs Erfurt seit vielen Jahren international erfolgreich.

Im Sommersport ist der Fußball in Thüringen am populärsten. Die erfolgreichsten Mannschaften sind derzeit die Männer des FC Rot-Weiß Erfurt, FC Carl Zeiss Jena (beide in der Dritten Liga) und die Frauen des FF USV Jena (in der Ersten Bundesliga). Auch andere Mannschaftssportarten und die Leichtathletik werden im Land vielerorts betrieben. Der traditionsreiche Herzogliche Golf-Club Oberhof verfügt über die einzige Golfanlage Deutschlands, die unter Denkmalschutz steht.

SMS Thüringen, gebaut 1911

Neben den bundesweit gültigen Feiertagen ist in Thüringen der Reformationstag ein gesetzlicher Feiertag. Im gesamten Landkreis Eichsfeld und in bestimmten Gemeinden des Unstrut-Hainich- und des Wartburgkreises ist Fronleichnam ein gesetzlicher Feiertag.

Im Jahre 1911 lief ein Großlinienschiff vom Stapel, das auf der Bremer Weser-Werft gebaut wurde und am 12. April die Werft verließ, die SMS Thüringen.

  • ISBN 978-3-406-60523-9.
  • Reinhard Jonscher/Willy Schilling: Kleine thüringische Geschichte. Jena 2005, ISBN 3-910141-74-9.
  • Steffen Raßloff: Thüringen. Ein historischer Überblick. Erfurt 2004 (2. Auflage 2011). (PDF)
  • Jürgen John: Quellen zur Geschichte Thüringens. Landeszentrale für politische Bildung, Erfurt 1997, ISBN 3-931426-14-9.
  • Thüringen-Handbuch. Territorium, Verfassung, Parlament, Regierung und Verwaltung in Thüringen 1920 bis 1995. Herausgegeben von Bernhard Post und Volker Wahl. Weimar 1999, ISBN 3-7400-0962-4
  • ISBN 3-89807-020-4
  • Georg Dehio: ISBN 3-422-03095-6.
  • Hans Müller: Thüringen. DuMont Kunstreiseführer, Ostfildern 2005, ISBN 3-7701-3848-1.
  • Literatur von Thüringen im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
  • Thüringen-Bibliographie
  1. Statistische Ämter des Bundes und der Länder
  2. Arbeitslosenquoten im März 2012 – Länder und Kreise. In: arbeitsagentur.de. Bundesagentur für Arbeit, abgerufen am 29. März 2012.
  3. http://www.steuerzahler-thueringen.de/
  4. Pressemitteilung des Thüringer Landesministeriums für Bau, Landesentwicklung und Medien vom 15. August 2008
  5. Wetterrekorde beim DWD
  6. Geologische Landesaufnahme auf den Seiten des Geologischen Landesdienstes
  7. ISBN 978-3-510-65205-1
  8. ISBN 3-936055-09-2.
  9. Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt: Bericht zur Überprüfung des UNESCO-Biosphärenreservates Vessertal - Thüringer Wald. August 2003 (Bearbeitungsstand Oktober 2001).
  10. Ausländische Bevölkerung nach Kreisen, 31. Dezember 2010
  11. Ausländische Bevölkerung - Ergebnisse des Ausländerzentralregisters, S. 66-69
  12. Landesentwicklungsplan 2025 (Entwurf 2011)
  13. TLS
  14. TLS
  15. TLS
  16. TLS
  17. TLS
  18. W. Lösch, R. Petzold, F. Reinhold, S. Wiegand: Kleines Thüringer Wörterbuch, Reclam Verlag Leipzig, 1995, S. 6
  19. Statistisches Jahrbuch Thüringen 2008- PDF, 4,3 MB
  20.  Paul Wappler, Verein für Thüringische Geschichte und Altertumskunde (Hrsg.): Die Täuferbewegung in Thüringen von 1526-1584. Verlag von Gustav Fischer, 1913.
  21.  Christian Hege und Christian Neff: Mennonitisches Lexikon. Band 4, Eigenverlag, 1959, S. 324-327.
  22. taz
  23. MDR
  24. Der Spiegel
  25. MDR: Die Bundeswehr in Thüringen, 14. Februar 2011
  26. http://www.pds-fraktion-thueringen.de/presse/pm2009/pm141009c.html
  27. http://l4.spd-thl.de/dokumente/dok/20050919-grundsaetze-verwaltungsreform-thueringen.pdf
  28. http://www.mdr.de/thueringen/6779394.html
  29. http://www.mdr.de/thueringen/wahlen/landtagswahl/6772729.html
  30. TLUG: Umwelt regional; Bevölkerungsentwicklung
  31. www.pub.arbeitsamt.de: [1]
  32. thueringen.dgb.de: Viel Arbeit für wenig Geld - Thüringen hat bundesweit bei den längsten Arbeitszeiten die niedrigsten Löhne und Gehälter (September 2008)
  33. epp.eurostat.ec.europa.eu: Regionales Bruttoinlandsprodukt (KKS je Einwohner in % des EU-27 Durchschnitts), nach NUTS-2-Regionen
  34. Thüringer Landesamt für Statistik
  35. Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Technologie und Arbeit: Wirtschaftsbericht 2007 für den Freistaat Thüringen
  36. Neue Thüringer Illustrierte. Mai/Juni 2007, Nr. 5, S. 71
  37. Marktdaten am 17. Juni 2011 von finanzen.net
  38. Die 100 größten Unternehmen in Thüringen
  39. TLS
  40. Thüringer Landesamt für Statistik
  41. http://www.fmg-rollen.com/wiki/Bundesautobahn_71

50.86144411.052246Koordinaten: 50° 51′ 41,2″ N, 11° 3′ 8,1″ O



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Produktion

aus www.fmg-rollen.com, der freien Enzyklopädie

Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Produktion (Begriffsklärung) aufgeführt.

Produktion, (v. lat.: producere = hervor führen), Fertigung, Fabrikation, im rechtlichen Sprachgebrauch die Herstellung, ist der vom Menschen (Produzent) bewirkte Prozess der Transformation, der aus natürlichen wie bereits produzierten Ausgangsstoffen (Material) unter Einsatz von Energie, Arbeitskraft und bestimmten Produktionsmitteln lagerbare Wirtschafts- oder Gebrauchsgüter (Ökonomisches Gut) erzeugt.

Die Produktion ist Teil des Geschäftsprozesses. Eine umfassende Betrachtung der Produktion erstreckt sich nicht nur auf organisatorische und technologische Gesichtspunkte, sondern auch auf soziokulturelle und ethisch-normative Wertvorstellungen über die Arbeit, denen sie als einer der grundlegenden Vorgänge zur Deckung der menschlichen Bedürfnisse unterliegt.

Inhaltsverzeichnis

Der Begriff der Produktion ist dabei zunächst nicht auf den industriellen Bereich beschränkt, sondern bezeichnet ebenfalls die Herstellung von Gütern im Allgemeinen. Produziert wird ebenso im Handwerk, in der Land- und Forstwirtschaft und auf künstlerischem Gebiet. Dienstleistungen sind eingeschränkt produzierbar, solange ein zumindest in Maßen als Gegenstand zu begreifendes Produkt erzeugt wird (Fernsehsendung). In Verlagen bleibt die traditionelle Bezeichnung Herstellung als großer Arbeitsbereich, zuständig für Papier und Online-Organisation, Satz etc. Nicht lagerbare Wirtschaftsgüter, wie beispielsweise Elektrizität, werden dagegen in der Regel nicht ‚produziert‘, sondern bereitgestellt.

In der industriellen Produktion wird die Fertigung (von Stückgütern), die Prozessfertigung (von Fließgütern) und die Verfahrenstechnik (von Rohstoffen zu Gütern) unterschieden.

  • Unter Fertigungstechnik versteht man die Herstellung und Montage von diskreten, zählbaren Teilen. Die verschiedenen Fertigungsverfahren werden aus betriebswirtschaftlicher Sicht unterschieden nach der Fertigungsart, welche nach dem Fertigungstyp mit Anzahl der gefertigten Teile als Einteilungskriterium und der Fertigungsorganisation differenziert wird. Die Fertigungstechnik beschreibt die technischen Methoden der Fertigung.
  • In der Verfahrenstechnik wird primär die Verarbeitung von Rohmaterialien zu einem Produkt betrachtet. Dabei werden kontinuierliche und diskontinuierliche Prozesse unterschieden.

Die wettbewerbsfähige Güterproduktion in Hochlohnländern basiert auf qualifizierten Fachleuten, besonders aber auf einem hohen Technisierungsgrad. Die Produktionsforschung entwickelt Verfahren, Ausrüstungen und Produktionsstätten unter anderem für den Fahrzeugbau oder das verarbeitende Gewerbe. Besonders wichtig sind ihre Ergebnisse aber im Maschinen- und Anlagenbau, dessen Produkte über die Leistungsfähigkeit der anderen Industriezweige bestimmen.

In den letzten Jahren hat die Globalisierung der Produktion stark zugenommen. Hierbei spielen die beiden Hauptmotive Kostensenkung und Markterschließung die wichtigen Rollen. Die Arbeitskosten und die Nähe zum Markt sind deshalb die beiden relevanten Standortfaktoren für die Produktion. Erfolgreich global tätigen Unternehmen ist es fast überall auf der Welt gelungen, exzellente Produktivität und Qualität zu erreichen. Diese Unternehmen stellen sich auf die unterschiedlichen Gegebenheiten ein und nutzen die standortgerechte Fertigungstechnik und Beschäftigungsstrategie.

Die Betrachtung der Produktion ist jedoch insbesondere auf die industrielle Fertigung im Produktionsbetrieb ausgerichtet. Die Betriebswirtschaftslehre führt sie als eine der klassischen Funktionen im Betrieb (Produktionswirtschaft, Industriebetriebslehre, Technologie).

In der Volkswirtschaftslehre beschreibt die Produktionstheorie die Herleitung der Angebotskurve (Angebot (Volkswirtschaftslehre)) im Marktmodell. Von einer Technologie ausgehend, die alle technisch machbaren Kombinationen von Inputfaktoren beschreibt, lässt sich die effizienteste Faktorkombination - für gegebene Preise - herleiten (sogenannte Gewinnmaximierung). Daraus lassen sich die Faktornachfrage und das Güterangebot herleiten.

  • Faktor-Substitution: Die Faktoren können beliebig kombiniert werden, da ein Faktor einen anderen ersetzen (substituieren) kann.
  • Partielle Faktor-Variation: Im Gegensatz zur Faktorsubstitution, bei der die Ausbringungsmenge bei Änderung des Verhältnisses der Einsatzfaktoren konstant bleibt, ändert sich die Ausbringungsmenge. Partiell bedeutet ferner, dass lediglich ein Faktor geändert, der andere konstant gehalten wird.
  • Totale Faktor-Variation: Alle Produktionsfaktoren können frei eingesetzt werden (keine Restriktion).

Hinsichtlich der Faktorbeziehungen lassen sich substitutionale und limitationale Produktionsfunktionen unterscheiden. Bei substitutionalen Produktionsfunktionen stehen die Ertragsfaktoren in keiner festen Relation zu dem mengenmäßigen Ertrag. Substitionale Produktionsfaktoren können daher gegeneinander ausgetauscht werden. Hierbei ist allerdings ggf. eine abnehmende Grenzrate der Substitution zu beachten, das heißt, dass mit fortschreitender Substitution eines Produktionsfaktors ein steigender Bedarf an den anderen Produktionsfaktoren besteht, um eine Einheit des substituierten Faktors zu ersetzen.

Im Gegensatz hierzu stehen die Faktoren bei limitationalen Produktionsfunktionen in einer technisch determinierten Relation zur geplanten Produktionsmenge. Zur Erzeugung eines bestimmten Ertrages ist eine technisch genau festgelegte Einsatzmenge jedes limitationalen Produktionsfaktors erforderlich. Dies findet man häufig in der chemischen Industrie.

  • Hoitsch, H.-J.: Produktionswirtschaft. Grundlagen einer industriellen Betriebswirtschaftslehre, 2. Aufl., Vahlen 1993
  • Corsten, H.: Produktionswirtschaft, 10. Aufl., München/Wien 2003
  • Dyckhoff, H.: Produktionstheorie, 5. Aufl., Berlin 2006
  • Ebel. B.: Produktionswirtschaft, 8. Aufl., Ludwigshafen 2003
  • Fandel, G.: Produktion 1, 6. Aufl., Berlin 2005
  • Gutenberg, E.: Grundlagen der Betriebswirtschaftslehre, Erster Band: Die Produktion, 24. Aufl., Berlin/Heidelberg/New York 1983
  • Nebl, Th.: Produktionswirtschaft, 6. Aufl., München/Wien 2007
  • Produkt (Wirtschaft)
  • schlanke Produktion
  • Minimalkostenkombination
  • Kuppelproduktion
  • Fertigungsdienstleistung
  • Verlagsherstellung
  • Konstruieren (Technik)
  • Produktion von Software
  • Bereitstellen von IT-Leistungen über spezielle Produktionsumgebungen


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Fördertechnik

aus www.fmg-rollen.com, der freien Enzyklopädie

Fördertechnik für Stückgut in einem Distributionszentrum

Die Fördertechnik (FT) (engl. material handling) ist eine Teildisziplin des Maschinenbaus und befasst sich mit der Konzeption, der Auslegung, der Planung und der Ausführung von Einrichtungen zum Transport von Stückgut (Paletten, Kisten, Pakete etc.) oder Schüttgut (Sand, Erz, Getreide etc.). Der Transport von flüssigen Medien und Gasen mit Rohrleitungen ist in der Regel nicht Teil der Fördertechnik.

Unter Fördertechnik versteht man zunächst die eigentliche Technik (Förderanlagen im erweiterten Sinne einschließlich der Lagertechnik), aber auch die Prozessgestaltung beim Betrieb der Anlagen. Zum Fachgebiet Fördertechnik gehört also die Gesamtheit aller Transport-, Umschlag- und Lageraufgaben oder -prozesse sowohl in technischer als auch in wirtschaftlicher Hinsicht. Häufig wird dieser Bereich unter dem Begriff Logistik zusammengefasst.

Im Gegensatz zur Verkehrstechnik, die sich mit dem weiträumigen Transport befasst, behandelt die Fördertechnik das Fortbewegen von Gütern in abgegrenzten Betriebsbereichen wie beispielsweise Häfen, Flughäfen, im Bergbau oder auch in Industriebetrieben.

Fördertechnische Bauteile sind Seile und Flaschenzüge, Seilrollen, Seiltrommeln und Treibscheiben. Rundstahlketten, Gelenkketten, Kettenräder und Kettentrommeln werden für Kettentriebe benötigt. Fördergurte sind Hauptbauelement von Förderbändern. Fahrwerkselemente sind Laufräder und Schienen. Als Lastaufnahmemittel bezeichnet man Lasthaken, Hakengeschirre, Schäkel, Zangen und Klemmen, Kübel und Greifer. Weitere Bauelemente der Fördertechnik sind Triebwerke und Bremsen.

Weiter werden zur Fördertechnik die innerbetrieblichen Transportsysteme gerechnet. Dazu gehören Stetigförderer wie Rollenbahnen, Zellenradschleusen, Gurtbecherwerke und Gurtbandförderer sowie Unstetigförderer wie mannbediente Flurförderzeuge (Gabelstapler, Plattformwagen etc.), Krane, Automatische LKW-Verladesysteme, Fahrerlose Transportfahrzeuge (FTF), Werkstückförderer und Senkrechtförderer wie Hebetische oder Gurtheber.

In der Fabrikautomation spielen auch pneumatische Antriebe, beispielsweise zum Fördern von Halbfabrikaten und Fertigprodukten, eine bedeutende Rolle. Das pneumatische Fördersystem der Rohrpost wird heute nur noch selten eingesetzt.

  • Sorter
  • Zuführtechnik
  • Dubbel: Taschenbuch für den Maschinenbau, Berlin: Springer-Verlag 1990
  • DIN: Taschenbuch 44, Fördertechnik 1, Berlin: Beuth-Verlag 1995
  • DIN: Taschenbuch 185, Fördertechnik 2, Berlin: Beuth-Verlag 1995


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Rollen

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Rollen steht für:

  • mathematisch die Bewegung eines Punktes um eine Achse, siehe Zykloide
  • physikalisch den Abrollvorgang eines Rades oder rundlichenen Objektes auf dem Untergrund, siehe Rollwiderstand
  • die Bewegung eines Wasser- oder Luftfahrzeugs um seine Längsachse, siehe Rollen (Bewegung)
  • die Bewegung eines Flugzeuges von und zur Parkposition auf der Rollbahn eines Flugplatzes, siehe Taxiing
  • ein Darstellungverfahren für Computerbildschirme, um zu große Inhalte wiederzugeben (engl. Scrolling), siehe Bildlauf
  • ein Element auf der Computertastatur, siehe Rollen-Taste
  • ein Vorbereitungsverfahren von Lebensmitteln, siehe Wickeln (Zubereitungsart)
  • umgangssprachlich das Aussprechen eines R-Lautes als Vibrant
  • das Verkosten von Flüssigkeiten, wie Wein, siehe Verkostung
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Stückgut

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Stückgutverladung 1920
Stückgut-Spezialladung, Mini U-Boot, für Nassau, Bahamas (1964)

Stückgut bezeichnet in der Logistik alles, was sich einzeln am Stück transportieren lässt:

  • Kollo (Plural Kolli, oft auch Colli, von italienisch collo bzw. französisch colis, engl. trading unit) bezeichnet die kleinste Einheit einer Warensendung: (einzelne) Stücke, die in völlig unterschiedlicher, uneinheitlicher Form und Größe vorliegen, als Einzelstück oder Verpackungseinheit (Packstück, engl. packing unit)
  • Stück (gebräuchliche Abkürzung Stck.) bezeichnet immer Kolli derselben Art
  • Sammelgut bezeichnet die Zusammenfassung von gleichen oder verschiedenen Stückgütern zu einem Stück.

Die Stückmenge ist die Messgröße des Stückgutes, solange es noch nicht den logistischen Maßnahmen für den Transport unterworfen ist. Durch Zählen von Kolli oder Stücken wird dabei die Stückzahl als Maßeinheit der Stückmenge ermittelt, wie es etwa manuell, mit Zählwaagen oder auf elektronischem Wege geschieht.

Inhaltsverzeichnis

Abgrenzung des Begriffs Stückgut

Stückgut bezeichnet in der Logistik alles, was sich am Stück transportieren lässt, also ein Gebinde, beispielsweise Kisten, beladene Paletten, Maschinen oder Anlagenteile, Kabel-, Papier- oder Blechrollen und Fässer. Die internationale Bezeichnung ist Kollo (Plural: Kolli). Kein Stückgut ist beispielsweise Flüssiggut oder sind Gase, die ohne eigenen Behälter in die Transportfahrzeuge gepumpt werden. Sand, Kohle, Getreide und vergleichbare Feststoffe sind Schütt- oder Sauggut, sofern sie nicht verpackt sind.

Die Begriffe Stückgut und Sammelgut werden häufig als synonymes Wortpaar verwendet. Während Sammelgut jedoch die Konsolidierung von Warenströmen zur Steigerung der Gewichts- oder Raumausnutzung von Verkehrsmitteln, vor allem in speditionellen Hauptläufen beschreibt, ist der Begriff des Stückguts im Rahmen von Güterverkehrssystemen der Ebene der Objektgröße zuzuordnen.

  • In Deutschland stellte nach dem Eisenbahn-Reformtarif von 1877 das Stückgut neben dem Eilgut und der Wagenladung ein eigenes Abrechnungskriterium dar.
  • Für den Güterkraftverkehr fand sich eine legaldefinitorische Abgrenzung des Stückguts vom Ladungsverkehr hinsichtlich der Abfertigungsart im § 4 der Kraftverkehrsordnung (KVO) für den Güterfernverkehr mit Kraftfahrzeugen, in der zwischen der Übergabe zur Verladung (Stückgut) oder Bestellung eines Fahrzeuges (Ladungsverkehr) unterschieden wurde.
In der weltweiten Logistik wird Stückgut meist in Containern transportiert

Bei der Abmessung von Stückgütern gibt es im Gegensatz zu den klar definierten Gewichts- und Größenmaßen bei den Paketdiensten (vor allem bei den multinationalen Integrators) keine bestimmten Grenzwerte. Die Gewichtsgrenzen sind häufig historisch gewachsene und durch alte, nicht mehr gültige Gesetze und Verordnungen geprägt.

Die Größe von Stückgut liegt meist zwischen dem, was ein Gabelstapler transportieren kann, und den Abmessungen eines 40-Fuß-Containers bzw. der Ladefläche eines LKW. Jedoch sind größere Abmessungen unvermeidlich, wenn der jeweilige Kollo nicht in Einzelteilen transportierbar und erst am Einsatzort montierbar ist, beispielsweise im Fall von Turbinen für Elektrizitätswerke. Übergroße Stücke erfordern Großraumtransporte, welche eine Teildisziplin der Schwertransporte darstellen.

Bei der Größenabgrenzung ist grundsätzlich die Gliederung von 1877 aber auch heute noch im Güterkraftverkehr durch die Segmente Paketdienst, Stückgutverkehr und Ladungsverkehr gegeben. In den letzten Jahren hat sich der Transportmarkt weiter differenziert, so dass heute der Markt in die Bereiche Kurier-, Express und Paketdienst (KEP), Gefahrgut, temperaturgeführte Güter, Nahrungsmittel, hängende Güter und den Markt von handhabbaren und nicht handhabbaren Stückgütern eingeteilt werden kann. Die Gliederung des Transportmarktes hinsichtlich dieser Gewichtsgrenzen und der Anzahl der Nutzer verdeutlicht Abbildung 1.

Bei der Untergrenze von Stückgütern gibt es keine einheitliche Meinung. Sie ist vielmehr im Übergangsbereich zu den Kurier, Express und Paketdiensten (KEP) sowie den multinationalen Integrators festzumachen. Der Gewichtsbereich unter 20 kg wird durch das Postgesetz (PostG) im § 4 eindeutig in einen Briefbereich und einen Paketbereich gegliedert. Alle anderen Gewichtsgrenzen sind nicht (mehr) gesetzlich fixiert. Der nationale KEP-Markt orientiert sich überwiegend an der 31,5 kg Grenze mit einer Anhebung bis teilweise 40 kg bzw. 50 kg für Standardsendungen. Die gleiche Entwicklung ist auch bei den Integrators zu beobachten, bei denen eine Gewichtsanhebung von 31,5 kg auf maximal 68 kg bzw. 70 kg zu beobachten ist. Der Bundesverband Spedition und Logistik (BSL) empfiehlt ein Mindestgewicht von 50 kg, bzw. bei unpalettiert übernommenen Gütern 1.000 kg pro Lademeter. In der Speditionspraxis sind Verrechnungssätze mit Mindestgewichten von national 50 kg bis international 200 kg üblich.

Als Obergrenze lassen sich in der Literatur Gewichte von 1.500 bis 3.000 kg finden. Während die untere Grenze eher eine fehlende Trennschärfe zur Unterscheidung von Direktabholung resp. Direktzustellung vermuten lässt, wird von vielen Speditionen ein Gewicht von 2.500 kg veröffentlicht, die auch in der amtlichen Statistik beim gewerblichen Fernverkehr angesetzt werden. Die Preisempfehlungen des BSL setzen bei Stückgütern eine Obergrenze von 3.000 kg an.

Marktführer im Stückgut-Segment ist die Kemptener Spedition Dachser. Zu den Top-Ten-Stückgut-Dienstleistern gehören neben DB Schenker und DHL Logistics auch die Kölner Spedition Emons (Stand 2007).

Unter Stückgut kann somit eine Sendung verstanden werden, die zwischen Absender und Empfänger im Haus-zu-Haus Verkehr befördert wird, und ein Gewicht zwischen 50 kg und 2.500 kg hat, die zulässige Nutzlast des verwendeten Fahrzeuges sowohl vom Volumen als auch vom Gewicht nicht vollständig ausnutzt und somit in der Regel mit anderen Sendungen zusammen befördert wird.

Häufig besteht eine Lieferung an einen Kunden aus mehreren einzelnen Teilen. Diese werden zur besseren Handhabung im Transport zu größeren Packstücken (Kollo) zusammengefasst, etwa in Kartons verpackt. Diese Packstücke werden schließlich als einzeln zu handhabende Stücke beispielsweise in einen LKW verladen und beim Kunden wieder ausgeladen.

Die Anzahl der Kolli wird in der Regel auf dem Frachtbrief angegeben. Nur diese, nicht der Inhalt der Kolli, kann und sollte vom Spediteur beim Aufladen überprüft werden; denn er haftet in der Regel für verloren gegangene Ware und sollte daher sicher sein, auch alles eingepackt zu haben.

Zur Überprüfung der Vollständigkeit einer Lieferung wird in der Regel auf dem Lieferschein die Anzahl der Kolli angegeben. So kann sofort nach dem Entladen eine erste Vollständigkeitsprüfung durchgeführt und sichergestellt werden, dass beispielsweise kein Kollo auf dem LKW vergessen wurde.

Stückgut kann auf Pritschenwagen, geschlossenen Lastkraftwagen, in Containern oder im Laderaum von Flugzeugen transportiert werden und erfordert keine speziellen Transportbehälter.

Stückgut wurde früher auf Stückgutschiffen und in Stückgutwaggons, u.a. im Stückgut-Schnellverkehr, transportiert. Heute verwendet man hierfür fast nur noch Container, die sich in verschiedenen Verkehrsmitteln einfach transportieren lassen.

Für Stückgut gelten spezielle Vorschriften der Ladegutsicherung.

Hauptartikel: Transportnetzstruktur

Besonders im Sammelgut- und Stückgutverkehr ergibt sich durch die zunehmenden Bedeutung der Logistik als Wettbewerbsfaktor für Industrie und Handel, die Notwendigkeit, flächendeckende Dienstleistungen anzubieten. Plangesteuerte Distributionsverfahren gelten als veraltet, zentrale Distributionsstrategie erfordern jedoch niedrige Transportkosten und kurze Laufzeiten. Laufzeitunterschiede im „Europa mit Grenzen“ waren und sind bei osteuropäischen Verkehren auch heute noch plausibel und allgemein akzeptiert. In Zentraleuropa hingegen werden nur noch Entfernungsunterschiede akzeptiert. Der Netzstruktur, als ein wesentlicher Einflussfaktor, kommt daher eine besondere Bedeutung zu.

Netzwerkstrukturen entstehen durch die Anordnung von Knoten (Quellen und Senken von Ladungen) und deren Verknüpfung über Kanten (Netzwerkprozesse). Knoten stellen somit Lagerorte und Kanten Transporte dar. Eine Charakterisierung kann über die drei Kriterien Stufigkeit, Dichte (Anzahl der im Netzwerk verbundenen Depots) und Dislozierung (räumliche Verteilung) erfolgen.

Das Marktvolumen ist auf Grund einer schwierigen Datenlage nur eingeschränkt bewertbar. 1996 betrug die beförderte Gütermenge im Stückgutverkehr 41 Mio. Tonnen , was 1,4 % der gesamten Gütermenge bedeutet. Vergleiche mit Paketdiensten können nur schwer gezogen werden, da hier das Sendungsaufkommen in Paketanzahl erfasst wird. Der im Stückgutverkehr erwirtschaftete Umsatz beläuft sich nach Lorenz auf 12 Mrd. DM, wobei aktuelle Schätzungen 14 Mrd. DM angeben. Zu signifikanten Unterschieden im Umsatz gelangt die Marktstudie der Universität Erlangen, wonach schon die Top 50 Unternehmen einen Umsatz im Sammelgutbereich von fast 30 Mrd. DM erwirtschaften.

Infolge der Reduzierung von Lagerbeständen in Industrie und Handel und der damit verbundenen Steigerung der Lieferfrequenz Logistikeffekt, kann es zu erhöhtem Aufkommen an Stückgutverkehren kommen. Da Stückgutverkehre jedoch wiederum mit höheren Kosten verbunden sind, wird mit Konzepten wie z. B. milkrun) versucht Belieferungen zu bündeln. Eine weitere Steigerung des Aufkommens ist mit der Internationalisierung von Unternehmen und der Vernetzung der Produktionsstandorte zu erklären.

Die Sammelgutbranche ist aufgrund der sammelgutaffinen Entwicklungstendenzen zu kleineren Größen und Gewichten grundsätzlich als Wachstumsbranche zu bezeichnen.

Siehe auch: Paneuropäischer Stückgutverkehr

Als Teilmenge der logistischen Dienstleistungen finden Stückgutverkehre zwischen den Produzenten und dem Nachfrager statt. Somit können allgemeine Modelle, wie z. B. das Modell der „blauen Banane“ herangezogen werden. Bei diesem Modell werden Aktiv- und Passivräume in Europa dargestellt. Die überwiegend zwischen und innerhalb dieser und den angrenzenden Regionen stattfindenden Transporte bestimmen die räumliche Struktur der Stückgutverkehre. Ein weiteres Modell zur Beschreibung von Stückgutverkehren basiert auf der Erreichbarkeit einer Region. Hier kann z. B. der Peripherieindex herangezogen werden. Bezogen auf die Bevölkerung und den LKW zeigt eine positive Erreichbarkeit für Zentralpolen und Westungarn, die vergleichbar mit Norditalien und Zentralfrankreich ist. Eine von Miebach Logistics durchgeführte Studie zur Standortwahl in Ostmitteleuropa (1998) nennt Posen, Prag, Brno und Bratislava als ideale Standorte für nationale oder regionale Distributionslager.

Die meisten Speditionen sind in Bünden organisiert (z. B. VTL (Vernetzte-Transport-Logistik GmbH); 24plus logistics network; CTL; CargoLine; IDS; S.T.a.R., Systemgut; System Alliance). Diese Bünde arbeiten mit Güterverteilungszentren an Verkehrsknotenpunkten (Verteilerzentren). Ähnlich wie bei Paketdienstleistern überspannt ein Netz aus Linienverkehren und Knotenpunkten den gesamten Zustellungsbereich, so können die Lastkraftwagen optimal eingesetzt und ausgelastet werden. Diese Art von Logistik nennt man "Systemverkehr".

Beispielhaft für den Systemverkehr ist z. B. der Warenumlauf bei großen Handelsketten wie Kaufland. Das für den Bereich Schweinfurt / Kitzingen zuständige Warenlager befindet sich in Donnersdorf. Lkws eines bei Kaufland beschäftigten Fuhrunternehmens liefern beispielsweise Stückgut (z. B. Wein und Kleidung) von diesem Verteilerzentrum nach Südfrankreich, der Lkw nimmt dort eine andere Ware auf, liefert nach Nordspanien und kehrt dann wieder mit Ware, deren Zielort in Mitteleuropa liegt, zurück zum Ausgangspunkt. Leerfahrten werden so notwendigerweise vermieden. Diese Route wird regelmäßig gefahren, sie ist deshalb ein Linienverkehr. Natürlich trifft dies auch auf Stückgut aller Art zu, der ständige Kostendruck auf die Fuhrunternehmer zwingt diese zu Rationalisierungsmaßnahmen, Stückgut kann nun also nicht mehr einzeln geliefert es muss gemeinsam mit Stückgut,bzw. anderer Art der Ladung, zu einer großen Sendung zusammengefasst werden. Die mittlerweile beinahe täglich zwischen großen Städten pendelnden Linienverkehre ermöglichen so eine kosteneffiziente Methode des Transports.

[Bearbeiten] Andere Transportgüter

  • Frachtgut
    • Containergut
    • Flüssiggut
    • Greifergut
    • Massengut
    • Sauggut
    • Schüttgut


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Schüttgut

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Schüttgut (Begriffsklärung) aufgeführt.
Siloanlage Schüttgüter
Sand gehört zur Klasse der Schüttgüter

Der Begriff Schüttgut bezeichnet ein körniges oder auch stückiges Gemenge, das in einer schüttfähigen Form vorliegt. Bestimmt werden die Eigenschaften von Schüttgut durch die Korngröße und der Kornverteilung, sowie die Schüttdichte, den Schüttwinkel, die Feuchtigkeit und der Temperatur.[1]

Schüttgüter werden in zwei Gruppen unterschieden:

  • kohäsionlose, freifließende Schüttgüter
  • kohäsive, zusammenhaltende Schüttgüter

Die Bezeichnung „Schütten” ist ein aus den DIN-Normen des Transportwesens und der Verfahrenstechnik definierter Begriff mit dem Umgang von Schüttgütern. Eine Schüttung, insbesondere die lose Schüttung, bezeichnet Güter, die sich in einem Behältnis frei bewegen können oder nicht anderweitig in ihrer Lage gesichert sind.

Die Schüttgutmechanik beschäftigt sich mit Lager- und Transportbedingungen von Schüttgütern wie Schüttwinkel (Reibungswinkel), Ausflussverhalten von Silos, Fluidisierung und Schüttdichte. Nach Überschreiten einer Aktivierungsenergie können sich Schüttgüter wie ein Fluid verhalten, also fließen. Die Partikel bleiben dabei im Wesentlichen erhalten oder verändern ihre Form auf dem Transportweg nicht. Die wichtigste Kenngröße hierfür ist die Rieselfähigkeit. Physikalisch behandelt werden die Eigenschaften von Schüttgut in der Theorie der granularen Materie.

Inhaltsverzeichnis

Salz als Berg (Halde) aufgeschüttet

Zu den Schüttgütern zählen Baustoffe wie beispielsweise Oberboden, Sand, Kies und Zement sowie Rohstoffe wie etwa Erz, Kohle oder Streusalz. Weiterhin gehören Lebensmittel wie Getreidesorten, Zucker, Salz, Kaffee und Mehl zur Gruppe der Schüttgüter. Pulverförmige Güter wie Pigmente sowie Füllstoffe, Granulate und Pellets lassen sich ebenfalls zuordnen.

Schüttgüter werden aufgrund ihrer Stoffeigenschaften oftmals in Silos oder Bunkern gelagert. Je nach Stoffeigenschaft unterscheidet man freifliessende und zusammenhaltende Schüttgüter. Erstere sind problemlos mit beispielsweise einer Zellenradschleuse oder mithilfe eines Schiebers auszutragen. Bei schwierigen (komplexen) Schüttgüter beispielsweise bei kohäsiven, hygroskopischen, entmischenden, schießenden, nicht fließfähigen oder pastösen Schüttgüter ist die Austragung (speziell die genau dosierte), mehr als anspruchsvoll. Stoffe mit den beschriebenen Eigenschaften können problemlos mit einem Kippbalkenboden ausgetragen werden. Ware, die witterungsunempfindlich ist, kann auch im Freien gelagert werden. Bei der Beförderung unterscheidet man kontinuierlichen, also ununterbrochen fließenden, und diskontinuierlichen Transport.

Zu den kontinuierliche Transportverfahren zählen einfache Einrichtungen wie Schläuche und Rohre (so genannte pneumatische Förderung), aber auch komplexe Systeme wie Bandstetigförderer (Muldengurtförderer, Fördergurt), Kettenstetigförderer, Schwingförderer und Becherwerke sowie Zellenradschleusen zum Austragen und Eindosieren. Des Weiteren dient die Doppelpendelklappe zur Beförderung von grobem Schüttgut. Diskontinuierlicher Transport erfolgt bei Schüttgut-Silos oder -Bunkern (etwa bei Schiffen, dort auch als Stürzgut bezeichnet) in Mulden- und Hochbordfahrzeugen (Straße und Schiene) sowie in Silowagen, Silofahrzeugen, Sattelauflieger mit Schiebeboden und als Sackware oder in Bigbags.

In der Schüttguttechnik beschäftigt man sich mit der funktionsgerechten Auslegung von Apparaten der mechanischen Verfahrenstechnik, insbesondere Silos. Durch Kenntnis experimentell ermittelter Schüttguteigenschaften ist eine Siloauslegung mit dem Ziel der Vermeidung von Ausflussstörungen, wie Schachtbildung, Brückenbildung oder Entmischung möglich.

Experimentell ermittelte Eigenschaften sind:

  • die Schüttgutfestigkeit,
  • die Schüttdichte,
  • der effektive Reibungswinkel,
  • der Wandreibungswinkel
  • Transportgut
  • Sauggut
  • Massengut
  • Stückgut
  • Füllgut
  1. Schüttgut Tagung
  • Dietmar Schulze: Pulver und Schüttgüter, Fließeigenschaften und Handhabung, 508 S. m. 350 Abb., Springer Verlag Berlin, ISBN 978-3-540-34082-9
  • DIN EN 1991-4: Einwirkungen auf Tragwerke - Teil 4: Einwirkungen auf Schüttgut-Silos Deutsche Fassung EN 1991-4:2006, 119 S., Beuth Verlag GmbH
  • Schulze: Pulver und Schüttgüter: Fliesseigenschaften und Handhabung. Springer 2006
  • Dietmar Schulze: Pulver und Schüttgüter, Fließeigenschaften und Handhabung, 377 S., Springer Verlag Berlin, ISBN 3-540-34082-3


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